Freunde kommen. Freunde bleiben. Freunde gehen.

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Als ich gerade laufen lernte, traf ich beim Spazierengehen mit meinen Eltern meine „älteste“ Freundin. Natürlich war mir das damals noch nicht bewusst, aber es waren die Anfänge. Wir waren zwar im gleichen Jahr geboren, aber da ich im August zur Welt kam und sie im Mai, waren wir nie in einer Kindergartengruppe gemeinsam, nie in der gleichen Schulklasse, absolvierten unseren Konfirmandenunterricht getrennt, machten die damals gängigen Tanzkurse in aufeinanderfolgenden Jahren. Ich war auf einer Realschule, sie auf dem Gymnasium. Sie ging nach Köln zum Studieren, ich machte zwei Ausbildungen in der hessischen Heimat, bevor ich mit meinem damaligen Freund nach Bayern zog. Aber eines war sicher, trotz vieler kommender und gehender Freunde in all den Jahren, blieben wir uns immer ganz verbunden. Jedes Mal, wenn wir aufeinandertrafen, war es, als hätten wir gestern erst zusammengesessen. Es fehlte nie an Redestoff und es war nie ein seltsames Gefühl einer erneuten Annährung. Es war immer so, wie es schon immer war. Das ist auch heute noch so, über vierzig Jahre später. Von Grundschule, über Realschule, über Ausbildung, Tanzkurs, Sportvereinen und all dem, was einem sonst so im Leben begleitete, ist diese Freundin die beständigste. Katja.

In meinen vier Jahren in Regensburg, die Zeit in der ich meinen 30. Geburtstag feierte und heiratete, kam durch einen Spanischkurs eine neue, treue Freundin hinzu. Klara. Recht schnell zogen wir von dort aus in die USA. Klara kam mich zweimal besuchen. Wir schrieben uns zu der Zeit fast täglich lange Emails mit Updates aus unserem täglichen Leben. Ich habe diese noch alle gespeichert. 
Wir zogen von dort nach Südafrika. Während der Übergangszeit von sechs Wochen, wohnten mein Mann und ich in einer Ferienwohnung in Regensburg, direkt gegenüber von Klaras Wohnung. In Südafrika angekommen, kam Klara mich jedes Jahr mindestens für eine Woche besuchen. Sie wurde so ein Teil der Familie. 
Mit unserem Rückzug nach Bayern im Jahre 2016 rückte Klara in greifbare Nähe und wir konnten uns regelmäßig zum Frühstück treffen oder auf einen gemeinsamen Wochenendausflug gehen. Es war toll, aber die Zeit war natürlich nie so intensiv, wie während den Besuchen von Klara bei uns im Ausland, denn dort waren wir so eng zusammengewachsen und sie war damals irgendwie Familie geworden, auch für die Kinder. Scherzhaft für uns „Tante“ Klara. 
Jetzt sind wir seit August 2020 in Dubai und was soll ich sagen, Klara hat uns schon besucht. Es ist herrlich, so tolle Freunde zu haben. Unsere neue Routine: wir schreiben keine täglichen Emails mehr, sondern senden uns tägliche Sprachnachrichten. Herrlich.

Durch familiäre Umstände und Selbstständigkeit ist Katja nicht so flexible, wie Klara, aber wir schaffen es immer wieder uns regelmäßig zu sehen. Da wir alle im sehr im täglichen Leben, mit Familie und Aufgaben eingespannt sind, hat sich das Austauschen von Sprachnachrichten zu einer tollen Routine entwickelt. Ersetzt aber natürlich nie die wirklichen Gespräche, dir wir immer wieder einplanen. Diese beiden Freundinnen kamen und blieben und werden bleiben. 

Während all der Jahre in verschiedenen Orten, in verschiedenen Ländern, kamen so viele tolle, neue Freunde hinzu. Auch hier: einige blieben, andere gingen und blieben gegangen. Die, mit denen ich immer noch in Kontakt bin, bereichern mein Leben und teilen ein besonderes Stück Lebensweg mit mir. Das verbindet und wird auch so bleiben. Dank all der modernen Medien ist das Kontakt-halten mittlerweile so einfach geworden und verbindet so wunderschön, auch visuell. 

Mit Corona hab sich auch viel gewandelt. In dieser Zeit sind auch unsere Kinder, bereits im Alter von 10 Jahren, durch WhatsApp, Skype oder Zoom mit ihren Freunden in einer ganz neue Art von Kontakt und Kommunikation getreten. Nicht frei gewählt, aber gezwungen. Denn schon während der letzten Monate in Deutschland konnte sich keiner mehr treffen. Aber schnell schalteten die Kinder ihren Modus um und bildeten die irresten Gruppen zum Austauschen und reden, stundenlang. Sie wuchsen auf eine neue Art und Weise zusammen. Was zum Glück unseren Kindern wiederum in diesem Moment des Wandels in ihrem Leben sehr half. Denn nicht nur würden die meisten der Mitschüler der vierten Klasse auf die verschiedensten neuen Schulen wechseln, in unterschiedlichen Orten, sondern auch neue Freunde finden. Aber irgendwie war genau diese Generation Kinder durch Covid19 bereits an die neue Art des „Freundschaft erhalten“ ungewollte durch die Umstände gezwungen worden. 

Es ist jetzt zwar doch für alle etwas schwieriger neue, wirklich feste Freunde zu finden, denn natürlich gelten immer noch gewisse Versammlungsregeln, aber auch wenn vieles langsamer anläuft, denke ich doch, dass auch hier noch interessante Verbindungen fürs Leben entstehen werden. Und es ist immer wieder schön zu sehen, dass wirklich auch der Kontakt zu Bayern und den Freunden dort nicht abreißt.  

Es wird wieder so sein, dass einen einige dieser Freunde der letzten vier Jahre in Deutschland enger erhalten bleiben werden, aber es bleiben für immer die gemeinsamen Erlebnisse in uns allen erhalten. 

Und auch jetzt hier haben wir schon Freunde gefunden, wo ich das Gefühl habe, auch diese kommen nicht nur, die bleiben. 
Und wie findet man Freude? Offen sein. Die liebsten hier haben wir am Neujahrstag in einem Restaurant „entdeckt“, am Nachbartisch. Ebenfalls mit zwei Kindern, im ähnlichen Altern, wie unsere und wir kamen ins Gespräch. Und es wurde so ein unerwartet toller Abend, dass wir uns bereits eine Woche später zum Grillen trafen. Und was soll sagen, schon bald fahren wir für ein paar Tage gemeinsam in den Urlaub. Was für ein Zufall am Neujahrstag. 
Immer mit offenen Augen durch Leben und ruhig mal etwas wagen. Auch wenn es auf den ersten Blick verrückt ausschaut. Aber die Familie am Nachbartisch könnten die neuen besten Familienfreunde werden. Keine Scheu haben. Aber ich bin überzeugt, dass eine Familie, die schon öfter im Ausland gelebt hat, diese Scheu einfach nicht mehr kennt. Tu das, was sich gut anfühlt. 

Und jeder Moment mit tollen Menschen ist EntdeckerGlück.

Ergänzung: Jetzt habe ich das Bedürfnis noch ein tolles Erlebnis beim Mittagessen heute zu teilen. Heute Morgen verfasse ich den Blogbeitrag, von dem meine Kinder natürlich keine Ahnung haben. Wir sitzen dann heute Nachmittag beim Essen zusammen und die Kinder erzählen von der Schule. Plötzlich sagt mein Sohn, ob er Mia eine Sprachnachricht senden kann. Ich frage: „Mia? Welche Mia?“
„Na, die Südafrika Mia.“
Zur Erklärung, Mia – die erste wahre Freunden, an die sich unsere Zwillinge bewusst erinnern können – mit drei Jahren.
Ich bin total überrascht, aber natürlich suche ich sofort den Kontakt der Mutter auf WhatsApp raus. Wir nehmen gemeinsam zwei Videobotschaften für Mia auf und senden sie sofort ab.
Ich bin vollkommen überrascht, dass gerade heute, wo ich das Thema Freundschaft in meinen Blog aufnehme, diese Situation entsteht.
Es zeigt wieder einmal, dass das, was ich vorher beschrieben habe, stimmt. Die Welt ist durch die verfügbaren neuen Medien ein großes Stück näher zusammengewachsen.

Gerade sitzt mein Sohn neben mir und macht seine Biologie Aufgaben. Jetzt erklärt sich auch, wie er auf Mia zu sprechen kam. Ein gemeinsames Erlebnis im Kindergarten in Johannesburg. Das Schlüpfen von Küken, dass die Kinder dort live beobachten durften. Und das Thema „Vogeljunge entwickeln sich im Ei“, welches aktuell heute in Biologie in der 5. Klasse in Dubai behandelt wird.

Wie nehmen Kinder eine Umzugsankündigung auf?

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Wie bereits in einem weiteren Beitrag beschrieben, spitzte sich unsere Auswanderungsentscheidung in der Anfangszeit, des ersten Lockdowns von COVID-19 im Frühjahr 2020 zu. Die Kinder im Homeschooling, mein Mann im Homeoffice. Kaum Raum zum Atmen im Haus. Zum Besprechen von neuen Details zur Vertragsverhandlung oder zu neuen Erkenntnissen meinerseits bezüglich Wohngegenden, Hausmieten, Krankenversicherung usw. trafen wir uns heimlich im Büro (dem Kinderzimmer unserer Tochter) meines Mannes. 

Denn zu diesem Zeitpunkt wussten unsere Kinder von unseren Gedanken bezüglich einer eventuellen Auswanderung rein gar nichts. Für uns war klar und wichtig, sie erst mit der Situation zu konfrontieren und somit eventuell auch zu stressen, wenn die Entscheidung wirklich gefallen war. Ob das der richtige Weg ist, sei mal dahingestellt. Vielleicht würden wir das, das nächste Mal auch anders machen. In dem Moment, in der Situation erschien es uns als das einzig Wahre. 

Zumal ja auch weder unsere Eltern, noch Freunde von unserer Überlegung bis dahin wussten. Der Familie hätten wir es natürlich am liebsten persönlich gesagt, so wie all die letzten Male, als solch eine Entscheidung anstand, aber in Corona Zeiten war nicht absehbar, wann wir unsere Familie im 500 km entfernten hessischen Hinterland das nächste Mal wieder sehen würden. Auch mit den Freunden vor Ort, hätten wir dies am liebsten an einem geselligen gemeinsamen Abend besprochen. Aber all das, war in dieser besonderen Zeit einfach nicht möglich. Und da bis dahin auch die Entwicklungen für uns nicht immer 100 % klar waren, die Kinder mit der neuen Covid19 Situation auch einiges zu verarbeiten hatten, stand für uns fest, wir warten, bis wir die Entscheidung endgültig getroffen hatten und auch der Zeitpunkt des Umzugs besser einschätzbar war.

Dann aber kam der Tag. Der Vertrag war endverhandelt, eine Krankenversicherung gefunden, die beiden Plätze in der Schule gesichert und wir mussten uns der Tatsache stellen, es den Kindern so schonend wie möglich beizubringen. 

Unsere Tochter redete seit Wochen, eher Monaten davon, wie sehr sie unser altes Haus mit Pool in Südafrika vermisste. Ihr absolutes Lieblingslied zu dieser Zeit lief im Radio rauf und runter: 194 Länder von Mark Forster. 

Waren das alles Zeichen, dass auch die Tochter zumindest irgendwie etwas ahnte oder ein Gefühl in sich trug, was sie in die Ferne zog?

Relativ spontan, ergriffen wir dann eine Situation in der wir gerade das Mittagessen zubereiteten. Die Kinder und ich eine Pause vom Homeschooling machten und mein Mann gleich zum Essen aus seinem „Büro“ zu uns stoßen würde. An dem Morgen hatten sich für uns die letzten offenen Fragen geklärt und es war der richtige Zeitpunkt. 

„Kiddies, wir haben eine unerwartete Überraschung für Euch.“

Große fragende Augen?

„Wir werden noch einmal zusammen umziehen. In ein Land, dass sich Vereinigte Arabische Emirate nennt, in die Stadt Dubai.“

Entsetzten in den nicht mehr fragenden Augen!

Mein Sohn: „NEIN, ich will nicht noch mal umziehen!“ – Tränen. 

„Aber es ist ein ganz tolles, sicheres Land. Mit einer tollen Deutschen Schule, wo wir abgeklärt haben, dass es zwei Plätze für Euch gibt. Eine Familie, mit der wir mal in Südafrika frühstücken waren, die wohnen auch dort. Der Sohn ist so alt wie ihr und kommt in eure Klasse.“

Beide heulen. Es ist grausam für uns. Mir ist auch zum Heulen, weil ich nie gedacht hätte, dass diese Nachricht so schlimm für die beiden sein würde. Ich gab alles meine Tränen so lange wie möglich zu verbergen. Aber irgendwann kullerten auch bei mir die Tränen des Mitgefühls.

„Wir können dort auch wieder in einem Haus mit Pool wohnen, so wie in unserem Haus in Südafrika. Es ist immer Sommer, wir haben das Meer vor der Haustür. Wir können am Wochenende an den Strand fahren. Es gibt Wüste und Kamele. Wir können in der Wüste Quad fahren.“ (unsere Tochter liebte Quad fahren, unser Sohn liebt Tiere)

Schluchzen und mehr Tränen. Ich bin jetzt schon komplett ausgelaugt und hätte so eine heftige Reaktion nie erwartet. Nie. 

„Ihr werdet jeder ein iPad für die Schule bekommen. Der Bus holt euch direkt vor der Tür ab, ihr müsst nicht alleine mit dem Linienbus nach Freising fahren und dort alleine am Hauptbahnhof in den Schulbus umsteigen. Das ist viel entspannter und sicherer für euch. Die Schule hat einen eigenen Swimmingpool und tolle nachmittags AGs, wenn Corona vorbei ist.“

Es hilft nur, unsere Kinder zu halten und zu trösten. Zum Glück haben wir nur Zwillinge. Jeder von uns hat ein Kind auf dem Schoß und wir trösten einfach, sind für die beiden da. Wir sagen ihnen, dass wir verstehen können, dass das ein beängstigender Gedanke ist und wir immer für sie da sein werden und wir das zusammen schaffen werden und dass wir verstehen, dass sie natürlich jetzt geschockt sind. Halt und Nähe geben, trösten, drücken, LIEBEN. Mehr können wir in dem Moment nicht tun. Erstmal sacken lassen.

Nachdem das Schluchzen einigermaßen abgeebbt ist, biete ich ihnen an, ihnen im Internet einmal ihre neue Schule zu zeigen. Erst wollen sie das gar nicht sehen, wehren ab. Wir trösten weiter. Es gibt heute Mittagessen auf unserem Schoß, unsere 10-jährigen Kindern sind wieder geschrumpft. Kleiner, hilfloser. Wir haben irgendwie bedrückende Gefühle, ein schlechtes Gewissen, aber tief im Inneren verspüren wir Eltern die große Sicherheit, dass dieser Schritt für unsere Familie, der richtige Schritt ist. Irgendwann kommen die kleinen, bebenden Körperchen ein wenig zur Ruhe, es gibt noch ein großes Stück Schokolade zum Nachtisch. Und auf einmal, wollen sie doch einen Blick auf die Homepage der Schule werfen. Es gibt ein tolles Video über die Schule. Das erste Mal sehen sie, dass es Schuluniformen gibt. Das finden sie spannend. Auf dem Video ist zu sehen, dass die Kinder auch immer wieder mit ihrem iPad arbeiten. Das löst natürlich bei zwei 10-jährigen auch einen gewissen Trigger aus. 

Da die beiden im Matheunterricht etwas über die Höhe des Burj Khalifa gelernt haben, fragt unser Sohn auch gleich danach. Wir zeigen ihm auch davon die Homepage und ein Video. Ein Werbevideo von Dubai bringt noch ein paar allgemeine Eindrücke. DANKE an das Internet. Welch eine große Hilfe in solch einem Moment. 

Tagelang tragen sie trotzdem die Abwehr in sich herum. Unser Sohn sagt immer wieder, dass er dann zu Oma und Opa nach Hessen zieht. Es schmerzt, dass zu hören und zu sehen, wie wir ihn verletzt haben. Immer wieder spreche ich kleine positive Dinge an. 

Ein großes Thema für uns, eine Familie, die vor Deutschland fast 10 Jahre in Johannesburg, Südafrika gelebt hat, ist auch immer wieder die Sicherheit. Auch das versuche ich den Kindern immer wieder klar zu machen, dass Dubai eine sehr sichere Stadt ist. In der wir als Eltern uns viel weniger Sorgen um das Wohl und die Sicherheit unserer Kinder machen müssen, als in Deutschland. Unsere Kinder sind schwarzer Hautfarbe, weil wir die beiden in Südafrika adoptiert haben. Und natürlich bereitet es uns Eltern größtes Unbehagen, unsre Kinder eventuell in Deutschland alleine mit einem Linienbus fahren lassen zu müssen, im Alter von 11 Jahren. Sie alleine am Hauptbahnhof umsteigen müssen, dafür eine dunkle Unterführung durchqueren müssen, um zu den Schulbussen zu gelangen. Da ist die Vorstellung eines gigantisch gelb-leuchtenden Schulbusses, der meine Kinder fast vor der Haustür abholt und auch wieder abliefert doch viel beruhigender. 

Unsere Kinder werden Arabisch und Französisch lernen, egal welchen Schulzweig der Gesamtschule in Dubai sie gehen werden. In der Klasse werden unterschiedlichste Nationalitäten, unterschiedlichster Hautfarben zusammenkommen. Es gibt so viele Vorteile für unsere Kinder, die natürlich nur wir momentan sehen. 

Nach ein Tagen zeigen wir Ihnen auch einmal Häuser, die wir mieten könnten, nur damit sie ein Gefühl bekommen. Die Lage entspannt sich immer mehr, aber es gibt immer wieder Tage, an denen besonders unser Sohn in Tränen ausbricht und mit der Entscheidung zu kämpfen hat. Positiv ist, dass beide immer mal wieder von sich nachfragen, ob sie noch einmal das Schulvideo sehen können. Sie können offener damit umgehen. 

Es dauert aber Wochen, mit vielen emotionalen Aufs und Abs bis die Situation sich soweit entspannt hat, dass keine Tränen mehr fließen, wenn wir darüber reden. Was half, war dann das Konkrete. Ich musste schon früh die neuen iPads für die Kinder vor Ort bestellen, damit diese für den Schulbeginn fertig eingerichtet bereitstehen. Wir kauften gemeinsam neue Schulranzen und Mäppchen. Wir bekamen auch schon sehr früh, die Einkaufsliste für den Schulstart und besorgten auch all das gemeinsam. Die Kinder suchten Blöcke und Stifte aus, durften sich jeder noch einen neuen Füller kaufen. So entwickelten die beiden eine gewisse Vorfreude. Wir suchten gemeinsam neue Schwimmshorts und UV Shirts aus, einen neuen Badeanzug und Bikini für die Tochter, neue Bademäntel. Die Kinder bekommen noch neue Betten. Es entwickelt sich immer mehr positive Energie rund um die Veränderung, was so ein unbeschreiblich befreiendes Gefühl für uns Eltern war.

Denn ich lag viele schlaflose Nächte wach und habe mir um das Wohl meiner Kinder Sorgen gemacht. Hatten wir die richtige Entscheidung getroffen, sind wir es vielleicht falsch angegangen, nicht unsere Kinder mit in den Entscheidungsprozess einzubeziehen? Es gab so viele offene Fragen, die mich nachts wachhielten. Aber immer wieder beruhigte mich meine persönliche, tiefe innere Gewissheit, dass es für uns als Familie, die beste Entscheidung war. Und ich wusste auch, zumindest versuchte ich mir das immer wieder klarzumachen, dass wir nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hatten.

Und ich war so dankbar für die positive Energie, die sich langsam rund um das Thema Auswandern entwickelte, denn es stand noch so viel an, von Haus- und Autoverkauf über unzählige Kleinigkeiten, die organisiert werden mussten. 

Das mal zum Thema, wie Kinder, solche Umzugsentscheidungen aufnehmen. Und was das wohl mit EntdeckerGlück zu tun hat? 

Ich habe in der Zeit eine ganz neue, besonders innige Zeit und Entwicklung mit meinen Kindern durchlebt. Sie zeigten sich verletzt und traurig und ich habe so viel gelernt und wir haben so viel gemeinsam durchfühlt. Ich dachte schon bei unserem letzten Umzug von Südafrika nach Deutschland, viel gelernt zu haben (habe ich sicher auch – dazu ein anderes Mal mehr), aber ich wurde wieder überrascht mit so vielen neuen Entdeckungen rund um meine Kinder und das Thema Auswandern mit Kindern, die mir mit viel Abstand betrachtet zeigen, dass ich und wir als Familie daran gewachsen sind und alle so viel gelernt haben und unsere eh schon sehr enge, besondere Beziehung noch viel mehr vertieft wurde und diese noch mehr gestärkt hat.
Für mich auch wieder ein Stück EntdeckerGlück.

Job—und Ortswechsel in Corona Zeiten. Entscheidungen.

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Wenn man mit zwei schulpflichtigen Kindern einen Umzug ins Ausland plant, ist natürlich sehr wichtig, den Übergang so reibungslos wie möglich für die Kinder zu gestalten. Bei uns hätte das Timing nicht besser sein können, denn unsere Zwillinge besuchten die 4. Grundschulklasse einer bayerischen Schule, als uns, also erstmal nur meinen Mann und mich, das Fernweh überkam. Wenn nicht jetzt, wann dann. 

Die Kinder würden sowieso zur 5. Klasse auf eine neue Schule wechseln müssen, im 24 km entfernten Freising. Sie hätten täglich mit dem Linienbus von unserem Örtchen, Nandlstadt, nach Freising fahren müssen. Dort hätten sie am Hauptbahnhof in einen Schulbus umsteigen müssen, der sie dann zur Montessori Schule gebracht hätte, die wir für die beiden ausgesucht hatten. Montessori deswegen, weil unser Sohn sowohl eine Rechtschreibschwäche, als auch Dyskalkulie und ADS hat und wir der Meinung waren, dass er auf dieser privaten Schule mit anschaulichem Schulmaterial gut zurechtgekommen wäre. Wie das bei Geschwistern so ist, und bei Zwillingen noch viel stärker, wäre eine Schul-Trennung nicht in Frage gekommen. Zudem beruhigte uns in der Planungsphase die Tatsache, dass die beiden gemeinsam den doch langen Schulweg meistern könnten. 

Doch dann kam alles anders. Bereits in unserem dritten Jahr in Bayern kam bei uns der erste Gedanke auf, vielleicht doch noch einmal weiterzuziehen. Mein Mann war seit 19,5 Jahren bei einer Firma, für die wir schon vorher in USA und auch in Südafrika gewesen waren. Die verantwortungsvolle Aufgabe, der er in Freising nachging, war nur o.k.. Begeisterung ist etwas anderes. Ich konnte schon sehr früh spüren, dass das nicht seine Traumaufgabe war. Dann plötzlich stand eine Stellenausschreibung in Dubai im Raum. Da auch in mir schon das Fernkribbeln angefangen hatte und irgendetwas aus der großen weiten Welt nach mir rief, sagte ich sofort: „Ja, bewirb dich!“ Doch etwas überrascht startete mein Mann den Versuch. Ich wiederum saß sofort am Laptop und schaute mir die Deutsche Internationale Schule in Dubai an. Sah toll aus. Das wäre eine gute Alternative zur Montessori Schule. 

Dann aber die Enttäuschung. Mein Mann war in seiner Position zu wichtig, als dass die Firma ihn hätte gehen lassen. Wir fielen in ein kleines Loch. 

Aber wir waren angefixt. Mein Mann widmete sich mal wieder intensiv seinem Linkedin Profil und kontaktiere den ein oder anderen Headhunter. Nach einigen uninteressanten Angeboten stand plötzlich wieder Dubai im Raum. Das war Ende 2019. Nur etwa drei Monate nach unserem ersten Gespräch über Dubai. Das war doch ein Zeichen. Wie sich herausstellte war die Firma auch noch eine uns sehr Bekannte. Denn wir hatten in Südafrika einige Freunde, die für diese Schweizer Firma arbeiteten. Ein erstes Gespräch, alles verlief vielversprechend. Dann plötzlich Corona. Das geplante Assessment Center kann nicht mehr stattfinden. Die Tage vergehen. Wird das noch was und wenn ja, sollen wir das mit dieser entstehenden Krise wirklich tun? Soll mein Mann nach 20 Jahren seinen sicheren Arbeitgeber aufgeben und neustarten – in Corona Zeiten? Achterbahn der Gefühle. Aber tief im Inneren immer diese Gewissheit, dass Dubai der richtige Schritt für uns wäre. Eine große Chance für die Kinder. Internationales Lebensgefühl, raus aus der bayerischen KleinDorf Idylle. Eintauchen in die große Welt. Corona zwingt uns Reise-liebende Familie auf unsere Traumterrasse, in den Wald rund um Nandlstadt. Laufen, Wandern, Terrasse. Im Kopf Dubai, Wüste, Sonne und Strand. Statt Italien-Rundreise zu Ostern, laufen, laufen, laufen durch Hallertauer Wald und Auen. Dann plötzlich Assessment Center per Zoom. Mein Mann seit Wochen sowieso im Homeoffice. 

Schulchaos der Kinder. Komplettumstellung für die ganze Familie. Aber für uns immer erträglich. Jeder Corona-Tag zu Hause auch irgendwie etwas Besonderes. Freunde trifft man plötzlich auf ein Bierchen am Freitagabend über Skype. Irgendwie geht alles. Auch das Assessment Center geht gut. Besser als gut. Schon einen Tag später – die Zusage. Die Spannung steigt noch einmal ins Unermessliche, denn jetzt müssen noch die Vertragsbedingungen und vor allem die Bezahlung stimmen. Dank Homeoffice haben wir immer zwischendurch Zeit, die neuen Informationen zu diskutieren. Ich aktiviere eine alte Bekanntschaft. Lisa, eine Expat-Mama mit der ich einmal in Südafrika frühstücken war, mehr durch Zufall. Lisa war neu in der Stadt und wir hatten eine gemeinsame Bekannte. Wir verstanden uns gut, aber nach nur einem Jahr war Lisa wieder aus Johannesburg abgereist und nach Dubai gezogen mit ihrer Familie. Der perfekte Ansprechpartner für mich. Lisa und ihr Mann halfen uns sehr, die Lebensunterhaltskosten für Dubai einschätzen zu können. 

Es waren zähe Verhandlungen, aber dann schlussendlich passte alles, der Vertrag war unterschrieben. Nun musste ich noch meinen Minijob bei der lokalen Volkshochschule als Programmplanerin kündigen und mein Mann den viel größeren Schritt gehen und nach 20 Jahren seinen Job bei einer Firma kündigen, die uns beiden ans Herz gewachsen war, mit Menschen die uns durch einen Großteil unseres Lebens begleitet hatten. Und all das in der HochZeit von Corona. 

Zudem machten wir mächtig Druck, dass alles bis zum Schulstart in Dubai am 1. September 2020 über die Bühne lief. Denn wir wollten unseren Kindern auf keinen Fall zumuten, dass sie noch in Bayern die 5. Klasse starten müssten. Neue Freunde finden, in eine neue Schule einleben und dann wieder die Zelte abbrechen und erneut einige Wochen oder Monate später, die gleiche Torture erneut durchlaufen… Kam nicht in Frage. 

Wir musste unser Haus verkaufen, in dem wir gerade mal knapp zwei Jahre wohnten. Die Visa für die Vereinigten Arabischen Emirate mussten organisiert werden und eine Krankenversicherung gefunden werden. Die Schuleinschreibung in Dubai lief zum Glück reibungslos. 
Wir mussten überflüssige Dinge verkaufen und ein Umzugsunternehmen finden, welches unser komplettes Hab und Gut auch noch für ein paar Wochen/Monate einlagern würde. In Zahlen gesprochen beanspruchte unser, nach vielen Verkäufen bereinigtes, Hausgut immer noch einen 40„ High Cube Container. Wer schon einmal Übersee umgezogen ist, weiß, dass das die größtmögliche „Umzugseinheit“ ist. Darüber geht dann nur die Aufteilung auf zwei Container. 

Wegen Corona stand schon sehr bald fest, dass wir nicht vorab nach Dubai fliegen konnten, um uns ein Haus zu suchen. Es war überhaupt das erste Mal, dass wir umzogen, ohne vorher eine Orientierungsreise in das Land zu machen…. Uns blieb nur die Möglichkeit vorerst nach Ankunft in ein möbliertes Appartement zu ziehen (dieses wurde zum Glück von der Firma organisiert). 

Somit mussten wir nun auch noch unseren Hund vorrübergehend unterbringen, bis dieser Nachkommen konnte, sobald wir ein Haus gefunden hatten und unsere Möbel angekommen waren. Wir mussten Freunde und Familie überzeugen uns beim Umzug des Hundes dann später zu helfen.

Dank der Tatsache, dass mein Mann im Dauer-Homeoffice war, die Kinder zu Hause ihre .pdf Zettel der Lehrer bearbeiteten und mein Job bei der VHS auch fast im Stillstand war, hatten wir viel Luft, die Berge der Aufgaben zu erledigen, die so ein Umzug mit sich bringt. 

Und wir haben es geschafft. Am 19. August 2020 flogen wir nach Dubai. Natürlich nachdem wir in einem akkreditierten Labor in Frankfurt die entsprechenden Corona-Test gemacht hatten.

Die Kinder starteten am 1. September 2020 ihre 5. Klasse an der Deutschen Internationalen Schule Dubai. 

Die ersten zwei Wochen im Distance Learning. Nicht Home-Schooling wie in Deutschland. Professionell organisiertes Distance Learning, eine ganz neue Art der Beschulung für uns und eine Bereicherung. Dazu die Tage mehr hier in meinem Blog. 

Und was all das mit EntdeckerGlück zu tun hat? Was man alles lernt, wenn man sich mit einem neuen Land, einer neuen Schule, Umzugsunternehmen, Visavorschriften, Wohngebieten, Lebensunterhaltskosten beschäftigt, ist einfach unbezahlbar und für mich ein bereicherndes Glückgefühl. EntdeckerGlück. 

Wie unsere Familien den Umzugsplan aufnahmen? Dazu in den nächsten Tagen mehr.

Wer bin ich?

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EntdeckerGlück

Hallo, schön, dass Du auf meiner Seite gelandet bist. Vielleicht empfindest Du ja bereits ein bisschen EntdeckerGlück hier, beim Rumstöbern.

Ich bin Nicole, die Entdeckende, die dabei Glück empfindet. Ich habe es mir in meinem Leben zu eigen gemacht, mich an den kleinen Dingen zu erfreuen. Natürlich faszinieren mich genauso auch Reisen in neue Länder und bekannte Sehenswürdigkeiten. Wer fände das nicht toll? Aber oft ist es etwas Unbekanntes um die Ecke, über dessen oder deren Entdeckung man sich freuen kann, wie ein Waldstück durch das man zum ersten Mal spaziert; ein neuer Weg, den man nimmt; eine unbekannte Straße, die durch einen unbekannten Ort führt, in dem man wiederum vielleicht einen leckeren Nachtisch genießt, den man vorher noch nicht kannte. Ich kann mich sogar an der kreativen Beschriftung einer Toilettentüre in Lokalitäten, an einer besonderen Art und Weise, wie mir ein Kaffee serviert wird oder an der Kreativität meiner Kinder erfreuen. Täglich gibt es etwas zu entdecken und täglich gibt es eine Kleinigkeit die mir EntdeckerGlück bereitet und mir guttut. Und noch viel wichtiger, mein Bewusstsein schärft, es so zu sehen und zu empfinden.
Heute habe ich mich über die Entdeckung eines neuen Podcast erfreut.

Aber mal ehrlich, am meisten Glück bereitet mir doch das Entdecken im Bezug auf Reisen. (liegt wohl auch an meiner Berufswahl: I am a travel agent.) Aber da müssen es nicht die großen Reisen in die ferne Welt sein, auch in meiner Heimat der Kindheit, im hessischen Hinterland gibt es viel zu entdecken. Ganz besonders nehme ich nach meinem Wegzug von dort immer wieder und viel bewusster Kleinigkeiten wahr.

Ich habe nach der Schule eine Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin gemacht. Fasziniert von Sprachen und dem Ausblick auf eventuelle Reisen in ferne Länder. Bei meinem ersten Vorstellungsgespräch wurde mir dann klar, dass ich die meiste Zeit in einem Büro sitzen werde und übersetzen und sonstige Büroarbeiten erledigen werde. Panik stieg auf und wenige Tage später war die Entscheidung gefallen, gleich noch eine zweite Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau zu machen.

Zum Glück haben mich meine Eltern damals weiter unterstützt. Mit meinen bereits erworbenen Vorkenntnissen in Sachen Büroarbeit, war schnell eine Ausbildungsstelle gefunden. Und bereits nach wenigen Tagen in dem kleinen Reisebüro war mir klar, ich habe meinen Traumberuf gefunden. Es gab so viel zu entdecken auf dieser Welt, all die toll bebilderten Kataloge von fernen und nahen Reisen. Zudem die Vergünstigungen beim Reisen und dann noch jährlich eine bezahlte Inforeise in ein fremdes Land. Wahnsinn. Getoppt von den tollen Kunden, denen man dann anschließend besonders die Ziele, die man selber erlebt hatte, euphorisch verkaufen konnte. Und man wusste, man bucht für sie die schönsten Wochen des Jahres. Gut, es gab natürlich auch die Tage mit Beschwerden der Reiserückkehrer, Flugausfällen oder Flugzeitenänderungen, die nervenaufreibenden Visavorschriften in manchen Ländern usw. Aber man erinnert sich im Nachhinein ja hauptsächlich an die schönen Seiten 😉

Da mein Mann studieren wollte, zogen wir nach meiner verkürzten Ausbildung das erste Mal nach Bayern um. Und so fing es an, der Auszug und Umzug in die weite Welt.

Viele Städte und Länder würden noch folgen werden, von denen wir damals noch nichts ahnten.

Nach Freising ging es zurück ins Hinterland nach Biedenkopf, danach für ein halbes Jahr nach Würzburg. Würzburg war super schön, aber das Leben hatte andere Pläne für uns und so zogen wir innerhalb des gleichen Jahres weiter nach Regensburg, die Stadt in die wir uns verliebten. Und der Action in dem Jahr der zwei Umzüge nicht genug, planten wir in dem Jahr auch noch unsere Hochzeit und heirateten kurz nach dem Einzug in die Regensburger Wohnung im Hinterland.

Nach vier Jahren Regensburg ging es in die USA für drei Jahre, von dort mit Überbrückungs-Zwischenstopp (6 Wochen in einer Ferienwohnung) in Regensburg nach Südafrika. Von dort nach fast unbeschreiblich schönen und prägenden 10 Jahren zurück in die Nähe von Freising. Mittlerweile zwei Kinder und Hund mit im Umzugs“gepäck“.

Aber bereits nach vier Jahren kribbelte das Fernweh in uns. Und in der chaotischen Corona Zeit 2020 rief Dubai. Und so zogen wir unter ganz neuen Bedingungen, ohne vorher eine Orientierungsreise gemacht zu haben, um. Und hier sind wir jetzt, zu fünft: Mein Mann, unsere Zwillinge, unser Hund und ich.