Pousadas in Portugal

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3 Wochen mit dem Auto durch Portugal

Jetzt sind wir seit drei Wochen wieder in Dubai nach 7 wahnsinnig erlebnisreichen Wochen unterwegs. Nach Hause kommen ist so wunderschön, zu Hause sein und leben auch, aber wie Ihr euch sicher bei meiner Blogseite hier denken könnt, ist on the road – auf EntdeckerTour – sein ebenso schön.

In meinem Beitrag im Juli 22 habe ich euch schon von ein paar Erlebnissen von einer lang vergangenen Portugalreise erzählt. Jetzt haben wir dort angeknüpft und den Rest Portugals erkundet. In eben diesem Bericht habe ich schon einmal die Pousadas erwähnt. Damals haben wir zwar in keiner übernachtet, aber haben dieses wunderschöne alte Gemäuer entdeckt, dass heute eine Pousada ist. Ebenfalls damals haben wir uns vorgenommen, dort einmal zu übernachten. Ich nehme es vorweg: Diese Pousada lag leider nicht auf dem Weg, somit viel diese Übernachtung flach, aber ich habe einige andere wundervolle Pousadas mit in unseren Reiseplan gepackt. Jetzt rede ich immer von Pousadas und ihr fragt euch vielleicht: Was ist das überhaupt?

Für Pousadas wurden historische Gebäude, wie alte Klöster, Burgen oder Schlösser, zu Unterkünften umgebaut. Da die Gemäuer oft unter Denkmalschutz stehen, haben diese Häuser immer ein besonderes Flair und eine tolle Geschichte. In den angeschlossenen Restaurants der Pousadas werden oft die für diese Region typischen Gerichte angeboten. Also auch ein Geschmackserlebnis, wobei die Karte meist ein sehr begrenztes Angebot bietet. Auch Weine der Region werden angeboten, wenn verfügbar.

In Spanien heißen diese Art von Unterkünften „Paradores“.

Wir haben gleich in der ersten Nacht mit einer Pousada gestartet.

Pousada Castelo de Alvito

Im kleinen Örtchen Alvito im Südosten, gelegen, etwa drei Stunden vom Flughafen Lissabon entfernt, in der Region Alentejo. Das Alentejo ist die Region der Störche und Korkeichen.

„Historisches Hotelgebäude aus dem sechzehnten Jahrhundert. Diese Burg war einst der Wohnsitz eines Baron-Geschlechtes, das in königlicher Gunst stand“, so beschreibt die Pousada Homepage die Anlage.

Super herzlich werden wir hier empfangen. Die Zimmer mit Verbindungstür begeistern sofort die ganze Familie. Auf dem Weg zu unseren Zimmern fällt unser Blick durch die Fenster auf den Burg-Innenhof. Hier herrscht bereits reges Treiben in Vorbereitung auf den angekündigten Grillabend.

Nach BESTAUNEN der Zimmer; nach dem langen Sitzen am Flughafen, im Flieger und anschließend im Auto, zieht es die Kinder und uns zur Erfrischung an den Pool im Garten. Aber der Pool (Dubai-verwöhnt…) ist uns zu kalt. Somit entscheiden wir uns spontan für einen kurzen Spaziergang durch das Örtchen. Ein Miniörtchen, beherrscht von der Präsenz der Pousada. Aber ein erster Eindruck Portugals. Portugals Erde unter den Füßen, durch die Gassen schlendern… wir entdecken eine alte Kirche mit einem kleinen Vorgarten. Mehr gibt es eigentlich nicht.

Später im gemütlichen, schützenden Innenhof genießen wir unsere erste Flasche eines grünen Weines aus der Region. Urlaub. Das Essen in Buffetform ist überhaupt nicht nach unserem Geschmack, weder mögen wir Buffets, noch sind wir Fans von Grillabenden aus Chafing Dishes. Aber am Anreisetag wollten wir es so einfach wie möglich, denn in einem 2500 EinwohnerOrt ist natürlich unklar, was man an einem Samstagabend sonst noch für Alternativen hat.

Immerhin belohnt uns das Ambiente und der Wein. Wir genießen.

Die Kellner können nur sehr bedingt ein paar Worte in Englisch. Somit ist am nächsten Morgen vor der Abreise gleich mal eine kleine Spracheinführung bei der Rezeptionistin fällig.

Während die Kinder noch schlafen, ziehen wir frühmorgens wieder eine Runde durch Ort. Dieser schläft noch wunderschön ruhig. Nur auf einem Dorfplatz, fast direkt neben der Pousada, wird ein Markt aufgebaut. Vor einem Minicafé daneben sitzen bereits ein paar wenige Männer und trinken Kaffee und rauchen. Wir gesellen uns dazu. Bestellen auch zwei Kaffee, keine Zigaretten für uns, und beobachten den Markttrubel. Es wird noch aufgebaut und die Waren werden zur Schau ausgelegt. Viele Standbetreiber kommen auch ins Café und trinken noch einen Kaffee, bevor der Verkaufstag startet. Der Kaffee (Größe: Doppelter-Espresso) schmeckt köstlich, wir nehmen noch einen zweiten, bevor wir die Kinder zum Frühstück abholen. 0,80 € kostet uns ein Kaffee. Wow.

Eindrücke aus der Pousada Castelo de Alvito

Pousada Castelo de Beja oder auch Pousada de San Francisco genannt.

Etwa 40 km südlich von Alvito gelegen, in Beja

Panoramaansicht

„Die Pousada de Beja (am Gebäude außen steht heute Pousada de San Francisco) ist eine wahre Oase inmitten der Alentejo-Ebene mit einer fast 800-jährigen Geschichte. Reisen Sie zurück in vergangen Jahrhunderte in diesem herrlichen Rückzugsort in der Alentejo-Ebene.  Die Pousada de Beja befindet sich in einem alten Franziskanerkloster in der Stadt Beja im Alentejo. Die Pousada befindet sich im Stadtzentrum, nur 700 Meter von der Burg sowie 200 Meter vom Museu Rainha D. Leonor entfernt. Die Pousada ist ein majestätisches, architektonisches Werk, das die religiöse und gotische Bauweise in Portugal repräsentiert. Die 20 Zimmer befinden sich in den ehemaligen Mönchszellen“

So wird sie beschrieben auf der Pousada Homepage, unsere Unterkunft in Beja. Die Anreise führt uns an verlassenen, teils verfallenen Industriegebäuden am Ortseingang vorbei. In der gleichen Gegend fahren wir an sehr einfachen, ärmlichen, fast trostlosen Unterkünften vorbei, in heruntergekommenen, alten kleinen Häusern. Verwohnte alte Stühle oder Sessel stehen auf dem Gehweg, Wäsche hängt an den Mauern der verlassenen Fabrikmauern auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Wir fühlen uns wirklich unwohl, denn wir werden gleich, nicht weit entfernt in einem wunderschönen historischen Gebäude absteigen. Krasser Gegensatz.

Die Pousada liegt an einem großen, zentralen Platz. Auch hier noch ein herzlicher Empfang. Der Eingangsbereich erstreckt sich in einen imposanten Raum, mit enormer Deckenhöhe hinein. Ein weiterer Gang führt wenige Stufen hinab in das einladende Restaurant, in dem wir direkt einen Tisch für abends reservieren. Der Weg zu unserer Zelle führt durch eine Kapelle.

Wir packen die Badetasche und ab zum Pool. Dort lassen wir den Nachmittag ausklingen. Es sind mehrere Kinder am Pool, somit darf ruhig ein bisschen getobt werden.

Den Abend genießen wir im Gewölberestaurant. Die Kinder staunen erstmal nicht schlecht, als sie den doch üppig mit Besteck, Geschirr und Gläsern bedeckten Tisch entdecken. Natürlich machen wir uns den Spaß und bestellen dem Besteck entsprechend auch mehrere Gänge. Ein großer Spaß. Denn zum Highlight wollen die Kinder nun auch ihr Wasser aus den Weingläsern der Umgebung angepasst, stilgerecht trinken. Ein toller Abend, bei dem viel Essen hin und her getauscht wird. Denn die schwarzen Nudeln finden keinen Einklang bei dem einen, aber dafür das Fleischgericht. Somit startet ein wildes Tauschen und Probieren, als wir unsere Hauptgänge erhalten. Ein toller Familienabend.

Eindrücke der Pousada Castelo de Beja oder auch Pousada de San Francisco:

Pousada Convento de Evora in Evora

„In diesem Kloster aus dem 15. Jahrhundert sind die Spuren seiner ursprünglichen Architektur erhalten geblieben. Die Pousada Convento de Évora, die auch den Namen Pousada dos Lóios trägt, befindet sich in der Museumsstadt, die als Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde: Évora. Die Pousada liegt zwischen der gotischen Kathedrale Évora und dem alten römischen Tempel, in der Nähe der Praça do Giraldo und des Colégio do Espírito Santo.
In dem Gebäude sind Spuren seiner ursprünglichen Architektur erhalten, z. B. die Kreuzgänge im Innenhof, die ein Ort der Ruhe und des Friedens sind und einen Außenpool sowie einen Ruhebereich beherbergen. Bei den Zimmern handelt es sich um die alten Zellen der Mönche“,
so wird Sie beschrieben unsere nächste Pousada auf der Homepage der Pousadas.

Die Lage neben dem alten römischen Tempel ist schon bei der Ankunft absolut beeindruckend. Wir haben riesen Glück und bekommen, nach Anfrage in der Rezeption, doch tatsächlich einen Parkplatz in direkter Nähe zur Pousada zugewiesen. Es war perfektes Timing, dass wir doch fast zwei Stunden vor dem offiziellen Check-In ankamen. Wir parken und schlendern dann erstmal durch die Gassen Evoras. Die Kinder sind hier ganz begeistern, weil es die dritte Unterkunft im Land ist und jetzt tatsächlich endlich auch weitere Touristen und auch die klassischen Touristenläden dazu, in den Gassen auftauchen. Überall im Angebot jegliche Produkte aus Kork: Schüsseln, Taschen, Hüte, Schmuck und vieles vieles mehr. In einer Seitengasse finden wir eine tolle Eisdiele. Es sind so viele Menschen hier in den Gassen unterwegs, überall Stühle vor den Cafés und Restaurants. Richtig Leben.

Weitere Eindrücke der Pousada Convento de Evora:

Pousada Viana do Castelo

„Einer der fantastischsten Ausblicke in ganz Portugal

Die Pousada de Viana do Castelo befindet sich auf dem Gipfel des Monte de Santa Luzia in Viana do Castelo. Durch seine erhöhte Lage und den Anmut wirkt das Hotel wie ein zusätzliches, verschönerndes Wahrzeichen der Stadt Viana do Castelo. Es bietet seinen Gästen einen der fantastischsten Ausblicke in ganz Portugal – hoch oben auf dem Berg, oberhalb der Stadt und des Rio Lima gelegen, den Atlantik und den berühmten Templo de Santa Luzia überragend, welcher, nur wenige hundert Meter vom Abhang entfernt, die Landschaft und das Panorama prägt.

Die Pousada, die aus dem Jahr 1979 stammt, ist das Ergebnis der exzellenten Restauration und Umstrukturierung des ehemaligen Hotels de Santa Luzia. Dabei wurden die charakteristischen Merkmale, die das Hotel auszeichneten, ebenso beibehalten wie die hohen Mauern aus Granit und die breiten Bogengänge.

GRÜNDE FÜR DIE WAHL:
Einhundert Jahre altes Hotel, das ein Projekt des Architekten Miguel Ventura Terra ist.
Es befindet sich auf dem Monte de Santa Luzia.
Auf dem Gipfel des Berges implantiert.“

So wird sie beschrieben – die Pousada Viano do Castelo.

Der Blick ist gigantisch schön. Der Service und die Freundlichkeit lassen doch etwas zu wünschen übrig (das müssen wir aber leider ganz krass auf fast unserer ganzen Portugalreise feststellen und ertragen. So etwas haben wir noch NIE in der Form irgendwo auf dieser Welt erlebt).

Auch die Zimmer sind ganz schön in die Jahre gekommen. Da die Pousada weit außerhalb der Stadt, sehr weit oben auf dem Berg liegt, fährt man für die Sehenswürdigkeiten, Strände oder Cafés und Restaurants eine gute Strecke hinab oder eben hinauf

Aber irgendwie versöhnt einen an diesem Ort der Blick von der Terrasse mit all dem. Ein versteckter Weg führt zum wirklich großen Pool. Auch hier kein Service, also unbedingt vielleicht Wasser und ein paar Snacks für die Kinder einpacken.
Am Morgen vor dem Frühstück werden wir noch mit einer unglaublich wunderschönen Nebelstimmung überrascht. Das ganze Tal ist verschwunden, nur wir in der Pousada und leichte Schemen des „Templo Santa Luzia“ ragen über die Nebelschwaden hinaus. Eine ganz besondere Stimmung zum Abschiedsfrühstück.

Das für euch mal ein erster Ausschnitt aus unserer beeindruckenden Portugalrundreise.

Mehr davon die nächsten Tage…

Wir waren noch im Schmugglerhäusen, sind zu Fuß nach Spanien gelaufen, haben 3D Filme in Burgen gesehen, Ruinen erkundet, eine beeindruckende Führung von einem Schüler bekommen, sind aus Porto früher abgereist und so vieles, vieles mehr…. Schaut mal wieder vorbei! Ich freu mich.

Hausboot Lisbeth.

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…in Offenbach am Main.

EntdeckerGlück Highlight des Sommers:

Auf der Badeplattform sitzen wir und lassen die Füße baumeln. Die Zehen streifen gerade so das Wasser, wenn wir sie ein bisschen nach unten beugen. Die zwei Spitzen der SUPs schauen neben uns unter der Badeplattform hervor und warten nur darauf, bewegt zu werden. Links neben uns geht unsere Badeleiter hinunter ins kühlende Wasser. Die Sonne glitzert auf den kleinen Wellen, die ein vorbeifahrendes Boot hinter sich herzieht. Ein Kajakfahrer kommt das Wasser entlang…

Man könnte jetzt meinen, wir sind irgendwo am Meer, an einem großen See, aber nein: wir sind in Offenbach.

An einem Nebenarm des Mains erwartet uns am Ufer Marko. Marko und Sarah sind die beiden herzlichen Hausbootpiraten, die uns heute die Schlüssel für ihr Boot überlassen. Schon beim Betreten können wir unser Glück überhaupt nicht fassen. Mir kribbelt es vor Freude im ganzen Körper. Was für eine Überraschung! Die Einrichtung ist gigantisch schön. Ich fühle mich sofort in eine der unzähligen, wunderschön eingerichteten Safari-Lodgen in Südafrika versetzt und das hier in Offenbach auf dem Main. Verrückter Vergleich? Ja, genau, ich weiß, aber dieser Vergleich kommt mir sofort in den Sinn. So herzlich einladend und so geschmackvoll und einfach besonders eingerichtet… WOW.

Sobald man durch die Eingangstür tritt, ist man überwältigt von dem Blick. Eine riesengroße Glasfront, bei der das mittlere Element bereits offensteht, erstreckt sich vor uns. Freier Blick aufs Wasser. Es liegen noch ein paar wenige Motorboote neben uns, was das Gefühl noch mehr bestärkt, dass wir irgendwo in einem fernen Hafen liegen.

Nachdem Marko uns die Einführung in „unser“ Boot gegeben hat und von Bord gegangen ist, liegen wir uns erstmal kurz in den Armen, Dankbarkeit und Glück, dass wir das gemeinsam erleben können. Meine Mama und ich.

Wir sitzen ein bisschen auf der Terrasse, ein bisschen auf dem Sofa, ein bisschen im Hängesessel, ein bisschen an der Küchentheke und machen ein paar Fotos… O.k., DAS ist untertrieben, denn wir haben so unzählig viele Fotos gemacht – vollkommen verrückt.

Am liebsten würden wir einfach nur verweilen und genießen, aber eigentlich sieht auch die Umgebung wirklich spannend aus. Auf der Hafeninsel vor uns reihen sich moderne Wohnhäuser aneinander, davor eine kleine Uferpromenade zum Spazieren. Also gehen wir doch noch einmal kurz von Bord und erkunden das MainArmUfer. Ein alter Be- und Entladekran in Blau ziert ebenfalls das Ufer. Leichter Industriecharakter um uns herum. Es passt einfach alles. Ein bisschen schauen und genießen, noch einen kleinen Drink bei einem netten Italiener. Absolut überraschend für uns ist, dass in der Nähe des Haubootes, tatsächlich ein paar Cafés, Restaurants und Geschäfte sind. Das hatten wir so gar nicht erwartet. Aber eigentlich zieht es uns recht schnell wieder auf unser Boot zurück. Es ist viel zu schön, als dass wir die Zeit von Bord verbringen wollen. Also schnell zurück.

Mit einem Glas Wein klettern wir über die Leiter neben der Haustür auf das Dach des Bootes. Eine große Sonnenliege wartet schon auf uns. Von hier oben beobachten wir ein Pärchen, das neben uns im Main schwimmt. Wie sich später herausstellt: die Nachbarn. Wir liegen einfach nur da, saugen den Ausblick in uns auf. Erholung pur. Der Hunger und die leeren Weingläser sind ein Zeichen, dass es wieder Zeit ist, nach unten zu klettern. Wir richten uns an der wunderschönen Küchentheke unsere kleine Tapas-Platte an. Hier sitzen wir dann auch mit dem Blick durch das offene Fenster auf das Wasser. Im Hintergrund läuft der Plattenspieler und liefert die passende Begleitmusik. Wir lassen erneut die Weingläser klirren. Ein Toast auf dieses wunderbare Erlebnis. Wir sitzen lange da, reden, starren aufs Wasser. Als sich der Horizont leicht rosa färbt, ziehen wir uns auf unsere Polsterecke auf der Terrasse zurück, Sonnenuntergang bestaunen. Den Abend lassen wir kuschelig auf dem Sofa ausklingen. Wir spielen Qwirkle, hören weitere Schallplatten an und starren immer wieder aufs Wasser hinaus, wir wollen keinen Moment verpassen, bis sich die Umgebung draußen schwarz gefärbt hat. Es ist so gemütlich. Und so gemütlich wird auch die Nacht. Manchmal hört man leise das Wasser kurz plätschern oder man merkt eine leichte Bewegung. Hygge oder hyggelig beschreibt es wohl am besten.

Den Morgen starten wir wieder mit Musik von unserer mittlerweile auserkorenen Lieblingsschallplatte von Beth Hart mit einer Tasse Kaffee auf der Terrasse. Die Zehenspitzen immer mal wieder ausgetreckt das Wasser berührend. Die Stimmung am Wasser ist so ruhig, so beruhigend. Und weil es so schön ist, gibt es noch eine zweite Tasse Kaffee zum rundum Genießen.

Gegen 10 Uhr haben wir uns wieder mit Sarah und Marko zur Schlüsselübergabe verabredet. Wir quatschen noch einige Zeit mit den beiden. So nett und so herzlich runden die beiden das WohlfühlErlebnis noch ab.

Eigentlich hätten wir länger bleiben müssen, denn es schaut ganz so aus, als ob wir entlang des Mainufers noch einiges hätten erkunden können. Wir hatten weder Zeit, die SUPs zu nutzen, noch die Fahrräder, die ebenfalls für die Gäste bereitstehen…

Wir müssen wohl wiederkommen…

Epilog

Früher bin ich mit meiner lieben Freundin Katja immer auf Schatzsuche in unserem Heimatort, gegangen. Hier gab es mal Posträuber, von denen der Schatz nie gefunden wurde und wir meinten natürlich, in unserer kindlichen Naivität, dass WIR ZWEI diesen Schatz schon finden würden. Lange ist das her…

Jetzt plötzlich, im Sommer 2022, findet Katja einen kleinen „Schatz“ in Offenbach: ein Hausboot auf dem Main. Erst leichte Panik bei mir, ob wir jetzt irgendwie dieses Hausboot steuern und fahren müssen. Aber nein, der kleine Schatz liegt sicher am Ufer. Lange, lange haben wir uns auf diesen kleinen Schatz gefreut, aber dann kam (mal wieder) Corona dazwischen. Am Abend vor der Anreise: Katja liegt flach und kann nicht mit.

Kurzfristig springt meine liebe Mami ein und wir haben ein vollkommen unerwartetes Mutter-Tochter-Wochenende in Offenbach. Für den Abend eine köstliche Flasche Wein und ein paar Tapas im leichten Gepäck machen wir uns auf den Weg.

Den Tag in Offenbach starten wir mit dem Besuch des Deutschen Ledermuseums, keine zwei Kilometer vom Hausboot entfernt. Das Museum ist bereits eine große Überraschung. Wirklich toll gemacht, informativ und abwechslungsreich und Leder zum Anfassen. Aber eigentlich ruft uns das Wasser, das Hausboot. Die Spannung und Vorfreude sind einfach zu groß, denn schon die Fotos im Internet von unserer „Lisbeth“ sind so unbeschreiblich schön, dass wir es nicht abwarten können, an Bord zu gehen.

Katja, es tut mir so, so leid, dass du nicht dabei warst. Ich weiß genau, wie du aus dem Häuschen gewesen wärst bei diesem Anblick. (Genauso wie ich.) WIR können genießen und WIR können uns an den schönen Dingen erfreuen.

Und das haben meine Mama und ich somit stellvertretend für dich mit übernommen.
DANKE, Katja, für deine erfolgreiche Schatzsuche.

Ledermuseum Offenbach am Main:

Den Frühling in Portugal genießen.

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Aufzeichnungen einer Reise im Jahre 2002. Und in nur wenigen Tagen geht es erneut auf einen Roadtrip durch Portugal. 2,5 Wochen, 13 verschiedene Unterkünfte liegen vor uns. Wir freuen uns – so wie damals.

In Erinnerungen schwelgen: Bei diesem Regenwetter Anfang März habe ich eigentlich nur noch auf den Frühling gewartet, daß die Sonne wieder vom Himmel lacht und meine Laune hebt. Da war der Gedanke nach Urlaub gar nicht so fern. Und dann dieses Angebot für Portugal, Algarve zu diesem Preis, da mußten wir natürlich nicht lange überlegen.

Einfach nur mit dem Auto durch den Frühling düsen und an sonnigen Plätzen mal ein oder zwei Cappuccino genießen. Das kann man sich eingehen lassen.

Also rein in den Flieger bei Regenwetter und raus in den Sonnenschein.

Mietwagen gleich ab Flughafen. Das Wetter ist schließlich noch nicht so sicher, daß wir eine Woche am Strand liegen wollen oder können. Außerdem möchten wir jetzt nach den langen Winterabenden auf der Couch bei Tee endlich raus an die frische Luft, auf Tour und etwas erleben…

Nach Bezug unseres Appartements lassen wir den ersten Tag mit einem Kaffee und einem guten Buch auf dem Balkon ausklingen. Immer mit der Nase Richtung Sonne.

Aber heute geht es ab ins Auto und raus in die Berge.

Wir sind in der Algarve, ganz im Süden Portugals und eigentlich nur ein kleiner Teil des Landes, aber sehr interessant. Die Mauren nannten diesen Fleck Al-Gharb (der Westen), weil diese Provinz eindeutig im äußersten Westen ihres Reiches lag. Für uns heute einfach nur der Süden mit viel Sonne, die wir jetzt genießen werden.

Unsere erste Tour führt uns Richtung spanische Grenze. Den ersten Stop legen wir in Castro Marim ein. Der wirklich kleine Ort wird von zwei großen Burgen beherrscht. Wir sind ganz alleine in den Ruinen und können in aller Ruhe diesen herrlichen Ausblick genießen. Vor den Toren Castro Marims glitzert die Sonne in den unzähligen Salzseen, die sich bis zur spanischen Grenze zu ziehen scheinen. Am Horizont sehen wir eine große Hängebrücke, die Portugal mit dem Nachbarland verbindet und bei dieser altertümlichen Stimmung eigentlich so gar nicht ins Bild paßt. Unter uns auf einem kleinen Dorfplatz können wir das Waschhaus des Ortes sehen, wo die Frauen des Dorfes zusammenkommen und die bunte Wäsche zum Trocknen in der Sonne hängt.

Das ist genau diese Art von Urlaub, die wir uns erhofft hatten, überall noch Ruhe und wenig Touristen. Sind wir ja selber…

Auf geht’s mit unserem kleinen Flitzer immer am Grenzfluß Guadiana entlang ins Landesinnere. Nie hätten wir uns diese Landschaft so saftig grün vorgestellt. Vielleicht liegt es auch an dem enormen Gewitter, das uns in der letzten Nacht lange wachgehalten hat.

Über einen kleinen Abstecher von unserer Route gelangen wir nach Mértola. Nächster Ort, nächste Burg. Mertóla liegt zwischen zwei Flüssen, was natürlich wieder von oben einen schönen Ausblick bietet. Auch hier ist wieder kaum jemand außer uns und dem Kassierer. Bei ihm zahlen wir unseren Eintritt, damit wir noch den Aussichtsturm besteigen dürfen. Er versucht uns noch zu erklären, was wir mit unserem gezahlten Eintritt zusätzlich im Ort besuchen können. Nett von ihm, aber leider können wir kein Wort Portugiesisch und er kein Wort in irgendeiner anderen Sprache. Er ist super bemüht und versucht es immer wieder.

Beim Abstieg von der Burg holt uns der Regen von der letzten Nacht ein, so daß wir nur noch durch den Ort eilen bis zum nächsten Café, in dem wir die einzigen Ausländer sind. Wir lassen uns den Cappuccino schmecken und erfreuen uns an diesem Sonntag an der Lebensfreude der Portugiesen, die egal welchen Alters alle in diesem einen Café versammelt scheinen.

Auf dem Weg zum Auto leuchten uns dann schon wieder die reifen Orangen in ihren kräftigen Farben entgegen, angestrahlt von der Sonne.

Ab jetzt werden die Straßen noch einsamer und einspurig. Rechts und links von uns liegen weite grüne Wiesen und plötzlich stehen wir mitten in einer Schafherde, die langsam die Straßenseite wechselt und wir kommen uns vor, als ob die Zeit stillsteht.

Kilometer später erwartet uns die nächste Überraschung. Damit hätte ich überhaupt nicht gerechnet: Ein großer Baum in dem vier Storchenpaare ihre Nester gebaut haben. Da bleiben wir natürlich erst einmal stehen und müssen dieses Naturschauspiel eine Weile beobachten. Wann hat man schon die Gelegenheit, gleich so viele Störche auf einmal zu sehen.

Den Abend lassen wir in einem netten Fischrestaurant irgendwo an der Küste ausklingen.

Nach einer weiteren Nacht mit Gewitter und Hagel und dementsprechend wieder wenig Schlaf starten wir am nächsten Tag in die andere Richtung. Nach den ganz östlichen zurückgelegten Metern von Portugal, wollen wir heute auf der Autobahn in den äußersten Westen des europäischen Festlandes. Bevor wir den Ausblick in Sao Vicente genießen, machen wir einen Abstecher nach Sagres. Die Beschreibung des Reiseführers hört sich vielversprechend an: „Auf den Spuren der Seefahrer.“ Der erste Eindruck, diese riesige strahlend weiße Festung, die da vor uns liegt, ist es auch: beeindruckend. Aber es ist wie der Eintritt hinter eine Fassade. Auf einem riesigen Areal steht eine Kapelle, ein anderes altes Haus, ein paar Kanonen, ein nicht gerade hübscher Leuchtturm. O.k., wir werden eine Runde über dieses steinige Stückchen Land wandern, den Wind durch unsere Haare wehen lassen und uns einfach an dem gigantischen Ausblick auf den westlichsten Zipfel, Kap Sao Vicente, erfreuen.

Viel mehr begeistert uns dann auf der Fahrt weiter die (heute: ehemalige) Pousada „Fortaleza do Beliche“. Von außen wirkt sie wie eine weitere Festung. Nur eine Mauer aus rauhem Naturstein mit einem kleinen Durchgang Richtung Meer. In dem schönen Garten mit Blick aufs Meer und einer kleinen Kapelle genießen wir die Mittagssonne und unseren Cappuccino. Nur vier Zimmer gibt es in dieser Pousada. Die Pousadas Historicas (die mir lieber sind) sind staatlich geführte Gasthäuser, die in alten Schlössern, Klöstern oder Burgen untergebracht sind. Einfach zum Träumen, mit extra viel Flair. Außerdem gibt es noch die neu gebauten Pousadas (Pousadas Regionais) die durch ihre Lage z. B. in Naturschutzgebieten auffallen.

Über kleine Küstenstraßen, mit einsamen weiten, weißen Dünenstränden, wie ich sie mir nie an der Algarve vorgestellt hätte, kommen wir über die Autobahn zurück zu unserem Appartement.

Nach der ersten ruhigen Nacht und einem köstlichen Frühstück, geht es heute wieder ganz nach Osten. Es steht die Grenzstadt Vila Real de Sto. António auf dem Programm. Laut unserem Reiseführer, eine Stadt, in die man zum Einkaufen fahren sollte. So wie es angeblich auch sehr viele Spanier machen, die extra mit der Fähre übersetzen, weil das Angebot so reichhaltig und günstig ist. Wir wissen ja, daß noch keine Saison ist, aber wo sollen diese Läden sein. In den Läden, an denen wir vorbeischlendern, ist nichts, was einen wirklich begeistern könnte. Die Mode scheint veraltet und Anglerzubehör benötigen wir nicht. Genauso wollten wir unseren Hausstand nicht mit altmodischen Handtüchern, Tischdecken oder netten Kaffeetassensets auffüllen. Da gesellen wir uns doch lieber auf dem großen, schönen Marktplatz zu den Rentnern und genießen mal wieder den blauen Himmel und das Leben, bei einem Cappuccino.

Was uns später viel mehr interessiert, als wir endlich diese uninteressante Einkaufsstraße verlassen haben und Richtung Hafen schlendern, sind die wenigen Fischerboote die gerade anlegen. Über den stillgelegten Bahnhof gelangen wir in eine Ecke, in die sich wahrscheinlich kaum ein Tourist verirrt. Wir können so ungestört den Fischern bei der Arbeit zuschauen. Der Ausflug hat sich allein deshalb schon wieder gelohnt.

Auf dem Rückweg machen wir noch einen Stop in Tavira. Der Ort ist durch einen Fluß getrennt über den sich viele Brücken spannen. Erinnert ein bißchen an Venedig (wo ich noch nie war). Die Fischstände der Markthalle mussten weichen und heute haben sich nette Cafés und kleine Geschäfte angesiedelt. Einfach nett zum Nachmittagsbummel.

Zufrieden gönnen wir uns heute noch ein paar ruhige Stunden auf unserem Balkon, auf dem anscheinend nie die Sonne untergeht. 

Unglaublich, aber schon wieder eine Nacht ohne Gewitter. Und wie jeden Morgen begrüßt uns die Sonne mit ihrem Lächeln. Danke, dafür!

Heute steht Faro auf dem Programm. Wir parken auf dem großen gebührenfreien Parkplatz Largo de Sáo Francisco. Von dort laufen wir Richtung Stadt und können es kaum glauben, wie viele Storchennester es in dieser Stadt gibt. Auf unzähligen Schornsteinen und Kirchen haben sich immer mindestens ein Storchenpaar angesiedelt. Und außer uns scheint niemand immer die Augen auf die Dächer gerichtet durch die Stadt zu laufen.

Hier kann man gut einkaufen! Es gibt eine sehr hübsch angelegte Fußgängerzone mit interessanten Geschäften, die für jeden Geschmack etwas bieten.

Zum Abschluß wollen wir noch das im Reiseführer empfohlene „hinreißende Seefahrtmuseum“ anschauen. Leider können wir es erst nicht finden und laufen die Hafengegend ewig mit unserem Stadtplan ab. Als wir endlich den kleinen unscheinbaren Eingang entdecken, hängt dort ein Schild mit den Öffnungszeiten: 14-17 Uhr. Das paßt uns trotz Urlaub nicht ganz in den Zeitplan. Es ist nämlich erst 12 Uhr und wir haben sonst eigentlich alles gesehen. So müssen wir leider auf das wahrscheinlich hinreißende Museum verzichten.

Auf zum Auto immer wieder an neuen Storchennestern vorbei und dann auf nach Olhao.

Nach langem Reden mit der Polizei über unseren Parkplatz, können wir endlich die Tour durch den Fischmarkt starten.  Der Duft ist unverkennbar. Wir sehen jede Art von großen und kleinen Fischen, bereits ausgenommen und zerlegt oder auch noch ganz am Stück. Auf uralten Waagen, lassen sowohl Junge als auch Alte ihr Abendessen abwiegen. Hätten wir keine Halbpension, würden wir hier sicher auch kaufen. Der Fisch ist wirklich frisch und die Atmosphäre einfach schön.

In der nächsten Halle, können wir an den Ständen nicht mehr nur vorbeigehen. Wir kaufen Weintrauben, Erdbeeren und eingelegte Oliven von einer netten, alten Bäuerin. Draußen auf der Hafenmauer mit Blick über den Atlantik genießen wir unsere Früchte.

Auf dem Heimweg nehmen wir wieder einen kleinen Umweg in Kauf und machen noch einen Abstecher nach Estoi. Dort soll es, laut Reiseführer, einen herrlichen, verwunschenen Palast geben. Den müssen wir sehen. Und diesmal hat er nicht zu viel versprochen. Durch ein uriges Eingangstor, gelangen wir vorbei an einem leicht verfallen Herrenhaus (für uns Herrenhaus, den Zeichen über den Türen nach, früher Pferde- und Kuhstall) an einen wirklichen Palast. Vom Brunnen aus hat man einen herrlichen Blick über einen verwilderten Garten. Im Hintergrund sind große Azulejos. Diese Fliesenbilder sind typisch für Portugal und stammen ursprünglich aus dem persischen Raum. Eine Treppe führt vor ein großes Eisentor, das den Eingang in einen weiteren Garten versperrt, aber den Blick auf den wirklich verwunschenen rosa Palast freigibt. Das ist mit das Schönste, was wir bis jetzt gesehen haben. Die Stadt Faro hat dieses Anwesen aufgekauft und es wurde 2009 dort eine weitere Pousada eröffnet. Das wird uns bestimmt eine weitere Reise an die Algarve wert sein. Besonders, weil die Lage perfekt ist: In der Mitte der Algarve. Wir verbringen noch viele, viele Minuten einfach nur mit Staunen und Genießen.

Ab nach Albufeira, dem Trubel- und Touristenort im Sommer. Aber jetzt, nichts von alle dem. Wir genießen die Ruhe, schlendern durch die Gassen, haben einen wunderbaren Blick auf diese typische Felsküste der Algarve, die es auch am Strand von Albufeira gibt. Eine Familie tummelt sich tatsächlich schon im Meer. Das ist uns noch zu kalt. Wir bevorzugen mal wieder ein Café auf dem Marktplatz und bestellen uns den täglichen Cappuccino.

Und danach wieder ab in die Berge. Über Paderne, Portela geht es nach Alte. Dieser wirklich typisch kleine, weiße Ort schmiegt sich an die Berge. Wir bummeln durch die Gassen immer Ausschau haltend nach den berühmten Quellen, die es hier geben soll. Wir finden sie mal wieder nicht. Erst auf der Weiterfahrt, kommt uns ein Hinweisschild entgegen. Die Quellen können uns überhaupt nicht begeistert. Es gibt viele Picknickplätze und Snackbars und Restaurants. Aber schön ist es hier nicht wirklich. Also lieber wieder auf die Straße und durch die Natur zurück über Loulé, der letzte Punkt auf unserem heutigen Programm. Diese Stadt zieht uns auch sofort in ihren Bann. In der Markthalle können wir an den frischen Erdbeeren natürlich wieder nicht vorbeigehen. Die Stadt lebt, es sind viele junge Leute unterwegs und wir genießen erneut einfach nur die Atmosphäre, während wir durch die Gassen laufen.

Wir können nicht genug bekommen und wollen auch noch die letzte Pousada in dieser Region besuchen. Eine von dem Typ „Regionais“. Diese liegt bei Sao Bras de Alportel. Nach mal wieder ewigem Suchen werden wir fündig und enttäuscht. Ein großer, weißer Kasten. Der Blick ganz nett, aber nichts Besonderes. Nein, dann lieber wieder zurück auf unseren Balkon und in Ruhe die letzten Sonnenstrahlen genießen, bevor wir morgen wieder unsere Heimreise antreten. Aber wir sind super erholt, haben viel gesehen, die Sonne und das Leben genossen.

Kurz: Wir sind zufrieden mit der Welt und Portugal, wir kommen sicher einmal wieder.

Falls Ihr euch wundert, warum und wie ich solch alte Geschichten im Moment ausgrabe: Ich habe zu unserer Zeit in Würzburg eine Fernschulung für „Journalistisches Schreiben“ gemacht, über ein Jahr lang. Und in dieser Zeit musste ich hierfür doch einige Arbeiten erstellen und somit liegen all diese Geschichten fertig auf meinem Laptop rum… Zum Teilen mit euch. Zum Erinnern für mich.

Raus aus der Hitze.

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Nur noch wenige Tage und ich werde mit den Kindern nach Deutschland fliegen. Familie und Freunde besuchen und natürlich somit auch die Hitze hinter uns lassen. Ich habe ja die vergangenen Tage schon einmal über die stetig steigenden Temperaturen berichtet.

Die Sommerferien stehen vor der Tür. Fast alle Mütter mit Kindern, zumindest sehr, sehr viele, die ich kenne, nutzen die Zeit, um eben Freunde und Familie in anderen Ländern zu besuchen. In Ländern, in denen die Temperaturen vielleicht etwas angenehmer sind. Es gibt allerdings auch Familien, die nach Tunesien oder Ägypten fliegen, wo die Temperaturen natürlich nicht so angenehm sein werden, wie in Deutschland. Somit haben wir Glück, den Sommer draußen, im Wald, auf der wunderschönen Terrasse meiner Eltern oder bei Ausflügen zu genießen. Und natürlich sehr wichtig: wertvolle und schöne Zeiten mit Familie und Freunden zu verbringen. Zeit mit Mamas und Papas, Omas und Opas, Schwestern und Schwager, Cousins und Cousinen, Neffen und Nichten, Tanten und Onkels und Freunde zu treffen.

49 Nächte insgesamt auf Tour – aus dem Koffer leben.

21 Nächte bei meiner Familie

6 Nächte bei zwei befreundeten Familien

22 Übernachtungen in 16 verschiedene Hotels und Übernachtung.

Ihr könnt euch vorstellen, was das für eine aufwendige Organisation im Voraus war. Denn arbeitende Freunde müssen zeitlich auf die irgendwie doch wenigen Wochenenden verteilt werden. Da natürlich auch Ferienzeit und somit Reisezeit in Deutschland herrscht, müssen wir Termine aus Nordrhein Westfalen, Hessen und Bayern beachten, damit wir überhaupt eine Chance bekommen, Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen. Ich habe noch wichtige, unaufschiebbare Termine für Tage dazwischen vereinbaren müssen. Ich würde zu gerne noch so viele andere Freunde treffen, aber obwohl man vorab glaubt, man hat ja soooo viele Zeit, ist die Zeit leider doch sehr begrenzt. Dieses Jahr habe ich zum Glück viel, viel früher mit der Planung und Buchung angefangen, so dass alles schon jetzt entspannter ablief, als im ersten Sommer. Zudem erlebe ich jetzt, dass es sich auszahlt, früh zu buchen. Viele befreundete Familien, die nicht so rechtzeitig geplant und gebucht haben, klagen nun über sehr hohe Flug- und Mietwagenpreise. Wir waren sehr früh dran und konnten relativ gute Preise ergattern.

Jedes Jahr lernt man neu dazu. Nun im zweiten Sommer dieser Art von Reise war die Planung besser, somit hoffentlich die Reise entspannter. Ich habe mehr regelmäßige Ruhezeiten bei meinen Eltern eingeplant, in denen wir entspannte Familienzeit mit Ausflügen und einfach mit Genießen verbringen können. Zudem habe ich hierfür aber auch einige Ausflugswünsche im Kopf, damit die Kinder fern von jeglichen Bildschirmzeiten gemeinsame WIR-Zeit verbringen werden. Wird sich zeigen, ob das alles so klappt.

Ich habe heute zudem drei Sets von Koffer Organizern bestellt. Denn dies war auch ein Punkt im letzten Jahr, der genervt hat: Dieses ewige Chaos beim „aus dem Koffer leben“.

So und natürlich fragt ihr euch die ganze Zeit, warum ich immer nur von Müttern und Kindern rede…? Was machen die Väter dazu?

Erstmal spreche ich hier einfach nur aus Erfahrungen in unserer direkten Umgebung. Und da sind meist die Väter, die jenigen, die hier arbeiten. Sehr oft sind die Väter auch sehr viel auf Geschäftsreisen und nutzen die Zeit, um eventuell noch die ein oder andere Geschäftsreise einzuschieben. Die Väter arbeiten in klimatisierten Büros und müssen nicht die Kinder in den Sommerferien bespaßen.

Das heißt somit, dass in unserem Falle, mein Mann drei Wochen Sommerurlaub genommen hat, den wir dann gemeinsam auf einem Roadtrip verbringen. Sicher das Highlight für uns alle. Die Väter haben keine zwei Monate im Sommer Urlaub, so wie die Kinder Ferien. Und wie wir alle wissen, müssen die Kinder in dieser Zeit beschäftigt werden. Diese Zeit nutzen wir, um die fehlende gemeimsame Zeit mit Familie und alten Freunden aufzuholen.

Und ich kann mir sicher nicht vorstellen, die nächsten zwei Monate mit den Kindern in Einkaufzentren zu verbringen… Da freuen wir uns auf die Natur in Europa.

Schöne Ferien!

Was macht ihr in den Ferien?

„Experience Canada´s Seacoast“.

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Nova Scotia.

Das hört sich so verlockend an… Im Jahr 2001 durfte ich bei einer der besten Inforeisen meines Lebens dabei sein. Eine Inforeise ist eine mit Programmpunkten extrem vollgepackte Tour zum Kennenlernen einer Region und somit zum anschließenden besseren Verkauf für Reisebüro-Mitarbeiter.

„Ankunft in Montreal, Stadtrundfahrt durch die kanadische Stadt der französischen Lebensfreude. Fahrt mit VIA Rail „The Ocean“ Richtung Halifax. Übernachtung im Zug. Ankunft Halifax – der größten Stadt der Atlantikprovinzen. Beim Besuch der Zitadelle und dem Maritime Museum of Atlantic werden Sie in den Bann der Geschichte Nova Scotias gezogen. Auf dem Weg nach White Point Beach erleben Sie die schöne Südküste mit Peggy´s Cove Lighthouse, Mahone Bay und der historischen Stadt Lunenburg mit ihren bunten Häusern und weißen Kirchen. Übernachtung in White Point Beach, Flug nach Vancouver – Anschluss…“

Erst fünf Tage vor Abflug bekam ich die Zusage, da irgendjemand hatte nicht mitfliegen können und somit doch einiges verpassen würde…

Flug mit Air Canada ab Frankfurt. Erstes Zusammentreffen der Gruppe. Bunt gemischt und es schien eine harmonische Truppe zusammengekommen zu sein. Beste Voraussetzungen. Tolle erste Gespräche auf dem langen Flug nach Montreal.

Ankunft dort und Empfang von der Reiseleitung mit einer großen Überraschung. Da wir die erste Nacht im Zug verbringen würden, uns aber keiner mitgeteilt hatte, doch eine separate Tasche für eben diese eine Übernachtung zu packen, startete ein hektisches Gewimmel von 20 Leuten am Flughafen in Montreal. Das schweißte die Gruppe gleich noch mehr zusammen, denn jeder musste nun vor den Augen aller, erstmal seinen Koffer öffnen und irgendwie für die erste Nacht und den nächsten Tag umpacken. Manche hatten keinen Rucksack oder keine kleine Tasche zur Hand. Ein wildes Tauschen und Organisieren startete und Spaß war garantiert auf dieser Tour.

Nachdem die Koffer und Taschen dann im Bus verstaut waren, die erste Aufregung überstanden war, startete unsere Rundfahrt durch die franko-kanadische Metropole am St. Lorenz-Strom. Es war November, graues, düsteres Wetter, aber es war einfach schön. Überall hing schon die Weihnachtsdeko und wir bestaunten die wunderschönen Beleuchtungen. Ich erinnere mich auch noch an einen kurzen Stopp in einem unterirdischen Einkaufszentrum.

Wir bekamen alle ein „Nova Scotia – Canada“ – Namensschild umgehängt, was der ganzen Gruppe super half, recht schnell alle Namen zu verinnerlichen.

Ich war zu der Zeit Vegetarierin und habe mich, gefühlt, die komplette Zeit der Reise von Caesar Salad ernährt. So auch bei unserem sehr späten Lunchstopp beim traditionellen Smoked Meat Essen. Der erste Caesar Salad von noch vielen dieser Reise.

Am Bahnhof von Montreal wandern unsere Koffer in die Gepäckwagon und wir in unsere zugeteilten Abteile. Manche haben ein komfortables Doppel- oder Viererabteil. Ich bin mit einer größeren Gruppe in einem Großraumabteil. Was bedeutet, dass beim Betreten des Zuges noch alles den Anschein hat, als ob es gar keine Schlafmöglichkeiten gibt. Aber während wir beim Abendessen im Bordrestaurant sitzen, werden die Schlafgemächer hergerichtet. Draußen ist es mittlerweile dunkel, es haben sich erste kleine Grüppchen gefunden. Zu viert sitzen wir am Tisch im Restaurant und irgendwie können wir unser Glück gar nicht fassen. Es ist alles so spannend: Meine überhaupt erste Übernachtung in einem Zug. Und das mit so einer tollen Truppe.

Wir haben riesigen Spaß beim Essen, lachen viel, genießen, trinken unser erstes kanadisches Bier und freuen uns einfach, auf das, was da die nächsten 9 Tage noch vor uns liegen wird.

Jetzt legen wir uns gleich erstmal in die Kojen. Vorfreude. In unserem Großraumabteil wurden von den Decken die oberen Betten heruntergeklappt, eines davon ist mein Gemach für die Nacht. Die unteren Sitze wurden ebenfalls in Kojen umgewandelt. Alles abgetrennt durch separate Vorhänge und Netze. Super gemütlich meine kleine „Muschel“. Ich habe ja nicht viel dabei, außer einer wirklich kleinen Tasche, die findet hier locker Platz. Am Wagon Ende befindet sich eine Nasszelle, die wir uns teilen.

Es ist super gemütlich. Das Rattern des Zuges, die ganzen unbekannten Geräusche, ich in meiner „Muschel“. Ich bin auch froh, eine obere „Muschel“ ergattert zu haben. WohlfühlGefühl. Ob ich viel Schlaf bekommen habe, kann ich gar nicht mehr sagen, aber ich starte aufgeregt und neugierig in den neuen Tag. Nach dem Frühstück im Boardrestaurant sitzen wir stundenlang im Panoramawagen mit großen Panoramafenstern auf der oberen Etage. WOW. Es scheint, wir haben den ganzen Panoramawagen für uns. Wir starren stundenlang aus dem Fenster, während Ort wie Rimouski, Mont-Joli, Metapédia oder Campbellton an uns vorbeiziehen. Ein Ort bleibt uns besonders in Erinnerung: Moncton. Hier, gefühlt mitten im Nirgendwo, machen wir einen längeren Stopp. Einige aus der Gruppe steigen aus, um aus der Telefonzelle am Bahnsteig, nach Hause zu telefonieren. Nach Abfahrt, fragen wir uns schon, ob es denn jeder wieder rechtzeitig zurück in den Zug geschafft hat. Irgendwann trudeln dann doch wieder alle im Panoramawagen ein. Uns fällt auf, dass wir erstaunlich viele Friedhöfe entlang des Weges sehen… In Moncton ist auch noch Besuch für uns zugestiegen. Wir bekommen während der Fahrt noch eine ausführliche Einführung von einem Tourismusbüro Mitarbeiter der Provinz Nova Scotia, der wir gespannt bei einem Kaffee und Gebäck lauschen. Wir erfahren aber nicht nur viel über die Provinz Nova Scotias, sondern bekommen auch eine Einführung in die Provinzen Newfoundland, New Brunswick und Prince Edward Island.  Da freuen wir uns gleich noch mehr auf die nächsten Tage. Wow. Fast 1400 km rattern wir über die Schienen dahin.

Etwa 22 Stunden später kommen wir am frühen Abend in Halifax an. Wir checken noch schnell im Hotel ein, bevor wir sofort wieder mit dem Bus zur Zitadelle gefahren werden, wo heute Abend in festlicher Atmosphäre ein Hummeressen für uns stattfindet. Begrüßt werden wir von „Soldaten“ in schottischen Kilts begleitet von Dudelsackmusik. Eine tolle Stimmung. Wir bekommen alle Plastik-Lätzchen um den Hals und zur Belustigung aller, auch noch Schaumstoff-Hummer auf Haarreifen auf den Kopf. Wie eine Horde Kindergartenkinder sind wir alle am Giggeln. Alles ist festlich, weihnachtlich geschmückt im Raum. Was für ein Abschluss eines wundervollen Tages.

Vollkommen müde, aber ebenso vollkommen glücklich fallen wir alle an diesem Abend ins Bett. Es rattert nicht, es ist erstaunlich still und meine Zimmergenossin schnarcht auch nicht. Wunderbar.

Früh geht es am nächsten Morgen wieder los. Schnell noch frühstücken. Wir haben etwa 250 km vor uns mit einem tollen roten Bus der Gray Line, der ausschaut, wie ein alter Eisenbahnwagon auf Rädern. Wunderschön und so passend als Farbklecks in der doch recht trüben Wetterstimmung, die aber wiederum perfekt zu diesen kleinen idyllischen Fischerörtchen entlang der Küste passt. Es geht an die wunderschöne Südküste Nova Scotia´s. Die Bilderbuch Anblicke könnten schöner nicht sein. Und da wir Ende November, in der absoluten Nebensaison, unterwegs sind, sind wir fast überall alleine. Über dem Ortsschild von Beales Bailiwick, direkt am berühmten Peggy´s Cove Leuchtturm (dem wohl meistfotografierten Leuchtturm Kanadas) prangt ein großes Schild mit roter Schrift „End of Season Sale“. Wir kehren unterwegs an der Küste in einem Lokal ein, welches einzig für uns alleine noch einmal extra geöffnet zu haben scheint. Ein Caesar Salad so gut wie der andere, auch hier im Nirgendwo. Die ruhige Stimmung an der Küste beruhigt die Sinne. Der weiße, strahlende Leuchtturm auf den vorgelagerten Felsklippen ist ein wahrer Fels in der Brandung. Wunderschön anzuschauen vor dem grauen Himmel.

Der Busfahrer stellt wieder sein kleines blaues Höckerchen vor den roten Bus, damit wir komfortabl einschlafen können, einsteigen können, meine ich natürlich. Denn Einschlafen, dass passiert erst, als wir wieder im warmen Bus in die Sitze gekuschelt sind und Nova Scotia wie im Film auf dem Weg zu unserem nächsten Stopp, Lunenburg, an uns vorbeizieht. Zumindest bei manchen aus der Gruppe hat die viele frische Luft die Augenlider beschwert…

In Lunenburg erwartet uns die „Angela Merkel“ Nova Scotias (sieht ihr wirklich sehr ähnlich), zu einem geführten Rundgang durch das pittoreske Örtchen. Überall an den Parkuhren kleben Zettelchen mit der Aufschrift „Free Parking – Merry Xmas! 2-hour limit“. Sehr sympathisch, aber gefühlt ist auch niemand im Ort unterwegs, der irgendwo parken könnte oder möchte, außer unserer Gruppe von 20 neuen Nova Scotia Fans.

Eine der weiße Holzkirchen, die, die direkt neben der Feuerwehr stand, ist leider erst kürzlich abgebrannt und nur noch in Ruinen zu bestaunen. Überall im Ort stehen wunderschöne, farbenfrohe holzverkleidete Häuser, viele reichlich mit Weihnachtsdeko verziert. Besonders imposant die Lunenburg Academy, ein großer schwarz-weißer Gebäudekomplex mit rotem Dach.

Mir persönlich gefällt allerdings ein rotes Gebäude am Wasser am besten. Die leuchtend rote Farbe des Hauses mit der Aufschrift Lunenburg vor einem Anlegesteg, an dem ein größeres schwarzes Boot liegt. Wie ein Gemälde, super schön.

Nach der interessanten Tour mit Angela, geht es weiter, immer an der Küste entlang nach White Point Beach. Hier erwartet uns nebelige Stimmung außen und heimelige Stimmung innen. Wir haben wunderschöne Zimmer mit Holzterrassen zum Wasser hin. Im Hauptgebäude brennt im Kamin ein Feuer, überall leuchten Weihnachtslichtchen. Mal wieder: Wunderschön.

Wir fühlen uns alle in die Ferienanlage von Dirty Dancing gebeamt. Das bleibt auch das Motto des ganzen Abends. Überhaupt immer, wenn wir später wieder von White Point Beach sprechen, sprechen wir eigentlich von Dirty Dancing. Überall auf den Rasenflächen hoppeln Hasen umher, die sich sogar streicheln lassen. Es bleibt nicht viel Zeit, denn nach dem Essen im Haupthaus, heute mache ich eine Ausnahme als Vegetarier, denn es gibt wunderbare Steaks, ist für uns im Garten ein großes Lagerfeuer geschürt. In unsere Winterjacken gekuschelt, immer noch im Nebel, rösten wir Marshmallows. Ein Sternenkundler hat für uns ein großes Fernrohr aufgebaut und erklärt uns, wann immer der Nebel sich ein wenig lichtet, die Sternenbilder über Nova Scotia. „It´s a great day at WHITE POINT BEACH“.

Noch bevor wir ins Bett gehen, ich habe heute eine neue ZimmerFreundin, kommen wir zwei auf die glorreiche Idee, unsere Jacken, die unbeschreiblich stark nach Lagerfeuer riechen und ja noch einige Zeit in Kanada durchhalten müssen, auf die Terrasse zu hängen. Der nächste Morgen zeigt dann leider, dass die Idee überhaupt gar nicht glorreich war, sondern mehr als bescheiden, denn unsere Winterjacken sind komplett nass von dem Nebel der Nacht. Dumm gelaufen. Eine extra Zwiebelschicht mehr ist heute angesagt, bis die Jacken im Bus hoffentlich relativ schnell wieder etwas trocknen.

Wir fahren heute zurück nach Halifax und besuchen dort das Maritime Museum of the Atlantic. Unter anderem erfahren wir hier, was die Titanic mit Halifax verbindet. Alle Überlebenden kamen damals nach New York und alle, die bei dem tragischen Unglück ums Leben kamen, wurden nach Halifax gebracht. Im Anschluss besuchen wir auch den Fairview Lawn Friedhof, auf dem die meisten ihre letzte Ruhe fanden.

Anschließend checken wir im Hotel ein, noch schnell duschen, aufwärmen und frisch machen, bevor unsere Pub Crawl Tour startet. Im Foyer des Hotels empfängt uns unser Busfahrer der letzten drei Tage, der uns mit so viel Freude im roten Bus durch Nova Scotia gefahren hat, im traditionellen Kilt. Das ist mal eine Überraschung. Überall sind wir immer wieder mal mit Dudelsack Musik empfangen worden, aber dieser Abend nun wird live begleitet von einem Dudelsackspieler. Mit ihm und sehr guter Stimmung ziehen wir durch die Kneipen der Stadt. Wir sind ausgestattet mit gelben Regenhauben, die wir den ganzen Abend tragen. Wir müssen für die Einheimischen wirklich lächerlich ausgeschaut haben, aber uns ist das Grinsen nicht mehr aus den Gesichtern zu bekommen. Der Abend ist eine riesen Gaudi, immer wieder ruft uns der Dudelsackspieler zum Weiterzug in die nächste Kneipe. Was für ein wunderschöner, überraschender Abschied unserer intensiven Mini-Tour durch Nova Scotia.

Wir fliegen am nächsten Tag, sehr früh – nach wenig Schlaf, noch für ein paar weitere prallgefüllte Tage nach Vancouver an die Westküste.

Nova Scotia hat einige wundervolle TREUE neue Fans. Forever.

Und noch viel schöner und wertvoller, ich bin immer noch Teil einer Gruppe von 8 besonderen Menschen dieser Gruppe von damals, 2001… Wir sind immer noch im ständigen Austausch und verbunden.

Für meine FNBs und FNSs.

Temperatur steht auf „Sauna“

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Letzte Woche dachte ich noch, dass ich eigentlich noch gar nicht bereit bin, bald nach Deutschland in die Sommerferien zu gehen. Die Temperaturen waren noch angenehm und ich hatte immer noch das Gefühl, wir können schon noch etwas unternehmen. Seit Sonntag allerdings habe ich jetzt doch das Gefühl, es geht nichts mehr draußen. Nach einem relativ entspannten Sharjah Ausflug mit den Kindern am Samstag, waren wir Sonntag erneut in Sharjah. Allerdings nicht mehr an der Küste, sondern in der Wüste bei einem Museum zu archäologischen Ausgrabungen. Da leider ist uns die Hitze extrem entgegengeschlagen. Ich dachte noch, ach liegt an der Wüste. Aber in Dubai wurde es leider nicht besser. Und seit gestern, Montag, haben wir nun gefühlt die Sauna-Temperaturen erreicht. Alleine wenn ich nur morgens den Müll rausbringe, die Hundekacke im Garten aufsammele oder die Wäsche aufhänge: Schweißperlen innerhalb kürzester Zeit über den ganzen Körper verteilt – SOFORT. Krass.

Nach der Wüste hatten wir die Vorstellung, noch schnell in den Pool springen und erfrischen. Meine Tochter springt, schreit: Kochwasser! Wie die Lobster haben wir uns gefühlt. So wie man mit ganz kleinen Schritten im Frühjahr als Weichei in die Nordsee einsteigen würde, so habe ich mich in Minischritten in den Pool gequält. Einmal kurz untertauen, dann aber schnell wieder raus. Ich habe die Hitze darin nicht ausgehalten.

Ich bin ja generell kein Sauna Fan, aber habe momentan ständig das Gefühl: Das ist Sauna. Jetzt habe ich heute aus Spaß mal Saunatemperaturen mit entsprechenden Luftfeuchtigkeiten gegoogelt. Die moderate Sauna-Variante haben wir erreicht.

Gefühlt heute 52 Grad mit einer Luftfeuchtigkeit von 45 %.

Trinken nicht vergessen, würde ich da mal sagen.

Gestern Abend bin ich die allabendliche Runde mit dem Hund gelaufen und auch da haben wir spontan die Runde etwas gekürzt. Sowohl dem Hund als auch mir, hing die Zunge aus dem Mund – DURST.

Somit bin ich nun doch froh, dass der Flug bald ansteht. Und da ja auch in Deutschland die Hitzewelle herrscht, musste ich gleich gestern Abend checken, wie da so die Temperaturen sind: Keine Sauna. Passt – wir kommen.

Aus Neugier musste ich ja dann gleich mal „meine“ Vergleichsorte checken 😉 Ich würde mal sagen: Dubai führt… Saunatechnisch…

Aruba.

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… one happy Island. Back in 2006.

Ein Freund von uns arbeitet bei der lokalen Brauerei „Balashi“. Na, wenn das mal kein Grund ist, einen Abstecher nach Aruba zu machen.

Wir wohnen zu der Zeit in Milwaukee, Wisconsin und der Flug von Chicago dauert nur etwa 5,5 Stunden. Perfekt für eine Woche InselTraum.

Wir buchen uns in einem kleineren Gästehaus „Arubiana Inn“ ein. Unser Freund empfängt uns mit einer Kiste Balashi Bier bereits auf dem Parkplatz des Flughafens. Wir zischen einen ersten Welcome Drink, aber dann erstmal mit dem Mietwagen zum Einchecken. Den Weg dorthin säumen tolle, farbenfrohe Häuser im kolonial Stil. Zart rosa; hellblau wie das Meer; dunkelrot, immer kombiniert mit Weiß. Wunderschön.

Das Haus hat einen kleinen Pool im Innenhof, um den sich die einstöckigen Gebäude mit den Zimmern verteilen. Sehr idyllisch.

Wir genießen tolle Strände und toben in den Wellen.

Einer unserer ersten Ausflüge führt uns in eine Höhle. Der Name vielversprechend: Tunnel of Love Grotto. Am „Eingang“ bekam mein Mann einen dicken Scheinwerfer und ich eine kleine Taschenlampe. Man erklärte uns, dass wir uns immer an den Pfeilen orientieren sollten. Am Ende wäre dann wieder ein Ausgang. Mein, nein ich kann sagen unser HöhlenDRAMA begann. Seitdem können wir beide keine Tropfsteinhöhle oder ähnliches mehr besuchen.

Wir machen uns also auf den Weg, steigen einen steinigen Pfad hinab in die Höhle. Zu Beginn können wir noch gut sehen, denn es kommt noch etwas Tageslicht ins Innere, aber klar, je weiter wir vordringen, desto dunkler wird es. Wir haben beide die Lampen an, können auch immer die Pfeile gut finden. Wir treten offensichtlich in einen großen, hohen Höhlenraum, es hallt und unser Licht wird über uns von der Dunkelheit verschluckt. Echt gruselig. Wir wagen uns tatsächlich noch weiter, wobei ich mich heute frage, Warum haben wir das getan? Das Auffinden der Pfeile wird immer schwieriger, der Gang immer enger und niedriger… Langsam kommt uns das wirklich recht seltsam vor. Ist das noch der Weg, haben wir irgendwo einen Fehler gemacht. Stockfinster ist es um uns herum. Im Schein der Lampen suchen wir nach weiteren Pfeilen. Der Gang ist mittlerweile so schmal, dass mein Mann schon fast auf den Knien weiter müsste und ich auch bald, wenn wir in den Gang hineinleuchten wird unsere Angst immer größer. Wir müssen hier etwas übersehen haben. Panik kommt auf. Ich versuche mich oder uns immer wieder zu beruhigen und einfach noch einmal nach Hinweisen Ausschau zu halten. Und dann sehe ich ihn, den rettenden Pfeil, der nach oben zeigt? Kurz vor dem wirklich niedrigen Tunnel vor uns zu unseren Füßen. Mit viel Anstrengung und wenn wir kurz unser Licht ausschalten, sehen wir von oben einen kleinen Lichteinfall. Da müssen wir hoch. Jetzt aber schnell, bevor uns die Panik komplett einnimmt.

Und es geht hoch, es geht Richtung Licht, Richtung frischer Luft und dann sehen wir den Himmel. Was für ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Vollkommen fertig, erschöpft sinken wir auf den Boden und atmen uns erst einmal wieder zu etwas Ruhe. Es dauert eine ganze Weile, bevor wir den Rückweg zum Ausgangspunkt antreten können. An einer Gabelung treffen wir auf ein Pärchen mit einem älteren Familienmitglied, die auch in die Höhle wollen. Ich glaube, sie können uns ansehen, dass es keine gute Idee ist. Wir müssen sie stoppen und das tun wir. Gemeinsam gehen wir zurück. Die dreier Gruppe erleichtert, dass sie uns getroffen haben, wir erleichtert, dass wir es geschafft haben.

Danach führen uns die Touren nur noch an die Strände und in nette Restaurants. Abenteuer brauchen wir keine mehr. Unser Freund zeigt uns, sobald er Feierabend hat, kultige Bars und Restaurants und wir genießen einfach das typische Inselleben.

Wir speisen im Gasparito, essen Fisch im Driftwood, schlemmen italienisch in der Trattoria el Faro Blanco in der Nähe des California Lighthouses mit einem atemberaubenden Sonnenuntergang zum Nachtisch.

Verbringen natürlich auch einen Abend in Arubas berühmtester Bar, „Charlies Bar“ in San Nicolas.

Eine kurzweilige SonnenWoche auf eine der ABC Inseln, der niederländischen Antillen.

San Juan – Puerto Rico

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…4 Tage Städtetripp. Back in 2006.

„Isla del Encanto“ – wie die Nummerschilder so schön verkünden.

Im Juni stoppen wir für ein verlängertes Wochenende, vier Tage, in San Juan im Hotel „El Convento“. Eine Oase in der Stadt. Was für ein wunderschöner Ort und eine ebenso wunderschöne Stadt.

Ohne viel vorab gelesen zu haben, lassen wir uns durch die Gassen treiben. Wunderschöne bunte Häuser zieren unseren Weg, wir haben einen schnellen Kaffee in mehreren der wunderschönen kleinen Kaffeehäuser. Immer wieder sind Häuserfronten reich verziert mit Fliesen, bedruckt mit bunter Werbung oder mit Ornamenten oder Blumen. Wunderschön. Natürlich treffen wir irgendwann auf das Fort San Cristobal. Ein Schild am Eingang verrät, dass es sich um ein „U.S Department of Interior National Park Service“ handelt und eine San Juan National Historic Site ist. Erbaut von den Spaniern im Jahre 1783. Eine imposante Anlage mit wunderbaren Ausblicken.

Der zweite Tag bringt so viel Regen, dass wir fast den ganzen Tag in den wunderschön überdachten Gängen unseres Hotels verbringen. Wir lesen stundenlang, reden, spielen Karten, gönnen uns immer wieder mal einen Kaffee, auch mal mit einem kleinen Gebäck. Es bleibt warm und die es ist unbeschreiblich schön und beruhigend, hier einfach geschützt dem karibischen Regen zu lauschen. Uns berieseln zu lassen, von den Geräuschen und dem, was wir heute lesen und genießen. Entspannung pur.

Am nächsten Tag lacht die Sonne wieder und wir machen uns wieder zu Fuß auf den Weg, lassen uns treiben durch die Gassen. Können wieder an dem ein oder anderen Kaffeehaus nicht vorbeigehen. Wir besuchen noch die Festung San Felipe de Morro, auf einer grünen, weiten Landzunge gelegen, nicht allzu weit von unserem Hotel entfernt. Ein langer Weg führt durch grüne Grasfelder zum Fort hin. Eine absolute Überraschung für uns, wo wir vorher wirklich keine Reiseführer gelesen haben. Der Bau begann bereits im Jahre 1539, endete aber dann vollständig erst im Jahre 1790. Das Fort bewachte die Hauptstadt, San Juan, der Insel, Puerto Rico. Die Stadt hat so viele kleine Überraschungen für uns parat.

Auf dem Rückweg besuchen wir den wohl berühmtesten Friedhof der Insel „Santa María Magdalena de Pazzis Cemetery“. Dieser stammt aus dem 19. Jahrhundert und die Spanier bauten ihn vor den Toren der Stadt, da sie glaubten, nach dem Tod startet eine große Reise in das, was danach kommt. Somit meinten Sie, dass die direkte Lage am Meer den Beginn der Ewigkeit symbolisiert.

Ein ganz besonderer, kurzer Städtetrip endet mit einem netten Abend mit Arbeitskollegen meines Mannes. Einer der Kollegen setzt sich spontan noch ans Klavier im Restaurant und krönt den Aufenthalt noch mit ein paar wunderschönen Stücken.

Ich fliege nach Hause und mein Mann bleibt noch für seine Geschäftstermine.

Wie haben so unglaublich viel in so kurzer Zeit gesehen und entdeckt in dieser wunderschönen Stadt.
„Isla del Encanto“ – Insel der Verzauberung, des Charmes oder des Liebreizes. Wir können allem nur 100%ig zustimmen. Wir sind vollkommen verzaubert von Charmes des Städtchen.
Es fühlt sich an, als ob wir gar eine ganze Woche hier verbracht haben. Und es hätte noch so viel mehr zu sehen gegeben vor den Toren der Stadt.. ein nächstes Mal.

Puero Rico ist ein Außenstaat der USA. Man zahlt in US Dollar.

Wir wohnten damals in Milwaukee, Wisconsin und sind von Chicago, Illinois aus geflogen, etwa 4,5 Stunden Flugzeit.

Segeln in der Karibik –

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Winward Islands.

Damals 1996.

Martinique, St. Lucia, Bequia, Mustique, Tobago Cays, Union Island, St. Vincent, St. Lucia, Martinique

14 Tage, den ganzen Tag an Bord liegen, sonnen, lesen und „the Carribean Way of Life“ genießen…

Den Seesack, weil ein Koffer zu groß für das Segelschiff ist, voller Bücher starten wir im verschneiten München, im November 1996… Über Paris geht es nach Martinique, Fort-de-France Airport, etwa 13 Stunden Reisedauer. Martinique 28 Grad im Schatten und kein Wölkchen am Himmel, purer Sonnenschein und im Hafen erwartet uns unser „Ferienwohnung mit Selbstverpflegung“ für die nächsten zwei Wochen.

Wir sind alle gespannt und müssen uns aber gleich mit dem Caribbean Way of Life vertraut machen. Das Schiff ist noch nicht ganz fertig… Wir lassen die Handwerker ihre Arbeit tun und ziehen erstmal los zum Supermarkt. Wir haben ja schließlich Selbstverpflegung gebucht.

Nach einer ausführlichen Einführung in unsere schwimmende Wohnung, verbringen die erste Nacht in einem sicheren Hafen an einem Steg auf unserem Boot. Doch alles ziemlich eng hier und Privatsphäre ist für die nächsten zwei Wochen abgeschrieben. Und diese Geräusche, die einen die ganze Nacht wachhalten. Es quietscht und knarrt ohne Pause. Alles ungewohnt und zu Beginn auch etwas unheimlich…

Dank der Zeitverschiebung (und der Aufregung) sind wir all am nächsten Morgen um sechs Uhr wach und können nach dem Frühstück und dem Tanken gleich in See stechen. Erst einmal fahren wir unter Motor aus dem Hafen, ein ganz schönes Geschaukel. Wir sind nur zwei Frauen an Bord. Meiner Freundin wird leider schon sehr bald, sehr übel.

Es dauert eine ganze Weile, bis unser Skipper bereit und mutig genug ist, die Segel zu setzen. Dann aber wird das Schiff viel ruhiger und die Übelkeit schwindet langsam wieder.

Mir war vorher nicht bewusst, welche Seitenlage so ein Schiff hat. Aber ich bekomme immer wieder bestätigt und erklärt, dass das Schiff wegen dem langen Rumpf nicht umkippen kann. Es dauert Tage, bis ich mich daran gewöhnt habe und ohne Angst an Bord sitzen kann. Mir wird auch sehr schnell klar, dass ich eine vollkommen falsche Vorstellung von der ganzen Geschichte hatte. Auf Deck liegen und ein Buch lesen, kommt überhaupt nicht in Frage, bei der Schräglage. Wir sitzen alle wie die Hühner auf der Stange auf der vom Wasser abgewandten Seite, lassen die Füße baumeln und genießen die Landschaft der vorbeiziehenden Inseln oder den weiten Horizont-Blick auf der anderen Seite – je nachdem, von wo der Wind kommt.

Martinique sehen wir erstmal nur vom Wasser aus. Wir lassen es an uns vorbeiziehen. Nach Stunden erreichen wir St. Lucia. Unser erster Anlaufhafen ist die Rodney Bay. Wir finden gleich einen freien Platz am Steg und parken ein. Jeder muss helfen. Die Fender müssen raus, damit das Boot nicht an den Steg donnert und Kratzer bekommt. Wir müssen unser Schiff festmachen und die Taue vom Segeln wieder ordentlich aufrollen. Nach einem ganzen Tag auf See, sind wir alle ziemlich fertig und hungrig. Erstmal suchen wir die Marina auf, wo wir Duschen und Toiletten finden. Heute wird nicht an Bord gekocht, sondern wir steuern eine karibische Pizzeria am Hafen an. Der Ort ist nicht groß, deshalb gib es nicht viele Auswahlmöglichkeiten. Nach dem Essen und noch einer Runde „Piton“, dem lokalen Bier, fallen wir alle ganz kaputt in unsere Kajüten und träumen von den karibischen weißen Stränden, die wir ja hoffentlich die nächsten Tage noch sehen werden. Der erste Tag auf See hat doch sehr geschlaucht. Für mich die ständige Aufregung über das Ungewohnte und Unbekannte, all die neuen Handgriffe und Begriffe, die es zu erlernen und zu verstehen gab.

Am nächsten Morgen sind wieder alle früh wach und so können wir auch wieder früh starten. Wahrscheinlich Stunden bevor die anderen ablegen werden. Sonst rührt sich nämlich auf keinen anderen Boot etwas. Heute ist die Etappe nicht ganz so lang. Wir wollen eine zweite Bucht auf St. Lucia anlaufen, die Bucht „Anse les Pitons“ – die Wahrzeichen St. Lucias.

Dort angekommen machen wir wieder eine neue Segelerfahrung. Wir müssen ankern. Leider merken wir erst jetzt, dass der Anker viel zu klein und damit viel zu leicht für unser wirklich großes Boot ist. Also dauert es viel länger, als erwartet, dass Boot zu festigen und zu sichern. Der beste Schnorchler von uns muss gar noch nach dem Anker tauchen und sicherstellen, dass er festsitzt. Danach können wir mit einem guten Gefühl von Bord gehen.

Egal in welche Bucht wir kommen, es sind immer schon viele Einheimische, die auf uns warten, zur Stelle. Sie bieten Obst, Eis, T-Shirts oder Wasser zum Verkauf an. Heute sind wir froh und nehmen das Angebot von einem Herrn an, der uns einen Ausflug anbietet. Wahrscheinlich hat uns das herzerwärmende Lachen seines vielleicht siebenjährigen Sohnes überzeugt. Wir wollen nach Sourfirer und die Sulphur Springs besuchen. Zur vereinbarten Zeit werden wir an unserem Segelschiff abgeholt und fahren mit einem kleinen, bunt angestrichenen Boot Richtung Soufriere, dem zweitgrößten Ort der Insel. Dort können wir in aller Ruhe noch ein wenig durch die Gassen mit grell bunten Häusern schlendern, immer begleitet von unserem sieben-jährigen Reisebegleiter. Die Farbenpracht ist einfach überwältigend schön. Im Hafen werden wir wieder von dem Vater erwartet. Er hat einen Kleinbus organisiert, mit dem es jetzt zu den Schwelquellen geht. Wilde Fahrt. Durch satt-grüne saftige Wälder geht die Fahrt ins Inselinnere. Vor Ort erwarten uns schon Einheimische auf und unter Wellblechgestellen liegend, spärlich bekleidet mit rot unterlaufenen Augen. Wir bekommen wieder Früchte der Insel angeboten, deren Geschmack unsere Zungen verzückt.

Mit den Fingern müssen wir aus einer halbierten Frucht schleimige, leicht rosa farbene, etwa Walnuss-große Kerne fischen und diese nur lutschen nicht zerbeißen. Schleimige Fäden berühren den Gaumen, aber ein süßer Geschmack macht sich breit. Köstlich. Natürlich müssen wir, weil ja abgeraten wurde, doch einmal draufbeißen. Eine unangenehme, trockene lila farbene Masse kommt zum Vorschein. Später erfahren wir, dass es sich um Kakaobohnen handelte.

Außerdem trinken wir unsere erste frisch aufgeschlagene Kokosnuss. Auch etwas Besonderes, aber ein nicht so intensives Geschmackserlebnis, wie das Lutschen des Kakao-Bonbons zuvor.

Der strenge Geruch von verfaulten Eiern empfängt uns schon von Weitem. Durch dichtes Buschwerk führt uns ein schmaler Pfad ans Schwefelfeld heran. Das Betreten ist allerdings verboten, da es früher den ein oder anderen Einbruch gab. Trotzdem lohnt sich der Besuch und wir sind glücklich, die Insel auch im Innern, erkundet zu haben, zu Fuß. Ziemlich durchgeschwitzt kommen wir nach der kleinen Wanderung wieder zurück zum Auto. Die Fahrt zurück führt uns an einem sehr ärmlichen Haus vorbei, einem Altenheim, laut Guide. Und dann sehen wir ihn, unseren ersten karibischen einsamen Sandstrand gesäumt von großen Palmen. Aber nicht diesen weißen, mit türkisfarbenem Wasser, wie ich es erwartet hatte, denn St. Lucia ist vulkanischen Ursprungs und somit die Strände eher etwas dunkelbraun.

Mit dem kleinen Boot werden wir zurück in unsere schwimmende Ferienwohnung gefahren. Von all den Eindrücken und Unternehmungen hungrig, testen wir heute den Gasherd in der Bordküche. Einfache Nudeln mit Tomatensoße lassen wir uns im „Salon“ auf dick gepolsterten Bänken schmecken und fallen wieder früh in unsere Betten.

Wie immer: alle wieder früh startklar am nächsten Morgen. Wir haben heute eine sehr weite Strecke vor uns.

Wir wollen nämlich an St. Vincent vorbeisegeln. Im Segelreiseführer haben wir gelesen, dass es dort eher gefährlich sein soll. Es handelt sich um eine sehr arme Insel und somit ist leider auch die Kriminalität weit verbreitet.  Das ist uns noch nicht ganz geheuer, also nehmen wir die lange Strecke auf uns. 10 Stunden sind wir schlussendlich heute dann am Segeln. Viel Hühnerstangen-Sitzen, jeder darf mal ans Steuer, die Zeit geht schon rum… St. Vincent sieht vom Wasser aus wunderschön aus und vielleicht fahren wir ja auf dem Rückweg doch noch vorbei und machen einen Stopp. Die Insel erscheint uns noch grüner als St. Lucia.

Unser Ziel heißt aber Port Elisabeth auf Bequia. Bequia ist die größte Insel der Grenadinen. Dort soll es einen deutschen Bäcker geben, der Vollkornbrot verkauft. Von der Insel sind wir alle gleich begeistert. Es gibt eine bunte, zugewachsene kleine Polizeistation, gegenüber eine kleine Markthalle in der alle Sorten von Früchten und Gemüse angeboten werden. Viele Rasta Männer wittern ihr Geschäft und packen uns die Tüten voll. Viel zu voll. Bei vielen Früchten wissen wir später gar nicht, wie und was man davon essen kann. Probiert werden sie aber alle, nicht jede schmeckt allerdings. (Anmerkung: Damals im Jahre 1996 war es nicht üblich mit einem Smartphone jegliche Information direkt abrufbar zu haben, somit wissen wir bis heute weder, was wir damals gegessen haben noch ob wir das gegessen haben, was man essen sollte 😉). Auch das Vollkornbrot für viele East Carribean Dollar erstehen wir und genießen es beim nächsten Frühstück.
An dem Hafen, im dem unser Boot liegt (nicht am Steg, wir ankern wieder), gibt es noch eine kleine Badebucht, wo wir zum ersten Mal in diesem Urlaub im karibischen Meer baden gehen. Ein Genuss und eine super Erfrischung. Aber dieser weiße, feinsandige Karibikstrand, den ich vor meinem inneren Auge sehen, lässt auf sich warten. Ich gebe natürlich die Hoffnung nicht auf und genieße trotzdem jede Sekunde in vollen Zügen.

Wenn wir ankern, können wir unser Segelschiff nur mit dem Dinghy verlassen. Das Beiboot ist allerdings für uns alle zu klein und wir müssen immer zweimal fahren. Aber es ist immer eine riesen Gaudi mit vielen Wasserspritzern und nassen Hinterteilen. Auch Marinas mit Duschen und Toiletten für die Segler gibt es ab jetzt nicht mehr. Duschen müssen wir in der engen Nasszelle unter Deck oder unter freiem Himmel. Alle bevorzugen die Freiluftdusche. Charme kennen wir irgendwann auch keinen mehr. Während die einen den Abwasch erledigen, stehen andere Mitsegler am Heck des Schiffes und duschen. Wir gewöhnen uns schnell an die neuen Umstände. Bleibt uns auch nichts anderes übrig.

Nach dem Abwasch am nächsten Morgen starten wir zu einer kleinen Tour. Wir wollen noch eine weitere Bucht von Bequia besuchen: die Friendship Bay. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einem kleinen Eiland vorbei. Laut Seekarte heißt die Insel „Petit Nevis“. Diese Insel sieht unbewohnt aus. Nur eine kleine Holzhütte steht am Anlegesteg. Der Anlegesteg ist zu klein für uns und das Wasser zu niedrig. Wir wollen aber trotzdem auf die Insel. Also müssen wir wieder ankern. Gesagt getan. Und schneller als erwartet, können wir mit unserem Beiboot in Etappen auf die Insel übersetzten. Mit Segeln in der Karibik habe ich immer den Besuch von kleinen, unbewohnten Inseln verbunden: Einsamkeit, weites Meer, Palmen, weiße, weite Sandstrände… Jetzt haben wir endlich diese Einsamkeit. Glauben wir….

Am Steg angelegt, kommt ein nicht ganz karibisch aussehender Mann aus der Holzhütte. Er hat einen blassen Teint und lockige, kurze rote Haare. Viele Eimer stehen vor uns, gefüllt mit zappelten Fischen. Ein einsamer Fischer also. Aus einem Eimer schauen uns die Augen von kleinen Baby-Haien an. Diese sollen aber, laut Aussage des Fischers, nicht gefährlich sein oder werden. Wir vertrauen ihm, denn die Hälfte unserer Besatzung ist bereits weit draußen beim Schnorcheln.

Zwei Hunde begleiten uns treu bei unserem Gang über die Insel. Es gibt eine schöne weite Bucht von Palmen gesäumt. Malerisch, wie das Bild vor meinem inneren Auge. WOW. Wir erklimmen einen kleinen Berg und der Blick von hier oben, ist atemberaubend. Mein absolutes Highlight bis jetzt auf dieser Reise.  Wir sehen die umliegenden Inseln und sind wirklich ganz alleine. Die Insel ist so klein, dass wir schon nach kurzer Zeit alles erkundet haben. Die Schnorchler sind auch wieder an Land und begeistert von der Unterwasserwelt. Haie haben sie keine gesehen.
Dieser Strand ist der absolute Traum.

Zurück an Bord, erreichen wir nach kurzem Segeln unser Tagesziel: Friendship Bay auf Bequia. Wir sind das einzige Boot dort und haben den ganzen Strand für uns alleine, obwohl es noch eine Hotelanlage mit mehreren Bungalows gibt. Wir genießen den Rest des Tages am Strand und lassen den Tag an Bord ausklingen.

Am nächsten Tag traue ich meinen Augen kaum. Wir nähern uns der Insel Mustique. Noch nie zuvor habe ich solch strahlend türkisblaues, glitzerndes Wasser gesehen. Unter der Wasseroberfläche tummeln sich tausende von winzigen kleinen Fischen, die von der Sonne angestrahlt, wie Diamanten schimmern. Ein Traum! Das ist die Karibik, die ich mir vorgestellt hatte. Ich bin am Ziel.

Wir stehen an Deck und genießen einfach nur den Anblick. Der erste und letzte karibische Regen setzt ein.

Ganz egal, wir stehen an Deck und auch der Regen kann dieses Bild nicht trüben. So schnell wie er uns erwischt hat, so schnell zieht er auch wieder weiter.

Jetzt aber ab ins Dinghy und rüber an diesen herrlichen, einladenden Strand.

Die einen gehen sofort wieder schnorcheln und der Rest genießt den Sand unter den Füßen mit dem gigantischen Ausblick auf das weite Blau. Wir pflücken uns eine Kokosnuss von den Palmen und schlagen sie mit viel Mühe auf und genießen den erfrischenden Kokossaft. Mustique ist eine Insel, auf der wohl viele Prominente Urlaub machen und Häuser haben. Wir können sehr gut verstehen warum. Später ziehen wir über die Insel und sehen traumhafte Anwesen mit sehr viel Natur und atemberaubenden Ausblicken auf die umliegenden Buchten. Später in Deutschland erfahre ich, dass man diese Villen mieten kann, inkl. Maid, Köchin und Gärtner. Einen kleinen Flughafen finden wir auch. Ganz besonders faszinieren uns grell bunte, reich verziert „Lebkuchenhäuser“ in Strandnähe. Wohl eines der Wahrzeichen dieser Insel, deren Abbildungen in jedem Reiseprospekt zu finden sind. Abends sitzen wir in der Bar direkt am Strand mit Holzterrasse auf das Meer hinaus und genießen the Carribean Way of Life in „vollen Zügen…“

Da wir beiden Frauen es vorziehen, meist an Deck zu schlafen, ist das Erwachen wunderschön. Eine Steigerung hatte ich eigentlich schon nicht mehr erwartet. Aber ich wurde überrascht und bekam noch mehr geboten. Wir steuerten auf die Tobago Cays zu.

Kleine unbewohnte Eilande mit schneeweißen Stränden und hochgewachsenen Palmen liegen vor uns. Einfach faszinierend. Wir scheinen nicht die Einzigen zu sein, denn eine Vielzahl von Segelbooten liegt schon inmitten der kleinen Inselgruppe. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Wir müssen mal wieder Ankern. Gar nicht so einfach, weil auch noch eine ziemlich starke Strömung herrscht. Nach langer Zeit sind wir dann relativ sicher, dass nun nichts mehr passieren kann. Wir klettern alle in das Dinghy, nur unser Skipper bleibt an Bord. Was auch besser ist, wie sich später rausstellen wird.

Trotz der vielen Segelboote, sind wir die Einzigen auf der ersten Insel, die wir ansteuern. Wir liegen einfach nur im Sand und können gar nicht fassen, dass wir dieses Paradies erleben dürfen. Die einen ziehen gleich wieder mit Taucherbrille und Flossen los, um die Unterwasserwelt zu erkunden. Alle haben ihr Glück gefunden.

Genug von der einen Insel, rein ins Dinghy und zur nächsten. Diese ist natürlich auch nicht schlechter. Es gibt einen kleinen Berg auf den man durch ein wenig Dschungel klettern kann. Von oben hat man einen weiten Ausblick über die Inselgruppe. Wir treffen noch einen Kanadier, der schon seit Monaten durch die weiten des Meeres segelt und auch er Meinung ist, dass dieser Ort einer der schönsten ist, die er gesehen hat.

Ausgetobt kehren wir nach Stunden wieder zum Boot zurück. Wir sind alle der Meinung, dass es nicht mehr an derselben Stelle ist, wo wir es verlassen hatten. Panik bricht aus. Wir müssen neu ankern, damit wir für die Nacht sicher sind. Alle wieder an die Arbeit., der beste Schnorchler muss wieder zum Anker tauchen und versuchen, ihn so noch fester in den Sand zu stecken. Nach etwa einer Stunde Arbeit und Aufregung sind wir ziemlich sicher, dass nichts mehr passieren kann. Ich habe trotzdem ein mulmiges Gefühl. Auf der morgigen Etappe müssen wir nämlich ein großes Riff umsegeln, das jetzt genau in Stromrichtung vor uns liegt. Ich werde diese Nacht wohl ganz sicher wieder an Bord verbringen und mehr auf den Stand des Bootes achten, als schlafen. Zum Glück sind wir Frauen uns mal wieder einig und ich bin also nicht die Einzige, die sich unwohl fühlt.

Trotz allem verlassen wir abends alle gemeinsam das Boot, weil uns ein T-Shirt-, Bananen- und Eishändler unter anderem auch ein Lobster-Essen am Strand einer der Inseln angeboten hat und wir zugeschlagen haben. In einem Eimer können wir uns die Tiere noch aussuchen, die anschließend lebendig im Kochtopf landen sollen. Eigentlich ist mir jetzt schon der Appetit vergangen… Auf einem mit Palmenblättern gedeckten Tisch haben wir dann auf unseren Plastiktellern vom Boot die Spezialität ungewürzt und mit trockenem Brot verspeist. Im Hintergrund ein atemberaubender Sonnenuntergang. Ein Erlebnis, aber kein Muss.

Wie erwartet, mache ich die Nacht fast kein Auge zu, aber das Boot bleibt an der Stelle, wo wir es „geparkt“ haben.

Die nächste Etappe startet. Wir steuern langsam auf das Riff zu, denn unser Skipper ist der Meinung, dass wir vielleicht ganz langsam darüber hinweg fahren können und uns den Umweg drum herum sparen könnten. Ganz anderer Meinung ist unser Tiefenmesser, der schon nach den ersten Metern wie wild anfängt zu piepsen und auch schon keine Tiefe mehr anzeigt. Panik steigt auf. Alle diskutieren hektisch an Bord und wir verteilen uns um die Reling herum und versuchen, die Untiefen zu ergründen. Eine schreckliche Belastung und Anspannung. Zwei Einheimische in einem kleinen Motorboot kommen wild winkend und laut rufend auf uns zugerast. Wir sind uns alle einig, dass wir definitiv den längeren, aber sicheren Weg um das Riff herum nehmen werden. Es kostet uns noch einige Nerven und Diskussionen unser Boot wieder sicher aus der Gefahr zu manövrieren. Alle etwas zweifelnd an unserem Skipper (ein Freund von uns, den wir aus Deutschland mitgebracht haben) und dem auserwählten Kartenleser, beschließen wir, bei der nächsten Insel zwei Nächte zu verbringen. Nach dieser Aufregung könnte mir nichts lieber sein. Beim nächsten Ankern in der schönen ruhigen Bucht von Union Island, verletzt sich noch einer unserer Truppe, so dass wir zum ersten Mal den Verbandkasten auspacken müssen. Zum Glück ist jetzt erstmal Segelpause.

Wir springen von Deck in das kühlende Nass und beruhigen unsere Nerven. Heute machen wir nichts mehr. Selbst das Beiboot bleibt stehen. Wir lassen uns ein Wassertaxi kommen und an Land bringen. Dort laufen wir über die Insel, erkunden das kleine Hafenörtchen. Wunderschön idyllisch. Ganz langsam lässt die Anspannung nach. Das Erlebnis hat die Stimmung doch sehr getrübt, haben wir uns mit der Anmietung dieses Riesen-Bootes zu viel zugetraut? Nur einer, unser Skipper, hat den Open Water Segelschein. Vier andere haben zur Vorbereitung noch ein Segel-Crashkurs-Wochenende auf der Ostsee gemacht. Und wir zwei, mein Mann und ich, haben komplett keine Ahnung, sind nur angelernte Handlanger…

Es erwartet uns das typisch karibische Leben auf der Straße. Kleine Buden, Geschäfte und viele Menschen, die in kleinen Gruppen zusammenstehen und sich die neuesten Inselgeschichten erzählen. Wir fühlen uns gleich wohl und genießen das Flair. Am Ende eines erlebnisreichen Tages lassen wir uns in einem kleinen Restaurant direkt am Meer nieder. Die Seeluft weht uns um die Nase und wir lassen uns das Essen schmecken. Sam, ein Korallenschmuck-Verkäufer, gesellt sich zu uns. Mit seinem Silberblick kann er uns alle gleichzeitig anschauen. Er erzählt Geschichten aus seinem Leben. Wahr oder nicht, wir fühlen uns pudelwohl.

Am Abend noch bestellen wir wieder ein Wassertaxi für den nächsten Morgen. Palm Island steht auf dem Programm. Eine kleine Insel mit einer einzigen Hotelanlage und unzähligen Palmen, die alle von einem holländischen Auswandererpaar gepflanzt worden sind.

Wir erklimmen einen Hügel, von dem wir einen gigantischen Ausblick auf die Bucht haben. Lange flache Strände unterbrochen von Felsvorsprüngen. Ein karibischer Traum.

 Trotz der Hotelanlage begegnet uns kein Mensch. Erst in der Strandbar stoßen wir wieder auf Leben. Wir verbringen noch den ganzen Nachmittag dort, bis uns unser Taxi wieder in unser „Hotel“ bringt.

Die Halbzeit ist gekommen. Union Island ist unser Wendepunkt. Es geht wieder nach Bequia. Auf der Fahrt dorthin erwartet uns noch ein besonderes Erlebnis. Ein Schwarm von Delphinen begleitet unser Boot. Wir sind vollkommen fasziniert und lassen das Segeln sein. Wir genießen das Spiel der Delphine. Rund um unser Boot springen sie immer wieder aus dem Wasser.

Von Bequia segeln wir nach St. Vincent. Es erwarten uns keine Händler mit Motorbooten, die uns ihre Waren anbieten. Wir sehen plötzlich mehrere kleine Boote mit Männern, die auf uns zu rudern. Ein Ruderer, Simon, ist der Stärkste mit der meisten Ausdauer. Noch weit von der Insel entfernt erreicht er unser Schiff als erster. In unserem Segel-Reiseführer steht geschrieben, dass wir uns am besten einen der Ruderer aussuchen sollen, den wir dafür bezahlen, dass er auf unser Boot aufpasst und alle nötigen Lebensmittel besorgt. Das geben wir Simon auch gleich zu verstehen und binden sein Boot an unserem fest und fahren unter Motor in eine Bucht. Dort macht sich Simon gleich auf den Weg, unser Boot an der nächsten Palme zu befestigen.

Ein Teil unserer Crew möchte an Bord bleiben, die anderen wollen noch etwas von der Insel sehen und ziehen mit Simon als Reiseführer los. Er zeigt uns frische Muskatnuss und führt uns durch üppige Vegetation zu verschiedenen Wasserfällen. Das satte Grün der Insel ist erfrischend und wir sind wirklich froh, diesen Stopp noch eingelegt zu haben.

Wieder an Bord, haben wir Simon beauftragt, uns Fisch zu fangen. Er leiht sich Schnorchel und Flossen und rudert los. Einige Zeit später taucht er mit prächtiger Beute wieder auf. Er übernimmt vor unseren Augen das Entfernen der Schuppen und nimmt die Fische aus. Wir bereiten uns als Vorspeise eine Fischsuppe und anschließend gibt es Reis mit Fisch. Ein Gaumenschmaus natürlich, ist ja schließlich mit ganz viel Liebe gefangen und gekocht worden.

Beflügelt vom Stopp auf St. Vincent segeln wir weiter nach St. Lucia. Wir steuern die Marigot Bay an. Eine Bucht, die ganz versteckt hinter Palmen liegt. Kaum einsehbar vom offenen Meer und deshalb auch besonders ruhig. Wir ankern und Erholung an Bord steht an. Abends fahren wir mit dem Dinghy an Land. Über einen Steg erreichen wir ein kleines Restaurant, auf Stelzen im Wasser gebaut. Wir lassen uns wieder den Fisch schmecken. Lernen noch einen Schweizer kennen und sitzen noch bis spät in die Nacht und genießen die warme Abendluft und das karibische Bier…

Nie haben wir so ruhig geschlafen wir in dieser Bucht. Am nächsten Morgen wird uns klar warum. Es herrscht leichte Ebbe in der Bucht und unser Boot „steht“ anscheinend im Sand. Wir sind begeistert, hoffen nur, dass das Wasser wieder da ist, wenn wir am nächsten Tag die Insel wieder verlassen müssen, da sich der Urlaub dem Ende neigt.

Wir mieten uns noch einmal einen Kleinbus mit Fahrer und lassen uns in die Hauptstadt Castries fahren. Dort verbringen wir einen ganzen Tag. Wir schlendern durch die bunte Markthalle und die vielen kleinen verwinkelten Gassen und besuchen die Kirche der Stadt.

Den letzten Abend und die letzte Nacht verbringen wir wieder in dem kleinen Restaurant und lassen uns noch bis tief in die Nacht den Wind um die Nase wehen.

Der letzte Tag ist gekommen. Zurück in Martinique und nach der für mich ersten Nacht, in der ich mit Übelkeit zu kämpfen hatte, steige ich bereits beim Tanken aus und lasse mich auf den Steg fallen und bin froh, dass mich diese Übelkeit nicht den ganzen Urlaub geplagt hat. Ich wäre auf einer Insel ausgestiegen und hätte gewartet, bis ich wieder abgeholt worden wäre.  Kann jetzt aber nachfühlen, wie sich meine Freundin, die leider sehr, sehr oft mit Übelkeit zu kämpfen hatte, gefühlt haben muss. Die Arme.

Den letzten Tag gibt es noch Sightseeing in Martinique. Besonders gefallen hat uns dort, die kitschig bunte Weihnachtsdekoration an Palmen und Straßenlaternen und die Merry Christmas Lieder in jedem Geschäft. Weihnachtsstimmung will bei uns und diesen Temperaturen nicht wirklich aufkommen.

Bis wir zu Hause wieder richtig ankommen werden, wird eine ganze Zeit dauern, nach so vielen, unbeschreiblich besonderen Eindrücken.

Falls Ihr euch wundert, warum und wie ich solch alte Geschichten im Moment ausgrabe: Ich habe zu unserer Zeit in Würzburg eine Fernschulung für „Journalistisches Schreiben“ gemacht, über ein Jahr lang. Und in dieser Zeit musste ich hierfür doch einige Arbeiten erstellen und somit liegen all diese Geschichten fertig auf meinem Laptop rum… Zum Teilen mit euch. Zum Erinnern für mich.

Niagara Fälle.

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Leben in USA – Back in 2005.

Emails an meine liebe Freundin in Regensburg.

…. Morgen kommt schon wieder Besuch. Es kommt ein Kollege meines Mannes, den ich aus Regensburg kenne. Mit ihm waren wir ein, zwei Mal abends unterwegs, haben ihn mal beim Grillen getroffen, aber mehr nicht. Einen netten Eindruck hat er hinterlassen und Heiko meint, ich soll ruhig mit ihm fahren. Und somit werden wir morgen aufbrechen zu den Niagara Fällen. Bin so gespannt. Er kennt wohl Leute in London, Ontario in Canada, dort wollen wir vorbeischauen. Ich lass mich überraschen.
Also denke ich mal, bis nach dem Trip!
Deine Nicole

29. Aug 2005
von: Nicole
an: meine liebe Freundin in Regensburg
Betreff: wieder in Milwaukee

Hallihallo,
ich bin wieder zurück in Milwaukee, bin ich froh, wenn ich endlich mal wieder ein paar Tage hier weiterleben kann. Der kleine Roadtrip zu den Niagara Fällen war wirklich klasse und mit Jochen war es auch richtig lustig. Der ist total unkompliziert.

Gestartet sind wir dann sehr früh in Milwaukee, am Lake Michigan entlang nach Süden und dann rüber Richtung Kanada. Puh, das war ein langer, langer FahrTag. Knapp über neun Stunden waren wir unterwegs, etwa 900 km. Heftig, aber auch wunderschön das weite Land zu „erfahren“. Ich liebe es.

Jochens Freunde haben wir in einem Lokal in London, Ontario getroffen und uns gleich super unterhalten. Eine sehr angenehme Familie. Und wie schon erwartet, haben sie uns auch gleich zum Übernachten zu sich nach Hause eingeladen. Super nett. Wir waren aber wie erschlagen von der langen Fahrt und sind nach ein paar Bierchen und weiteren netten Gesprächen auf dem Sofa, früh ins Bett.

Beim Frühstück wiederum hat der Freund uns angeboten, seine Mutter anzurufen, die nämlich direkt in Niagara Falls, Ontario wohnt, und zu fragen, ob wir dort übernachten können. Hat er dann auch gleich gemacht und die nächste Nacht war gebucht. Ich war ja erst wirklich skeptisch, aber Jochen hatte die Mutter vor Jahren schon einmal kennengelernt. So haben wir uns auch noch gleich die Kosten für die nächste Nacht gespart.

Nach dem Frühstück sind wir losgedüst und haben uns die Niagara Fälle auf der kanadischen Seite angeschaut. Wir waren super begeistert. Entlang des Ufers erstreckt sich ein großer Park. Immer wieder hat man neue, spektakuläre Blicke auf die Fälle. Mit lautem Getöse rauscht das Wasser mit solcher Macht in die Tiefe – wow. Und wie nah man immer wieder an den Abgrund kommt, wahnsinn! Und falls du dich wunderst: stets sicher hinter Absperrungen. Unten in der Gischt sehen wir unzählige Boote, beladen mit Menschen, alle geschützt durch die gleichen blauen Schutzmäntelchen. Ein tolles Bild. Berauscht vom Getöse, haben wir uns im ruhigen Auto dann auf den Weg zur „Mutter“ gemacht, deren Haus wir auch relativ schnell, in einem ruhigen Wohngebiet, gefunden haben. Willkommen in Deutschland, kann ich dazu nur sagen… Sie ist damals, ich weiß leider nicht mehr wann, mit ihrem Mann erst von Deutschland nach Südamerika ausgewandert. Dort kamen sie aber gar nicht zurecht und sind von dort nach drei Jahren weiter nach Kanada, wo schon ein Verwandter von ihnen wohnte. Wenn man sich das damals, zu der Zeit alles vorstellt, dann kann ich nur sagen: Hut ab! Die Auswanderer haben damals noch Briefe geschrieben, die ewige Zeiten unterwegs waren. Sie sind damals auch noch mit dem Schiff nach Südamerika gefahren und dann, das erste Mal, nach Kanada geflogen. Sie sprachen zu der Zeit aber weder Spanisch noch Englisch, als die ankamen. Ich habe vollen Respekt vor diesen Leuten. Deshalb haben wir uns auch geduldig beim Abendessen, die GANZEN Geschichten angehört. Wir haben NICHTS erzählt. Aber die Geschichten waren so spannend und beeindruckend und wir hatten einen wunderschönen Abend. Und die „Mutter“ hat sich so über die Gesellschaft im Hause gefreut.

Jeder von uns hat ein typisches altmodisches, deutsches Gästezimmer im Keller des Hauses bekommen, trotzdem total gemütlich.

Am nächsten Morgen wurden wir mit Frühstückseiern, selbstgemachter Marmelade und selbstgebackenem Brot verwöhnt. Ein typisch deutsches, köstliches Frühstück. So lieb, diese Frau. Danach ging es gestärkt weiter über die Grenze zurück nach USA. Dort haben wir uns ebenfalls die Fälle angeschaut, die so ganz anders von dieser Seite zu erleben sind, viel ruhiger, ursprünglicher.

Ich kann nicht sagen, welche Seite mir besser gefiel, aber riesig beeindruckt hat mich die Tatsache, wie extremst nah man an den Abgrund auf der US Seite rankam. Wahnsinn!

Entlang des Ufers des Lake Erie machten wir uns langsam auf den Rückweg. An einer richtig netten Fischbude am Seeufer haben wir uns noch Fish & Chips gegönnt. Strahlend blauer Himmel mit Seeblick – wunderschön. Damit die Fahrt nicht so lang wurde wie bei der Hinreise, haben wir in Cleveland, Ohio noch eine Nacht verbracht, bevor es am nächsten Morgen weiter ging. Am südlichen Zipfel des Lake Michigan schloss sich unsere Runde und wir fuhren zurück nach Milwaukee.

Die Tour, drei Nächte, war jetzt mal schlappe 2050 km lang. That´s America. Krass, oder?

Und dann war ich, wie schon erwähnt, einfach froh, auch mal wieder zu Hause zu sein. War doch ein bisschen viel die letzten Wochen und dann vermiss ich Milwaukee so richtig stark und will dort endlich wieder die Zeit genießen. Und klar, keine Ruhe für uns: Am 1. September kommen ja schon meine Eltern und die Oma.  Arbeiten könnte ich gar nicht gehen, keine Zeit! 😉
Mal schauen, wann ich dir wieder schreiben kann

Dir die allerliebsten Grüße von hier
Deine Nicole