Zugfahrt von Mombasa nach Nairobi

Rund um Afrika

Reisewelt – Afrika – Kenia

Nach wunderschönen Entdeckungen in Mombasa Stadt fahren wir mit dem Taxi gegen Mittag an den Bahnhof in Mombasa. Zum Glück haben wir nur wenig Gepäck, einen kleinen Handgepäckkoffer und eine Reisetasche. Die Ticketschalter damals sind noch einfache Wellblech Gebäude. Davor Teerfetzen mit Kiessteinen. Wir haben unser Ticket bereits über eine Agentur vorab gebucht. Der Bahnsteig versetzt einen glatt in eine andere Zeit. Es gibt ja auch in Deutschland sehr alte, schäbige Bahnhöfe, aber dieser ist schon fast schäbig-schick. Ein Schild am Bahnhof zeigt uns an, dass Mombasa 18 m üNN liegt. Ein Jugendlicher sitzt am Boden und lauscht seinem Freund, der auf der Gitarre eine angenehme Stimmung verbreitet. Auf unserer Boarding Karte ist die Wagennummer 1210 vermerkt. Über den fast menschenleeren, sehr einfachen Bahnhof laufen wir am Zug entlang. Grün-Weiß ist der Zug mit einem dünnen Gelb-Roten Streifen. Wir können es kaum abwarten, unser Abteil zu sehen. Die Türen der Wagen sind schon geöffnet. Der typische Bahn Geruch erwartet uns beim Betreten. Ein schmaler Gang, eben typisch für einen Abteilwagen, führt an den „Kabinen“ vorbei. Unser kleines Reich für die Nacht hat eine Verbindungstür zur Nachbarkabine, die sich nicht wirklich richtig schließen lässt. Wir platzieren geschickt unseren kleinen Koffer und die Reisetasche davor. Alle wichtigen Unterlagen, Pässe usw. haben wir immer in meiner Handtasche am Mann. Sonst haben wir nichts Wertvolles im Gepäck. Die zwei Jungs mit der Gitarre haben auch noch Video-Ausrüstung dabei. Und wie sich rausstellt, sind die beiden unsere KabinenNachbarn und auch Deutsche. Die auf einer Mission unterwegs sind.

Unsere Kabine hat eine einfache hellbeige Kunstlederbank mit einem herunterklappbarem oberen Einzelbett. Wir haben ein kleines Waschbecken in der Kabine, Toiletten befinden sich am Wagenende auf dem Gang. Viel Platz ist nicht, aber den brauchen wir auch nicht. Es dauert noch fast zwei Stunden bevor sich der Zug mit doch einiger Verspätung in Bewegung setzt. Die Sonne steht schon sehr tief am Horizont. Wir steigen immer mal wieder aus und vertreten uns die Füße noch ein wenig am staubigen Bahnsteig. Wir bestaunen den „Restaurant Car“ von außen und freuen uns auf das Abendessen später innen. Sitzen noch ein wenig auf der Bank am Bahnsteig, ich mache noch einige Fotos, der Gitarrist hat sich auch noch einmal auf den Bahnsteig gesellt und spielt noch ein Liedchen. Auf einfachen, flachen Holzpalettenwagen werde große Säcke herangekarrt. Die aus grobem, gewachstem Militär-anmutendem Leinenstoff genähten Säcke sind vollgepackt. Unser Bettzeug, wie sich später herausstellt. Der heiße Tag neigt sich dem Ende. Die Aufregung hat sich in Vorfreude gewandelt. Die wundersamen Zugwichtel hieven die Säcke in die einzelnen Abteile und verwandeln die einfachen Sitzbänke geschickt und schnell mit ein paar wenigen Handgriffen in unser Schlaflager.

Und dann endlich bittet der Schaffner alle, einzusteigen. Es geht los. Fast 2,5 Stunden verspätet, aber auch hier, der Weg ist das Ziel, wir haben keine Termine, nur Zeit. Zeit zum Genießen.

Und schon bald sitzen wir im Speisewagen an unserem zugewiesenen 4er Tisch und lassen es uns gutgehen. Unsere KabinenNachbarn sind auch unsere TischNachbarn. Es entsteht ein interessantes Gespräch. Wir erzählen von unserem Leben in Afrika und die beiden habe auch eine tolle Geschichte. Einer der Beiden hat als Kind in Kenia gelebt und sie reisen nun gemeinsam die wichtigen Stationen aus dieser Zeit ab, besuchen alte Freunde, versuchen alte Bekannte ausfindig zu machen und begleiten das Ganze mit ihrer Kamera-Aussrüstung. Die beiden studieren so etwas wie Medienwissenschaften und haben sich dieses herrliche Projekt für ihre Abschlussarbeit gewählt. Was für eine spannende Geschichte. Es wird ein sehr kurzweiliger Abend zu viert im Speisewagen. Nach der Suppe, erscheint eine sehr nette Bedienung mit einer übergroßen Aluminiumschale mit Reis und einer Art Gulasch. Sehr einfach, aber wirklich köstlich. Dazu gönnen wir uns ein erfrischendes, kühles Tusker Bier. Über uns summen kleine Ventilatoren und versuchen vergeblich, die Luft zu kühlen. Nach zwei weiteren Tusker und einer Nachspeise zieht es uns so gegen 22 Uhr in unser Abteil, nachdem ich die Toilette noch einmal aufgesucht habe, in der Hoffnung, diese während der Nacht nicht einmal besuchen zu müssen…

Wir kuscheln uns in die Betten, aber nicht wirklich unter die Decken, denn noch ist es sehr warm im Abteil. Ich habe das obere Bett, welches ich über eine Holzleiter erreiche. Mein Mann hat das untere Bett bezogen. Wir öffnen das Fenster ein wenig und lassen uns von dem Fahrtwind kühlen. Es wird schnell angenehmer, aber es bleibt warm. Die Nacht zieht am Fenster vorbei. Und wie das allgemein beim Zugfahren ja so ist, fallen uns schon sehr bald die Augen zu und wir dösen ein. Einen festen Schlaf habe ich in dieser Nacht nicht. Ich höre immer wieder Geräusche, immer wieder hält der Zug an. Mal schaue ich aus dem Fenster und sehen einen Bahnhof, manchmal scheint der Zug aber auch einfach im Nirgendwo zu halten. So gegen 5:30 Uhr dämmert es leicht. Wir kuscheln weiter in unseren Betten und schauen von dort aus dem Fenster. Wir sehen Strauße, Kuhherden, Radfahrer und Brücken. Es schön, wieder etwas sehen zu können, nach der dunklen Nacht. Immer wieder schlängelt sich der Zug durch weite Landschaften mit runden, reetgedeckten Hütten. Vorbei an kleinen Bahnhöfen, wo uns Kinder in Schuluniformen zuwinken, offensichtlich früh auf dem Weg zur Schule. Ich sehe selten wirklich Leute ein oder aussteigen an den kleinen Bahnhöfen.

In all dieser frühen Stille des Tages herrscht plötzlich irgendwie Tumult in der Nachbarkabine. Wir wagen einen Blick auf den Gang und dort stehen zwei Zugmitarbeiter vor der Kabine. Was ist wohl hier passiert. Wie sich herausstellt, sind die beiden in der Nacht „überfallen“ worden, auf jeden Fall sind die beiden Kameras weg inklusive eines großen Teils des Filmmaterials. Wir werden auch befragt, können aber keine hilfreichen Auskünfte geben. Wir haben zwar immer mal wieder Leute auf dem Gang laufen hören oder auch ungewöhnliche Geräusche, aber welche Geräusche sind auf solche einer Übernachtfahrt schon gewöhnlich…?

Uns tun die beiden wirklich sehr, sehr leid. So ein großes, emotionales und wundervolles Projekt und dann, kurz vor Reiseende, solch eine bittere Überraschung.

In unserem ZugKino kommen langsam die Anfänge Nairobis auf den Bildschirm. Viele, viele, teils sogar verrostete Blechhütten der wirklich armen Bevölkerung ziehen an unserem Fenster vorbei.

Fast 19 Stunden später sind wir am Ziel angekommen. Für uns war es ein wunderschönes Erlebnis. Diese Eindrücke des Landes, die langsame, gelassene Art des Reisens, die netten Menschen, das 5 Sterne ZugKinoFenster – wir werden es nie vergessen.

Die Betten werden wieder abgezogen und gewandelt. Die Säcke aus dem Fenster geworfen. Bevor wir den Zug dann verlassen dürfen, besteigen Polizisten in Nairobi den Zug, um diesen nach der Kameraausrüstung zu durchsuchen. Das Ganze zieht sich ein wenig hin und bleibt leider erfolglos.

Somit haben die beiden jungen Herren in der NachbarKabine leider ein komplett anderes Fazit nach dieser Reise als wir. Traurig.

Generell gilt für uns auf jeder unserer unzähligen Reisen durch Afrika: Extrem LOW-Profile. Keine Markenklamotten, kein Schmuck, keine große Kameraausrüstung, wenn man so individuell unterwegs ist. Wenn ich mit dem Mainstream unterwegs bin, kann ich etwas unbeschwerter reisen, aber so individuell, gilt einfach, desto unauffälliger und uninteressanter, desto weniger Angriffsfläche, denn solche Länder sind oft sehr, sehr arm und man versucht immer irgendwie seine Familien zu ernähren.

Damals… im Jahr 2010 fuhr noch die alte, langsame Bahn die Strecke. Mittlerweile ist die Strecke modernisiert und der alte Zug ersetzt.

Zugfahrt Johannesburg – Kapstadt

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… oder natürlich Kapstadt – Johannesburg. 25 Stunden, die sich lohnen.

Wenn ihr von Johannesburg nach Kapstadt kommen müsst oder wollt, könnt ihr die etwa 1500 Kilometer

  1. mit dem Auto fahren – das dauert ca. 15 Stunden Fahrtzeit
  2. fliegen entweder von Lanseria Flughafen im Norden Johannesburgs oder vom O.R. Tambo Airport – das dauert ca. 2 Stunden
  3. oder aber Zugfahren – das ist ein besonderes Erlebnis von 25 Stunden

Wir sind mit dem Zug Premier Class, der den wunderschönen Namen Shosholoza Meyl trägt, die Strecke von Johannesburg nach Kapstadt gefahren. Mit dem Taxi haben wir uns zum Bahnhof bringen lassen. Hier gab es bereits einen separaten Wartebereich mit gemütlichen Sofas, bevor wir zum Zug geleitet wurden. Durch die Fenster konnten wir im Speisewagen schon die eingedeckten Tische mit Biltong, Nüssen und Chips sehen.

Durch den schmalen Zug Gang suchten wir uns den Weg zur Kabine 3E, wo bereits ein Namensschildchen unsere Ankunft ankündigte. Im Inneren standen zwei Wasserflaschen und ein Begrüßungsschreiben für uns parat. Es lagen auch schon Kopfkissen auf den Sitzbänken, die aber erst gegen Abend zu Betten umfunktioniert werden würden.

Im Speisewagen, bei einem Gläschen Sekt und Biltong, setzte sich der Zug in Bewegung. Die Ausfahrt aus Johannesburg führte uns an in die Jahre gekommenen Hochhäusern und auch Townships vorbei. Die Bahnschienen immer wieder mit hohen Stacheldrahtzäunen von der Stadtwelt abgetrennt. Durch Industriegebiete führte der Weg immer weiter aus der Stadt hinaus und unser Weg führte uns vom Speisewagen in den Barwagen. Die 80er Jahre anmutende Einrichtung war super sauber und gepflegt und kein bisschen unangenehm. Man konnte sich einfach nur wohlfühlen und das wirklich nette und aufmerksame Zugpersonal setzte noch das Sahnehäubchen obenauf.

Golden trockenes Buschgras flog bildlich am Fenster vorbei, nachdem wir die Stadt verlassen hatten. Ewige Weite, die die Ausmaße Südafrikas erahnen lassen. Aber auch immer und immer wieder weitläufige, sehr große Ansiedlungen sehr einfacher Unterkünfte, mit vereinzelten „Plumpsklo“ Häuschen, die die krassen Unterschiede des Landes zeigen.

Weite, schwarz verbrannte Grasflächen, am Horizont noch die Rauchschwaden zu erkennen, ziehen ebenfalls an unserem Fenster vorbei. Auch der ein oder andere Zug rauscht mit lautem Donnern durch unser Blickfeld und reist uns aus den Tagträumen. Wir sitzen einfach nur da und lassen uns von der Show vor dem Fenster berieseln. Es ist so entspannend.

Der Tag neigt sich dem Ende zu und da in Südafrika die Sonne immer sehr früh untergeht, neigt auch sie sich immer weiter Richtung Erdkrümmung, um bald zu verschwinden. Aber vorher zaubert sie für uns noch ein unbeschreiblich wunderschönes, goldenes Licht auf die Landschaft.

Im Speisewagen ist unser Tisch schon wieder liebevoll für uns eingedeckt. Bereits zum Mittagessen wurden wir hier mit einem 4-Gänge-Menü verwöhnt. Am Nachmittag servierte man uns einen High-Tea und nun werden wir mit einem 5-Gänge-Menü in die Nacht verabschiedet. Da wir uns nur mehrmals vom Speise-, zum Barwagen oder mal auf ein Stündchen in unsere Kabine bewegt haben, ist der Hunger nicht wirklich groß. Aber das Essen ist großartig, also essen wir natürlich trotzdem.

In der Kabine warten zwei gemütliche Betten auf uns. Der Zug rattert weiter Richtung Süden. Wir lesen noch ein paar Seiten, aber viele von euch kennen sicher dieses ermüdende Gefühl, was einen immer bei Zugfahrten überkommt. Schon bald können wir die Augen nicht mehr offenhalten. Aber ich werde mehrmals in der Nacht wach, und wage jedes Mal einen Blick aus dem Fenster. Natürlich ist in der Dunkelheit nicht allzu viel zu erkennen, aber doch bekomme ich in diesen Momenten hin und wieder einen kleinen Einblick in die sich leicht verändernde Landschaft. Früh bin ich wieder wach, weil ich unbedingt den Sonnenaufgang miterleben möchte. Und wir haben Glück, denn der Blick aus unserem Kabinenfenster, ins Bett gekuschelt, bietet Prime Plätze zum Tagesanfang. Das goldene Gras vom Vortag ist einer fast Steppen-ähnlichen Öde gewichen.

Noch aus dem Bett nehmen wir ein Schild wahr „Prince Albert Road“, das bedeutet, wir sind gar nicht mehr allzu weit von Kapstadt entfernt. Schäfchen-Wolken am blauen Himmel, in der Ferne sind immer wieder Berge zu erkennen und bald neben den Schäfchen Wolken auch noch Schafe neben der Bahnstrecke. Idylle pur. Und wir noch im Bett. Am Horizont meinen wir, Berge mit etwas Schnee erkennen zu können, es ist August, tiefster Winter in Südafrika.

Wir rattern über eine eiserne Brücke. Kahle Berge und kahle Bäume ziehen an unserem bewegten „Gemälderahmen“ vorbei. Immer mal wieder taucht eine Windwasserpumpe auf, deren Windmühle sicher im Wind knattert. Mein Mann liest das Buch Hirschgulasch, aber ich kann gar nicht aufhören, aus dem Fenster zu starren. Und wie gut, dass ich aus dem Fenster schaue, denn dann plötzlich taucht ein Hügel mit Schneekuppe sehr nahe auf. Und noch vor dem Frühstück zeigt uns die Landschaft, dass wir nun wirklich nicht mehr weit von Kapstadt entfernt sein können, denn die ersten Weinanbaugebiete tauchen auf, die Schnee-gekrönten Berge immer im Hintergrund. Wunderschön. Die Berge kommen manchmal sehr nahe und auch ein Flüsschen begleitet unsere Fahrt für eine Weile.

Wir machen einen Stopp in Worcester, ebenfalls noch vor dem Frühstück. Wenige Leute steigen aus und ein, sehr wenige. Aber am Bahnhof ist einiges los.

Kurz nach unserem Stopp erwartet uns ein tolles Naturschauspiel. Man kennt vom Tafelberg ja das berühmte Tischtuch, wenn sich eine dünne Wolkendecke langsam über den Berg hinweg zieht und Richtung Kapstadt gemächlich hinabfällt und die Wolken sich dann „magisch“ aufzulösen scheinen. Was eben den Anschein erweckt, dass auf dem Plateau des Tafelberges ein Tischtuch liegt. Wir haben diesen Effekt jetzt auf den Bergen, hinten den Weinstöcken, die uns nach Worcester begegnen, während wir beim Frühstück mal wieder im Speisewagen sitzen. Das Wetter wird schlechter, Regen zieht auf und es ist so behaglich, gemütlich im Zug. Fast schade, dass die 25 Stunden schon bald um sind und wir aussteigen werden müssen.

Während wir aus Kristallgläsern ein sehr üppiges, gutes Frühstück mit warmem Kaffee oder Tee genießen, zieht kurz vor Kapstadt noch ein wirklich riesiges Squatter Camp an unserem Fenster vorbei. Die extrem einfachen Blechhütten, manche gar nur mit Folie oder Tüten abgedeckt, bieten sicher kaum, bis gar keinen Schutz vor der Kälte des afrikanischen Winters, geschweige denn wirklichen Schutz vor dem Regenschauer. An ein üppiges Frühstück mit Eiern, Speck, Süßem und warmen Getränken überhaupt nicht zu denken… Aber solche krassen Unterschiede bringen einen natürlich immer wieder zum Nachdenken, holen einen auf den Boden der Tatsachen zurück und lassen einen noch viel mehr Dankbarkeit empfinden für das, was man selber hat und Respekt und Mitgefühl denen gegenüber, die das eben nicht haben und nicht haben können und werden.

Und nicht nur sekunden-, sondern minutenlang fahren wir an den Hütten vorbei…

Kurze Zeit später erkennen wir schon die Silhouette von Kapstadt mit dem Lionshead.

Eine Stunde VOR der geplanten Ankunftszeit fahren wir in den Bahnhof ein. Wo gibt´s denn sowas?

Es waren wunderschöne 24 ganz besondere Stunden. Kann ich jedem, der die Zeit und Lust hat, nur empfehlen.

Premier Class – Shosholoza Meyl