Schmugglerhäuschen…

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Casas do Contrabando – Galegos – Portugal

Von der Pousada in Evora fahren wir den wunderschönen Ort Marvao an. Wie ein Storchennest hoch oben, etwa 800 m über dem Meeresspiegel, liegt der kleine, idyllische Ort im São Mamede Gebirge, eingesäumt von einer alten starken Festungsmauer. Wir laufen oben auf der Mauer entlang, genießen wundervolle weite Blicke in die Ferne und haben Spanien ganz nah zu unseren Füßen. In der Burganlage herrscht reges Treiben, denn es steht ein Musikfestival an. Stühle, Traktoren, Menschen – Hektik. Über einen schmalen Einstieg gelangen wir über ein paar Treppen in die Zisterne. Von einer kleinen Plattform haben wir einen tollen Blick über den mittelalterlichen Wasserspeicher. Auch hier am Boden der Zisterne stehen die Stühle für die nahenden Konzerte. Sicher eine sehr besondere Atmosphäre hier unten.

Unser Ziel des Tages ist noch einige Meter weiter entfernt. Am Fuße des Berges liegt der Ort Portagem, aber für uns geht es weiter hinaus aus der Stadt, ab ins Grüne. Es wird ruhiger und grüner und verlassener und dann erreichen wir ein sehr verschlafenes kleines Dörfchen, Galegos, oder besser eine kleine Ansiedlung von Häusern… Eines davon soll unsere Unterkunft sein: die Casas do Contrabando.

Wir finden sie, klingeln und Eduardo kommt an die Tür. Wir seien ein wenig früh dran und er sei noch nicht ganz fertig mit den Zimmern… Was tun? Im Ort scheint es nichts zu geben. Also wieder zurück nach Portagem und dort ein bisschen umschauen. In einem kleinen Farmshop decken wir uns mit Tapas für den Abend ein. Ein bisschen Schinken, verschiedene Käsesorten, Oliven und Baguette und noch einige Flaschen verschiedener Biersorten von einer kleinen Brauerei in der Nähe. Im Farmshop gönnen wir uns noch einen Kaffee und ein Pastel de Nata.

Zurück bei Eduardo werden wir herzlichst erneut empfangen. Jetzt ist er ganz entspannt und ein sehr warmherziger Gastgeber. Wir fühlen uns super wohl und erfahren gleich, dass wir die einzigen Gäste für die Nacht sind.

Durch Eduardos wunderschöne, lichtdurchflutete Küche gelangen wir in den kleinen Garten mit kleinem Pool. Der Garten fällt zu einer Seite ab, im Tal fließt ein Flüsschen vorbei. Es plätschert. Herrlich. Die Kinder lesen, wir dümpeln im Pool und verkosten mit Eduardo die erste Geschmacksrichtung des Craft-Bieres der Barona Brewing Company.

Wir reden und reden. Es ist so schön, ein bisschen in die Geschichte eines Einheimischen eintauchen zu können. Eduardo hat es in Covid19 Zeiten aus dem hektischen Stadtleben aufs Land hinausgezogen. Mit sehr viel Liebe hat er das alte Casa de Contrabando, das Schmugglerhäuschen, umgebaut und erweitert. Er hat ein Händchen für schöne Details. Wie sich später rausstellt, hat er auch die vielen wundervollen Gemälde im Haus selber gemalt.

Das Häuschen ist ein Schmugglerhäusen, weil direkt hinter der Hausmauer ein einspuriger geteerter Weg zur Grenze nach Spanien führt. Die ist nur etwa 1,3 km vom Haus entfernt, somit war früher der Ort Galegos ein beliebtes Schmugglerörtchen.

Spanien so nah?

Da werden wir und die Kinder gleich hellhörig. Und somit geht es nach der Poolsession in der Abendsonne los und wir marschieren Richtung grüne Grenze. Wir kommen an einem kleinen Bauernhof vorbei mit einem kläffenden, offensichtlich aber blinden Hund, sonst nur goldenes, langes Gras, das so wunderschön in der Abendsonne leuchtet. Recht schnell sind wir dann an der Grenze. Vollkommen unspektakulär. Zwei Schritte und wir sind in Spanien. Es ist ebenso still und verlassen in dem kleinen Örtchen dort, wie in Galegos auf der portugiesischen Seite. Vor einem Haus sitzt eine Gruppe älterer Menschen auf Plastikhockern oder -stühlen. Über was sie wohl reden? Viel passieren wird hier sicherlich nicht. Wir grüßen freundlich und sorgen ganz sicher dafür, dass sie nun für die nächste halbe Stunde Gesprächsstoff haben. Vielleicht sind wir auch morgen noch Thema… Wir schnappen nur ein paar Wortfetzen auf, aber sie sprechen Spanisch. Ein Auto steht in einer Einfahrt, auch hier das E auf blauem Hintergrund mit Europasternen darüber.

Das kleine Lokal, welches wohl am Wochenende geöffnet ist, hat leider unter der Woche geschlossen. Somit machen wir uns recht bald auf den Rückweg. Ein super netter Abstecher.

Übrigens beträgt der Zeitunterschied zwischen den beiden Ländern eine Stunde. Wenn man eine Weile wartet, stellen sich tatsächlich die Uhren des Smartphones um.

Tapas

In Eduardos Küche richte ich unsere Tapas her. Er beäugt mich und ich bekomme gleich eine Einweisung in die verschiedenen Käsesorten, die wir gekauft haben und wie ich welche schneiden sollte. Auch das Schinkenschneiden übernimmt er gleich. Ich glaube, ich mache ihn ganz nervös mit meiner deutschen Art… Er richtet alles nett für uns auf Schieferplatten an und drängt darauf, dass ich draußen Platz nehme und er uns bedient. Also gut…. Er ist der Gastgeber, ich der Gast.

Wir genießen die Leckereien aus dem Farmshop und später gesellt sich Eduardo noch für einen Plausch zu uns. Wir erfahren auch endlich ein bisschen mehr über die Korkeichen. Was mich am meisten fasziniert:  Den Kork der Korkeichen kann und darf man alle neun Jahre ernten. Auf den Rinden findet man nämlich immer wieder Zahlen. Mal ausgeschriebene Jahreszahlen, mal aber auch nur eine einzige Zahl. Wir sehen danach alle Korkeichen mit ganz anderen Augen.
Der Abend klingt im Garten am Pool aus. Wir schlafen super, bei gekipptem Fenster mit dem Plätschern des Baches…

Was für eine Idylle.

Das Frühstück am nächsten Morgen ist mit viel Liebe im Garten angerichtet. Eduardo liebt es Gäste zu bewirten, das spürt man. Den Honig aus der Gegend verschlingt unserer Tochter gar, so dass zwei Mal Nachschub geholt werden muss.

Vor unserer Abfahrt reicht uns Eduardo noch ein EinmachGlas mit bunten Zettelchen. Wir sollen doch noch unseren „Spruch“ ziehen.

Nur zwei unserer vier gezogenen Sprüche:

Mein Spruch: Give without remembering and receive without forgetting.

Ich liebe ihn.

Der Spruch meiner Tochter: No one is you and that is your power.

Stark.

Die Männer der Familie ziehen portugiesische Sprüche, die uns Eduardo geduldig übersetzt.

Was für ein Aufenthalt. Von Ankunft bis Abreise rund. Rundum zum Wohlfühlen.

Eduardo begleitet uns noch zum Auto. Wir machen noch ein Gruppenfoto und verabschieden uns, wie von einem guten Freund, den wir eine Zeitlang nicht sehen werden: mit einer herzlichen, langen Umarmung.

zu Fuß nach Spanien…

Marvão

Korkeichen Portugals