Sansibar

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Enge Gassen und endlose Strände

Diese eigene Welt aus 1001 Nacht liegt nur etwa 35 Kilometer vom Festland Tansanias entfernt. Einmal angekommen ist man schnell verzaubert. Die Altstadt, Stone-Town, wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Ein paar Tage in dieser Stadt und man fühlt sich in eine längst vergangene Zeit versetzt.

Schon die Überfahrt mit der Fähre von Dar es Salam nach Sansibar ist ein Erlebnis. In der Wartehalle steht die Luft, Fliegen schwirren um den Kopf und nerven und die Hitze ist unerträglich. Endlich kommt die Fähre. Dicht gedrängt und voll beladen mit Lebensmitteln und Lebendem, warten die Reisenden in der heißen Sonne am Steg. Dann endlich haben alle ankommenden Passagiere das Boot verlassen und wir können einsteigen. Die zwei Stunden Überfahrt vergehen wie im Fluge. Auf den Fernsehapparaten läuft ein alter Film, Ton gibt es nur für die Reisenden in den ersten Reihen. Oben an Deck drängen sich die Frischluft-Suchenden, finden ein Plätzchen zwischen all den Paletten, Koffern, Paketen, Taschen und einem im kleinen Käfig aufgeregt flatternden Huhn. Der Wind weht einem um die Nase und die Aussicht auf das türkisblaue, endlose Meer ist atemberaubend. Wir passieren kleine Inseln mit weißen Stränden und einfache Fischerboote mit großen Segeln passieren uns. 

Stone Town

Dann erhaschen wir den ersten Blick auf Stone-Town. Dicht gedrängt stehen imposante festungsähnliche Häuser entlang des Wassers. 

Wir gehen von Bord und unser Inselabenteuer beginnt. Sansibar ist eine Inselgruppe, aber zugleich auch der Name der größten Insel. Sansibar Stadt ist die Hauptstadt und Stone-Town das bekannteste, historische Viertel der Stadt. Die Hauptinsel, Sansibar, wird in Swahili auch Unguja genannt. Zwei weitere große Inseln dieser Gruppe sind Pemba und Mafia. 

Obwohl wir auf dem Festland Tansanias schon eingereist sind, müssen wir auf Unguja erneut die Einreise- und Zollformulare ausfüllen. Wir bekommen einen Stempel in unseren Pass – Zanzibar Sea Port TANZANIA.

Nun sind wir offiziell und verlassen das Hafengebiet. Unzählige Führer und Fahrer warten darauf, mit den ankommenden Touristen Geld zu verdienen. Unser Hotel liegt, laut Beschreibung, nicht weit vom Hafen entfernt. Da wir aber den Weg nicht kennen, nehmen wir einen Führer und werden, für umgerechnet etwa fünf Euro, zu unserem Hotel gebracht. Die Leistung wäre sicherlich nur zwei Euro wert gewesen, da sich herausstellt, dass wir um zwei Ecken laufen und schon vor unserer Unterkunft stehen.

Unser Boutique Hotel, Zanzibar Palace, versetzt uns gleich in eine ganz andere Welt. Arabisch und indisch angehaucht können wir das besondere Flair, nicht nur des Hauses, sondern der ganzen Stadt fühlen. Über ein enges, steiles Treppenhaus gelangt man zu den insgesamt nur neun Zimmern, je drei auf einer Etage. Die Zimmer sind alle individuell eingerichtet und dekoriert. Antike Möbelstücke, Himmelbetten und warme Farben verstärken dieses Gefühl, in eine andere Welt eingetaucht zu sein. 

Draußen im Schatten der engen Gassen lassen wir uns treiben. Wir schlendern den Nachmittag ohne Ziel durch Stone-Town, bewundern die prächtigen Häuser oder zumindest das, was von dieser ehemaligen Pracht noch erhalten ist. Die geschnitzten Holztüren, für die diese Stadt so berühmt ist, sind einfach faszinierend. Und wir machen mehr Fotos, als je irgendjemand von Türen anschauen möchte. Aber jeder Eingang ist so individuell und besonders, dass wir einfach nicht stoppen können. Es gibt glänzende, mit Gold verzierte und gepflegte Türen neben anderen, die schon Jahre lang keine Farbe mehr gesehen haben und all der Glanz und die Pracht erloschen sind, aber trotzdem auf ihre Weise faszinieren. 

Rechtzeitig zum Sonnenuntergang begeben wir uns zum Africa House Hotel. Man hat uns erzählt, dass es hier den besten Blick auf den Sonnenuntergang gibt. Und wie wahr! Die Bar auf der Dachterrasse des Hotels ist gut gefüllt, aber nicht überlaufen. Alle warten wir gemeinsam auf den Sonneuntergang mit unserem Sundowner in der Hand. Kein Wölkchen ist am Himmel und rechtzeitig, kurz bevor die Sonne im Meer versinkt, fährt noch eine Dhow, ein typisches Holzsegelboot, malerisch in den Sonnenuntergang hinein. Was für ein Fotomotiv. 

Den nächsten Tag haben wir zum Museumstag erklärt. Wir starten mit dem „Palace Museum“. Direkt an der Uferstraße fällt dieses weiße, mächtige Gebäude gleich auf. Ursprünglich nannte man es den Sultans Palast, wurde es doch für Mitglieder der Sultansfamilie in 1890 gebaut. Ab 1964, als der Sultan enttrohnt wurde, zog ein Teil der Regierung hier ein. 1994 wurde es dann zum Museum, das sich bis heute der Geschichte der Sultane auf Sansibar widmet. Es zeigt unter anderem Möbelstücke aus der damaligen Zeit, die erstaunlich gut erhalten sind. Ein großer Teil widmet sich der faszinierenden Geschichte der Prinzessin Salme, die für großes Aufsehen sorgte, als sie 1866 mit einem deutschen Kaufmann nach Hamburg durchbrannte. Ihre Geschichte schrieb sie damals in einem Buch nieder: „Memoirs of an Arabian Princess of Zanzibar“. 

 

Nicht weit entfernt vom „Palace Museum“ liegt das „Beit al Ajaib“ (House of Wonders). Dieser Ort gibt aufschlussreiche Informationen über die Geschichte und die Kultur der Insel. Nicht nur die Ausstellungen sind interessant, sondern auch das Haus an sich. Mit seinen weiten, großen Balkonen dominiert der strahlend weiße Bau die Hafenpromenade. Es war das erste Haus auf Sansibar mit elektrischem Licht und eines der ersten in Ostafrika mit einem elektrischen Aufzug, daher auch der Name „House of Wonders“.

Von den Balkonen, die einmal rund herumführen, hat man faszinierende Ausblicke auf den Hafen, das Meer, die Festung nebenan und ganz besonders auf die Altstadt. Hier oben ist auch ganz deutlich sichtbar, wie viele Häuser vom Zerfall bedroht sind, wenn nicht sogar schon unrettbar zerstört. Die Natur hat an vielen Stellen die von Menschenhand geschaffenen Bauten zurückerobert. Es wächst Gras und es sprießen Bäume, wo früher Familien einmal ein Dach über dem Kopf hatten. 

Ein paar Schritte weiter bietet sich der Innenhof der alten Festung für eine Verschnaufpause an. Rund um das Amphitheater, in dem regelmäßige Veranstaltungen stattfinden, haben sich kleine Geschäfte mit Kunsthandwerk angesammelt. Man kann den Malern zuschauen, wie ihre Bilder entstehen. Mit groben Pinseln bringen sie die Hintergrundfarben auf die Leinwände, auf denen später zierliche, Massai-ähnliche Figuren mit Speeren auf die Jagd gehen werden. 

Uns lacht in diesem Moment mehr das kleine Café an, das erfrischende Getränke serviert und Sitzgelegenheiten unter schattigen Bäumen bietet.

Wir wollen noch weiter und müssen tiefer in die verwinkelten Gassen vordringen. Nach einer Weile des Herumirrens, finden wir unser Ziel – das Hamamni Badehaus. Dies war das erste öffentliche Badehaus auf Sansibar. Gebaut wurde es von 1870 bis 1888. Es ist lange nicht mehr in Betrieb, aber ein netter Sansibari sitzt an der Tür und führt Besucher gerne herum. So verwinkelt wie die Gassen der Altstadt, ist auch dieses Badehaus. Wir gelangen tiefer und tiefer in das Gebäude, welches von außen nicht groß erscheint. Die bis in kleinste durchdachte Bauweise ist beeindruckend: Versteckte kleine Nischen für die Schuhe und für Kleidung; große Erker, in einem Kreis angeordnet, die als Umkleidekabinen dienten oder dem Barber Arbeitsfläche boten; ein Massageraum, ein Dampfbad, ein Kühl- und ein Wärmeraum, Duschen und ein Kaltwasser Pool. Wärme wurde damals durch ein unterirdisches Heißwasser System erzeugt. 

Mit einem kleinen Trinkgeld verabschieden wir uns von unserem Führer und müssen nun wieder unseren eigenen Weg durch die Gassen der Stadt finden. 

Nach diesem Ausflug in die Badekultur des vergangenen Jahrhunderts wartet nun eher schwere Geschichte auf uns. Am Sklavenmarkt führt uns der Guide zuerst in den Keller hinunter. Dunkel, stickig und unbeschreiblich eng ist es hier und wir fühlen uns gar nicht wohl. Als wir hören, dass hier die Sklaven eng gepfercht oft tagelang ausharren mussten, bis sie auf dem Markt verkauft wurden, sehnen wir uns nach Frischluft. 

Draußen wieder angekommen, werden zwar die Geschichten erst einmal nicht besser, aber das Atmen fällt wieder leichter. In der anglikanischen Kirche, die heute genau an der Stelle steht, wo früher der Hauptumschlagplatz für die Sklaven war, hebt sich die Stimmung langsam wieder, weil wir endlich in der Geschichte am Ende der Sklaverei auf Sansibar angelangt sind. 

Entpannung im Spa

Nach einer Stunde der Belastung für Körper und Geist möchten wir einfach versuchen, unsere Gedanken und den Körper wieder zu reinigen und zu befreien. Wir schlendern zurück zum Hotel und buchen eine Massage in einem modernen „Badehaus“, einem Spa. Im Hotel werden wir abgeholt und durch die engen Gassen zu einem alten Gebäude geführt. Außen schaut es sehr trist und heruntergekommen aus.  Innen begrüßt uns freundlich und herzlich eine Dame am Empfang des Mrembo Spa, einem traditionellen Spa, das nur lokale Blumen, Kräuter und Gewürze bei den Behandlungen verwendet. Wir genießen einen leicht scharfen Ingwer-Zitronengras Tee und werden dann gemeinsam in einen abgedunkelten, mit Kerzen erleuchteten, Raum geführt. In leichte, orientalische Tücher gehüllt, beginnt unsere Entspannungsstunde. Zwei Damen erfrischen unsere Füße, die uns den ganzen Tag durch die Gassen der Stadt getragen haben. Herrlich! Bei leiser, beruhigender Musik und exotischen Düften erhalten wir eine wohltuende Massage. Der Höhepunkt ist ein Gewürznelken-Ganzkörper Peeling. Dieses versetzt den eigenen Körper in leichte Hitzewallungen und schenkt ihm verloren gegangene Energie zurück. Es stärkt und erfrischt uns. Nachdem wir geduscht haben und all die Gewürznelken und den Schlamm heruntergewaschen haben, fühlen wir uns prächtig. 

Wir sind uns sicher, dass wir den Weg zurück zum Hotel alleine finden… Die Gassen werden zum Irrgarten und wir brauchen eine ganze Weile, bis wir unsere Unterkunft wieder gefunden haben. Aber so entspannt und neu erfrischt macht uns der kleine Umweg überhaupt nichts aus. 

Am nächsten Tag heißt es Abschied nehmen von dieser beeindruckenden und mitreißenden Stadt. Wir fahren in den Norden und werden noch ein paar Tage im Hotel am Strand verbringen. 

Strandzeit

Gebucht haben wie die „Mnarani Beach Cottages“. Das Haus bietet Bungalows ohne Klimaanlage, ein Haus zur Selbstverpflegung und das „Zanzibar House“, in dem die Zimmer mit Klimaanlage ausgestattet sind. Wir gönnen uns den kleinen Luxus eines gekühlten Zimmers. Mnarani heißt auf Swahili Leuchtturm. Der Name ist Programm: Das Hotel liegt direkt neben dem Leuchtturm in Nungwi, am nördlichsten Zipfel der Insel. 

Die Anlage ist idyllisch, ruhig und direkt am Strand gelegen. Auf einer großen Holzterrasse, die über dem Meer zu schweben scheint, stehen Liegen, Hängematten und schwingende Holzbetten in luftigen, offenen reetgedeckten Hütten zur Verfügung. Bei Flut schlagen die Wellen unter der Holzterrasse an die Felsen. Der Blick von hier oben auf das türkisblaue Meer ist einfach atemberaubend. Wir schnorcheln und entdecken die farbenfrohe, lebendige Unterwasserwelt mit leuchtendroten und blauen Seesternen. Eine andere Welt, die uns so fasziniert, dass wir einen Bootsausflug zum vorgelagerten Riff machen. 

Direkt neben dem Leuchtturm liegt das Mnarani Natural Aquarium. In einem natürlichen Gezeiten-Pool tummeln sich die Hawksbill Turtles (Deutsch: Karettschildkröten). Die Schildkröten waren auf der Insel vom Aussterben bedroht und so eröffnete man 1993 dieses besondere, natürliche „Aquarium“. Seitdem steigt die Schildkröten Population in den Gewässern rund um Sansibar wieder stetig an. Mit etwas Glück begegnet man ihnen vielleicht auch beim Schnorchel.

Noch zwei Tage genießen wir das kristallklare Wasser, das Nichtstun und die Idylle der Insel. Dann heißt es Abschied nehmen. 

Es ist kaum vorstellbar, dass wir nur acht Nächte auf Sansibar verbracht haben. Die vielen Eindrücke, die Erholung und die engen Gassen Stone-Towns haben uns verzaubert. Wir kommen sicher einmal hierher zurück, in diese Welt aus 1001 Nacht.