Container Reise

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Heute möchte ich noch eine ganz besondere Zeit während eines Umzugs ins Ausland beleuchten. 

Viele von euch sind sicher schon das ein oder andere Mal umgezogen und wissen, wieviel Organisation und Planung erforderlich ist. Erst einmal die Entscheidung überhaupt treffen, neue Wohnung oder neues Haus finden, alte Wohnung oder altes Haus fristgerecht kündigen, Umzug vorbereiten und planen. Eventuell selber packen oder Umzugsunternehmen organisieren und terminieren. Neue Schule für die Kinder finden, Vertragskündigungen oder -änderungen, Nachsendeanträge, Wohnungs- oder Hausübergabe usw usw. Die Liste ist unendlich und viele kennen das. 

Jeder Umzug, noch so klein und unscheinbar, kann eine große Belastung sein oder gar in ein großes Desaster ausarten. So unser entfernungstechnisch zweitkürzester Umzug innerhalb Deutschlands… Den wir naiv wie wir waren (wird uns nie wieder passieren) mit freiwilligen Helfern, tollen Freunden organisiert hatten. Leider überkam mich nach nur zwei Stunden am Morgen eine unbeschreibliche Übelkeit, mit Schüttelfrost, Fieber und Gliederschmerzen, dass ich dankbar war, dass im Obergeschoss bereits das Gästebett aufgebaut war (in dem wohlgemerkt der Schwiegervater hätte schlafen sollen, der für unseren Umzug extra aus Hessen nach Bayern angereist war). Ich war wirklich komplett ausgeknockt und habe NICHTS mehr vom Umzug mitbekommen. Auch nicht, dass es meinen Mann etwa zwei Stunden später ebenfalls mit gleichen Symptomen dahingerafft hatte und er in einem der Kinderzimmer niederlag (davon hatte ich nichts mitbekommen). Da ich erst am darauffolgenden Nachmittag wieder unter den Lebenden und somit aufnahmefähig war, war ich mehr als positiv überrascht, dass unsere UmzugsFeen und -Elfen den Umzug komplett alleine gestemmt hatten. Begleitet von meinem zu Tränen-gerührten Schwiegervater, der irgendwie versuchte die Stellung zu halten und sich nur immer wieder und wieder bedankte!! Das war mein schlimmster Umzug, obwohl ich schon mehrmals innerhalb Deutschlands und auch mehrmals Übersee – von Deutschland nach USA, von USA nach Südafrika, von Südafrika nach Deutschland und zu Letzt von Deutschland nach Dubai umgezogen bin. Der schwerste und schlimmste Umzug war genau dieser oben erwähnte – einfach aus dem Grund, weil ich die Kontrolle komplett darüber verloren hatte. 

Nicht zu unterschätzen ist natürlich der Umzug auf einen anderen Kontinent. Denn es ist nicht, wie bei einem Umzug von Hamburg nach Berlin oder von Kombach nach Biedenkopf, bei dem die Möbel spätestens einen Tag später wieder vollständig aufgebaut in der neuen Bleibe stehen, die Tassen wieder im Schrank sind und die Messer und Gabeln wieder in der Schublade auf ihren Einsatz warten. Das „Zeug“ dann mal mindestens 6 Wochen einfach weg. 

Wenn der Container verpackt, verplompt und abgefahren ist, bleibt man mit einer leeren Behausung und ein bis zwei Koffern pro Person zurück. Alles, was man für die nächste Zeit braucht, muss wirklich gut geplant sein. Das fängt bei Kleidungsstücken und Schulsachen an und hört sicher nicht bei wirklich wichtigen Unterlagen auf. Da liegt viel dazwischen. 

Offen auch, die Frage, wohin, wenn der Container abgereist und das Haus/die Wohnung leer ist. Da ist wirklich gute Planung gefragt. 

Wir haben schon verschiedene Varianten durch. Beim letzten Umzug im Sommer 2020 von Deutschland nach Dubai, hatten wir drei Wochen Urlaub, aber nicht nur drei Wochen Urlaub, sondern auch Covid19 auf der Welt, somit war jegliches Reisen in der Welt ausgeschlossen. 

Zum Glück haben wir bei meinen Eltern ein großes, ruhiges Gästezimmer. Ein intensive Familienzeit vor einem Umzug ins Ausland kann wirklich sehr, sehr wertvoll und schön sein. Denn wann, habt ihr das letzte Mal drei Wochen mit euren Eltern und eventuell Großeltern verbracht oder bei/mit ihnen gelebt. Somit war klar, wir können ihre Tassen, Teller, Besteck und Gewürze benutzen und aus unseren Koffern leben. Können waschen, bügeln und kochen und fühlen uns heimelich. 

Nach Ankunft in Dubai bezogen wir ein möbliertes, „serviced“ Appartement. Messerchen, Löffelchen und Gäbelchen (jeweils vier für uns vier) in der Schublade, ein paar Töpfe und genau vier Teller, Tassen und Gläser, aber immerhin, im Schrank. Relativ schnell war klar, dass wir so nicht entspannt leben können. Also sind wir erst einmal losgezogen, haben ein günstiges Set Schüsseln jeder Größe gekauft, um auch einen Salat zubereiten zu können; haben noch vier weitere Messer, Gabeln und Löffel gekauft und auch ein scharfes Messer. Selbstverständlich auch sämtliche Gewürze, denn diese hatten wir zurücklassen müssen. (Beim Umzug von Südafrika nach Deutschland waren diese unerlaubt und unerwartet im Container gelandet, weil die Packer etwas übereifrig waren. Aber diesen waren zum Glück unbemerkt durch den Zoll gekommen.)
„Serviced“ hieß, dass dreimal die Woche eine Putzkolonne durch die Wohnung zauberte (denn sämtliche Putzeiner, Wischer usw. sind auch im Container unterwegs). Täglich wurde der Müll geleert, nur gewaschen hat keiner. Waschen lassen war nicht inklusive und definitiv zu teuer. Diesen Part habe ich übernommen. Wie sich schnell herausstellte, war leider das Hotel-Bügeleisen nicht für den Großeinsatz zur Glättung von Arbeitshemden meines Mannes und Schuluniformen der Kinder geeignet. Also losziehen und Bügeleisen kaufen… obwohl ja eines im Container auf dem Weg zu uns ist… 
Kurz vor Schulbeginn stellten wir in Dubai fest, dass wir sowohl die zahlreich vorhandenen Butterbrotdosen, als auch die Getränkeflaschen für die Kinder vergessen hatten, im Gepäck mitzunehmen. Aber bei außerordentlich heißen Temperaturen im September in Dubai, steht außer Frage: Da müssen neue, gut isolierte Getränkeflaschen her, mindestens zwei für jedes Kind. Hätten wir auch vorher dran denken können… – haben wir aber nicht. Sämtliche Hefte, Blöcke und Stifte hatten wir laut Schulliste eingekauft und mitgeschleppt im Ranzen, aber an die Pausen hatten wir nicht gedacht. Ihr seht, so ein Container-Umzug ist immer mit einigen unerwarteten Nebenausgaben verbunden…

Die absolute Luxusvariante für die Übergangszeit ist sicher die, dass man sich eine Bleibe im Ausgangsland erhalten kann. Oft ist das bei Expatriates so, die einen zeitlich begrenzten Entsendungsvertrag bekommen. Diese Situation hatten wir damals, als wir das erste Mal von Deutschland nach USA entsendet wurden. In Regensburg hatten wir damals ein Haus gekauft und konnten dieses vermieten. Glücklicherweise gab es unter der Garage eine geräumige Einraum-Einliegerwohnung, die zu unserem ZweitZuhause in Deutschland werden sollte. Für die Überbrückungszeit perfekt, aber leider später nie wirklich praktikabel für uns. Denn wir waren nie länger als ein paar Tage in Regensburg, um Freunde zu besuchen (unsere kompletten Familien leben in Hessen, also gut 500 km von Regensburg entfernt). Somit war in Regensburg ein Hotelaufenthalt viel angenehmer, als in einem Wohngebiet in einer kleinen Miniwohnung zu leben. Bereits nach einem weiteren Aufenthalt darin, haben wir diese Wohnung mitvermietet. Aber für den Übergang nach Abreise des Containers – ein Traum. 

Eine Variante ist natürlich auch die Urlaubsvariante. Wenn man zwischen zwei Jobs steht, kann man diese Hab und Gut-freie Zeit ideal auch als verlängerte Urlaubszeit nehmen. Denn, wann hat man schon einmal die Gelegenheit, vielleicht sechs Wochen am Stück freizunehmen? Aber das muss natürlich gerade finanziell sehr gut und früh geplant werden. Leider von uns zwar schon einmal angedacht, aber nie umgesetzt… Es war immer mal im Raum gestanden, besonders zu Beginn des Aufenthaltes, dass wir, wenn wir Südafrika verlassen, mit dem Auto von Johannesburg nach Deutschland fahren… Das haben wir nicht umgesetzt. Ich erkläre mir das so: In unseren fast 10 Jahren in Johannesburg, haben wir so unbeschreiblich viel vom südlichen Afrika mit dem Auto bereist, dass wir guten Gewissens, das Vorhaben vom Anfang haben unter den Tisch kehren können. Reue deswegen? Definitiv Nein.

Eine möblierte Ferienwohnung für den Übergang ist auch eine schöne Lösung. Dies hatten wir einmal, als wir von USA nach Südafrika zogen. Und zwar weder in USA noch in Südafrika, sondern die Überbrückungszeit war damals für 6 Wochen in unserer alten Heimat Regensburg. Dort war der Hauptsitz der Firma, für die mein Mann entsendet war, somit bot sich das damals an. Sehr entspannte, sechs Wochen. 

In Südafrika haben wir nach Ankunft in einem Bed & Breakfast gewohnt. Das war zum Eingewöhnen genau das Richtige. Erstmal ankommen, die neuen Gegebenheiten kennenlernen, eingewöhnen und annehmen. Vertrautheit aufbauen. Auf Wunsch im Restaurant bekocht werden und täglich Frühstück zu bekommen. Internetzugang zu haben und durch die eher familiäre Atmosphäre einen Anschluss an das Leben vor Ort zu bekommen. Und eine tolle Zeit der Ankunft des Containers entgegenzufiebern. Und dieses Glücksgefühl, wenn dann endlich der Tag der Ankunft da ist – unbeschreiblich schön und befreiend.

Dieses Glücksgefühl, wenn die Plombe mit einer Zange abgesprengt wird und sich die Türen der überdimensionalen Metallkiste öffnen… WOW! Da sind sie, die Pakete und Kisten mit unserem Hab und Gut. Wenn man dann wieder die eigenen Schüsseln, Besteck, Teller und Tassen in den Händen hält – das ist wie Weihnachten, Geburtstag und Ostern an einem Tag. Herrlich. 

Und die Kinder sind natürlich vollkommen aus dem Häuschen, endlich wieder alle Spielsachen und Bücher in den Händen halten zu können. 

Nicht herrlich natürlich, dass all das „Zeug“ auch wieder zu verstauen ist und für jedes Ding ein Plätzchen gefunden werden muss. Da ist, meist Frau, einige Tage Vollzeit beschäftigt. 

Was besitzt man nicht alles? Und was hat man, eigentlich nur bedingt, die letzten Wochen oder Monate davon wirklich vermisst? Einiges, kann ich  nur sagen. 

EntdeckerGlück? 

Ja, unbedingt! Super spannend so eine Zeit der Ausnahmesituation, des kompletten Lebensumbruchs. Es ist eine herrlich intensive Zeit für Pärchen und Familie. 

Aber dazu in einem nächsten Blogbeitrag gerne mehr….

Viele Grüße aus Dubai

Ergänzung: Mein entfernungstechnisch kürzester Umzug war in Milwaukee/USA. Dort sind wir innerhalb unserer Wohnanlage, dem Jefferson Block Appartements, vom 2. Stock in den 5. Stock gezogen – mit Hilfe von Freunden und Arbeitskollegen meines Mannes und mit zwei Einkaufswagen!!

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