Mauritius mit Frühstück und Mietwagen

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Die Insel im Indischen Ozean ist bekannt für seine traumhaften Strände und all die luxuriösen Hotelanlagen. Wir aber wählen bescheidenere Gästehäuser und Mietwagen für unsere zwei Wochen Trauminsel. 

Es ist der 25. Dezember und wir sind mit unserem kleinen grünen Chevrolet Spark unterwegs. Wir haben ihn liebvoll „Sparky“ getauft. Leider ist mein Mann viel zu groß (oder Sparky viel zu klein), dass er hinter dem Steuer Platz nehmen und auch noch fahren könnte. Also bin ich, ohne wirkliche Wahl, der Fahrer für unseren Urlaub. Dies führt zu einigen heftigen Diskussionen. Ich finde, ich passe mich dem Fahrstil der Mauritianer an. Mein Mann findet das überhaupt nicht und meint, ich rase viel zu schnell. Öfter kommt es soweit, dass ich am Straßenrand anhalte und ihn vor die Wahl stelle, entweder zu schweigen oder auszusteigen. Nach den ersten paar Tagen kommt Ruhe in unseren Sparky und wir diskutieren immer weniger meinen Fahrstil. Liegt es nun daran, dass ich wirklich anders fahre, mein Mann sich an meinen Fahrstil gewöhnt hat oder will er einfach keine weitere Angst zeigen und tapfer sein? Egal, hauptsache Frieden. 

Wie gesagt, es ist der 25. Dezember und wir sind seit zwei Tagen auf der Insel und wollen das Landesinnere erkunden. Eigentlich hatten wir uns vorgestellt, heute in den Bergen mit schönem Ausblick ein gemütliches Mittagessen einzunehmen. Daraus wird nichts. Alle Lokale an denen wir vorbeifahren, es sind nicht viele, haben geschlossen – Weihnachtsferien. Auch wir haben Ferien. Wohin sind all die Einheimischen verschwunden? Sie wohnen und arbeiten doch auf einer traumhaften Insel, warum flüchten sie? O.k., o.k. jeder braucht einmal Urlaub, aber doch nicht gerade dann, wenn auch wir Urlaub und somit unsere speziellen Vorstellungen und Erwartungen haben. 

Ganz spontan gibt es heute also kein Mittagessen. Dafür werden wir auf unserem Spaziergang durch den Naturpark „La Vallée des Couleurs“ bei Chamouny, ganz im Süden, mit wunderschönen Ausblicken gesättigt. Saftige grüne Hügel und Berge, rauschende Wasserfälle, kräftig blühende Blumen und viel, viel Sonne. Es gibt ein kleines Feld farbiger Erde, dass schon erahnen läßt, wie schön unser nächster Programmpunkt sein wird. 

Wir fahren nach Westen zum Park „Terres des Coulours“ (Park der farbigen Erde) bei Chamarel. Dieser Park ist für seine in sieben verschiedenen Farben leuchtende Erde bekannt und ein Muss bei einem Urlaub auf Mauritius. Wie eine Mondlandschaft liegt das große bunte Feld inmitten des dichten Waldes. Verschiedenste Farbtöne von Rot und Braun zieren die hügeligen, ausgewaschenen Erhebungen vor uns. Es ist bewölkt, aber wann immer die Sonne ihren Weg durch die Wolkendecke findet und die bunte Erde bescheint, leuchten die Farben gleich noch viel prächtiger. Der Anblick ist beeindruckend! Weniger beeindruckend ist die Tatsache, dass auch das Restaurant hier im Park geschlossen ist. 

Da wir nicht unbedingt der Fan von großen Strandhotelanlagen sind, habe wir uns in einem kleinen Gästehaus in La Gaulette eingemietet. Zumindest für die ersten Tage. „La Reine Créole“, die kreolische Königin ist ein hübsches, persönlich geführtes Frühstückshotel. La Gaulette ist ein kleiner Ort im Südwesten der Insel, in den sich nicht viele Touristen verirren. Am Meer gibt es keinen Strand und auch keine Promenade, hier reihen sich einfache Hütten aneinander, in denen einheimische Familien leben. Aber mit unserem Sparky überhaupt kein Problem, wir sind flexibel. Der nächste weiße Traumstrand befindet sich auf der Halbinsel Le Morne, nur wenige Fahrminuten von La Gaulette entfernt. Zu Fuß können wir im Ort sogar ein kleines Restaurant erreichen, das auch geöffnet ist. „La Kaz Do“ hat eine schmale Terrasse und eine kleine Karte, aber sehr gutes Essen und freundliche, zuvorkommende Bedienungen. 

Von unserer Terrasse in der „kreolischen Königin“ haben wir einen freien Blick auf den Berg „Le Morne Brabant“. Dieser ist 556 m hoch und wurde von der UNESCO 2008 zum Weltkulturerbe ernannt. Zu Zeiten der Sklaverei auf Mauritius flüchteten viele Sklaven auf diesen Berg, um sich in Freiheit zu verstecken. Der Berg ist sehr steil und schwer zugänglich. Es kam vor, dass sich die Sklaven in der Not lieber vom Berg in den Tod stürzten, als wieder in die Gefangenschaft zurückzukehren. 

Wir fahren heute noch einmal ganz frei in die Berge und besichtigen die „Rhumerie de Chamarel“. Wenn man durch die Landschaft der Insel dahinfährt, fällt einem auf, dass bestimmt 80 % der Fläche mit Zuckerrohr bewachsen ist. Somit ist klar, dass all dieser Zuckerrohr auch verarbeitet werden muss, wie hier in Chamarel und dies sehr stilvoll. Diese besonders eindrucksvoll gebaute Rumdestillerie bietet Besuchern einen Einblick in das Handwerk der Brennerei und ein einladendes Restaurant, das sogar zwischen den Jahren geöffnet ist. Wir nutzen diese Gelegenheit natürlich sofort und genießen ein köstliches Mittagessen, eine Flasche südafrikanischen Wein und zum Abschluss einen mauritianischen Rum. 

Weiter durch die Berge fahren wir zum Grand Bassin, einem Kratersee. Entlang des Ufers zieren viele kleine Opferschreine, bunte hinduistische Götterstatuen und einige Tempel den See. Dies ist die heiligste Hindustätten auf Mauritius. Viele Gläubige pilgern barfuß von ihrem Haus zum See, der auch „Ganga Talao“ – See des Ganges genannt wird. Nicht direkt am See, aber ganz in der Nähe ragt eine etwas über 30 m hohe Shivastatue in den Himmel. Shiva ist einer der wichtigsten Götter im Hinduismus. Der Hinduismus ist auch die am meisten verbreiteste Religion auf der Insel. 

Auf dem Rückweg halten wir noch an zwei kleinen Buchten an, die uns besonders gefallen und ganz verlassen sind. Das ist das herrliche an einem Urlaub mit eigenem Mietwagen: überall wo es einem gefällt, kann man auch anhalten und man entdeckt die einsamsten Strände. Das Meerwasser ist badewannenwarm, aber trotzdem genießen wir das Plantschen im seichten Wasser.

Den nächsten Tag fahren wir wieder durch das Landesinnere. Durch Zuckerrohrfelder und Zuckerrohrfelder und … Zuckerrohrfelder geht es Richtung Süden, zu den Rochester Falls. Wir parken unseren Sparky auf einem kleinen Parkplatz und schon sind wir von Einheimischen umlagert. Alle wollen uns im kleinen Park der Wasserfälle umherführen. Wir schließen uns einem jungen Mann an, der sich Jim nennt, und schon geht es los. Etwa zehn Meter stürzt das Wasser hier in die Tiefe. „Laßt uns nach unten gehen, dort könnt ihr schwimmen“, schlägt unser Begleiter vor. Bei den Temperaturen hört sich das sehr verlockend an. Über einen kleinen Waldweg gelangen wir an einen See, der sich unterhalb des Wasserfalles gebildet hat, bevor das Wasser in einem Fluß seinen weiteren Weg über die Insel sucht. Jim passt auf die Kleidung auf, während wir uns im Wasser erfrischen und das herabstürzende Nass auf den Körper prasseln lassen. Beeindruckend schaut diese Kulisse aus. Die Felsen erscheinen fast schwarz und das Wasser strahlend weiß. Erfrischt steigen wir auf der anderen Seite den Berg hinauf und springen dann von Stein zu Stein zurück zum gegenüberliegenden Ufer. Wir gönnen uns noch eine frische Kokosnuss, bevor wir, immer noch nass, in unseren Sparky steigen. 

Auf dem Rückweg machen wir einen Stopp in Gris-Gris, dem südlichsten Punkt der Insel. Der kleine Park, in dem sich unzählige Einheimische zum Picknick tummeln, liegt hier direkt am Meer. Baden ist nicht möglich, so stark und hoch sind hier die Wellen, die mit praller Wucht an die Felsen schlagen und uns die Gischt ins Gesicht wehen. Das Tosen des Meeres ist berauschend. Lange stehen wir da und beobachten einfach nur die Wellen, die in einem türkisblauen Streifen brechen und die Gischt aufspritzen lassen. Von hier aus gesehen ist der Südpol das nächste Land in dieser Verlängerung.

Ein letztes Abendessen in unserem „La Kaz Do“, wo wir mittlerweile schon gut bekannt sind, bevor wir weiterziehen. 

Da wir verschiedene Ecken der Insel kennenlernen möchten, geht es nun an der Küste entlang Richtung Norden, nach La Preneuse. Dort haben wir ein Appartement im „La Mariposa“ gebucht. Die wunderschöne, direkt am Strand liegende Anlage ist klein und gemütlich und hat richtig Charme. Bei Ankunft bin ich froh, dass ich vor vielen, vielen Jahren Französisch in der Schule gelernt habe. Es ist Sonntag und außer einem Zimmermädchen ist gerade niemand zur Stelle. In ziemlich schlechtem Französisch kann ich irgendwie erklären, dass wir eine Reservierung haben. Und es funktioniert, wir bekommen einen Zimmerschlüssel. Das Appartement ist hell und freundlich eingerichtet und sehr gepflegt, wie die ganze Anlage. Kleine strohgedeckte Sonnenschirme geben uns Schatten auf unseren Holzliegen am weißen Sandstrand. Das türkisblaue Meer, für das Mauritius so bekannt ist, breitet sich direkt vor uns aus. Kleine Boote wiegen sich auf den leichten Wellen des indischen Ozeanes. Dieser Ort ist so idyllisch und erholsam, dass Sparky auch erst einmal Urlaub bekommt und wir zwei Tage am Strand verbringen. Von der Lagune sehen wir wieder den Berg „La Morne Brabant“ in der Ferne. Das Hotel hat nur wenige Zimmer und somit sind, trotz der Hochsaison zu Weihnachten und Silvester, nur wenige andere Sonnenanbeter mit uns am Strand. 

Nach zwei Tage werden wir wieder unruhig und wollen noch etwas von der Insel sehen. Port Louis, die Hauptstadt steht auf dem Programm. Wir können nicht auf Mauritius Urlaub machen und die berühmte „Blaue Mauritius“ verpassen. Also düsen wir mit Sparky weiter Richtung Norden. Port Louis erscheint uns riesen groß, nach all den kleinen Straßen durch die Dörfer der Berge und die Zuckerrohrfelder. 

Schnell ist Sparky geparkt und es geht zu Fuß weiter. Entlang der Caudan Waterfront schlendern wir Richtung „Blue Penny Museum“. Die Promenade ist geschmückt mit weihnachtlichen Figuren. Vom Dach des „Le Caudan Waterfront“ Einkaufszentrums baumelt ein überdimensionaler roter Nikolaus und davor am Geländer des Hafens steht ein geschmückter Weihnachtsbaum.

Die Kühle im Museum tut richtig gut. Melancholisch lesen wir über die Liebesgeschichte von Paul & Virginie, die sowohl ihren Autor, Jaques-Henri Bernardin de Saint-Pierre berühmt gemacht hat, wie auch die Insel Mauritius. Der Roman war ein großer, weltweiter Erfolg und wurde in unzählige Sprachen übersetzt. Paul und Virginie wachsen beide auf Mauritius auf. Virginie wird dann von Ihrer Mutter nach Frankreich zur Schule geschickt. Sie hat solche Sehnsucht nach Paul, dass sie schlussendlich auf das Schiff St. Géran steigt und sich auf die Heimreise macht. Das Schiff schafft es die ganze Strecke von Frankreich bis Mauritius, zerschellt dann aber, vor den Augen Pauls, an einem Felsen vor der Küste. Virginie überlebt das Unglück nicht und Paul bricht es das Herz. Die Beiden sind als Denkmal im Museum anzutreffen. Ebenso anzutreffen sind natürlich die rote und die blaue Mauritius. Allerdings muss man hier etwas mehr Geduld aufbringen, wenn man die original Briefmarken anschauen möchte. Diese werden nur für kurze Zeit stündlich beleuchtet, um die Farben zu schonen. Wir warten geduldig und erhaschen einen kurzen Blick. Natürlich können wir als Laien keinen Unterschied zu den Kopien sehen, die ständig beleuchtet bestaunt werden können. Aber wenn wir schon hier sind und die Gelegenheit haben, möchten wir natürlich das Konterfei der Königin Victoria im Original sehen. 

Wir erfahren noch Einiges über die Siedlungsanfänge auf der Insel und über die Postgeschichte, bevor wir uns wieder in die sommerlich, heißen Temperaturen außerhalb des Museums wagen. Entlang des Hafens schlendern wir vorbei an großen Schiffen, beobachten Fischer und essen ein Eis. Bald haben wir genug von all dem Trubel und es geht zurück zu unserer schönen, ruhigen Lagune. Fast hätten wir es vergessen, heute ist Silvester. Was tun?

Zurück in La Preneuse spazieren wir am Strand entlang. Einige Fischer sind gerade von ihrer Tour zurückgekehrt und nehmen im Sand die Fische aus. Eine Weile stehen wir da und schauen ihnen zu. Auf einer Terrasse mit Meerblick sehen wir festlich gedeckte Tische im Hotel „Les Sirandanes“. Spontan fragen wir nach und tatsächlich ist noch ein Tisch für zwei verfügbar. Gebucht!

Wir nehmen einen Aperitif an der Bar und schauen der Sonne zu, die in diesem Jahr ein letztes Mal berauschend schön im Meer versinkt. Bei einem verlockenden 6-Gänge-Menü genießen wir diesen besonderen Abend. Mit einem Glas Sekt geht es ins neue Jahr und dann barfuß am Strand entlang zurück zu unserer schönen Unterkunft. 

Herrlich entspannt genießen wir den nächsten Tag am Strand. Und da ist sie wieder – die Sonne. Gestern noch im alten Jahr im Meer versunken, heute im neuen Jahr wieder strahlend schön und warm am Himmel für uns. Kann ein Jahr besser starten? Nein.

Es steht wieder ein Umzug an. Die Koffer im Sparky verstaut, machen wir uns auf den Weg ganz in den Norden nach Grand Baie. Wow, dieser Ort ist belebt und voll. Zum Glück liegt unser Hotel nicht direkt im Ort. Wir durchqueren ganz Grand Baie und am Ortsausgang finden wir unser Hotel „Bleu du Toi“ in einer kleinen Seitenstraße. Entfernt von all dem Trubel, aber auch vom Strand. Für uns und unseren Sparky kein Problem. Die Zimmer sind nicht gerade groß, aber schön. Das Hotel wird von einem belgischen Ehepaar sehr liebevoll geführt. Wir erholen uns heute noch einmal am Pool, nach den turbulenten ersten Eindrücken von Grand Baie. Es kostet uns allerdings einige Überwindung in den Pool zu springen. Allerdings nicht, weil das Wasser so erfrischend kalt ist, sondern weil das Wasser so stark von den Außentemperaturen aufgeheizt ist, dass es jeder Badewanne Konkurenz machen kann. 

Abends sitzen wir an einer großen, langen Tafel auf der Terrasse des Hotels. Die Eigentümer haben gekocht und die Gäste genießen nun zusammen mit ihnen dieses vorzügliche Abendmahl. Mit Teelichtern beleuchtete Muscheln erhellen warm den stilvoll gedeckten Tisch. Das Essen ist einfach, aber von bester Qualität. Es gibt eine hausgemachte Lasagne als Hauptspeise, von der wir noch einen Nachschlag nehmen, so gut ist diese. 

Wir haben eine nette Konversation mit einem Ehepaar, dass sich für zwei Wochen in diesem Hotel eingebucht hat. Ohne Mietwagen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen sie die umliegenden öffentlichen Strände. Diese haben wir versucht den ganzen Urlaub zu meiden. Es scheint, dass fast alle Einheimischen über Weihnachten und Silvester frei haben und mit samt ihrem Mobiliar, wie Tischen, Stühlen, Teppichen und Küchenutensilien die öffentlichen Strände belagern. Aber Hans und Inge bestätigen uns, dass sie einen Weg gefunden haben, trotzdem immer noch einen ruhigen Platz zu finden. Sie laufen an den Stränden einfach so weit in eine Richtung, bis es ruhiger wird. 

Auch wenn Sparky uns einige Diskussionen auf dieser Reise gekostet hat, sind wir doch heilfroh, ihn bei uns zu haben. Er gibt uns die Flexibilität, einfach so lange weiterzufahren, bis wir unseren perfekten, einsamen Strand gefunden haben. 

Zwei Dinge stehen noch auf unserer to-do Liste. Und so geht es am nächsten Tag in den berühmten Pamplemousses Botanischen Garten, der eigentlich den offiziellen Namen „Sir Seewoosagur Ramgoolam Botanical Garden“ trägt. Mit einem Führer und einer kleinen Gruppe spazieren wir durch den Park. Der Führer weist uns auf versteckte Pflanzen hin, die wir ohne ihn sicher übersehen hätten. Wir sehen unter anderem „Wurst“ Bäume, mit überdimensionalen wurstähnlichen Früchten und Bäume, aus denen blutrotes Harz rinnt. Der Höhepunkt des Parks ist ein großes Becken mit Amazonas Wasserlilien. Die Teller der Pflanzen sind so riesig, dass angeblich, laut Führer, ein Kleinkind darauf sitzen könnte und nicht untergehen würde. Wir kommen noch an einer Schildkrötenanlage vorbei und einem kleinen Wildgehege. Eine weitere Stunde spazieren wir durch den wunderschönen, blühenden Park, bevor wir zu unserem letzten Programmpunkt aufbrechen. 

Sparky bringt uns zum „L´Aventure du Sucre“, das Museum, das dem Zucker gewidmet ist. Der Zucker war lange Zeit die wichtigste Einnahmequelle der Bewohner. Mittlerweile hat der Tourismus einen großen Teil übernommen. Anschaulich und imposant wird hier die Geschichte, der Anbau, die Verarbeitung und die Produktpalette dargestellt. Es wurden keine Kosten und Mühen gescheut, hier dem Zucker ein richtiges Denkmal zu erschaffen. Anschließend fahren wir mit einem ganz neuen Bewußtsein an all den unzähligen sattgrünen Zuckerrohrfeldern zurück zu unserem Hotel. 

Von unserem ebenso zuckerrohr-grünen Sparky müssen wir uns nun langsam verabschieden. Der Urlaub neigt sich dem Ende. Sparky bringt uns noch sicher zum Flughafen. Für ihn heißt es jetzt warten auf die nächsten Reisenden, die mit ihm die Insel erkunden werden. Für uns heißt es wieder, Alltag wir kommen.

Das Ende des ersten Schuljahres naht

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Jetzt sind es nur noch wenige Tage und das erste Schuljahr in Dubai ist für unsere Kinder abgeschlossen. Ich bin mächtig stolz auf unsere Mäuse, dass sie das erste Jahr, die Umstellung und Eingewöhnung, die neuen Fächer, die langen Schultage, die Busfahrten und ganz besonders, die komplett neuen Schüler so gut aufgenommen und gemeistert haben. Ihr seid SPITZE. Es war und ist nicht immer alles einfach, da will ich nichts beschönigen. Immer mal wieder kommt das Heimweh nach den alten Freunden auf, nach den vertrauten Spielkameraden mit den gleichen Interessen. Da fehlt mal wieder das Dorfleben, um mit dem Roller zum Freund zu rollern oder mit Rad zum Fußballtraining zu fahren. Denn wegen der neuen langen Schultage kommt oft die Spielzeit am Nachmittag zu kurz. Wenn unsere Kinder um 15 Uhr mit dem Bus zu Hause ankommen, müssen sie erst einmal Essen und ein paar Minuten erholen bevor wir die Hausaufgaben starten können. Somit ist es oft bereits halb fünf, fünf, bis alle „Verpflichtungen“ erledigt sind. Und da die Schulfreunde meist nicht direkt in der gleichen Straße wohnen und man zu einer Verabredung noch „anreisen“ müsste, ist dies oft unter der Woche überhaupt nicht möglich. Zudem ist es in Covid19 Zeiten auch noch eher verhalten, dass man sich zum Spielen verabredet. 

Auch das eigentlich wirklich ansprechende Nachmittagsprogramm der Schule, bei dem verschiedene spannende AGs angeboten werden, konnte in Covid Zeiten nicht stattfinden. Aber auch das wird sich hoffentlich nach den Sommerferien 2021, mit Start der 6. Klasse für unsere Kinder ändern. Zwar kommen die Kinder dann noch später aus der Schule, aber haben wieder die Möglichkeit in Gruppen mit gleichgesinnten Schülern eine schöne Zeit zu verbringen. 

Wir stehen ja, wie bereits in einem anderen Artikel erwähnt, eventuell wieder vor einem Umzug, da wir planen ein Haus zu kaufen. Bewusst haben wir dieses nun noch etwas näher zur Schule ausgesucht, in einem Compound, in dem auch noch einige andere Mitschüler leben. Damit erhoffen wir uns, dass das gemeinsame Spielen und Treffen am Nachmittag einfacher wird. Zudem gibt es dort in der Anlage ein kleines Tenniscenter mit ein paar Plätzen, so dass wir hoffen, dass unsere Tochter, die momentan Einzelstunden bekommt, dann in eine Gruppe wechseln kann und vielleicht sogar wieder mit dem Rad hinfahren kann, wenn es die Temperaturen erlauben. 

Unseren Sohn, der noch sehr verspielt ist, beschäftigt es sehr, dass er nicht in den Pausen, wie früher in seiner bayerischen (vor Corona) Grundschule in den Pausen mit mitgebrachtem Spielzeug mit seinen Freunden spielen kann. Ihm fehlt hier klar der Ausgleich, das Verspielt sein, in den Pausen. Er muss seine unglaublich große Fantasie ausleben können und das kann er nicht, wenn er an seinem Platz in der Schule die Pausen absitzen muss. 

Erfreulich ist, dass über die letzten Monate die Einladungen zu Geburtstagsfeiern am Wochenende zugenommen haben. Dank stabiler Corona Zahlen und der Möglichkeit sich wieder mit mehreren Personen treffen zu dürfen, ist hier wieder Leben in das Leben gekommen und die Kinder genießen es. 

Mit den nahenden Ferien und den immer intensiveren Vorbereitungen für unsere Reise nach Deutschland zu Verwandten und Freunden, kehrt auch eine besondere Stimmung bei den Kindern ein. Eine Mischung aus Vorfreude, Niedergeschlagenheit und Spannung, wie es wohl werden wird, plötzlich wieder als Gast nach Deutschland zu reisen. Wie wird es sein, die alten Freunde wieder zu treffen? Wird man wieder sofort in die alten Spielrituale einsteigen? Wird es sich befremdlich anfühlen, nach all der Zeit und dem Raum zwischen einem? 

Ich und auch die Kinder, werden uns überraschen lassen. 

Dankbar bin ich darüber, dass die letzten Wochen, wie bereits erwähnt, die Zusammenkünfte der Kinder außerhalb des Schulgebäudes zu Geburtstagsfeiern oder Spielverabredungen zugenommen haben. Denn so hoffe ich ganz doll, dass die Kinder mit gleicher Vorfreude auf ihre neuen Freunde, auf die neue Schule und die neue Heimat, nach sechs Wochen Deutschland wieder in den Flieger steigen werden. Natürlich mit ein paar AbschiedsTränchen, das ist klar. Denn natürlich wird immer ein Teil des Herzens auch an Deutschland und den lieben Menschen von uns dort hängen, und die lässt man dann erneut wieder für eine unbestimmte Zeit zurück. 

An meine Kinder, die ungewollte und nicht selbstentschieden TCKs geworden sind und damit ihr Leben lang werden Leben müssen und wir noch nicht einschätzen können, wie sie es aufnehmen, für ihr Leben verarbeiten und einsetzen: Wir sind immer und überall für euch da. Und da, wo wir vier (plus Hund) sind, da ist unsere Heimat. Dort wo wir unser zu Hause beziehen, da ist unser WohlfühlFamilienNest. Denn das Haus, die Wohnung ist nur ein Gebäude aus Stein, wir, die darin mit unseren Herzen wohnen, wir sind die Heimat und das Zuhause. 

TCK? Third Culture Kids. 

Dazu später mal mehr. Super spannendes Thema. Den Ausdruck und das was dahintersteckt, kennen und wissen nur die, die davon irgendwie betroffen sind.

Sansibar

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Enge Gassen und endlose Strände

Diese eigene Welt aus 1001 Nacht liegt nur etwa 35 Kilometer vom Festland Tansanias entfernt. Einmal angekommen ist man schnell verzaubert. Die Altstadt, Stone-Town, wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Ein paar Tage in dieser Stadt und man fühlt sich in eine längst vergangene Zeit versetzt.

Schon die Überfahrt mit der Fähre von Dar es Salam nach Sansibar ist ein Erlebnis. In der Wartehalle steht die Luft, Fliegen schwirren um den Kopf und nerven und die Hitze ist unerträglich. Endlich kommt die Fähre. Dicht gedrängt und voll beladen mit Lebensmitteln und Lebendem, warten die Reisenden in der heißen Sonne am Steg. Dann endlich haben alle ankommenden Passagiere das Boot verlassen und wir können einsteigen. Die zwei Stunden Überfahrt vergehen wie im Fluge. Auf den Fernsehapparaten läuft ein alter Film, Ton gibt es nur für die Reisenden in den ersten Reihen. Oben an Deck drängen sich die Frischluft-Suchenden, finden ein Plätzchen zwischen all den Paletten, Koffern, Paketen, Taschen und einem im kleinen Käfig aufgeregt flatternden Huhn. Der Wind weht einem um die Nase und die Aussicht auf das türkisblaue, endlose Meer ist atemberaubend. Wir passieren kleine Inseln mit weißen Stränden und einfache Fischerboote mit großen Segeln passieren uns. 

Stone Town

Dann erhaschen wir den ersten Blick auf Stone-Town. Dicht gedrängt stehen imposante festungsähnliche Häuser entlang des Wassers. 

Wir gehen von Bord und unser Inselabenteuer beginnt. Sansibar ist eine Inselgruppe, aber zugleich auch der Name der größten Insel. Sansibar Stadt ist die Hauptstadt und Stone-Town das bekannteste, historische Viertel der Stadt. Die Hauptinsel, Sansibar, wird in Swahili auch Unguja genannt. Zwei weitere große Inseln dieser Gruppe sind Pemba und Mafia. 

Obwohl wir auf dem Festland Tansanias schon eingereist sind, müssen wir auf Unguja erneut die Einreise- und Zollformulare ausfüllen. Wir bekommen einen Stempel in unseren Pass – Zanzibar Sea Port TANZANIA.

Nun sind wir offiziell und verlassen das Hafengebiet. Unzählige Führer und Fahrer warten darauf, mit den ankommenden Touristen Geld zu verdienen. Unser Hotel liegt, laut Beschreibung, nicht weit vom Hafen entfernt. Da wir aber den Weg nicht kennen, nehmen wir einen Führer und werden, für umgerechnet etwa fünf Euro, zu unserem Hotel gebracht. Die Leistung wäre sicherlich nur zwei Euro wert gewesen, da sich herausstellt, dass wir um zwei Ecken laufen und schon vor unserer Unterkunft stehen.

Unser Boutique Hotel, Zanzibar Palace, versetzt uns gleich in eine ganz andere Welt. Arabisch und indisch angehaucht können wir das besondere Flair, nicht nur des Hauses, sondern der ganzen Stadt fühlen. Über ein enges, steiles Treppenhaus gelangt man zu den insgesamt nur neun Zimmern, je drei auf einer Etage. Die Zimmer sind alle individuell eingerichtet und dekoriert. Antike Möbelstücke, Himmelbetten und warme Farben verstärken dieses Gefühl, in eine andere Welt eingetaucht zu sein. 

Draußen im Schatten der engen Gassen lassen wir uns treiben. Wir schlendern den Nachmittag ohne Ziel durch Stone-Town, bewundern die prächtigen Häuser oder zumindest das, was von dieser ehemaligen Pracht noch erhalten ist. Die geschnitzten Holztüren, für die diese Stadt so berühmt ist, sind einfach faszinierend. Und wir machen mehr Fotos, als je irgendjemand von Türen anschauen möchte. Aber jeder Eingang ist so individuell und besonders, dass wir einfach nicht stoppen können. Es gibt glänzende, mit Gold verzierte und gepflegte Türen neben anderen, die schon Jahre lang keine Farbe mehr gesehen haben und all der Glanz und die Pracht erloschen sind, aber trotzdem auf ihre Weise faszinieren. 

Rechtzeitig zum Sonnenuntergang begeben wir uns zum Africa House Hotel. Man hat uns erzählt, dass es hier den besten Blick auf den Sonnenuntergang gibt. Und wie wahr! Die Bar auf der Dachterrasse des Hotels ist gut gefüllt, aber nicht überlaufen. Alle warten wir gemeinsam auf den Sonneuntergang mit unserem Sundowner in der Hand. Kein Wölkchen ist am Himmel und rechtzeitig, kurz bevor die Sonne im Meer versinkt, fährt noch eine Dhow, ein typisches Holzsegelboot, malerisch in den Sonnenuntergang hinein. Was für ein Fotomotiv. 

Den nächsten Tag haben wir zum Museumstag erklärt. Wir starten mit dem „Palace Museum“. Direkt an der Uferstraße fällt dieses weiße, mächtige Gebäude gleich auf. Ursprünglich nannte man es den Sultans Palast, wurde es doch für Mitglieder der Sultansfamilie in 1890 gebaut. Ab 1964, als der Sultan enttrohnt wurde, zog ein Teil der Regierung hier ein. 1994 wurde es dann zum Museum, das sich bis heute der Geschichte der Sultane auf Sansibar widmet. Es zeigt unter anderem Möbelstücke aus der damaligen Zeit, die erstaunlich gut erhalten sind. Ein großer Teil widmet sich der faszinierenden Geschichte der Prinzessin Salme, die für großes Aufsehen sorgte, als sie 1866 mit einem deutschen Kaufmann nach Hamburg durchbrannte. Ihre Geschichte schrieb sie damals in einem Buch nieder: „Memoirs of an Arabian Princess of Zanzibar“. 

 

Nicht weit entfernt vom „Palace Museum“ liegt das „Beit al Ajaib“ (House of Wonders). Dieser Ort gibt aufschlussreiche Informationen über die Geschichte und die Kultur der Insel. Nicht nur die Ausstellungen sind interessant, sondern auch das Haus an sich. Mit seinen weiten, großen Balkonen dominiert der strahlend weiße Bau die Hafenpromenade. Es war das erste Haus auf Sansibar mit elektrischem Licht und eines der ersten in Ostafrika mit einem elektrischen Aufzug, daher auch der Name „House of Wonders“.

Von den Balkonen, die einmal rund herumführen, hat man faszinierende Ausblicke auf den Hafen, das Meer, die Festung nebenan und ganz besonders auf die Altstadt. Hier oben ist auch ganz deutlich sichtbar, wie viele Häuser vom Zerfall bedroht sind, wenn nicht sogar schon unrettbar zerstört. Die Natur hat an vielen Stellen die von Menschenhand geschaffenen Bauten zurückerobert. Es wächst Gras und es sprießen Bäume, wo früher Familien einmal ein Dach über dem Kopf hatten. 

Ein paar Schritte weiter bietet sich der Innenhof der alten Festung für eine Verschnaufpause an. Rund um das Amphitheater, in dem regelmäßige Veranstaltungen stattfinden, haben sich kleine Geschäfte mit Kunsthandwerk angesammelt. Man kann den Malern zuschauen, wie ihre Bilder entstehen. Mit groben Pinseln bringen sie die Hintergrundfarben auf die Leinwände, auf denen später zierliche, Massai-ähnliche Figuren mit Speeren auf die Jagd gehen werden. 

Uns lacht in diesem Moment mehr das kleine Café an, das erfrischende Getränke serviert und Sitzgelegenheiten unter schattigen Bäumen bietet.

Wir wollen noch weiter und müssen tiefer in die verwinkelten Gassen vordringen. Nach einer Weile des Herumirrens, finden wir unser Ziel – das Hamamni Badehaus. Dies war das erste öffentliche Badehaus auf Sansibar. Gebaut wurde es von 1870 bis 1888. Es ist lange nicht mehr in Betrieb, aber ein netter Sansibari sitzt an der Tür und führt Besucher gerne herum. So verwinkelt wie die Gassen der Altstadt, ist auch dieses Badehaus. Wir gelangen tiefer und tiefer in das Gebäude, welches von außen nicht groß erscheint. Die bis in kleinste durchdachte Bauweise ist beeindruckend: Versteckte kleine Nischen für die Schuhe und für Kleidung; große Erker, in einem Kreis angeordnet, die als Umkleidekabinen dienten oder dem Barber Arbeitsfläche boten; ein Massageraum, ein Dampfbad, ein Kühl- und ein Wärmeraum, Duschen und ein Kaltwasser Pool. Wärme wurde damals durch ein unterirdisches Heißwasser System erzeugt. 

Mit einem kleinen Trinkgeld verabschieden wir uns von unserem Führer und müssen nun wieder unseren eigenen Weg durch die Gassen der Stadt finden. 

Nach diesem Ausflug in die Badekultur des vergangenen Jahrhunderts wartet nun eher schwere Geschichte auf uns. Am Sklavenmarkt führt uns der Guide zuerst in den Keller hinunter. Dunkel, stickig und unbeschreiblich eng ist es hier und wir fühlen uns gar nicht wohl. Als wir hören, dass hier die Sklaven eng gepfercht oft tagelang ausharren mussten, bis sie auf dem Markt verkauft wurden, sehnen wir uns nach Frischluft. 

Draußen wieder angekommen, werden zwar die Geschichten erst einmal nicht besser, aber das Atmen fällt wieder leichter. In der anglikanischen Kirche, die heute genau an der Stelle steht, wo früher der Hauptumschlagplatz für die Sklaven war, hebt sich die Stimmung langsam wieder, weil wir endlich in der Geschichte am Ende der Sklaverei auf Sansibar angelangt sind. 

Entpannung im Spa

Nach einer Stunde der Belastung für Körper und Geist möchten wir einfach versuchen, unsere Gedanken und den Körper wieder zu reinigen und zu befreien. Wir schlendern zurück zum Hotel und buchen eine Massage in einem modernen „Badehaus“, einem Spa. Im Hotel werden wir abgeholt und durch die engen Gassen zu einem alten Gebäude geführt. Außen schaut es sehr trist und heruntergekommen aus.  Innen begrüßt uns freundlich und herzlich eine Dame am Empfang des Mrembo Spa, einem traditionellen Spa, das nur lokale Blumen, Kräuter und Gewürze bei den Behandlungen verwendet. Wir genießen einen leicht scharfen Ingwer-Zitronengras Tee und werden dann gemeinsam in einen abgedunkelten, mit Kerzen erleuchteten, Raum geführt. In leichte, orientalische Tücher gehüllt, beginnt unsere Entspannungsstunde. Zwei Damen erfrischen unsere Füße, die uns den ganzen Tag durch die Gassen der Stadt getragen haben. Herrlich! Bei leiser, beruhigender Musik und exotischen Düften erhalten wir eine wohltuende Massage. Der Höhepunkt ist ein Gewürznelken-Ganzkörper Peeling. Dieses versetzt den eigenen Körper in leichte Hitzewallungen und schenkt ihm verloren gegangene Energie zurück. Es stärkt und erfrischt uns. Nachdem wir geduscht haben und all die Gewürznelken und den Schlamm heruntergewaschen haben, fühlen wir uns prächtig. 

Wir sind uns sicher, dass wir den Weg zurück zum Hotel alleine finden… Die Gassen werden zum Irrgarten und wir brauchen eine ganze Weile, bis wir unsere Unterkunft wieder gefunden haben. Aber so entspannt und neu erfrischt macht uns der kleine Umweg überhaupt nichts aus. 

Am nächsten Tag heißt es Abschied nehmen von dieser beeindruckenden und mitreißenden Stadt. Wir fahren in den Norden und werden noch ein paar Tage im Hotel am Strand verbringen. 

Strandzeit

Gebucht haben wie die „Mnarani Beach Cottages“. Das Haus bietet Bungalows ohne Klimaanlage, ein Haus zur Selbstverpflegung und das „Zanzibar House“, in dem die Zimmer mit Klimaanlage ausgestattet sind. Wir gönnen uns den kleinen Luxus eines gekühlten Zimmers. Mnarani heißt auf Swahili Leuchtturm. Der Name ist Programm: Das Hotel liegt direkt neben dem Leuchtturm in Nungwi, am nördlichsten Zipfel der Insel. 

Die Anlage ist idyllisch, ruhig und direkt am Strand gelegen. Auf einer großen Holzterrasse, die über dem Meer zu schweben scheint, stehen Liegen, Hängematten und schwingende Holzbetten in luftigen, offenen reetgedeckten Hütten zur Verfügung. Bei Flut schlagen die Wellen unter der Holzterrasse an die Felsen. Der Blick von hier oben auf das türkisblaue Meer ist einfach atemberaubend. Wir schnorcheln und entdecken die farbenfrohe, lebendige Unterwasserwelt mit leuchtendroten und blauen Seesternen. Eine andere Welt, die uns so fasziniert, dass wir einen Bootsausflug zum vorgelagerten Riff machen. 

Direkt neben dem Leuchtturm liegt das Mnarani Natural Aquarium. In einem natürlichen Gezeiten-Pool tummeln sich die Hawksbill Turtles (Deutsch: Karettschildkröten). Die Schildkröten waren auf der Insel vom Aussterben bedroht und so eröffnete man 1993 dieses besondere, natürliche „Aquarium“. Seitdem steigt die Schildkröten Population in den Gewässern rund um Sansibar wieder stetig an. Mit etwas Glück begegnet man ihnen vielleicht auch beim Schnorchel.

Noch zwei Tage genießen wir das kristallklare Wasser, das Nichtstun und die Idylle der Insel. Dann heißt es Abschied nehmen. 

Es ist kaum vorstellbar, dass wir nur acht Nächte auf Sansibar verbracht haben. Die vielen Eindrücke, die Erholung und die engen Gassen Stone-Towns haben uns verzaubert. Wir kommen sicher einmal hierher zurück, in diese Welt aus 1001 Nacht.

Nach der Ankunft…

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… kommt die NeuZeit. 

Neue Umgebung, neue Gegebenheiten, keine Kontakte, keine Verpflichtungen. Da beginnt eine sehr besondere, intensive Zeit. Man ist erst einmal komplett auf den Partner oder die Familie angewiesen, die kleine Familie – die mit umgezogen ist. Es gilt darauf zu schauen, dass jeder gut ankommt und ein erstes, hoffentlich gutes, Gefühl empfindet. Gemeinsam die neue Umgebung erkunden, umherlaufen, auf sich wirken lassen. Den Blick nach vorne, aber auch nach oben, unten und in die Seitengassen schweifen lassen. Eintauchen in das Neue. Neue Gerüche, neue Geschmäcker in neuen Lokalen. Das erste Mal gemeinsam die endlos erscheinenden Gänge des neuen Supermarktes erkunden. Vertraute Artikel kaufen, aber auch ganz bewusst zu etwas Neuem greifen, wie den Schokoriegeln oder die Kekse für die Kinder, die sie noch nicht kennen, heute aber das erste Mal probieren dürfen. Eine exotische, unbekannte Frucht, bei der man sicher zu Hause erst einmal im Internet nachschauen muss, wie man diese Wohl isst. 

Aber auch dem Gehör seinen Raum geben. In der Shopping Mall lauschen, wenn zu bestimmten Zeiten plötzlich der Ruf des Muezzins durch die Lautsprecher ertönt und eine besondere Stimmung in der Mall verbreitet. Und wenn es die Kinder nicht wahrnehmen, darauf hinweisen. Ihre Aufmerksamkeit für die Welt schärfen. Vielleicht schreien die Möwen in der Luft… Mein Laut, der mir just in diesem Moment zu unserem Aufenthalt in Milwaukee, USA einfällt. Einer der Geräusche, die mir für Johannesburg, Südafrika in Erinnerung geblieben sind: das Gezeter der Hadedas Vögel im Garten, besonders in den Morgenstunden. Beim „googeln“ gerade, ob dieser Geselle wohl wirklich so heißt oder einfach nur so genannt wird, stelle ich fest, dass es sich korrekterweise um den Hadada Ibis, handelt, zu Deutsch auch Hagedasch. Aber mal ehrlich, dass ändert jetzt nichts an der Tatsache, dass ich immer das lautstarke Gezetere dieses Freundes mit unserem Garten im Norden Johannesburgs in Verbindung bringen werde. 

In dieser besonderen NeuZeit sollte man versuchen die neue Stadt so intensiv wie möglich aufzunehmen, denn man ist noch vollkommen unvoreingenommen und nimmt einfach nur unbewertet auf. 

Und man sollte auch diese Zeit zu zweit, zu dritt, zu viert… genießen, denn solch eine besondere NeuZeit gibt es nicht sehr häufig. Oft hat man zum Start in einem neuen Land ein paar Tage gemeinsam frei, bevor meist der Mann wieder in seinen Job einsteigt. In diesen Tagen hat man sozusagen die Familie ganz für sich ganz alleine. Noch keine Einflüsse von außen. Es ist ein tolles, besonderes Gefühl. Man sollte auch wirklich versuchen, es wahrzunehmen.

Das ist fast ein bisschen so, wie während des Corona Lockdowns. Hier haben, leider natürlich gezwungenermaßen, die Familien plötzlich sehr intensiv Zeit miteinander verbringen müssen. Das, was viele in der Form vielleicht nicht kannten. Im Alltag geht jeder seinen Hobbies nach, geht arbeiten, trifft Freude, das oft auch getrennt. Wenn man als Familie oder als Paar in den Urlaub fährt, ist es auch eine andere Situation. Man ist offen für neue Kontakte zu anderen Urlaubern. Plötzlich war in 2020 nur noch die Familie angesagt, der Partner und/oder die Kinder oder gar der Single plötzlich wirklich Single im wahrsten Sinne des Wortes. Und ich habe in meiner direkten Umgebung damals erlebt, wie befreundete Familien (ohne ExpatErfahrung – aber sicher natürlich auch viele andere) damit zu kämpfen hatten. Wir hingegen sind uns oft auch als Familie bewusst genug. Ich denke, das beschreibt es am besten. Einfach wir vier. Wir haben es gelernt und schätzen es, die Familienzeit zu genießen. Was für viele in dieser Covid19 Anfangszeit im Frühjahr 2020 eine Zeit der Ungewissheit und Hilflosigkeit ausgelöst hat, hat uns vielleicht nicht so überraschend erwischt, weil wir ähnliche Situationen der „Abgeschiedenheit“, des „Ungewissen“ schon öfter, wenn natürlich auch auf andere Art und Weise, erlebt und gemeistert haben. 

Das soll natürlich in keiner Weise die Covid19 Pandemie schönreden. Es war und ist für die Welt ein Schock, eine Herausforderung und eine große Belastung für alle. 

Ich denke, viele Expatfamilien genießen auch bewusst diese anfängliche NeuZeit nach der Ankunft. Sie versuchen gar nicht unbedingt, direkt Kontakte zu knüpfen oder auch eventuell entfernte Kontakte zu aktivieren. Erst einmal ankommen, das Neue wirklichen lassen und genießen. Gerade ab der zweiten, dritten Weltstation wird man ganz bewusst diese Zeit durchleben, denn dann hat man die Erfahrung bereits gemacht und kann die Situation besser einschätzen. Man hat nicht das Gefühl, direkt auf die Suche nach neuen Freunden gehen zu müssen, man kann es langsam angehen. Man weiß, dass sich alles mit der Zeit finden wird. Dieser Aktionsdruck, den man sich vielleicht noch beim ersten Mal selber auferlegt hat, entfällt. Die Unsicherheit ist weg. Frau weiß, dass sich alles fügen wird, dass neue Kontakte kommen werden, wenn man offen ist. Und offen sein, ist natürlich eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Auswanderung. 

Ich finde hierzu einen Abschnitt aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse sehr passend: 

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, 
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben. 

Aber eigentlich finde ich fast das ganze Gedicht sehr schön im Zusammenhang mit dem Gedanken zum Auswandern..

Stufen 

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Von Hermann Hesse 4. Mai 1941

Also keine Scheu vor dem Neuen, was kommen wird. Es wird sich alles fügen, einfach offen sein und bleiben. Und nicht vergessen, die besondere Zeit nach der Ankunft einfach zu genießen. Es ist so unbeschreiblich spannend, all die neuen Dinge im neuen Umfeld unter neuen Umständen zu entdecken. Pures EntdeckerGlück.

Container Reise

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Heute möchte ich noch eine ganz besondere Zeit während eines Umzugs ins Ausland beleuchten. 

Viele von euch sind sicher schon das ein oder andere Mal umgezogen und wissen, wieviel Organisation und Planung erforderlich ist. Erst einmal die Entscheidung überhaupt treffen, neue Wohnung oder neues Haus finden, alte Wohnung oder altes Haus fristgerecht kündigen, Umzug vorbereiten und planen. Eventuell selber packen oder Umzugsunternehmen organisieren und terminieren. Neue Schule für die Kinder finden, Vertragskündigungen oder -änderungen, Nachsendeanträge, Wohnungs- oder Hausübergabe usw usw. Die Liste ist unendlich und viele kennen das. 

Jeder Umzug, noch so klein und unscheinbar, kann eine große Belastung sein oder gar in ein großes Desaster ausarten. So unser entfernungstechnisch zweitkürzester Umzug innerhalb Deutschlands… Den wir naiv wie wir waren (wird uns nie wieder passieren) mit freiwilligen Helfern, tollen Freunden organisiert hatten. Leider überkam mich nach nur zwei Stunden am Morgen eine unbeschreibliche Übelkeit, mit Schüttelfrost, Fieber und Gliederschmerzen, dass ich dankbar war, dass im Obergeschoss bereits das Gästebett aufgebaut war (in dem wohlgemerkt der Schwiegervater hätte schlafen sollen, der für unseren Umzug extra aus Hessen nach Bayern angereist war). Ich war wirklich komplett ausgeknockt und habe NICHTS mehr vom Umzug mitbekommen. Auch nicht, dass es meinen Mann etwa zwei Stunden später ebenfalls mit gleichen Symptomen dahingerafft hatte und er in einem der Kinderzimmer niederlag (davon hatte ich nichts mitbekommen). Da ich erst am darauffolgenden Nachmittag wieder unter den Lebenden und somit aufnahmefähig war, war ich mehr als positiv überrascht, dass unsere UmzugsFeen und -Elfen den Umzug komplett alleine gestemmt hatten. Begleitet von meinem zu Tränen-gerührten Schwiegervater, der irgendwie versuchte die Stellung zu halten und sich nur immer wieder und wieder bedankte!! Das war mein schlimmster Umzug, obwohl ich schon mehrmals innerhalb Deutschlands und auch mehrmals Übersee – von Deutschland nach USA, von USA nach Südafrika, von Südafrika nach Deutschland und zu Letzt von Deutschland nach Dubai umgezogen bin. Der schwerste und schlimmste Umzug war genau dieser oben erwähnte – einfach aus dem Grund, weil ich die Kontrolle komplett darüber verloren hatte. 

Nicht zu unterschätzen ist natürlich der Umzug auf einen anderen Kontinent. Denn es ist nicht, wie bei einem Umzug von Hamburg nach Berlin oder von Kombach nach Biedenkopf, bei dem die Möbel spätestens einen Tag später wieder vollständig aufgebaut in der neuen Bleibe stehen, die Tassen wieder im Schrank sind und die Messer und Gabeln wieder in der Schublade auf ihren Einsatz warten. Das „Zeug“ dann mal mindestens 6 Wochen einfach weg. 

Wenn der Container verpackt, verplompt und abgefahren ist, bleibt man mit einer leeren Behausung und ein bis zwei Koffern pro Person zurück. Alles, was man für die nächste Zeit braucht, muss wirklich gut geplant sein. Das fängt bei Kleidungsstücken und Schulsachen an und hört sicher nicht bei wirklich wichtigen Unterlagen auf. Da liegt viel dazwischen. 

Offen auch, die Frage, wohin, wenn der Container abgereist und das Haus/die Wohnung leer ist. Da ist wirklich gute Planung gefragt. 

Wir haben schon verschiedene Varianten durch. Beim letzten Umzug im Sommer 2020 von Deutschland nach Dubai, hatten wir drei Wochen Urlaub, aber nicht nur drei Wochen Urlaub, sondern auch Covid19 auf der Welt, somit war jegliches Reisen in der Welt ausgeschlossen. 

Zum Glück haben wir bei meinen Eltern ein großes, ruhiges Gästezimmer. Ein intensive Familienzeit vor einem Umzug ins Ausland kann wirklich sehr, sehr wertvoll und schön sein. Denn wann, habt ihr das letzte Mal drei Wochen mit euren Eltern und eventuell Großeltern verbracht oder bei/mit ihnen gelebt. Somit war klar, wir können ihre Tassen, Teller, Besteck und Gewürze benutzen und aus unseren Koffern leben. Können waschen, bügeln und kochen und fühlen uns heimelich. 

Nach Ankunft in Dubai bezogen wir ein möbliertes, „serviced“ Appartement. Messerchen, Löffelchen und Gäbelchen (jeweils vier für uns vier) in der Schublade, ein paar Töpfe und genau vier Teller, Tassen und Gläser, aber immerhin, im Schrank. Relativ schnell war klar, dass wir so nicht entspannt leben können. Also sind wir erst einmal losgezogen, haben ein günstiges Set Schüsseln jeder Größe gekauft, um auch einen Salat zubereiten zu können; haben noch vier weitere Messer, Gabeln und Löffel gekauft und auch ein scharfes Messer. Selbstverständlich auch sämtliche Gewürze, denn diese hatten wir zurücklassen müssen. (Beim Umzug von Südafrika nach Deutschland waren diese unerlaubt und unerwartet im Container gelandet, weil die Packer etwas übereifrig waren. Aber diesen waren zum Glück unbemerkt durch den Zoll gekommen.)
„Serviced“ hieß, dass dreimal die Woche eine Putzkolonne durch die Wohnung zauberte (denn sämtliche Putzeiner, Wischer usw. sind auch im Container unterwegs). Täglich wurde der Müll geleert, nur gewaschen hat keiner. Waschen lassen war nicht inklusive und definitiv zu teuer. Diesen Part habe ich übernommen. Wie sich schnell herausstellte, war leider das Hotel-Bügeleisen nicht für den Großeinsatz zur Glättung von Arbeitshemden meines Mannes und Schuluniformen der Kinder geeignet. Also losziehen und Bügeleisen kaufen… obwohl ja eines im Container auf dem Weg zu uns ist… 
Kurz vor Schulbeginn stellten wir in Dubai fest, dass wir sowohl die zahlreich vorhandenen Butterbrotdosen, als auch die Getränkeflaschen für die Kinder vergessen hatten, im Gepäck mitzunehmen. Aber bei außerordentlich heißen Temperaturen im September in Dubai, steht außer Frage: Da müssen neue, gut isolierte Getränkeflaschen her, mindestens zwei für jedes Kind. Hätten wir auch vorher dran denken können… – haben wir aber nicht. Sämtliche Hefte, Blöcke und Stifte hatten wir laut Schulliste eingekauft und mitgeschleppt im Ranzen, aber an die Pausen hatten wir nicht gedacht. Ihr seht, so ein Container-Umzug ist immer mit einigen unerwarteten Nebenausgaben verbunden…

Die absolute Luxusvariante für die Übergangszeit ist sicher die, dass man sich eine Bleibe im Ausgangsland erhalten kann. Oft ist das bei Expatriates so, die einen zeitlich begrenzten Entsendungsvertrag bekommen. Diese Situation hatten wir damals, als wir das erste Mal von Deutschland nach USA entsendet wurden. In Regensburg hatten wir damals ein Haus gekauft und konnten dieses vermieten. Glücklicherweise gab es unter der Garage eine geräumige Einraum-Einliegerwohnung, die zu unserem ZweitZuhause in Deutschland werden sollte. Für die Überbrückungszeit perfekt, aber leider später nie wirklich praktikabel für uns. Denn wir waren nie länger als ein paar Tage in Regensburg, um Freunde zu besuchen (unsere kompletten Familien leben in Hessen, also gut 500 km von Regensburg entfernt). Somit war in Regensburg ein Hotelaufenthalt viel angenehmer, als in einem Wohngebiet in einer kleinen Miniwohnung zu leben. Bereits nach einem weiteren Aufenthalt darin, haben wir diese Wohnung mitvermietet. Aber für den Übergang nach Abreise des Containers – ein Traum. 

Eine Variante ist natürlich auch die Urlaubsvariante. Wenn man zwischen zwei Jobs steht, kann man diese Hab und Gut-freie Zeit ideal auch als verlängerte Urlaubszeit nehmen. Denn, wann hat man schon einmal die Gelegenheit, vielleicht sechs Wochen am Stück freizunehmen? Aber das muss natürlich gerade finanziell sehr gut und früh geplant werden. Leider von uns zwar schon einmal angedacht, aber nie umgesetzt… Es war immer mal im Raum gestanden, besonders zu Beginn des Aufenthaltes, dass wir, wenn wir Südafrika verlassen, mit dem Auto von Johannesburg nach Deutschland fahren… Das haben wir nicht umgesetzt. Ich erkläre mir das so: In unseren fast 10 Jahren in Johannesburg, haben wir so unbeschreiblich viel vom südlichen Afrika mit dem Auto bereist, dass wir guten Gewissens, das Vorhaben vom Anfang haben unter den Tisch kehren können. Reue deswegen? Definitiv Nein.

Eine möblierte Ferienwohnung für den Übergang ist auch eine schöne Lösung. Dies hatten wir einmal, als wir von USA nach Südafrika zogen. Und zwar weder in USA noch in Südafrika, sondern die Überbrückungszeit war damals für 6 Wochen in unserer alten Heimat Regensburg. Dort war der Hauptsitz der Firma, für die mein Mann entsendet war, somit bot sich das damals an. Sehr entspannte, sechs Wochen. 

In Südafrika haben wir nach Ankunft in einem Bed & Breakfast gewohnt. Das war zum Eingewöhnen genau das Richtige. Erstmal ankommen, die neuen Gegebenheiten kennenlernen, eingewöhnen und annehmen. Vertrautheit aufbauen. Auf Wunsch im Restaurant bekocht werden und täglich Frühstück zu bekommen. Internetzugang zu haben und durch die eher familiäre Atmosphäre einen Anschluss an das Leben vor Ort zu bekommen. Und eine tolle Zeit der Ankunft des Containers entgegenzufiebern. Und dieses Glücksgefühl, wenn dann endlich der Tag der Ankunft da ist – unbeschreiblich schön und befreiend.

Dieses Glücksgefühl, wenn die Plombe mit einer Zange abgesprengt wird und sich die Türen der überdimensionalen Metallkiste öffnen… WOW! Da sind sie, die Pakete und Kisten mit unserem Hab und Gut. Wenn man dann wieder die eigenen Schüsseln, Besteck, Teller und Tassen in den Händen hält – das ist wie Weihnachten, Geburtstag und Ostern an einem Tag. Herrlich. 

Und die Kinder sind natürlich vollkommen aus dem Häuschen, endlich wieder alle Spielsachen und Bücher in den Händen halten zu können. 

Nicht herrlich natürlich, dass all das „Zeug“ auch wieder zu verstauen ist und für jedes Ding ein Plätzchen gefunden werden muss. Da ist, meist Frau, einige Tage Vollzeit beschäftigt. 

Was besitzt man nicht alles? Und was hat man, eigentlich nur bedingt, die letzten Wochen oder Monate davon wirklich vermisst? Einiges, kann ich  nur sagen. 

EntdeckerGlück? 

Ja, unbedingt! Super spannend so eine Zeit der Ausnahmesituation, des kompletten Lebensumbruchs. Es ist eine herrlich intensive Zeit für Pärchen und Familie. 

Aber dazu in einem nächsten Blogbeitrag gerne mehr….

Viele Grüße aus Dubai

Ergänzung: Mein entfernungstechnisch kürzester Umzug war in Milwaukee/USA. Dort sind wir innerhalb unserer Wohnanlage, dem Jefferson Block Appartements, vom 2. Stock in den 5. Stock gezogen – mit Hilfe von Freunden und Arbeitskollegen meines Mannes und mit zwei Einkaufswagen!!

Rückzug

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Nein, hier mit ist jetzt nicht gemeint, dass wir zurückziehen, wohin auch immer, sondern ich möchte euch heute den Verlust des Rückzugsortes meiner Tochter während der letzten zwei Wochen beschreiben und unsere Erkenntnis daraus mit euch teilen.

Familie lernt ja nie aus. 

Es hatte sich Besuch aus Deutschland angekündigt, eine vierköpfige Familie. Nach ein wenig hin und her überlegen war die gemeinsame Entscheidung gefallen, dass unsere Tochter mit in das Zimmer ihres Zwillingsbruders zieht, für diese zwei Wochen. Die Kinder des Besuches bezogen also das Zimmer unserer Tochter. Da sich dieses Zimmer ein „Jack and Jill“ Badezimmer (nähere Beschreibung dazu im Blogbeitrag „Haussuche“) mit dem Zimmer unseres Sohnes teilte, fiel somit auch irgendwie die Privatsphäre des Bades weg. Und obwohl unsere Kinder sehr oft noch sehr gerne gemeinsam in einem Zimmer schlafen, meine Tochter auf einer Matratze vor dem Bett unseres Sohnes, an Wochenende sogar manchmal zum Spaß mit all den Kuscheltieren beide in einem Bett, ist es etwas komplett anderes, seine Rückzugsoase für komplette zwei Wochen aufzugeben. Und das auch noch, während einer normalen Schulzeit, keine Ferien, keine Feiertage, Schulalltag. 

Der Besuch an sich war super angenehm!! Sehr selbstständig, viel auf eigene Faust unterwegs. Jeder machte sein Ding, über Frühstück, Fitness usw. Es lief alles sehr harmonisch, angenehm und erfreulich ab. Kompliment an den Besuch. Wir hatten eine tolle Zeit, am Wochenende machten wir einen wunderschönen Wüstenausflug mit Übernachtung gemeinsam, ohne viel Schlaf, was meiner Tochter ebenfalls zusetzte. 

Zum Beginn der zweiten Woche merkte ich, dass sie langsam die Kraft verließ. Ich schob es auf das wunderschöne, aber auch super anstrengende Wüstenwochenende. Und versuchte mit frühem Schlafengehen entgegenzuwirken. Aber es wurde eher von Tag zu Tag schlimmer. Sie wurde immer sensibler, machte oft einen traurigen Eindruck und dann erkannten wir, dass der Auslöser der fehlende Rückzugsort für sie war. Nach einem lagen, anstrengenden Schultag, bei dem die beiden von 7 bis 15 Uhr aus dem Haus sind, fehlte ihr die Erholung in ihrer Wohlfühloase – ihrem Zimmer. In dieses zieht sich unsere Tochter oft nach den Hausaufgaben zurück, malt Bilder auf ihrer Staffelei, sitzt in ihrem Sitzsack und liest Bücher – sie tut einfach das, was ihr guttut und was sie und ihr Körper brauchen. Dieser Rückzugsort war nun komplett weggefallen. Ich fand sie manchmal auf dem Boden im Zimmer ihres Bruders kniend, dort malen.

Und da wusste ich, wir haben einen großen Fehler gemacht, sie zu bitten, ihr Zimmer für den Besuch zu räumen. 

Ich redete mit ihr, entschuldigte mich für die dumme Entscheidung und versprach ihr, dass nie wieder sie oder ihr Bruder ihr Zimmer für Besuch aufgeben müssten. Allein das Reden tat gut, obwohl wir beide ein paar Tränchen vergossen.

Ich besprach die Situation auch mit den Freunden. Auch die verstanden sofort die Gefühlslage unserer Tochter. 

Im Endeffekt ist unser Gästezimmer groß genug, dass wir hier noch zwei Matratzen für zwei Kinder mit reinlegen können. Und ich denke, der Besuch, der sowieso in einer Stadt wie Dubai, die meiste Zeit auf Erkundungstour unterwegs ist, stört sich nicht daran, für eine Woche oder länger ein Zimmer mit den Kindern zu teilen. Und zudem hat der Besuch Urlaub und wir leben parallel im Alltag weiter, was heißt, dass für uns unter den normalen Arbeits- und Schulbedingungen eine andere Anstrengung und somit auch eine andere Art von Notwendigkeit an Ruhe, Erholung und eben Rückzugsmöglichkeiten wichtig ist und dies jeder verstehen wird oder verstehen sollte. Und wir haben an der Reaktion unserer Freunde gemerkt, dass eine Familie das sehr gut nachvollziehen kann. 

Somit das Fazit unserer letzten zwei Wochen: Besuch geht auch einmal während des Alltags (sicher nicht zu häufig), wenn der Besuch unkompliziert und selbstständig ist, keine 5***** Unterbringungen mit Rundumservice erwartet.

Wichtig für uns als Familie, Freunde und Gastgeber: Wir werden kein Zimmer, keine Rückzugsmöglichkeit aufgeben und wir werden unseren Alltag auf keinen Fall in irgendeiner Art und Weise an den Besuch anpassen können. 

Aber wahre Freunde und unsere tollen Familien verstehen das sowieso. Manchmal vielleicht früher als wir.

EntdeckerGlück? Ja, trotzdem und sowieso, denn wir haben ja eine wichtige Entdeckung und Erkenntnis aus dieser Erfahrung mitgenommen. Rückzugsorte sind SEHR WICHTIG, für jeden von uns.