Zugfahrt von Mombasa nach Nairobi

Rund um Afrika

Reisewelt – Afrika – Kenia

Nach wunderschönen Entdeckungen in Mombasa Stadt fahren wir mit dem Taxi gegen Mittag an den Bahnhof in Mombasa. Zum Glück haben wir nur wenig Gepäck, einen kleinen Handgepäckkoffer und eine Reisetasche. Die Ticketschalter damals sind noch einfache Wellblech Gebäude. Davor Teerfetzen mit Kiessteinen. Wir haben unser Ticket bereits über eine Agentur vorab gebucht. Der Bahnsteig versetzt einen glatt in eine andere Zeit. Es gibt ja auch in Deutschland sehr alte, schäbige Bahnhöfe, aber dieser ist schon fast schäbig-schick. Ein Schild am Bahnhof zeigt uns an, dass Mombasa 18 m üNN liegt. Ein Jugendlicher sitzt am Boden und lauscht seinem Freund, der auf der Gitarre eine angenehme Stimmung verbreitet. Auf unserer Boarding Karte ist die Wagennummer 1210 vermerkt. Über den fast menschenleeren, sehr einfachen Bahnhof laufen wir am Zug entlang. Grün-Weiß ist der Zug mit einem dünnen Gelb-Roten Streifen. Wir können es kaum abwarten, unser Abteil zu sehen. Die Türen der Wagen sind schon geöffnet. Der typische Bahn Geruch erwartet uns beim Betreten. Ein schmaler Gang, eben typisch für einen Abteilwagen, führt an den „Kabinen“ vorbei. Unser kleines Reich für die Nacht hat eine Verbindungstür zur Nachbarkabine, die sich nicht wirklich richtig schließen lässt. Wir platzieren geschickt unseren kleinen Koffer und die Reisetasche davor. Alle wichtigen Unterlagen, Pässe usw. haben wir immer in meiner Handtasche am Mann. Sonst haben wir nichts Wertvolles im Gepäck. Die zwei Jungs mit der Gitarre haben auch noch Video-Ausrüstung dabei. Und wie sich rausstellt, sind die beiden unsere KabinenNachbarn und auch Deutsche. Die auf einer Mission unterwegs sind.

Unsere Kabine hat eine einfache hellbeige Kunstlederbank mit einem herunterklappbarem oberen Einzelbett. Wir haben ein kleines Waschbecken in der Kabine, Toiletten befinden sich am Wagenende auf dem Gang. Viel Platz ist nicht, aber den brauchen wir auch nicht. Es dauert noch fast zwei Stunden bevor sich der Zug mit doch einiger Verspätung in Bewegung setzt. Die Sonne steht schon sehr tief am Horizont. Wir steigen immer mal wieder aus und vertreten uns die Füße noch ein wenig am staubigen Bahnsteig. Wir bestaunen den „Restaurant Car“ von außen und freuen uns auf das Abendessen später innen. Sitzen noch ein wenig auf der Bank am Bahnsteig, ich mache noch einige Fotos, der Gitarrist hat sich auch noch einmal auf den Bahnsteig gesellt und spielt noch ein Liedchen. Auf einfachen, flachen Holzpalettenwagen werde große Säcke herangekarrt. Die aus grobem, gewachstem Militär-anmutendem Leinenstoff genähten Säcke sind vollgepackt. Unser Bettzeug, wie sich später herausstellt. Der heiße Tag neigt sich dem Ende. Die Aufregung hat sich in Vorfreude gewandelt. Die wundersamen Zugwichtel hieven die Säcke in die einzelnen Abteile und verwandeln die einfachen Sitzbänke geschickt und schnell mit ein paar wenigen Handgriffen in unser Schlaflager.

Und dann endlich bittet der Schaffner alle, einzusteigen. Es geht los. Fast 2,5 Stunden verspätet, aber auch hier, der Weg ist das Ziel, wir haben keine Termine, nur Zeit. Zeit zum Genießen.

Und schon bald sitzen wir im Speisewagen an unserem zugewiesenen 4er Tisch und lassen es uns gutgehen. Unsere KabinenNachbarn sind auch unsere TischNachbarn. Es entsteht ein interessantes Gespräch. Wir erzählen von unserem Leben in Afrika und die beiden habe auch eine tolle Geschichte. Einer der Beiden hat als Kind in Kenia gelebt und sie reisen nun gemeinsam die wichtigen Stationen aus dieser Zeit ab, besuchen alte Freunde, versuchen alte Bekannte ausfindig zu machen und begleiten das Ganze mit ihrer Kamera-Aussrüstung. Die beiden studieren so etwas wie Medienwissenschaften und haben sich dieses herrliche Projekt für ihre Abschlussarbeit gewählt. Was für eine spannende Geschichte. Es wird ein sehr kurzweiliger Abend zu viert im Speisewagen. Nach der Suppe, erscheint eine sehr nette Bedienung mit einer übergroßen Aluminiumschale mit Reis und einer Art Gulasch. Sehr einfach, aber wirklich köstlich. Dazu gönnen wir uns ein erfrischendes, kühles Tusker Bier. Über uns summen kleine Ventilatoren und versuchen vergeblich, die Luft zu kühlen. Nach zwei weiteren Tusker und einer Nachspeise zieht es uns so gegen 22 Uhr in unser Abteil, nachdem ich die Toilette noch einmal aufgesucht habe, in der Hoffnung, diese während der Nacht nicht einmal besuchen zu müssen…

Wir kuscheln uns in die Betten, aber nicht wirklich unter die Decken, denn noch ist es sehr warm im Abteil. Ich habe das obere Bett, welches ich über eine Holzleiter erreiche. Mein Mann hat das untere Bett bezogen. Wir öffnen das Fenster ein wenig und lassen uns von dem Fahrtwind kühlen. Es wird schnell angenehmer, aber es bleibt warm. Die Nacht zieht am Fenster vorbei. Und wie das allgemein beim Zugfahren ja so ist, fallen uns schon sehr bald die Augen zu und wir dösen ein. Einen festen Schlaf habe ich in dieser Nacht nicht. Ich höre immer wieder Geräusche, immer wieder hält der Zug an. Mal schaue ich aus dem Fenster und sehen einen Bahnhof, manchmal scheint der Zug aber auch einfach im Nirgendwo zu halten. So gegen 5:30 Uhr dämmert es leicht. Wir kuscheln weiter in unseren Betten und schauen von dort aus dem Fenster. Wir sehen Strauße, Kuhherden, Radfahrer und Brücken. Es schön, wieder etwas sehen zu können, nach der dunklen Nacht. Immer wieder schlängelt sich der Zug durch weite Landschaften mit runden, reetgedeckten Hütten. Vorbei an kleinen Bahnhöfen, wo uns Kinder in Schuluniformen zuwinken, offensichtlich früh auf dem Weg zur Schule. Ich sehe selten wirklich Leute ein oder aussteigen an den kleinen Bahnhöfen.

In all dieser frühen Stille des Tages herrscht plötzlich irgendwie Tumult in der Nachbarkabine. Wir wagen einen Blick auf den Gang und dort stehen zwei Zugmitarbeiter vor der Kabine. Was ist wohl hier passiert. Wie sich herausstellt, sind die beiden in der Nacht „überfallen“ worden, auf jeden Fall sind die beiden Kameras weg inklusive eines großen Teils des Filmmaterials. Wir werden auch befragt, können aber keine hilfreichen Auskünfte geben. Wir haben zwar immer mal wieder Leute auf dem Gang laufen hören oder auch ungewöhnliche Geräusche, aber welche Geräusche sind auf solche einer Übernachtfahrt schon gewöhnlich…?

Uns tun die beiden wirklich sehr, sehr leid. So ein großes, emotionales und wundervolles Projekt und dann, kurz vor Reiseende, solch eine bittere Überraschung.

In unserem ZugKino kommen langsam die Anfänge Nairobis auf den Bildschirm. Viele, viele, teils sogar verrostete Blechhütten der wirklich armen Bevölkerung ziehen an unserem Fenster vorbei.

Fast 19 Stunden später sind wir am Ziel angekommen. Für uns war es ein wunderschönes Erlebnis. Diese Eindrücke des Landes, die langsame, gelassene Art des Reisens, die netten Menschen, das 5 Sterne ZugKinoFenster – wir werden es nie vergessen.

Die Betten werden wieder abgezogen und gewandelt. Die Säcke aus dem Fenster geworfen. Bevor wir den Zug dann verlassen dürfen, besteigen Polizisten in Nairobi den Zug, um diesen nach der Kameraausrüstung zu durchsuchen. Das Ganze zieht sich ein wenig hin und bleibt leider erfolglos.

Somit haben die beiden jungen Herren in der NachbarKabine leider ein komplett anderes Fazit nach dieser Reise als wir. Traurig.

Generell gilt für uns auf jeder unserer unzähligen Reisen durch Afrika: Extrem LOW-Profile. Keine Markenklamotten, kein Schmuck, keine große Kameraausrüstung, wenn man so individuell unterwegs ist. Wenn ich mit dem Mainstream unterwegs bin, kann ich etwas unbeschwerter reisen, aber so individuell, gilt einfach, desto unauffälliger und uninteressanter, desto weniger Angriffsfläche, denn solche Länder sind oft sehr, sehr arm und man versucht immer irgendwie seine Familien zu ernähren.

Damals… im Jahr 2010 fuhr noch die alte, langsame Bahn die Strecke. Mittlerweile ist die Strecke modernisiert und der alte Zug ersetzt.

Mombasa Stadt

Rund um Afrika

Reisewelt – Afrika – Kenia

Ein wunderschöner Kurztripp während unserer AfrikaZeit hat uns nach Mombasa Stadt geführt. Bei Mombasa denkt man natürlich erstmal an traumhafte weite, weiße Strände mit türkisfarbenem Meereswasser, Palmen und Cocktails schlürfen in All inklusive Anlagen. Wir hatten aber vor, mit dem Zug von Mombasa nach Nairobi zu fahren und somit haben wir uns für einen Stadtaufenthalt in Mombasa entschieden. Und den Strand hatten wir bereits einmal auf einem anderen Roadtrip genossen und für wunderschön befunden. Aber da wir gerne etwas Neues entdecken, also Mombasa Stadt vor Abfahrt des Zuges.

Wir haben uns für das Tamarind Village Hotel entschieden. Die Lage und der Ausblick sind einfach umwerfend. Der Hauptteil von Mombasa Stadt liegt auf einer „Insel“ zwischen Landzungen eingeschlossen und ist über mehrere Brücken erreichbar. Unser Hotel liegt somit auf dem Festland gegenüber und wir haben einen wunderschönen Blick auf den Hauptteil. Das Hotel hat keinen Strand, sondern eine Poolanlage umsäumt von grünen Wiesen. Wir liegen unter Palmen und genießen einfach die Ruhe nach unserer Anreise.

Schon bald wird das Abendessen auf einer großen Terrasse mit eben gleichem, herrlichem Ausblick serviert. Der Sonnenuntergang ist bilderbuchreif. Das Inselland und das Wasser werden in einem angenehmen rosa Farbton natürlich erleuchtet. Zwar erst der erste Tag, aber bereits satt gegessen und satt an ersten tollen Eindrücken fallen wir ins Bett.

Für den nächsten Tag haben wir einen Stadtführer für uns alleine gebucht. Es ist brütend heiß und schon nach dem Frühstück könnten wir eigentlich wieder duschen gehen. Aber da müssen wir durch, wir wollen was von der Stadt entdecken. Unser Guide, Michuzz wartet schon an der Rezeption auf uns. Wir fahren gemeinsam in seinem Auto auf die „Insel“.

Die Tour startet am Fort Jesus. Die Portugiesen kamen 1498 nach Mombasa, entschieden sich aber, weiter zu segeln. In 1589 kamen die Türken und fingen an, eine kleine Festung in Mombasa zu bauen. Als im Jahre 1593 sich die Portugiesen doch wieder aus Malindi zurückzogen und nach Mombasa zurückkehrten, legten sie den Grundstein für das heutige Fort Jesus. Nicht sehr lange nutzten sie es als militärische Basis, denn 1631 übernahm der Sultan von Mombasa das Fort. Es startete ein langwährender Kampf um die Stellung, mal zieht der Sultan von Oman ein, mal der Sultan von Sansibar, mal wieder die Portugiesen. Während der Zeit der Britten, um 1895 fungierte es als Gefängnis. Im Jahre 1958 wurde es dann zum staatlichen Denkmal. Mit Unterstützung der Portugiesen konnte es zu einem Museum ausgebaut werden und öffnete 1960 seine Türen. Bei einem Besuch in der Stadt, sollte auf keinen Fall ein Besuch des alten Forts fehlen.

Nach diesem unerwarteten Highlight (ich hatte mich vorab kein bisschen mit eventuellen Sehenswürdigkeiten beschäftigt) bummeln wir stundenlang durch die Gassen der Altstadt und Michuzz führt uns auch in die kleinsten Hintergassen, über Märkte, zu einer Familie und immer weiter und tiefer rein ins Getümmel. Wir sind bereits komplett durchgeschwitzt, müssen immer wieder Getränke nachkaufen. Aber die Eindrücke sind unbeschreiblich schön. Nur nette Menschen, die sich freuen, dass wir ihre Stadt besuchen und immer und überall freundlich und offen auf uns reagieren. Es ist so spannend, sich mit einem Einheimischen hier in den Gassen treiben zu lassen. Die Zeit verrennt wie im Fluge.

Wir besuchen das Leven Haus, welches eine bedeutende Rolle in der Geschichte im Kampf gegen die Sklaverei spielte. Seinen Namen bekam es von einem Schiff der Briten, die hier ihre „Anti-Slaving“ Operationen gestartet haben. Zuvor gehörte das Haus dem Seyyid Said bin Sultan, dem Herrscher von Sansibar. Später wurde es u.a. auch von deutschen Missionaren (u.a. Familie Krapf im Jahre 1844) bewohnt und von 1908 bis 1928 fungierte es als deutsches Konsulatsgebäude. Heute ist es ebenfalls ein staatliches Denkmal. 

Im Swahililand Restaurant trinken wir einen Kardamom Kaffee – köstlich. Eine Katze sitzt neben uns auf der Fensterbank und schaut, wie wir, dem Treiben vor dem Fenster zu.

In den Gassen trocknet überall die bunte gewaschene Wäsche, Kinder spielen, es wird auch draußen gekocht. Bei einer Familie dürfen wir gar etwas probieren. Es laufen Hühner umher und natürlich auch sehr viele streunende Katzen. Immer wieder sind überall kleine Verkaufsstände aufgebaut mit den unterschiedlichsten Waren: Getränke, Klamotten, Obst und Gemüse, aber auch zubereitete Snacks, Fingerfood – Streetfood könnte man fast sagen.

Dann führt und Michuzz noch durch die große Markthalle. Draußen ist die Luft ja wirklich stickig und schwül heiß, in der Halle wird es fast noch schlimmer, denn jetzt kommen auch noch unzählige Gerüche hinzu. Auch hier unzählige Mengen an frischen Gewürzen in bunten Plastikschalen, Obst und Gemüse in Hülle und Fülle, fast malerische gestapelt auf Holzkisten oder Kunststoffbehältern, umgestülpten Eimern oder Körben. Absoluter Überfluss an Eindrücken. Ganz interessant für den Europäer natürlich die Fleisch- und Fischabteilung. Wahnsinn, dass bei der Hitze, einfach das Fleisch, umlagert von Fliegen, an Haken mitten im Raum hängt. Auch Hirn und Ziegenkopf wird unter gleichen, einfachen Bedingungen angeboten. Wie sollen wir das alles verarbeiten? Wir schwitzen und trinken und laufen und staunen. Stundenlang.

Wieder auf der Straße knattern Tuk Tuks an uns vorbei, Männer ziehen schwer beladene Holzwagen hinter sich hier. Keiner von ihnen scheint so stark zu schwitzen, wie wir. Es ist schon weit nach Mittag und wir verspüren Hunger. Michuzz weiß sofort, wo wir hingehen. „Island Dishes“ wartet auf uns. Wahrscheinlich hätten wir uns alleine nie hereingetraut. Unscheinbar, einfach, aber wirklich gut, wie sich herausstellt. Auf bunten Tellern wird uns ein köstliches Curry mit Reis serviert. Wir trauen uns sogar auch einen Salat zu essen. Ein Ventilator dreht an der Decke, die leichte Brise tut gut, denn wir sind komplett durchgeschwitzt und das gut gewürzte Curry tut noch seinen Teil dazu.

Anschließend schlendern wir noch eine ganze Weile durch die kleinen Gassen, es geht wieder Richtung Fort. Von hieraus bringt uns Michuzz mit dem Auto zurück zum Hotel. Nein, falsch gedacht, die Tour geht weiter – Stadtauswärts. Wir überqueren wieder die Brücke zum Festland, auf dem unser Hotel liegt. Da wir Deutsche sind, hat Michuzz noch einen spontanen Einfall.

Autokino an. Häuser von oben bis unten bemalt mit Werbung: mal für Omo Waschmittel in Rot-Blau; für Tusker Bier in Gelb; Gelb-Pink (wahrscheinlich mal Gelb-Rot) für Zain, einen Mobilfunkanbieter; Safaricom – ein weiterer Mobilfunkanbieter in Grün; usw. usw. Super spannend.

Ziel ist der „Krapf Memorial Heritage Park“, Andenken an einen deutschen Missionar, der im Jahre 1844 nach Mombasa kam. Laut „deutscher“ Plakette am Denkmal „lebte Dr. Johann Ludwig Krapf von 1810 bis 1881 und wirkte 18 Jahre in Ostafrika. Er galt wohl als Wegbereiter der Erforschung ostafrikanischer Sprachen. Im Jahre 1850 gab er die erste Kiswahiligrammatik der Welt heraus. An der Gedenkstätte sind sowohl seine Frau, als auch seine Tochter begraben“

Was für ein gigantisch beeindruckender Tag.

Wir lassen wieder den Abend auf der tollen Terrasse ausklingen, reden noch stundenlang über die Erlebnisse des Tages und sind eigentlich super müde, aber auch schon ein wenig aufgeregt vor dem nächsten Abenteuer: Unsere Zugfahrt von Mombasa nach Nairobi.

Mombasa StadtEindrücke

HotelEindrücke

iSimangaliso – Teil 2

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Sodwana Bay

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg nach Sodwana Bay. Die Sandpisten von gestern haben uns gefallen und so wählen wir spontan die Route durch den „Coastal Forest“. Auf abwechslungsreichen, einspurigen Sandpisten, geht es durch tiefsten Wald. Die Spur ist so eng, dass immer wieder Äste unser Auto streifen, sowohl von oben, als auch auf der Seite. Gegenverkehr, den wir zum Glück nicht oft haben, fordert Fahrergeschick. Einer muss meist rückwärtsfahren, bis man eine Ausweichmöglichkeit gefunden hat, nicht immer einfach auf der engen Piste. Unser Motto: Der Weg ist das Ziel. Wir lassen uns durch nichts aus der Ruhe bringen. Uns wird ein wunderbarer Blick auf Lake Sibhaya geboten, dem größten Frischwasser See Südafrika, in dem sich gerade eine Herde Kühe bei einem Bad erfrischt.

Wir müssen noch ein letztes Stück auf geteerter Straße fahren, bevor wir unsere Unterkunft, die Sodwana Bay Lodge, erreichen. Sodwana Bay ist bekannt für seine Tauchgründe im Indischen Ozean. Aber wir bleiben an Land. Mit Etienne, unserem Quad-Bike-Führer, begeben wir uns erneut auf wilde Fahrt über Sandpisten, weit abgeschieden von der Zivilisation. Mit ihm fahren wir durch unberührte Natur über Hinterwege erneut an das Ufer des Lake Sibhaya. Etienne ist erst seit sechs Monaten hier. Er ist Priester und will hier eine Gemeinde aufbauen. „Ich bin Gottes Ruf gefolgt“, erzählt er uns. Um momentan sein Leben zu finanzieren, begleitet er auf geführten Quad Touren die Reisenden zu Zielen in der Region. Mit ihm entdecken wir in einer Seitenbucht des Sees wieder ein Nilpferd. Über weite, ebene Sandpisten fahren wir dahin, den frischen Fahrtwind im Gesicht. Hin und wieder begegnen uns Kuhherden, sonst sehen wir keine Menschenseele. Am Ufer angekommen, ist Etienne der erste, der in die Fluten springt. Den Staub der Tour herunterwaschen und das kühlende Nass genießen. Wir folgen ihm sofort, aber erst nachdem wir dann doch noch einmal die Krokodil- und Nilpferdfrage geklärt haben. Etienne bestätigt uns mehrmals, dass das Wasser absolut rein ist. So rein, dass er auch gleich seine Wasserflasche mit Seewasser füllt. Wir bleiben dann doch lieber bei unserem Mineralwasser. Auf der einen Seite des Ufers erheben sich grünbewachsene Berge, denken wir. Etienne erklärt uns, dass dies alles bewachsene Sanddünen sind und direkt dahinter, ganz nah, der indische Ozean liegt. Die Dünen sind bis zu 168 m hoch, erzählt er.

In der Nachmittagssonne geht es den gleichen Weg zurück nach Sodwana Bay. Fast drei Stunden waren wir unterwegs und es war einfach herrlich.

Duschen und schnell Abendessen, bevor der Höhepunkt des Tages ansteht. Ob die Quad-Tour noch zu toppen ist? Von November bis etwa Februar kommen nachts Meeresschildkröten in Sodwana Bay an den Strand, der den nördlichen Teil des iSimangaliso Weltland Park bildet, um dort ihre Eier abzulegen.

Unser Führer für heute Abend erwartet uns mit einem offenen Safari-Allrad-Fahrzeug. Sein Name ist Jabulani, was uns natürlich sofort an den offiziellen Ball der WM-Fußballmeisterschaft erinnert. Jabulani ist Zulu und bedeutet frei übersetzt so viel wie „be happy“, sei glücklich, erklärt uns Jabulani auf meine Nachfrage. Wir begeben uns Richtung Strand. Jabulani muss uns am Wachhäuschen einschreiben. Keiner kommt mit seinem eigenen PKW an den Strand. Schildkröten-Touren gibt es nur geführt mit ausgebildeten Führern. Der Vollmond steht schon am Himmel und taucht das rauschende Meer in eine mystische Stimmung. Dank des Lichtes des Mondes können wir sehr weit schauen. Es dauert nicht lange und Jabulani kann uns schon Spuren einer Schildkröte im Sand zeigen. Diesen ersten Spuren nach, muss die Schildkröte eine beachtliche Größe haben. Schon wenige Kilometer weiter, treffen wir auf eine zweite Gruppe, die bereits um eine Schildkröte herumstehen. Laut Jabulani kommen die Weibchen bei der Eiablage so in Extase, dass sie nichts um sich herum wahrnehmen. Wir sind zu sechts in unserem Jeep und die zweite Gruppe besteht aus weiteren sechs Personen. Mir scheint das zu viel und alles ist sehr unruhig. Ich habe andauernd das Gefühl, dass so viele Menschen vielleicht doch die Schildkröte stören. Der Führer der zweiten Gruppe beginnt dann auch noch, während des Eierlege-Aktes, die Schildkröte zu vermessen. So schön dieses Naturschauspiel anzuschauen ist, ich entferne mich, weil es mich traurig stimmt, dass wir so in die Natur „eingreifen“.

Nach nur acht Eiern, ist Schluss. Das Weibchen pudelt das Gelege geduldig und gründlich mit Sand ein. Ganz geschickt, um Nesträuber zu verwirren, täuscht sie an einer etwa einen Meter entfernten Stelle ein erneutes Nest vor. Wie clever die Natur ist. Dann macht sie sich auf den Weg zurück ins Wasser. Die Weibchen kehren zur Eiablage an den Strand zurück, an dem sie selber das Licht der Welt erblickten. Jabulani sagt, dass nur sehr, sehr wenige Babyschildkröten überlegen werden. Viele Eier werden, z.B. von Krabben, bereits aus dem Nest gestohlen und verzehrt, trotz Vortäuschmanöver.

Wir fahren weiter, die zweite Gruppe verweilt für eine flüssige Erfrischung, was mir ganz recht ist. Ich wünsche mir wieder Abstand und Einsamkeit, soweit das natürlich mit sechs weiteren Personen im Auto möglich ist.

Es dauert nicht lange und Jabulani entdeckt bereits die zweite Schildkröte aus dem Meer kommen. Er sagt, wir haben riesen Glück, den Tag zuvor, hat die Gruppe nur eine Schildkröte gesehen.

Unsere zweite Kandidatin sehen wir aus dem Meer steigen. Dank Vollmond können wir auch aus dem Auto beobachten, wie sie die ideale Stelle für die Eiablage sorgfältig aussucht. Wir verharren im Auto und sind alle ganz still, obwohl der rauschende Ozean sicher alle Gespräche übertönen würde.

Nach einiger Zeit verläßt Jabulani das Auto und schleicht sich an das Weibchen heran. Ganz leise, ganz langsam. Er will sicher sein, dass sie bereits mit dem Buddeln fertig ist und möchte herausfinden, in welche Richtung der Kopf zeigt. Wir dürfen uns dann zusammen mit ihm von hinten der Schildkröte nähern. Und dann geht es auch schon los, die Loggerhead Schildkröte (unechte Karettschildkröte) legt los. Ein Ei nach dem anderen fällt in die Grube. Die Eier sind rund und haben die Größe von Tischtennisbällen. Immer drei, vier fallen schnell hintereinander. Wir zählen 84 Eier. Jabulani erklärt uns, dass die Loggerhead Schildkröte generell um die 80 Eier legt. Da die vorherige Eiablage nach acht Eiern abgebrochen wurde, ist dies ein klares Zeichen, dass sich das Weibchen gestört gefühlt hat, für mich.

Während die Eier in das Nest fallen, ist es uns gestattet, von der Hinteransicht Fotos auch mit Blitz zu machen. Sobald die Eiablage beendet ist, müssen wir das Fotografieren einstellen. Schweigend beobachten wir das Bemühen, die Eier gut mit Sand zu bedecken und anschließend die Spuren zu verwischen. Zufrieden macht sich die Mutter dann wieder auf in die Fluten. Wir folgen ihr mit unseren Blicken so lange, bis sie in den Wellen verschwindet. Etwa eine Stunde dauert dieses ganze stille, schweigende Schauspiel. Wir sind alle so fasziniert und gerührt, dass wir dieses besondere Naturereignis erleben durften. Sehr ergreifend. Applaus wäre jetzt das richtige im Theater, aber hier, genießen und danken wir schweigend.

Es ist schon fast 23 Uhr und wir begeben uns langsam auf den Rückweg. Wir haben sicher 40-50 km am Strand zurückgelegt. Auf dem Rückweg machen wir dann noch eine glückliche Entdeckung. Eine weitere Schildkröte kommt an Land. Dieses Exemplar ist noch einmal größer als die beiden vorherigen, wir sind sprachlos. Jabulani erklärt uns, dass es sich hierbei um eine Leatherback – eine Lederschildkröte handelt. Sie ist die größte lebende Schildkröten Art. Ihre „Spannweite“ ist beeindruckend. Sie braucht erheblich länger, bis sie den richtigen Platz zur Eiablage gefunden hat. Langsam geht es auf 1 Uhr zu und auch wenn wir wollten, könnten wir nicht noch eine weitere Stunde hier verharren. Die Flut kommt und wir müssen uns auf den Rückweg machen. Immer noch ganz beeindruckt, von diesen Erlebnissen der Nacht, genießen wir alle schweigend noch den Anblick des Wolkenspiel mit dem Licht des Vollmondes auf unserem Weg zurück ins Hotel.

Wir haben nicht viele, aber nur wahnsinnig beeindruckende Stunden in Sodwana Bay verbracht.

Afrika „Feeling“ rund um Johannesburg

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Elefanten Waisenhaus und Monate Game Lodge

Johannesburg, oft auch nur Jo´burg oder Jozi genannt, ist eine Millionenstadt und die Wirtschaftsmetropole Südafrikas. Mit einem Besuch im Elefanten Waisenhaus vor den Toren der Stadt oder ein paar Nächten auf einer Safari-Lodge rundet man seinen Großstadtaufenthalt ab und kommt der Natur Afrikas ganz nah.  

Verlässt man Johannesburg Richtung Norden findet man sich bald in hügeliger, grüner Landschaft wieder. Man entflieht schnell dem Trubel der Stadt. Die Straßen schlängeln sich durch die bergige Weite bis hin zum Hartbeespoort Dam. 

Unser Ziel ist das Elefanten Waisenhaus. In einem afrikanisch anmutenden, Reet gedecktem Haus werden wir empfangen. Auf der Terrasse bekommen wir einen ersten Blick auf die verspielten Gefährten, die uns die nächsten zweieinhalb Stunden begleiten werden. Von den freundlichen Mitarbeitern erfahren wir mehr über die Herkunft und die Schicksale der fünf Elefanten, die momentan in diesem Waisenhaus versorgt werden. Sie heißen Amarula, Temba, Khumba, Mvusu und  Masadi. Temba ist die jüngste und ist sieben Jahre alt.  

Die Einrichtung vermittelt nicht nur Interessantes über die afrikanischen Elefanten (Loxodonta Africana), sondern gibt uns die Möglichkeit, in einer interaktiven Begegnung den Tieren ganz nah zu kommen. 

Wir fühlen die runzelige, feste Haut am Rücken, berühren die feinen, weichen Bereiche hinter den Ohren, halten die borstigen Enden des Schwanzes in den Händen und fühlen die soften Fußsohlen. Woran erkannt man nun den afrikanischen Elefanten? Unser Guide gibt uns den Tipp, dass seine Ohren die Form des Kontinentes Afrika haben. Tatsächlich! 

Mit einem dicken, feucht-dreckigen Elefantenkuss auf die Wange verabschieden wir uns erstmal. 

Jeder Elefant hat seine eigene Schlafkammer, die jeden Tag komplett gereinigt und für die Nacht hergerichtet wird. Zimmerservice – fast wie im Hotel. 

Während wir noch über die Anatomie der Elefanten aufgeklärt werden, stehen die Vierbeiner ganz neugierig hinter uns. Sie strecken uns, über einen Zaun hinweg, die Rüssel entgegen, steigen sogar mit einem Fuß auf den Zaun, nur um uns näher zu kommen. Nach der Anatomiestunde wird uns klar warum. Die Elefanten kannten schon den nächsten Programmpunkt: Füttern!

Wir bekommen zwei Eimer gefüllt mit Trockenfutter und eine kurze Anweisung, wie wir am besten und am sichersten Füttern. Gierig werden uns immer wieder die Rüssel entgegengestreckt, keine Bewegung bleibt unbeobachtet, wollen die Elefanten doch sicher sein, dass wir gerecht verteilen.

Zum Abschluss drehen wir noch eine Runde „trunk-in-hand“, was so viel bedeutet, wie Händchenhalten oder besser Rüsselhalten. Der Elefant legt seinen Rüssel in die Hand und wir machen einen kurzen Spaziergang über den Platz. 

Zur abschließenden Krönung wird bei Interesse auch ein kurzer Elefanten Ritt angeboten. 

Den schönen Morgen schließen wir mit einem köstlichen 3-Gänge-Mittagessen auf der Terrasse ab, mit Blick auf die neu gewonnen Freunde. Dazu trinken wir einen Rock Shanty, ein typisch südafrikanisches Erfrischungsgetränk.

Monate Game Lodge – etwa zwei Stunden von Johannesburg entfernt

Wir sind auf den Geschmack gekommen, wollen noch mehr Afrika Feeling und buchen eine Game-Lodge für zwei Nächte. Game bedeutet Wild. Und eine Game-Lodge ist die Bezeichnung für eine Unterkunft im Busch gelegen, oft auf einem privaten, sehr weitläufigen Grundstück mit wilden, afrikanischen Tieren. 

Wir wollen nicht weit fahren und haben uns deshalb für die malaria-freie „Monate Game-Lodge“ entschieden. Diese ist etwa zwei Stunden Fahrtzeit nördlich von Johannesburg gelegen, in der Provinz Limpopo. 

Sobald wir von der Hauptstraße abfahren, hört die geteerte Straße auf und die Schotterpiste beginnt. Wir fühlen uns Afrika gleich noch ein Stück näher. An der Lodge werden wir von sehr nettem Personal mit einem frischen Fruchtsaft erwartet. Man erklärt uns den typischen Tagesablauf bei dieser Art von Urlaub und wir wissen jetzt schon, dass wir eine spannende, gute Zeit haben werden. 

Zimmer beziehen und ab in den Pool zur Abkühlung, bevor wir unser Mittagessen unter einem schattigen Sonnenschirm bei sommerlichen Temperaturen einnehmen. 

Um 16 Uhr ist Abfahrt zu unserem ersten Game-Drive in einem offenen Safari-Fahrzeug. Alleine dieses Gefährt ist schon ein Erlebnis. Sobald wir den Bereich der Unterkunft verlassen haben, sehen wir Springböcke, Kudus, Zebras, Wasserböcke, Giraffen und vieles mehr – das ist Afrika. Unser Fahrer hält oft an, gibt uns ausreichend Zeit die verschiedenen Tiere zu beobachten und erzählt uns eine Menge über die Flora und Fauna Afrikas.  

Kurz vor Sonnenuntergang stoppt der Fahrer erneut und wir steigen alle aus. Erst zögerlich, haben wir doch gehört, es soll auch Nashörner und Geparden geben. Und dann haben wir unseren ersten Sundowner im Busch. Mit einem südafrikanischen Weißwein in der Hand, den grasenden Giraffen nicht weit von uns entfernt, genießen wir den Sonnenuntergang. 

Zurück in der Lodge erwartet uns ein Abendessen in einer Höhle. Wir steigen die Stufen hinauf und dort oben in einer natürlichen Grotte im Berg stehen gedeckte Tische im Kerzenschein. In schweren, gusseisernen Töpfen, mit Kohlen befeuert, köcheln köstliche, afrikanische Spezialitäten. Wir essen Kudu und Pap (eine Art Maisbrei) – und können kaum glauben, dass wir uns nur zwei Stunden von der Millionenstadt Johannesburg entfernt befinden. 

Am nächsten Morgen stehen wir bereits um fünf Uhr auf und eine halbe Stunde später starten wir zum nächsten Game-Drive. Es ist kühl und wir haben uns dick angezogen, aber im Safari-Fahrzeug warten auch noch kuschelige Decken auf uns. Eingemummelt geht es wieder hinaus in die Natur. Die Sonne steigt langsam höher und die Natur erwacht. In der Kühle des Morgens entdecken wir viele bekannte Tiere vom Vorabend wieder, haben aber auch das Glück, den Geparden zu finden. Diese Schönheit der Natur ist unglaublich faszinierend. Im Alltag wollen wir uns kaum vorstellen jeden Morgen um fünf Uhr auszustehen und schon bald die Arbeit zu beginnen, aber hier im Busch, sind wir gerne bereit, solche Uhrzeiten in Kauf zu nehmen. Die Natur belohnt uns dafür. 

Wir machen noch einen Kaffeestopp im Busch und kehren dann nach einer weiteren Stunde Tierbeobachtungen hungrig zur Lodge zurück. Dort wartet ein herzhaftes Frühstück auf uns. 

Anschließend ist Freizeit angesagt. Was tun den ganzen Tag? Wir entschließen uns zum Tontauben schießen. Ein großer Spaß, da wir dies alle noch nie gemacht haben. Nach einer Einführung in die Sicherheit und die Technik des Gewehres geht es los, die ersten Schieß-Versuche. Meine zehn Tontauben bleiben verschont, ich erziele keinen einzigen Treffer. Ich investiere in fünf weitere Tontauben, aber auch diese entwischen mir. 

Die spätere Erfrischung im Pool und der zweite Platz in einem kleinen Minigolf Turnier lassen schnell die Misserfolge beim Tontauben schießen vergessen. 

Bei unserem abendlichen Game-Drive haben wir dann noch eine Begegnung der besonderen Art – Nashörner. Gewaltige Tiere, die in einer Gruppe von vier auf unserem Weg stehen und nicht zur Seite gehen wollen. Uns gibt das viel Zeit, die riesigen Geschöpfe zu beobachten und zu fotografieren. Mit der untergehenden Sonne und den trockenen, gold-leuchtenden Wiesen fühlen wir uns der Natur ganz nah und vom Afrika Fieber gepackt. 

Erst nach zwanzig Minuten macht sich die kleine Herde langsam auf den Weg, immer unserem Pfad entlang, bis sie dann im Busch verschwindet.

Zurück im Camp wartet ein großes Lagerfeuer auf uns. In bequemen Campingstühlen genießen einen Aperitif mit Blick in das flackernde Feuer, bevor wir unter dem weiten Sternenhimmel unser Abendessen einnehmen. 

Der nächste Morgen beginnt natürlich wieder um fünf Uhr. Und nein, wir sind es immer noch nicht leid, Tiere zu suchen, zu beobachten und zu fotografieren. Auch wenn sich viele Tierarten immer wiederholen, können wir nicht genug bekommen und die Faszination bleibt. Nachdem wir die großen Tiere schon kennen, interessieren uns nun auch die kleineren Lebewesen, wie Vögel oder Spinnen, die wir bisher überhaupt nicht wahrgenommen haben. Wir genießen noch einmal zwei Stunden in der Wildnis, bevor wir zu unserem letzten Frühstück in die Lodge zurückkehren. 

Danach heißt es packen und Abschied nehmen. Ein faszinierender Kurzaufenthalt liegt hinter uns und wir sind uns jetzt schon sicher, dass wir nicht das letzte Mal in dieser Buschwelt Afrikas Urlaub gemacht haben.

Sansibar

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Enge Gassen und endlose Strände

Diese eigene Welt aus 1001 Nacht liegt nur etwa 35 Kilometer vom Festland Tansanias entfernt. Einmal angekommen ist man schnell verzaubert. Die Altstadt, Stone-Town, wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Ein paar Tage in dieser Stadt und man fühlt sich in eine längst vergangene Zeit versetzt.

Schon die Überfahrt mit der Fähre von Dar es Salam nach Sansibar ist ein Erlebnis. In der Wartehalle steht die Luft, Fliegen schwirren um den Kopf und nerven und die Hitze ist unerträglich. Endlich kommt die Fähre. Dicht gedrängt und voll beladen mit Lebensmitteln und Lebendem, warten die Reisenden in der heißen Sonne am Steg. Dann endlich haben alle ankommenden Passagiere das Boot verlassen und wir können einsteigen. Die zwei Stunden Überfahrt vergehen wie im Fluge. Auf den Fernsehapparaten läuft ein alter Film, Ton gibt es nur für die Reisenden in den ersten Reihen. Oben an Deck drängen sich die Frischluft-Suchenden, finden ein Plätzchen zwischen all den Paletten, Koffern, Paketen, Taschen und einem im kleinen Käfig aufgeregt flatternden Huhn. Der Wind weht einem um die Nase und die Aussicht auf das türkisblaue, endlose Meer ist atemberaubend. Wir passieren kleine Inseln mit weißen Stränden und einfache Fischerboote mit großen Segeln passieren uns. 

Stone Town

Dann erhaschen wir den ersten Blick auf Stone-Town. Dicht gedrängt stehen imposante festungsähnliche Häuser entlang des Wassers. 

Wir gehen von Bord und unser Inselabenteuer beginnt. Sansibar ist eine Inselgruppe, aber zugleich auch der Name der größten Insel. Sansibar Stadt ist die Hauptstadt und Stone-Town das bekannteste, historische Viertel der Stadt. Die Hauptinsel, Sansibar, wird in Swahili auch Unguja genannt. Zwei weitere große Inseln dieser Gruppe sind Pemba und Mafia. 

Obwohl wir auf dem Festland Tansanias schon eingereist sind, müssen wir auf Unguja erneut die Einreise- und Zollformulare ausfüllen. Wir bekommen einen Stempel in unseren Pass – Zanzibar Sea Port TANZANIA.

Nun sind wir offiziell und verlassen das Hafengebiet. Unzählige Führer und Fahrer warten darauf, mit den ankommenden Touristen Geld zu verdienen. Unser Hotel liegt, laut Beschreibung, nicht weit vom Hafen entfernt. Da wir aber den Weg nicht kennen, nehmen wir einen Führer und werden, für umgerechnet etwa fünf Euro, zu unserem Hotel gebracht. Die Leistung wäre sicherlich nur zwei Euro wert gewesen, da sich herausstellt, dass wir um zwei Ecken laufen und schon vor unserer Unterkunft stehen.

Unser Boutique Hotel, Zanzibar Palace, versetzt uns gleich in eine ganz andere Welt. Arabisch und indisch angehaucht können wir das besondere Flair, nicht nur des Hauses, sondern der ganzen Stadt fühlen. Über ein enges, steiles Treppenhaus gelangt man zu den insgesamt nur neun Zimmern, je drei auf einer Etage. Die Zimmer sind alle individuell eingerichtet und dekoriert. Antike Möbelstücke, Himmelbetten und warme Farben verstärken dieses Gefühl, in eine andere Welt eingetaucht zu sein. 

Draußen im Schatten der engen Gassen lassen wir uns treiben. Wir schlendern den Nachmittag ohne Ziel durch Stone-Town, bewundern die prächtigen Häuser oder zumindest das, was von dieser ehemaligen Pracht noch erhalten ist. Die geschnitzten Holztüren, für die diese Stadt so berühmt ist, sind einfach faszinierend. Und wir machen mehr Fotos, als je irgendjemand von Türen anschauen möchte. Aber jeder Eingang ist so individuell und besonders, dass wir einfach nicht stoppen können. Es gibt glänzende, mit Gold verzierte und gepflegte Türen neben anderen, die schon Jahre lang keine Farbe mehr gesehen haben und all der Glanz und die Pracht erloschen sind, aber trotzdem auf ihre Weise faszinieren. 

Rechtzeitig zum Sonnenuntergang begeben wir uns zum Africa House Hotel. Man hat uns erzählt, dass es hier den besten Blick auf den Sonnenuntergang gibt. Und wie wahr! Die Bar auf der Dachterrasse des Hotels ist gut gefüllt, aber nicht überlaufen. Alle warten wir gemeinsam auf den Sonneuntergang mit unserem Sundowner in der Hand. Kein Wölkchen ist am Himmel und rechtzeitig, kurz bevor die Sonne im Meer versinkt, fährt noch eine Dhow, ein typisches Holzsegelboot, malerisch in den Sonnenuntergang hinein. Was für ein Fotomotiv. 

Den nächsten Tag haben wir zum Museumstag erklärt. Wir starten mit dem „Palace Museum“. Direkt an der Uferstraße fällt dieses weiße, mächtige Gebäude gleich auf. Ursprünglich nannte man es den Sultans Palast, wurde es doch für Mitglieder der Sultansfamilie in 1890 gebaut. Ab 1964, als der Sultan enttrohnt wurde, zog ein Teil der Regierung hier ein. 1994 wurde es dann zum Museum, das sich bis heute der Geschichte der Sultane auf Sansibar widmet. Es zeigt unter anderem Möbelstücke aus der damaligen Zeit, die erstaunlich gut erhalten sind. Ein großer Teil widmet sich der faszinierenden Geschichte der Prinzessin Salme, die für großes Aufsehen sorgte, als sie 1866 mit einem deutschen Kaufmann nach Hamburg durchbrannte. Ihre Geschichte schrieb sie damals in einem Buch nieder: „Memoirs of an Arabian Princess of Zanzibar“. 

 

Nicht weit entfernt vom „Palace Museum“ liegt das „Beit al Ajaib“ (House of Wonders). Dieser Ort gibt aufschlussreiche Informationen über die Geschichte und die Kultur der Insel. Nicht nur die Ausstellungen sind interessant, sondern auch das Haus an sich. Mit seinen weiten, großen Balkonen dominiert der strahlend weiße Bau die Hafenpromenade. Es war das erste Haus auf Sansibar mit elektrischem Licht und eines der ersten in Ostafrika mit einem elektrischen Aufzug, daher auch der Name „House of Wonders“.

Von den Balkonen, die einmal rund herumführen, hat man faszinierende Ausblicke auf den Hafen, das Meer, die Festung nebenan und ganz besonders auf die Altstadt. Hier oben ist auch ganz deutlich sichtbar, wie viele Häuser vom Zerfall bedroht sind, wenn nicht sogar schon unrettbar zerstört. Die Natur hat an vielen Stellen die von Menschenhand geschaffenen Bauten zurückerobert. Es wächst Gras und es sprießen Bäume, wo früher Familien einmal ein Dach über dem Kopf hatten. 

Ein paar Schritte weiter bietet sich der Innenhof der alten Festung für eine Verschnaufpause an. Rund um das Amphitheater, in dem regelmäßige Veranstaltungen stattfinden, haben sich kleine Geschäfte mit Kunsthandwerk angesammelt. Man kann den Malern zuschauen, wie ihre Bilder entstehen. Mit groben Pinseln bringen sie die Hintergrundfarben auf die Leinwände, auf denen später zierliche, Massai-ähnliche Figuren mit Speeren auf die Jagd gehen werden. 

Uns lacht in diesem Moment mehr das kleine Café an, das erfrischende Getränke serviert und Sitzgelegenheiten unter schattigen Bäumen bietet.

Wir wollen noch weiter und müssen tiefer in die verwinkelten Gassen vordringen. Nach einer Weile des Herumirrens, finden wir unser Ziel – das Hamamni Badehaus. Dies war das erste öffentliche Badehaus auf Sansibar. Gebaut wurde es von 1870 bis 1888. Es ist lange nicht mehr in Betrieb, aber ein netter Sansibari sitzt an der Tür und führt Besucher gerne herum. So verwinkelt wie die Gassen der Altstadt, ist auch dieses Badehaus. Wir gelangen tiefer und tiefer in das Gebäude, welches von außen nicht groß erscheint. Die bis in kleinste durchdachte Bauweise ist beeindruckend: Versteckte kleine Nischen für die Schuhe und für Kleidung; große Erker, in einem Kreis angeordnet, die als Umkleidekabinen dienten oder dem Barber Arbeitsfläche boten; ein Massageraum, ein Dampfbad, ein Kühl- und ein Wärmeraum, Duschen und ein Kaltwasser Pool. Wärme wurde damals durch ein unterirdisches Heißwasser System erzeugt. 

Mit einem kleinen Trinkgeld verabschieden wir uns von unserem Führer und müssen nun wieder unseren eigenen Weg durch die Gassen der Stadt finden. 

Nach diesem Ausflug in die Badekultur des vergangenen Jahrhunderts wartet nun eher schwere Geschichte auf uns. Am Sklavenmarkt führt uns der Guide zuerst in den Keller hinunter. Dunkel, stickig und unbeschreiblich eng ist es hier und wir fühlen uns gar nicht wohl. Als wir hören, dass hier die Sklaven eng gepfercht oft tagelang ausharren mussten, bis sie auf dem Markt verkauft wurden, sehnen wir uns nach Frischluft. 

Draußen wieder angekommen, werden zwar die Geschichten erst einmal nicht besser, aber das Atmen fällt wieder leichter. In der anglikanischen Kirche, die heute genau an der Stelle steht, wo früher der Hauptumschlagplatz für die Sklaven war, hebt sich die Stimmung langsam wieder, weil wir endlich in der Geschichte am Ende der Sklaverei auf Sansibar angelangt sind. 

Entpannung im Spa

Nach einer Stunde der Belastung für Körper und Geist möchten wir einfach versuchen, unsere Gedanken und den Körper wieder zu reinigen und zu befreien. Wir schlendern zurück zum Hotel und buchen eine Massage in einem modernen „Badehaus“, einem Spa. Im Hotel werden wir abgeholt und durch die engen Gassen zu einem alten Gebäude geführt. Außen schaut es sehr trist und heruntergekommen aus.  Innen begrüßt uns freundlich und herzlich eine Dame am Empfang des Mrembo Spa, einem traditionellen Spa, das nur lokale Blumen, Kräuter und Gewürze bei den Behandlungen verwendet. Wir genießen einen leicht scharfen Ingwer-Zitronengras Tee und werden dann gemeinsam in einen abgedunkelten, mit Kerzen erleuchteten, Raum geführt. In leichte, orientalische Tücher gehüllt, beginnt unsere Entspannungsstunde. Zwei Damen erfrischen unsere Füße, die uns den ganzen Tag durch die Gassen der Stadt getragen haben. Herrlich! Bei leiser, beruhigender Musik und exotischen Düften erhalten wir eine wohltuende Massage. Der Höhepunkt ist ein Gewürznelken-Ganzkörper Peeling. Dieses versetzt den eigenen Körper in leichte Hitzewallungen und schenkt ihm verloren gegangene Energie zurück. Es stärkt und erfrischt uns. Nachdem wir geduscht haben und all die Gewürznelken und den Schlamm heruntergewaschen haben, fühlen wir uns prächtig. 

Wir sind uns sicher, dass wir den Weg zurück zum Hotel alleine finden… Die Gassen werden zum Irrgarten und wir brauchen eine ganze Weile, bis wir unsere Unterkunft wieder gefunden haben. Aber so entspannt und neu erfrischt macht uns der kleine Umweg überhaupt nichts aus. 

Am nächsten Tag heißt es Abschied nehmen von dieser beeindruckenden und mitreißenden Stadt. Wir fahren in den Norden und werden noch ein paar Tage im Hotel am Strand verbringen. 

Strandzeit

Gebucht haben wie die „Mnarani Beach Cottages“. Das Haus bietet Bungalows ohne Klimaanlage, ein Haus zur Selbstverpflegung und das „Zanzibar House“, in dem die Zimmer mit Klimaanlage ausgestattet sind. Wir gönnen uns den kleinen Luxus eines gekühlten Zimmers. Mnarani heißt auf Swahili Leuchtturm. Der Name ist Programm: Das Hotel liegt direkt neben dem Leuchtturm in Nungwi, am nördlichsten Zipfel der Insel. 

Die Anlage ist idyllisch, ruhig und direkt am Strand gelegen. Auf einer großen Holzterrasse, die über dem Meer zu schweben scheint, stehen Liegen, Hängematten und schwingende Holzbetten in luftigen, offenen reetgedeckten Hütten zur Verfügung. Bei Flut schlagen die Wellen unter der Holzterrasse an die Felsen. Der Blick von hier oben auf das türkisblaue Meer ist einfach atemberaubend. Wir schnorcheln und entdecken die farbenfrohe, lebendige Unterwasserwelt mit leuchtendroten und blauen Seesternen. Eine andere Welt, die uns so fasziniert, dass wir einen Bootsausflug zum vorgelagerten Riff machen. 

Direkt neben dem Leuchtturm liegt das Mnarani Natural Aquarium. In einem natürlichen Gezeiten-Pool tummeln sich die Hawksbill Turtles (Deutsch: Karettschildkröten). Die Schildkröten waren auf der Insel vom Aussterben bedroht und so eröffnete man 1993 dieses besondere, natürliche „Aquarium“. Seitdem steigt die Schildkröten Population in den Gewässern rund um Sansibar wieder stetig an. Mit etwas Glück begegnet man ihnen vielleicht auch beim Schnorchel.

Noch zwei Tage genießen wir das kristallklare Wasser, das Nichtstun und die Idylle der Insel. Dann heißt es Abschied nehmen. 

Es ist kaum vorstellbar, dass wir nur acht Nächte auf Sansibar verbracht haben. Die vielen Eindrücke, die Erholung und die engen Gassen Stone-Towns haben uns verzaubert. Wir kommen sicher einmal hierher zurück, in diese Welt aus 1001 Nacht.