57 Waterberg

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Game Lodge im Welgevonden Game Reserve – Südafrika.

Auf meinem letzten Südafrika Blogbeitrag habe ich euch mitgenommen auf eine Safari Lodge ins staatliche Naturreservat Pilanesberg – heute geht es in das private Naturreservat Welgevonden, etwa 3,5 Stunden nördlich von Johannesburg.

Unser LieblingsNaturreservat in der Umgebung von Johannesburg.

Gegen 8 Uhr starten wir die Weiterfahrt von unserer Tshukudu Lodge im offenen Safari-Fahrzeug. Erst einmal etwa eine Stunde Fahrt bis zu unserem Auto, welches an der Bakubung Lodge parkt. Von hier geht es dann Richtung Osten, auf einer dreistündigen Fahrt zum Welgevonden Westgate. Wir machen noch einen kurzen Stopp an einem kleinen Shop entlang der Straße, decken uns mit Biltong und Getränken ein und informieren von hier die Lodge, dass wir bald am Westgate ankommen werden. Mit unserem Auto biegen wir nun auf eine staubige Schotterpiste ab. Etwa 18 km fahren wir auf dieser Straße in den afrikanischen Busch hinein. Die Straße ist gut befahrbar, natürlich dürfen auch die Kinder (auf dem Schoß sitzend) mal eine kleine Strecke ans Lenkrad.

Am Westgate angekommen, wartet schon unser netter Guide auf uns. Der Manager des Camps 57 holt uns persönlich ab. Wir packen wieder unsere Sachen vom staubfreien Autokofferraum in das offene Safarifahrzeug um und dann geht die Rüttelei und der Spaß los. Über Stock und Stein, steile Berge hinauf, schmale Pfade entlang – Richtung Camp. Bereits auf dem Weg hält der Fahrer an und wir bestaunen fleißige Mistkäfer. An einem Baumstamm entdecken wir eine bezaubernde blaue Echse. Besser könnte der zweite Teil der Tour nicht starten. Die Kinder sind von der wilden Fahrt und den ersten Entdeckungen ganz begeistert: „Genau so war das doch immer!“
Schon die Einfahrt in die Lodge ist vielversprechend. Super stylisch, modern, der krasse Gegensatz zur letzten Lodge. Sauberkeit und puristische, moderne Schönheit mit diesem besonderen Touch Afrikas.

WOW!

Wir bekommen direkt feuchte Tücher gereicht, um uns vom Staub des Weges zu befreien und einen Willkommensdrink, um die trockenen Kehlen zu spülen. Im Anschluss werden wir zu einem Tisch auf der Terrasse geleitet, mit Blick auf das kleine Wasserloch. Neben der Weinkarte bekommen wir ein köstliches Sandwich gereicht. Was für ein aufmerksamer Service in wundervoller Umgebung. Auf der weitläufigen, modernen Terrasse, alles in dunklem Grau gehalten, kombiniert mit Naturfarben und -materialien, ist ein kleiner Pool eingelassen. Stilvolle Sonnenliegen und -cabanas laden zum Entspannen ein. Über wenige Stufen hinab gelangt der Besucher zu einer Feuerstelle.
„Die Lodge Fifty Seven Waterberg liegt im Herzen des herrlichen Welgevonden Game Reserve, das Teil des Waterberg-Biosphärenreservats ist, welches 2001 von der UNESCO zum offiziellen Weltkulturerbe erklärt wurde. Die Einrichtungen unserer gut ausgestatteten Lodge bietet seinen Gästen eine Oase des 5-Sterne-Luxus, umgeben von 35.000 Hektar unübertroffener natürlicher Schönheit, die reich an exotischen Wildtieren ist.
Die perfekte Wahl für einen Wochenendtrip oder einen romantischen Kurzurlaub, unsere Lodge liegt etwa drei Autostunden von Johannesburg und Pretoria entfernt. In einer malariafreien Zone gelegen und mit nur 10 Gästesuiten kombiniert unsere intime Umgebung Privatsphäre und Ruhe mit allem, was Sie für einen komfortablen und entspannten Aufenthalt benötigen.“, so beschreibt es die Homepage.

An unseren Tisch tritt eine nette Dame und erfüllt meinem Mann den Wunsch, den er noch auf der Autofahrt geäußert hatte…. „Ich hätte so gerne eine Massage. Hoffentlich bieten die das auf der nächsten Lodge an.“ Was für ein Service.

Aber es wird noch besser.

Man führt uns zu unserer „Luxussuite“, die letzte oben am Berg, mit Verbindungstür. Wir betreten einen hellen, edlen Raum. Heller Holzboden kombiniert mit Stahl und eine Fensterfront über bestimmt acht Meter mit Blick in afrikanischen Busch. Über unserem überdimensionalen Doppelbett, hängt ein wundervolles Kunstwerk in Sepia-Farben, mit Wildhunden. Neben dem Bett führt eine Glastür in den Bad- und Ankleidebereich. Die große Dusche mit Regenkopf bietet ebenfalls einen Blick in den afrikanischen Busch.
Neben dem Bett, vor dem Bad, schließt sich eine gemütliche Sitzecke an, mit Blick auf den Busch oder auf den von der Decke hängenden offenen Kamin. Von hier führt eine große Glasschiebetür auf unsere private kleine Terrasse mit Sonnenliegen und einem privaten, kleinen Pool. WOW WOW WOW!
Es hängen zwar dunkle Wolken am Himmel, aber da muss ich rein. Als Einzige der Familie bin ich Minuten später im Wasser. TRAUMHAFT, dieses Gefühl von wirklich purem, unfassbarem Luxus. Ich bin baff.

Wir können unser Glück gar nicht fassen.

Und das noch Unglaublichere: Unsere Kinder haben exakt die gleiche Ausstattung, nur gespiegelt, direkt neben uns, durch eine Verbindungstür erreichbar. Das kann ich unmöglich gebucht haben und das können wir unmöglich bezahlt haben… Die müssen uns, aus welchen Gründen auch immer, ein kostenloses Upgrade gegeben haben. 

Es klopft: die nette Massage-Dame mit einer ebenso netten Kollegin, stehen vor unserem Bungalow. Ein Herr trägt ihnen die zwei Massagebetten hinein.

Dann allerdings die Ernüchterung: Ich habe ja noch ungezogene Fäden im Rücken. Ich hatte wenige Tage vor Abflug ein Muttermal auf dem Rücken entfernt bekommen. Und eigentlich sollte mein Mann noch die Fäden ziehen. Vergessen.

Leichte Hektik kommt auf…

Denn ich kann leider die extra für diesen Zweck eingepackte Schere und Pinzette nicht finden. Nur ein Nagelknipser taucht im Waschbeutel meines Mannes auf. Die nette Massage-Dame beobachtet meinen Mann kurz und greift dann ein. Sie übernimmt das. An ihrem Handgelenk und am Unterarm zeigt sie uns einige Narben und erklärt, dass sie Erfahrung im Fäden ziehen hat. Wir müssen doch alle schmunzeln, aber die Warmherzigkeit ist einfach rührend schön.

Kurze Zeit später, liege ich fadenlos auf meiner Liege, ebenso mein Mann. Erholung pur. Die Damen haben auch noch irgendwie beruhigende Musik in unser Zimmer gezaubert.

Kann das alles wahr sein?

Im Anschluss an die Massage wird die Natur verwöhnt. Die Liegen stehen noch vor der Tür zur Abholung bereit, als plötzlich ein Wolkenbruch mit einem für uns so altbekannten, extrem lauten, wildtobendem Gewitter durch den Busch grollt und tobt. Der erste Regen seit sechs Monaten, wie wir später erfahren. Der Wolkenbruch zieht sich in die Länge… zu viert liegen wir auf unserem riesigen Bett, genießen auf der Naturleinwand das Schauspiel und dösen immer wieder ein. Eine ganze Stunde lang tobt der Regen und das Gewitter. Fast passend zum geplanten Game-Drive kehrt Ruhe ein. Nur noch ganz leichter Nieselregen tröpfelt vom Himmel. Wir machen uns auf den Weg zum Haupthaus. Es riecht herrlich nach Sommerregen. Am Safarifahrzeug steigen zwei nette Damen zusammen mit uns ein. Eine der beiden arbeitet für einen Nashorn-Schutz-Verein in Pretoria. Super spannend. Dieser Verein sammelt Spenden und finanziert damit Anti-Wilderer-Programm in verschiedenen Parks in Südafrika.

In warme, gemütlich gefütterte Regenponchos gehüllt geht es ab in den Busch. Überall auf den Wegen stehen große Wasserpfützen. Riesengaudi die Durchfahrten. Vorbei an verschiedenen Vögeln und Wasserböcken, stoßen wir recht bald auf mehrere stattliche Nashörner MIT Nashorn. Imposant und so ruhig und friedlich.

Zwei Wasserdurchfahrten später – das nächste Highlight:

Eine Löwenmama mit vier Teenagern. Die Vier toben verspielt, einer legt sich mitten auf den sandigen Pfad vor uns, einer tollt auf einem umgefallenen Baum herum, versucht gar darauf zu balancieren. Das Fell der Teenager ist fast Dunkelbraun. Immer wieder treffen zwei zusammenbalge, um wild zu balgen, einmal sogar springen sie wild um die Mutter herum und springen ihr auf den Rücken. Sie bleibt ganz cool. Einer der Wilden trinkt an einer Pfütze, ein anderer läuft neugierig auf das Safariauto vor uns zu.

Wir verweilen wirklich lange in der Nähe der Löwen, dann aber machen wir Platz für andere Fahrzeuge mit Gästen, die natürlich auch an dem Schauspiel teilhaben möchten. Nach drei weiteren Nashörnern und einer weiteren wilden Wasserdurchfahrt gibt’s einen Drink im Bush. Mitten im Bush auf dem freien Feld, eigentlich nur wenige hundert Meter entfernt von der Rasselbande. Die Nashörner weiterhin in Sichtweite. Das wahre Afrika-Feeling hat uns erwischt. Die Kinder strahlen, denn das ist die Art Sundowner im Busch, die die beiden in ihren Erinnerungen haben…

Zurück in der Lodge bekommen die Kinder nach der doch recht kühlen Fahrt sofort einen heißen Kakao angeboten. So aufmerksam und einfach toll, diese kleinen Aufmerksamkeiten. Der geplante BBQ-Abend wurde aufgrund der kühleren Temperaturen nach Innen verlegt. Nicht, dass Innen gegrillt wird, aber wir bekommen köstlichste Steaks auf Holzbrettern serviert, einen frischen Salat mit Kürbis, Roter Beete und Ziegenkäse, dazu noch im Ofen geröstete Kartoffelecken.

Die Kinder sind nach dem Essen wieder müde und ziehen sich in die Traum“Hütte“ zurück. Wir trinken noch einen letzten Gin-Tonic (ich einen pinken) in einer gemütlichen Sofaecke, bevor auch wir super glücklich und zufrieden in unser RIESEN Bett fallen.

Am nächsten Morgen, 5 Uhr Wecken, entdecken wir bereits in der Hütte ein erstes faszinierendes Tier: eine rosafarbene Riesenmotte. Als unser Sohn sie auf den Finger nimmt, hinausträgt und auf einen Stein setzt, wird sie noch größer, denn sie breitet ein weiteres Paar Unterflügel aus auf denen uns zwei große, bedrohliche Augen entgegenzublicken scheinen. Wunderschön, wenn der Tag so startet.

In der Morgendämmerung geht es hinab zum Haupthaus.

Und was erwartet uns da? Nicht nur ein frischer Kaffee….

Ein Elefant am Wasserloch. Wir trinken unseren Kaffee, er sein Wasser und dann verschwindet er auch schon recht bald wieder im Gebüsch. Alle die nach uns zum Kaffee eintreffen, haben ihn leider verpasst…. Der frühe Vogel, sieht den Elefanten – oder wie ging das Sprichwort nochmal?

Wieder gemütlich in die Ponchos eingewickelt, obwohl es nicht mehr regnet, aber doch recht kühl ist, starten wir auf die nächste Safarifahrt. Die Sonne steht noch ganz, ganz tief am Himmel und taucht diesen in ein wunderschönes rosafarbenes Licht, fast so wie die Motte am Morgen. Über Stock und Stein und dann Tatzenabdrücke im feuchten Wegesrand.

Auf der Schotterpiste kommt uns ein einsamer, männlicher Strauß entgegen. Erst kurz vor unserem Auto verlässt er die Straße und läuft direkt an uns vorbei. Die aufgehende Sonne direkt hinter ihm.

Wenig später stoßen wir auch zwei Nashörner. Eines der beiden ist wohl Langschläfer, denn es liegt noch am Boden, während das andere bereits grast. Und dann taucht vor uns der Löwe zu den Tatzen auf. Eine einzelne massive Löwendame streicht durch das Gras, gut getarnt, denn die Farbe ihres Felles ist fast identisch mit der Farbe des Grases. Nur ein kurzes Schauspiel, ein kurzer Moment und sie ist wieder im Busch verschwunden.

Wir treffen noch auf eine Nashornmama mit süßem, kleinen Nashornbaby, dass fast noch kein Horn hat, nur einen leichten Ansatz. Ein weiteres Nashorn läuft direkt aus dem Busch gemächlich vor uns auf den Weg, bleibt mitten auf diesem stehen und markiert erstmal ihr Revier. Kurze Zeit später treffen wir noch auf einen einzelnen, männlichen Löwen, auch dieser tritt nicht weit vor uns auf den Weg und läuft entlang der Sandpiste vor unserem Auto her, bis er wohl meint, er hat uns genug geboten und er wieder im hohen Gras verschwindet.

Zeit für einen Kaffee mit Nashornblick.

Und um diesen ganzen unbeschreiblich wunderschönen Morgen, ich möchte erwähnen, dass es gerade mal 7:30 Uhr ist, auch noch zu toppen, packt unser netter und sehr kompetenter Fahrer neben einer Flasche Amarula zum Kaffee auch noch Nashornkekse aus. Kann ein Tag schöner beginnen. Ich liebe Afrika!

Wie gesagt – mit Nashornblick. Denn nur etwa 200 m von uns entfernt grasen zwei Nashörner. Wir sehen u.a. noch weitere Nashörner und viele Warzenschweine, bevor wir zum Frühstück zurück in unsere Unterkunft kehren. 57 – sicher eine meiner Favoriten-Lodgen 😉

Auf unserem Frühstückstisch auf der Sonnenterrasse steht bereits für jeden ein Teller mit frischem Obst, Jogurt, Käse und Wurst, Scones und Croissants. Die Kinder bekommen direkt ungefragt wieder einen heißen Kakao geliefert und ich starte den Tag zum zweiten Mal mit einem Kaffee mit Elefantenblick. Aber diesmal hat der Barista mir auf meinen Cappuccino einen Elefanten gezaubert. Ich bin vollkommen verzaubert. Mag ihn gar nicht trinken… Selbst die Kinder müssen erstmal Fotos machen.

Wir bestellen noch ein paar pochierte Eier und können unser Glück überhaupt gar nicht fassen.

Aber die Realität ist: Wir reisen heute schon ab.

Denn ich habe diese Lodge nur für eine Nacht gebucht. Die ganze Familie jammert eigentlich schon seit dem Abend zuvor, ob wir nicht doch zwei Nächte bleiben könnten. Ich bleibe stur, denn ich habe so viel Planung in die Reise gesteckt und bin mir irgendwie sicher, es wird einen Grund haben, warum ich die nächste Lodge für zwei Nächte gebucht habe. (Obwohl ich tief in mir drin, natürlich auch zweifele, ob wir uns nicht ärgern werden…)

Aber ich setzte mich durch. Wir reisen nach dem Frühstück ab…

Na gut, ein Cappuccino geht noch…. Ob es wieder einen Elefanten gibt…? Auflösung zeigt das letzte Foto 😉

57 Waterberg… ich denke, wir kommen wieder. Irgendwann… Es war traumhaft schön.

Und der letzte Kaffee… kein Elefant! Eine wilde Katze… Gepard… Leopard…

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Nach sechs Jahren zurück in der alten Heimat…

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Johannesburg – Südafrika.

Tshukudu Bush Lodge, Pilanesberg.

Die Herbstferien liegen nun schon einen Monat und 10 Tage zurück. Es fühlt sich an, wie ein halbes Jahr. Heute finde ich endlich mal Zeit, euch von der gigantischen Reise zu erzählen.

Wer hier schon ein bisschen länger mitliest, weiß, dass ich oder wir als Familie sehr stark mit Afrika verbunden sind, besonders natürlich mit unserer früheren Wahlheimat Johannesburg und Umgebung. Da geht das Herz auf, besagt ja das bekannte Sprichwort und so ist es, wenn wir Fuß auf den afrikanischen Kontinent setzen.

Am 15. Okotober 2022 also nach 6,5 Jahren endlich mal wieder in Südafrika.
Das Gefühl? Unbeschreiblich.
Die Fahrt vom Flughafen zum ersten Übernachtungsstopp bei einem guten Freund: Vertraut.
20 Uhr – Licht aus – Loadshedding: TIA. This is Africa.

Ein kurzweiliger Abend, ganz so, als ob man letztes Wochenende erst gemeinsam an einem Tisch saß, aber auch ein kurzer Abend. Denn wir haben einen langen Anreisetag hinter uns. Die frühe, natürliche Dunkelheit und zusätzlich natürlich der Verlust des elektrischen Lichtes, bewegen uns dazu, den Abend relativ früh zu beenden.

Glücklich und irgendwie „zu Hause“ fallen wir in die Betten.

Morgen geht es in den afrikanischen Busch und wir können es eigentlich gar nicht mehr abwarten.

Nach dem Frühstück fahren wir etwa 2,5 Stunden Richtung Nord-Westen. Auch hier: alles vertraut und das leichte Kribbeln im Bauch, dass man auch nach der langen Zeit, einfach den Weg kennt und alles so aussieht, wie es immer aussah.

Erster Anlaufpunkt die Bakubung Lodge im Pilanesberg Nationalpark. Hier schlafen wir aber nicht. Hier checken wir in unsere viel, viel kleinere Lodge, tief im Park drin ein. Denn die Bakubung Lodge entspricht eher einem Hotelkomplex, wir aber wollen richtiges Bush-Feeling.

Am Parkplatz laden wir unsere Rucksäcke und Koffer in einen offenen Safari-Jeep um und dann weht uns der trockene, südafrikanische Wind durch die Haare. Es hat seit sechs Monaten nicht geregnet, die Luft ist also wirklich trocken, man spürt und riecht es. Fast eine Stunde fahren wir durch den Park, sehen schon erste Tiere, bevor wir an unsere Lodge kommen. Mitten im Nationalpark, nicht eingezäunt, hoch oben auf einem kleinen felsigen Berg gelegen. Genauer gesagt, 132 Stufen hoch gelegen. Man sollte also gut zu Fuß sein, denn diese Stufen muss man für jeden Game Drive runter und dann natürlich auch wieder hoch.

Die reetgedeckten Stelzenhäuser hänge an der Hügelkante. Überall laufen unzählige Dassies (Klipschliefer) umher, große und kleine, agile und faule Vertreter. Zu süß.

Da unsere Zwillinge nun 12 Jahre alt sind, müssen wir leider in den Lodgen immer zwei Zimmer buchen, was natürlich generell schön ist, aber preislich schon reinhaut. Die beiden sind aber ebenso verzückt wie wir, beim Betreten der Häuser. Der Blick von der großen Holzterrasse über die weite afrikanische Ebene ist unglaublich beeindruckend. Wir sehen von der Terrasse aus bereits Giraffen und Nashörner im Tal.

Die Lodge hat nur sechs Chalets, die insgesamt maximal 20 Personen beherbergen können. Genau das, was wir wollten.

Aber das ist nur der Anfang….

Nach einem kurzen Mittagssnack, chillen wir alle auf den gemütlichen Holzstühlen auf der Terrasse mit dem Fernglas in der Hand. Der eine döst ein bisschen, der andere liest. Ich bereite mir noch einen Kaffee und esse dazu einen Buttermilk-Rusk. Den ich nur abbeißen kann, wenn ich ihn ein wenig im Kaffee aufgeweicht habe. Ich weiß jetzt schon, was wir auf jeden Fall mit zurück nach Dubai nehmen werden….

Am Nachmittag gibt es noch ein paar Kleinigkeiten zum Snacken, bevor unser Game-Drive startet. Unser Auto ist gut gefüllt, aber es ist eine wirklich nette Truppe. Drei Damen aus Australien, die zu einer Hochzeitsfeier in Südafrika sind, ein Paar aus Pretoria und wir vier.

Bereits auf dem Weg von unserer Lodge hinunter in den weitläufigen Park, sehen wir eine „Journey of Giraffe“, so wird eine Gruppe von Giraffen genannt, wir sehen Warzenschweine, Kudus, Impalas, zwei gelbe „yellow hornbills“, also zwei südliche Gelbschnabeltokos mit Schnabel, die zur Familie der Nashornvögel gehören und sechs Nashörner, alle mit gekürzten Hörner.

Der Pilanesberg Nationalpark ist ein staatlicher Park und da die Anti-Wilderer-Einheiten eine Menge Geld kosten, und dieses in den staatlichen Nationalparks natürlich immer eher knapp ist, schneidet man den Nashörnern das kostbare Gut ab, um sie vor einem grausamen Tod zu bewahren.

Wir werden auf unserer Reise auch noch Nashörner mit Nashorn sehen…

An einem Ausguck am Wasserloch dürfen wir das Auto verlassen. Über Holzplanken, rechts und links von einem hohen Zaun geschützt, gelangen wir sicher zu Fuß zur Beobachtungsstelle. Und was für ein Glück: wir sehen badende Elefanten. Das spektakuläre Schauspiel dauert nur etwa 10 Minuten und dann verschwindet die kleine Herde wieder im Busch, auf Nimmerwiedersehen. Auf dem Weg zurück zum Auto, kommt uns eine nächste, kleine Besuchergruppe entgegen. Sie wissen es nicht, aber sie haben dieses Schauspiel um nur wenige Minuten verpasst und ganz sicher, taucht innerhalb kürzester Zeit keine weitere Badegruppe auf. Aber das ist eben die freie Natur, kein Zoo. Wir sind auf jeden Fall sehr dankbar.

Am Auto hat unser Fahrer und Guide bereits ein Tischchen hergerichtet mit Knabbereien und Getränken. Der Parkplatz des Ausgucks ist halb eingezäunt, damit wir uns einigermaßen sicher am Boden aufhalten können. Mit einem Windhoek Bier stoßen wir auf unseren Urlaub an. Es fühlt sich noch total unrealistisch an, aber gleichzeitig auch so vertraut, gut und erholsam.

Zurück in der Lodge, heißt es erstmal die 132 Stufen erklimmen. Oben lodert bereits ein Lagerfeuer in einer Feuerschale. Drumherum „Regie“-Stühle und Steinbänke in den Fels gebaut. Im einzige, kleinen Gemeinschafts-Innenraum ist eine lange Tafel gedeckt.

Das gefällt uns nun gar nicht…

Wir bitten darum, ob wir mit den Kindern separat an einem Tisch draußen essen dürfen. Geht klar. Sofort wird umgebaut und aufgebaut und innerhalb weniger Minuten, haben wir eine liebevoll dekorierte kleine Tafel ganz für uns alleine. Unser Sohn schläft leider bereits nach der Vorspeise auf dem Tisch ein und auch unsere Tochter kämpft mit der Müdigkeit. Wir haben so viele Eindrücke gesammelt am ersten Tag, so viel frische Luft, so viele Erinnerungen, die wieder aufkommen und das gemütliche Bett, dass auf einen wartet. So wird aus der Tafel zu viert, recht schnell eine romantische Tafel bei flackerndem Kerzenschein zu zweit. Das Essen ist viel zu viel und viel zu spät für uns. Heute machen wir noch den Fehler und versuchen auch noch, den Nachtisch zu essen. Das erste und letzte Mal auf dieser Reise.

Um 4:30 Uhr am nächsten Morgen werden wir wieder geweckt. Dick eingemummelt in Pullis und Westen mit Schals sind wir trotzdem dankbar, dass im Auto auch noch Decken auf uns warten, denn die Luft ist wirklich noch kühl im Oktober. Eingemummelt starren wir alle in den Bush und suchen nach Tieren. Recht bald treffen wir die tierischen Kollegen von gestern wieder. Besonders beeindruckend heute: Ein Elefant, der direkt hinter unserem Auto die Straße kreuzt, neben der Straße kurz anhält, unser Auto beobachtet und ganz tief in seinem Inneren ein drohendes Grollen hervorbringt. Er wollte ganz klar einen Eindruck hinterlassen und hat auch einen Eindruck hinterlassen.

Über den Pilanesbergen geht die Sonne auf, ein wunderschöner Heißluftballon zieht ebenfalls über den Park, geziert von einem Kameldornbaum mit einem Elefanten und einer Giraffe. Was für eine Show, fast kitschig.

Absolutes Highlight

Dieser fast nicht mehr zu toppende Anblick wird aber dann doch noch getoppt. Denn auf einem relativ freien Feld entdecken wir eine Gruppe Löwen, direkt neben der Straße. Der Heißluftballon dahinter, die aufgehende Sonne rechts von uns. Wir können unser Glück gar nicht fassen, aber es wird noch besser. Denn die Löwen haben es auch noch auf eine Herde Zebras abgesehen und somit werden wir an diesem Morgen noch Zeuge des Anpirschens, des Jagens und des Versagens.

Ich bin fast froh, dass die Löwen nicht erfolgreich waren, denn ich weiß nicht, wie unser Sohn diese Situation dann aufgefasst hätte… Wir waren einmal in Kenia mit ihm Angeln und das hat in einem totalen, emotionalen Desaster geendet…

Bestimmt eine Stunde dauert diese Live-Show am Morgen. Wir bewegen uns nur auf unserem Sitz im Auto, sonst verweilen wir still an einer Stelle mit ausgeschaltetem Motor. Im Hintergrund immer die Szene des Heißluftballons. Wie wir von unserem Fahrer hören, landet dieser gewöhnlich jeden Morgen auf dem Feld neben der Straße, wo heute aber die Löwen Verweilen und Jagen. Bedeutet es muss ein neuer Landeplatz her. Dieser liegt dann etwa 500 m weiter drin im Bush, aber für uns immer noch hinter den Löwen. Somit sehen wir nicht nur die Löwen jagen, sondern auch noch den Heißluftballon landen. Denke: Adrenalin pur für die Ballon-Fahrer.

Nach so viel Aufregung… Zeit für einen Kaffee. An einem „Rastplatz“-Gebäude im Park aus dem Jahre 1936 machen wir unseren Stopp. Wir haben Zeit, kurz die Toiletten aufzusuchen und dann wartet schon der Kaffee auf uns. Es gibt frisch gebackene Muffins, aber keine Rusks. Schade.

Die Kinder wundern sich…

Mit ihrem Kakao in der Hand beobachten die zwei eine Bande Affen, die sich über einen Mülleimer hermachen, bis ein Fahrer sie verscheucht und sie wieder in die Natur flüchten und sicherlich später zurückkommen werden…
„Das war doch früher immer anders, da waren wir doch irgendwie mitten im Busch und haben da einen Stopp gemacht“, kommt die Erinnerung der beiden zurück.

Und ja, das stimmt. In den staatlichen Parks, wie z. B. auch dem Krüger Park, dürfen die Fahrzeuge nur in bestimmten, abgesicherten Bereichen stoppen, die auf jeden Fall von einer Seite her komplett geschützt sind. Da trügt die beiden die Erinnerung nicht, denn wir waren meist, eigentlich immer, mit Besuchern in privaten Parks, wo das ein bisschen anders abläuft. Spannend, dass das doch in ihren Köpfen anders abgespeichert ist, denn immerhin waren die beiden erst sechs Jahre als, als wir Südafrika verlassen haben.

Aber das kommt später noch,

versichere ich den beiden. Es muss ja für uns alle noch eine Steigerung auf dieser Reise geben.

Auf dem Rückweg begegnen wir noch einer Elefantenherde mit kleinen Jungelefanten. Ein Baby trinkt bei der Mama Muttermilch. So süß.

Die Lodge hätte einen kleinen Pool, aber es ist zu kalt. Bewölkt, keine Sonne, Zeit nach dem sehr reichhaltigen, ausgiebigen Frühstück noch eine Runde zu schlafen. Im Urlaub um 4:30 Uhr geweckt zu werden, ist eigentlich nicht meine Wahl, mittags schlafen eigentlich auch nicht, aber für diese Naturerlebnisse, nehme ich das nur zu gerne in Kauf. In der Lodge ist es ruhig, alle ziehen sich auf ihre Zimmer zurück.

Erst am späten Nachmittag treffen sich alle wieder zum Snack und Drink vor der nächsten Ausfahrt ein. Zebras, Giraffen, Nashörner, Impalas, Wildschweine, Nashörner… Highlight des Abends bei bewölktem Himmel und kühlen Temperaturen: Ein Nilpferd, das bereits am frühen Abend das Wasser verlässt und an Land wandert. Und wir sehen es, direkt vor uns.

An einem anderen Wasserloch stoppen wir wieder und dürfen das Auto verlassen. Auf zum Ausguck. Der komplett stille See, keine Wasserbewegung, vor uns, vor dem wolkenverhangenen grauen Himmel ist malerisch. Ein toter Baum. Die noch übrig gebliebenen, abgestorbenen Äste und der Stamm ragen aus dem Wasser. Absolute Stille vor uns.

Erst auf dem Rückweg über die Holzplanken gesäumt von einem Zaun, der hin und wieder einen kleinen Ausguck bietet, fallen uns die zwitschernden Vögel im Schilf auf. Was für ein Kontrast zu der Ruhe des Sees. Bei der Lautstärke muss es eine ganze Vogelkolonie sein, die sich da unterhält oder beschimpft.

Nach 132 Stufen zurück in der Lodge halten die Kinder heute sogar bis zur Hauptspeise durch.

Der Game-Drive am Morgen muss heute für uns ausfallen. Wir machen uns auf den Weg zur nächsten Lodge. Somit haben wir etwa eine Stunde Fahrt von der Lodge bis zu unserem Auto vor uns und dann noch mal etwa drei Stunden Fahrt bis zum nächsten Parkplatz und bis zum nächsten Park.

Einem privaten Game-Reserve. Unserem Lieblingsort in der Umgebung von Johannesburg.

Lasst euch überraschen. Mehr die nächsten Tage.