Neue Umgebung, neue Gegebenheiten, keine Kontakte, keine Verpflichtungen. Da beginnt eine sehr besondere, intensive Zeit. Man ist erst einmal komplett auf den Partner oder die Familie angewiesen, die kleine Familie – die mit umgezogen ist. Es gilt darauf zu schauen, dass jeder gut ankommt und ein erstes, hoffentlich gutes, Gefühl empfindet. Gemeinsam die neue Umgebung erkunden, umherlaufen, auf sich wirken lassen. Den Blick nach vorne, aber auch nach oben, unten und in die Seitengassen schweifen lassen. Eintauchen in das Neue. Neue Gerüche, neue Geschmäcker in neuen Lokalen. Das erste Mal gemeinsam die endlos erscheinenden Gänge des neuen Supermarktes erkunden. Vertraute Artikel kaufen, aber auch ganz bewusst zu etwas Neuem greifen, wie den Schokoriegeln oder die Kekse für die Kinder, die sie noch nicht kennen, heute aber das erste Mal probieren dürfen. Eine exotische, unbekannte Frucht, bei der man sicher zu Hause erst einmal im Internet nachschauen muss, wie man diese Wohl isst.
Aber auch dem Gehör seinen Raum geben. In der Shopping Mall lauschen, wenn zu bestimmten Zeiten plötzlich der Ruf des Muezzins durch die Lautsprecher ertönt und eine besondere Stimmung in der Mall verbreitet. Und wenn es die Kinder nicht wahrnehmen, darauf hinweisen. Ihre Aufmerksamkeit für die Welt schärfen. Vielleicht schreien die Möwen in der Luft… Mein Laut, der mir just in diesem Moment zu unserem Aufenthalt in Milwaukee, USA einfällt. Einer der Geräusche, die mir für Johannesburg, Südafrika in Erinnerung geblieben sind: das Gezeter der Hadedas Vögel im Garten, besonders in den Morgenstunden. Beim „googeln“ gerade, ob dieser Geselle wohl wirklich so heißt oder einfach nur so genannt wird, stelle ich fest, dass es sich korrekterweise um den Hadada Ibis, handelt, zu Deutsch auch Hagedasch. Aber mal ehrlich, dass ändert jetzt nichts an der Tatsache, dass ich immer das lautstarke Gezetere dieses Freundes mit unserem Garten im Norden Johannesburgs in Verbindung bringen werde.
In dieser besonderen NeuZeit sollte man versuchen die neue Stadt so intensiv wie möglich aufzunehmen, denn man ist noch vollkommen unvoreingenommen und nimmt einfach nur unbewertet auf.
Und man sollte auch diese Zeit zu zweit, zu dritt, zu viert… genießen, denn solch eine besondere NeuZeit gibt es nicht sehr häufig. Oft hat man zum Start in einem neuen Land ein paar Tage gemeinsam frei, bevor meist der Mann wieder in seinen Job einsteigt. In diesen Tagen hat man sozusagen die Familie ganz für sich ganz alleine. Noch keine Einflüsse von außen. Es ist ein tolles, besonderes Gefühl. Man sollte auch wirklich versuchen, es wahrzunehmen.
Das ist fast ein bisschen so, wie während des Corona Lockdowns. Hier haben, leider natürlich gezwungenermaßen, die Familien plötzlich sehr intensiv Zeit miteinander verbringen müssen. Das, was viele in der Form vielleicht nicht kannten. Im Alltag geht jeder seinen Hobbies nach, geht arbeiten, trifft Freude, das oft auch getrennt. Wenn man als Familie oder als Paar in den Urlaub fährt, ist es auch eine andere Situation. Man ist offen für neue Kontakte zu anderen Urlaubern. Plötzlich war in 2020 nur noch die Familie angesagt, der Partner und/oder die Kinder oder gar der Single plötzlich wirklich Single im wahrsten Sinne des Wortes. Und ich habe in meiner direkten Umgebung damals erlebt, wie befreundete Familien (ohne ExpatErfahrung – aber sicher natürlich auch viele andere) damit zu kämpfen hatten. Wir hingegen sind uns oft auch als Familie bewusst genug. Ich denke, das beschreibt es am besten. Einfach wir vier. Wir haben es gelernt und schätzen es, die Familienzeit zu genießen. Was für viele in dieser Covid19 Anfangszeit im Frühjahr 2020 eine Zeit der Ungewissheit und Hilflosigkeit ausgelöst hat, hat uns vielleicht nicht so überraschend erwischt, weil wir ähnliche Situationen der „Abgeschiedenheit“, des „Ungewissen“ schon öfter, wenn natürlich auch auf andere Art und Weise, erlebt und gemeistert haben.
Das soll natürlich in keiner Weise die Covid19 Pandemie schönreden. Es war und ist für die Welt ein Schock, eine Herausforderung und eine große Belastung für alle.
Ich denke, viele Expatfamilien genießen auch bewusst diese anfängliche NeuZeit nach der Ankunft. Sie versuchen gar nicht unbedingt, direkt Kontakte zu knüpfen oder auch eventuell entfernte Kontakte zu aktivieren. Erst einmal ankommen, das Neue wirklichen lassen und genießen. Gerade ab der zweiten, dritten Weltstation wird man ganz bewusst diese Zeit durchleben, denn dann hat man die Erfahrung bereits gemacht und kann die Situation besser einschätzen. Man hat nicht das Gefühl, direkt auf die Suche nach neuen Freunden gehen zu müssen, man kann es langsam angehen. Man weiß, dass sich alles mit der Zeit finden wird. Dieser Aktionsdruck, den man sich vielleicht noch beim ersten Mal selber auferlegt hat, entfällt. Die Unsicherheit ist weg. Frau weiß, dass sich alles fügen wird, dass neue Kontakte kommen werden, wenn man offen ist. Und offen sein, ist natürlich eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Auswanderung.
Ich finde hierzu einen Abschnitt aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse sehr passend:
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Aber eigentlich finde ich fast das ganze Gedicht sehr schön im Zusammenhang mit dem Gedanken zum Auswandern..
Stufen
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern. Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe Bereit zum Abschied sein und Neubeginne, Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern In andre, neue Bindungen zu geben. Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, An keinem wie an einer Heimat hängen, Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten. Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen, Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde Uns neuen Räumen jung entgegen senden, Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden… Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
Von Hermann Hesse 4. Mai 1941
Also keine Scheu vor dem Neuen, was kommen wird. Es wird sich alles fügen, einfach offen sein und bleiben. Und nicht vergessen, die besondere Zeit nach der Ankunft einfach zu genießen. Es ist so unbeschreiblich spannend, all die neuen Dinge im neuen Umfeld unter neuen Umständen zu entdecken. Pures EntdeckerGlück.
Nein, hier mit ist jetzt nicht gemeint, dass wir zurückziehen, wohin auch immer, sondern ich möchte euch heute den Verlust des Rückzugsortes meiner Tochter während der letzten zwei Wochen beschreiben und unsere Erkenntnis daraus mit euch teilen.
Familie lernt ja nie aus.
Es hatte sich Besuch aus Deutschland angekündigt, eine vierköpfige Familie. Nach ein wenig hin und her überlegen war die gemeinsame Entscheidung gefallen, dass unsere Tochter mit in das Zimmer ihres Zwillingsbruders zieht, für diese zwei Wochen. Die Kinder des Besuches bezogen also das Zimmer unserer Tochter. Da sich dieses Zimmer ein „Jack and Jill“ Badezimmer (nähere Beschreibung dazu im Blogbeitrag „Haussuche“) mit dem Zimmer unseres Sohnes teilte, fiel somit auch irgendwie die Privatsphäre des Bades weg. Und obwohl unsere Kinder sehr oft noch sehr gerne gemeinsam in einem Zimmer schlafen, meine Tochter auf einer Matratze vor dem Bett unseres Sohnes, an Wochenende sogar manchmal zum Spaß mit all den Kuscheltieren beide in einem Bett, ist es etwas komplett anderes, seine Rückzugsoase für komplette zwei Wochen aufzugeben. Und das auch noch, während einer normalen Schulzeit, keine Ferien, keine Feiertage, Schulalltag.
Der Besuch an sich war super angenehm!! Sehr selbstständig, viel auf eigene Faust unterwegs. Jeder machte sein Ding, über Frühstück, Fitness usw. Es lief alles sehr harmonisch, angenehm und erfreulich ab. Kompliment an den Besuch. Wir hatten eine tolle Zeit, am Wochenende machten wir einen wunderschönen Wüstenausflug mit Übernachtung gemeinsam, ohne viel Schlaf, was meiner Tochter ebenfalls zusetzte.
Zum Beginn der zweiten Woche merkte ich, dass sie langsam die Kraft verließ. Ich schob es auf das wunderschöne, aber auch super anstrengende Wüstenwochenende. Und versuchte mit frühem Schlafengehen entgegenzuwirken. Aber es wurde eher von Tag zu Tag schlimmer. Sie wurde immer sensibler, machte oft einen traurigen Eindruck und dann erkannten wir, dass der Auslöser der fehlende Rückzugsort für sie war. Nach einem lagen, anstrengenden Schultag, bei dem die beiden von 7 bis 15 Uhr aus dem Haus sind, fehlte ihr die Erholung in ihrer Wohlfühloase – ihrem Zimmer. In dieses zieht sich unsere Tochter oft nach den Hausaufgaben zurück, malt Bilder auf ihrer Staffelei, sitzt in ihrem Sitzsack und liest Bücher – sie tut einfach das, was ihr guttut und was sie und ihr Körper brauchen. Dieser Rückzugsort war nun komplett weggefallen. Ich fand sie manchmal auf dem Boden im Zimmer ihres Bruders kniend, dort malen.
Und da wusste ich, wir haben einen großen Fehler gemacht, sie zu bitten, ihr Zimmer für den Besuch zu räumen.
Ich redete mit ihr, entschuldigte mich für die dumme Entscheidung und versprach ihr, dass nie wieder sie oder ihr Bruder ihr Zimmer für Besuch aufgeben müssten. Allein das Reden tat gut, obwohl wir beide ein paar Tränchen vergossen.
Ich besprach die Situation auch mit den Freunden. Auch die verstanden sofort die Gefühlslage unserer Tochter.
Im Endeffekt ist unser Gästezimmer groß genug, dass wir hier noch zwei Matratzen für zwei Kinder mit reinlegen können. Und ich denke, der Besuch, der sowieso in einer Stadt wie Dubai, die meiste Zeit auf Erkundungstour unterwegs ist, stört sich nicht daran, für eine Woche oder länger ein Zimmer mit den Kindern zu teilen. Und zudem hat der Besuch Urlaub und wir leben parallel im Alltag weiter, was heißt, dass für uns unter den normalen Arbeits- und Schulbedingungen eine andere Anstrengung und somit auch eine andere Art von Notwendigkeit an Ruhe, Erholung und eben Rückzugsmöglichkeiten wichtig ist und dies jeder verstehen wird oder verstehen sollte. Und wir haben an der Reaktion unserer Freunde gemerkt, dass eine Familie das sehr gut nachvollziehen kann.
Somit das Fazit unserer letzten zwei Wochen: Besuch geht auch einmal während des Alltags (sicher nicht zu häufig), wenn der Besuch unkompliziert und selbstständig ist, keine 5***** Unterbringungen mit Rundumservice erwartet.
Wichtig für uns als Familie, Freunde und Gastgeber: Wir werden kein Zimmer, keine Rückzugsmöglichkeit aufgeben und wir werden unseren Alltag auf keinen Fall in irgendeiner Art und Weise an den Besuch anpassen können.
Aber wahre Freunde und unsere tollen Familien verstehen das sowieso. Manchmal vielleicht früher als wir.
EntdeckerGlück? Ja, trotzdem und sowieso, denn wir haben ja eine wichtige Entdeckung und Erkenntnis aus dieser Erfahrung mitgenommen. Rückzugsorte sind SEHR WICHTIG, für jeden von uns.
Eindrücke zur Reise gibt es die nächsten Tage auf Instagram EntdeckerGlueck. Viel Spaß.
Wir lieben Autorundreisen. Auch unsere Kinder sind mittlerweile mit dem EntdeckerVirus angesteckt und lieben diese Art von Reisen. Dieses Glück, wenn sie es sich mit all ihren Büchern, Kuscheltieren und Hörspielen auf der Rückbank des Autos häusliche einrichten, ein Strahlen auf ihren Gesichtern und die Vorfreude, was der Tag wohl so bringen wird – herrlich. Da Covid19 zu unseren Osterferien 2021 immer noch die Welt beherrscht, bleiben wir im Land. Wir sind neu hier und es gibt SO VIEL ZU ENTDECKEN in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Los geht´s. Ich habe eine Rundreise durch das benachbarte Emirat Ras al Khaimah geplant. Meinen Mann habe ich vorgewarnt, dass das nicht eine Autorundreise wird, wie wir es kennen. Die Wegstrecken sind erheblich (!) kürzer. Die Kinder verstehen das natürlich nicht wirklich oder wollen nicht, auch mit ihren 11 Jahren nicht. Sie erwarten geschmierte Butterbrote und Äpfelchen, Zeit zum Lesen, Hören und aus dem Fenster starren und die Welt vorbeifahren sehen. Als wir nach einer Stunde bereits am ersten Ziel ankommen – großes Erstaunen.
Ghost Village & Heritage Village al Jazirah al Hamra
Noch größeres Erstaunen bei uns allen, als die „Sehenswürdigkeit“, die angeblich nicht auf Touristen ausgerichtet ist, sondern mehr auf eigene Faust erkundet werden soll (damals laut Internet), plötzlich über ein Kassenhäuschen und eine geschlossene Tür verfügt. Leider war uns nicht bewusst, dass diese Geisterstadt Teil des Ras al Khaimah Fine Art Festivals 2021 war und somit nur am Wochenende „geöffnet“ sein sollte. Dumm gelaufen. Aber mal ehrlich, es gibt immer Mittel und Wege. Wir sind wieder ins Auto gestiegen, einmal um die Ecke gefahren, außer Sichtweite des Wachmannes und sind einfach einen Block weiter durch die verlassene Stadt geschlendert, denn der Bereich ist wirklich groß und es gibt in jeder Ecke etwas zu entdecken. Es ist angeblich die letzte traditionelle Stadt, die noch erhalten ist, mal mehr, mal weniger. Früher stark besiedelt von Seefahrern und Perlentauchern und -händlern, bis Mitte der 20. Jahrhunderts die Moderne lockte und die Bewohner langsam das Dorf verließen. Aber für die Kunst wollten wir doch noch mal auf dem Rückweg vorbeischauen…
BM Beach Resort
Kleine Zeitreise in die 80er… Kantinen Style all inklusive Restaurant und Back to the past Zimmer. Aber traumhaft schöne Strandbar mit netten türkisfarbenen Sofas, einem wunderschönen Sonnenuntergang, 20 Minuten kostenlosem Kajak Fahren für die Kinder, was will man mehr für eine Nacht? Schlaf? Kantine haben wir abends dann ausfallen lassen, wir hatten ja schließlich Feierabend. Sind auf dem SonnenSofa sitzen geblieben und haben Pizza und Burger vom Bar Menü bestellt (und leider auch noch einmal gezahlt) Zum Thema Schlaf: Uns war nicht bewusst, dass wir bei einer Buchung eines Familienzimmers mit vier Personen, wohlgemerkt unsere Zwillinge sind elf Jahre alt, ein Kingsize Bett und ein schmales Einzelbett bekommen würden. Schlaf war also in dieser Nacht Mangelware. Und ein leichtes flaues Gefühl… sollte das für die nächsten Unterkünfte auch so sein?
Zeitüberbrückung…
Zwischen Auschecken bis spätestens 11 Uhr und Einchecken um 15 Uhr liegen vier Stunden. Unsere Fahrstrecke heute 21 km. Was tun… Geplant war ein Mittagessen im Ritz Carlton, welches direkt auf dem Weg lag. Ich hatte auch extra Tage zuvor angerufen, ob die Restaurants mittags geöffnet sind – ja. Am Tor angekommen, leider kein Einlass, weil Ostern und Covid und nur mit Reservierung… Also habe ich wieder angerufen, zwar geöffnet, aber leider ausgebucht. Hätte man mir ja vielleicht auch bei meinem letzten Anruf eine Reservierung empfehlen können… Customer Service? Na, ja, kein Essen, aber immer noch vier Stunden zu überbrücken, denn beim Bedouin Oasis Camp hängt ein großes Vorhängeschloss am Tor. Also fahren wir wieder zurück nach Al Jazirah al Hamra und erkunden noch spontan den Yachthafen, finden ein tolles Restaurant mit Meerblick. Und haben ganz unerwartet noch ein tolles Fleckchen Erde entdeckt, welches gar nicht geplant war.
Bedouin Oasis Camp
Was für eine wunderschöne Oase! Wow. Da wir noch nie in der Wüste UAEs übernachtet haben, wirklich ein toller erster Eindruck für uns. Apropos Übernachten – Schlaf? Wieder die gleichen Voraussetzungen wie die Nacht zuvor und diesmal bleiben wir zwei Nächte, also zwei Nächte wenig Schlaf. Aber wir sind so magisch verzaubert von dem Ort, dass uns das am Nachmittag auch einfach egal ist. Wir buchen sofort für den frühen Abend drei Quads (mein Sohn fährt lieber bei mir mit und genießt) und erfrischen uns dann im Pool mit Wüstenblick. Irgendwie utopisch. Mit einem tollen Guide erleben wir eine halbe Stunde Wüstentraum mit unseren Quads. Kamele greifbar nah. Ein Kamelhirte trinkt an einem kleinen Feuerchen mitten im Nirgendwo Tee. Was für ein tolles Erlebnis. Der Daumen unserer Tochter ist nach einer halben Stunde reif für Rast. Jetzt werden die Beine belastet. Sandboarden. Und anschließend ein tolles, super durchorganisierten Buffetessen unter freiem Himmel in arabischen Lümmelecken mit Sitzkissen auf Teppichen. Erholung. Zum Nachtisch nach dem Süßen gibt´s noch eine Bauchtanzeinlage, die wir mit unseren vollgeschlemmten Bäuchen nicht übernehmen könnten. Und zum absoluten Höhepunkt noch eine Feuershow unter diesem Wüstensternenhimmel. Schöner könnte kein Tag sein. Und deshalb bleiben wir zwei Tage und wiederholen das ganze morgen noch einmal.
Dattel- und Kamelfarm
Für den nächsten Tag haben wir eine kleine Tour gebucht, hatte ich so auf der Homepage des Camps gefunden. Extra ausgeschlossen hatte ich den Dune Bashing Part, da wir davon kein großer Fan sind. Aber wie sich später rausstellen sollte, das unerwartete Highlight des Ausflugs. Erstmal warten wir fast eine Stunde auf den Tourguide. Ich denke, die Organisation war schlichtweg vergessen worden. Aber der Herr kam, war super freundlich und brachte uns zur Dattel… Farm? Ich persönlich hätte mir eine repräsentative Farm mit Erklärungen, Verkostung vielleicht, gar eventuell mit einem Shop vorgestellt, erträumt, erhofft… Es war mehr eine sehr einfache, dreckige, heruntergekommene Anlage, wenig Palmen, keine Führung, keine Erklärung – nichts, einfach nichts außer Müll und Dreck. Auf zur Kamelfarm. Farm? Hinter einem Zaun ein paar Kamele, der Guide holt mit einem Spaten ein paar Büsche aus dem Wüstenboden und die Kinder können über den Zaun hinweg füttern. Als er auch mir einen Busch überreicht und ich mich zum Zaun begeben, bekomme ich plötzlich den Schock meines Lebens, denn mein Blick noch auf die Kamele vor mir gerichtet, taucht unerwartet ein Kamelkopf über meiner Schulter auf. Mir bleibt die Luft weg. Der Guide ruft irgendetwas, ich drehe mich um und sehe plötzlich überall Kamel um uns herum. Das wird mir zu unheimlich. Auch mein Mann ist sehr skeptisch. Wir treiben die Kinder sofort zum Auto zurück. Kamele überall. Eigentlich könnte man sich ja freuen, aber das war einfach unerwartet und unvorbereitet. Im Auto angekommen, erzählt der Guide dann, dass Kamele mit einem Biss in den Halsbereich auch schon mal Menschen angreifen, gar töten können. Keine Ahnung, ob das stimmt, aber ich bin jetzt einfach nur froh, wieder im Auto zu sitzen. Das erschien mir alles doch etwas unkontrolliert.
Dune Bashing
Auf dem Rückweg biegt der Guide plötzlich in die Wüste ab, also richtig rein, Sandfahren. Also doch Dune Bashing. Ich hasse es, wenn ich ehrlich bin. Die Männer die sich austoben müssen. Frau, Kinder in diesem Fall auf dem Rücksitz, ich in der Mitte hinten. Kein Spaß. Keine Möglichkeit mich festzuhalten. Dünen rauf und runter. Adrenalin. Die Kinder haben riesen großen Spaß, mein Mann auch und o.k., ich muss zugeben, dass der Guide wirklich sehr gut und sicher fahren kann. Ich fange an ihm zu vertrauen. Bei unserem Wasser-Stopp hoch oben und mitten in den Dünen bin ich dann auch restlos begeistert. Und auch ich kann dem Rest der Familie nur zustimmen, dass es das Highlight des Ausflugs war. Wir genießen den endlosen Sandblick und erholen uns immer mehr und die misslungenen Farm besuche von vorher sind mit dem Wind über die Dünen davongetragen worden.
Sundowner
Nach der Rückkehr, nach dem Pool, nach dem Quadfahren, werden wir mit einem privaten Sonnenuntergangsplätzchen für uns vier überrascht. Da nicht viele Besucher für zwei Nächte bleiben, haben wir ein bisschen extra Bonus… Wir hatten den ganzen Nachmittag die komplette Anlage für uns. Man verwöhnte uns mit einem köstlichen Mittagessen, dass extra aus dem am Meer gelegenen Ort in die Wüste gebracht wurde, an einem liebevoll gedeckten Tisch am Pool an einem schattigen Plätzchen. Und zum absoluten Höhepunkt hatte man für uns einen abseits gelegenen, romantischen Pavillon mit traumhaftem Blick auf Wüste und Sonnenuntergang reserviert. Hier bekamen wir Orangensaft, Wasser und unsere Vorspeisen gereicht, bevor wir uns anschließend, zurück auf unserem Lümmelteppich, dem allabendlichen Abschluss widmeten und erneut Essen und Shows genossen.
Und geschlafen haben wir erstaunlich gut. Wir hatten die Bettenverteilung neu durchgemischt und die Kinder fanden es einfach toll, mal wieder bei Mama und Papa im Bett schlafen zu dürfen. Aber ein Tipp: Wir haben erfahren, dass die Anlage auch über genau zwei Familienzimmer mit einem Doppelbett und einem Stockbett für die Kinder verfügt – das wäre klar unsere Wahl beim nächsten Mal. Leider war für uns eine spontane Umbuchung vor Ort nicht möglich, andere waren vorab schlauer als wir.
Dhayah Fort
Da wir ja wieder unsere Überbrückungszeit zwischen Check-out und Check-in überbrücken mussten, nach dem Frühstück Sightseeing. Das Dhayah Fort liegt etwas hinter dem Ort Ras al Khaimah auf einer Anhöhe. Unser Navi gibt uns die Erlebnisroute quer durch die Hintergassen mit Ziegen, Müll, ungeteert. Immer in unserem Blick das Fort hoch oben auf dem Hügel, nicht im Blick, der Zugang dazu. Zäune links von dem schmalen einspurigen Schotterweg, rechts Häuserreihen, vor und hinter uns Ziegen. Irgendwann müssen wir wenden. Die Kinder finden es schon super spannend, ich auch. Einfaches Dorfleben mittendrin. Denn UAE ist nicht nur Prunk, Glanz und Glamour, es gibt auch das einfache, das andere Leben. Der erneute Versuch führt uns durch mehr unbekannte einspurige Gassen zu einer plötzlich vor uns liegenden Teerstraße. Die Zufahrt zum Fort. Wie gut, dass wir die mal nicht sofort gefunden haben, den spannenden Teil hätten wir sonst nämlich verpasst. Beim Fort kein Eintritt, keine Besucher, alles leer. Ein Traum für uns. Wir erklimmen die 240 Stufen bei 37 Grad und haben einen wunderschönen Rundumblick. Darunter viele wirklich grüne Flächen, Palmengärten – eine wahre Oase. Früher war das Fort Verteidigungsposten. Laut der Erklärungen auf der Tourismusseite von Ras al Khaimah entstand das existierende Fort im 19. Jahrhundert auf den Fundamenten viel älterer Gebäude. Es war und ist historisch bedeutend, denn im Jahre 1819 war es der letzte Ort des Wiederstandes gegen einen Angriff der Britten. Am 22.12.1819 wurde es dann getroffen und man gab auf. Im April 2001 wurde es wieder neu aufgebaut.
Hilton Ras al Khaimah
Vom Beduinen Camp zur großen Hotelanlage. Das Hotel hat eine tolle Lage, schöner Strand, toller Pool. Um abends all inklusive Buffet Essen aus dem Weg zu gehen, buchen wir direkt beim Einchecken für all unsere Abende die verschiedenen a-la-carte Restaurants. Eine gute Entscheidung für uns. Wir können uns verwöhnen lassen, genießen und erholen. Buffet zum Frühstück und Mittag ist mehr als genug für uns. Und zwei geräumigen Kingsize Betten für uns vier. Hier können wir alle den fehlenden Schlaf nachholen.
Suwaidi Pearls
Wir haben bereits vorab eine Tour bei Suwaidi Pearls gebucht. Am Treffpunkt, mit ausreichend Parkmöglichkeiten, besteigen wir mit nur zwei weiteren Familien das wunderschöne Holzboot mit Teppichen ausgelegt. Der Kapitän fährt uns durch Mangroven und die Kinder wundern sich schon sehr, wann sie endlich die Muscheln mit den Perlen sehen können. Wir bekommen Tee, Kekse und Wasser auf dem Boot gereicht. Etwa eine halbe Stunde später fahren wir wieder Richtung Ausgangspunkt. Die Kinder erneut ganz aufgeregt, warum sie jetzt keine Perlenmuscheln gesehen haben und es schon wieder zurückgeht. Direkt im Hafengebiet ist die schwimmende Farm festgemacht und hier machen auch wir fest. Wir betreten das hölzerne Deck der Anlage und werden sehr nett empfangen. Anschaulich wird der komplette Zuchtvorgang erklärt, die Kinder staunen. Es ist wirklich toll gemacht. Wir erfahren super viel über die Geschichte des Perlentauchens, immer mit tollem Anschauungsmaterial oder Bildern, um das Interesse des Besuchers aufrechtzuhalten. Zum Schluss öffnet der Guide noch eine Muschel und natürlich ist eine Perle darin. Meinen Sohn überkommt eine Trauer, weil die Muschel dafür sterben muss. Aber Kekse und Tee lenken ihn ab und muntern ihn schnell wieder auf. Der Ausflug hat sich wirklich gelohnt.
Jebel Jais
Am nächsten Tag wollen wir eine kleine Runde am Jebel Jais wandern, im Lower Segment, weil es dort Rundwege gibt, besser geben soll. Im Upper Segment gibt es diese leider nicht. Vergeblich suchen wir den Einstieg zu den Rundtouren. Kein Hinweisschild, kein entsprechender Parkplatz. Aber es gibt so viele tolle Aussichtspunkte mit denen wir gar nicht gerechnet hatten. An einer Aussichtsbucht beobachten wir lange die Menschen, die es wagen, die (zu diesem Zeitpunkt) weltlängste Zipline mit 2832 m Strecke zu fahren, zu fliegen… Es sieht gigantisch aus, aber ich wäre zu feige. Wir fahren weiter den Berg hinauf und werden mit einem unverhofften Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes überrascht. Toll mit Naturstein angelegter Verweilort, mit trendigen Foodtrucks, die Kaffee, Eis und Hotdogs verkaufen. Einem nagelneuen Spielplatz, Aussichtsplattformen für Rundumblick und der Einstieg zu den Upper Segment Wanderwegen. Mittlerweile steht die Sonne hoch am Himmel und für eine Wanderung ist es eigentlich schon zu heiß. Wir haben die Zeit am Jebel Jais genossen und werden auf der Talfahrt noch einen Versuch für die Rundwanderwege starten. Leider wird auch dieser zweite Versuch erfolglos bleiben. Zu schade, aber vielleicht ein anderes Mal. Die Kinder wollen sowieso viel lieber zurück ans Meer.
Ras al Khaimah National Museum
Wenn wir schon hier sind, nehmen wir noch ein Museum mit. Auf dem Parkplatz nur zwei weitere Autos, super freundlicher Empfang mit einem kleinen Begrüßungstee. Toll ist, dass das Museum so verschachtelt ist, man in viele verschieden Räume und auf viele verschiedene Ebenen gar klettern kann über Leiter-ähnliche Treppen, fast ein Abenteuer-Museum für die Kinder. Tolle Geschichten aus der Region und unser Highlight, das wir fast verpasst hätten, weil die Türe geschlossen war, da der Raum klimatisiert ist: der historische Dattelpress-Raum. Auch dieser Besuch hat sich wirklich gelohnt.
Caravan Resort Ajamn
Bevor unser Urlaub endet, wollten wir die Kinder noch mit einem Highlight überraschen. Nach 5-Sterne-Hotel – Caravan am Strand. Mehr Glamping als Camping. Wir starten mit einem Mittagessen im stylischen Restaurant mit Meerblick. Tolles Essen, toller Blick und tolle Location. Nach einem entspannten Kaffee und einem süßen Nachtisch ist auch unser Wohnwagen bezugsfertig. Ein mit einem Palmblätter-Zaun abgetrennter Bereich wird zu unserem privaten Strandabschnitt erklärt. Gigantisch. Darauf unser klimatisierter Wohnwagen ganz in Weiß gehalten, modern umgebaut mit großem Panoramafenster zum Strand hin. Er hat ein Doppelbett und ein witziges Stockbett für die Kinder, ein kleines WC innen und ein geräumiges WC mit Waschbecken außen in einem kleinen, separaten Bau. Davor eine Sitzgruppe mit Beschattung, gemauertem Grill, eine Außendusche und absolutes Highlight der Kinder: einer Schaukel mit Meerblick – nur für sie beide. Es ist herrlich entspannend. Wir schwimmen, spielen Karten und hören Musik von unseren Nachbarn. Laute Musik. Viel lieber würden wir das Meerrauschen genießen. Es scheint eine ganze Familienfeier nebenan im Gange zu sein. Sehr viel Trubel, zu viel Trubel. Na, das kann ja heiter werden. Heiter für die Nachbarn im wahrsten Sinne, heiter für uns im übertragenen Sinne.
Das Abendessen (ohne alkoholische Getränke) nehmen wir auf der Außenterrasse des kleinen, feinen Restaurants ein. Und werden wieder einmal mit einem romantischen Sonnenuntergang verabschiedet. Die Kinder genießen blaue Kindercocktails mit Stiefmütterchen und wir die laue Sommernacht.
Lau ja, aber auch laut. Denn die Nachbaranlage hat heute Partystimmung, leider bis weit in den frühen Morgen. Da feiern die Nachbarn nicht mehr, aber dann feiert gleich die ganze Nachbaranlage. Und klar, so ein Glamping Wohnwagen hat viele tolle Extras, aber mit Schallschutz ist da nichts. Ich habe zum Glück Ohrenstöpsel im Gepäck, der Rest leider nicht. Zum Glück haben wir früh für 8 Uhr bereits unser Frühstück bestellt. Geliefert wird dieses freiWohnwagen. Mit Meerblick an unserem Tisch am Strand starten wir in einen neuen Tag mit allerlei Köstlichkeiten und frischem Kaffee. Und um 9 Uhr sitzen die Kinder im Schlafanzug im Auto und wir machen uns auf den Heimweg. Erholen im Garten und früh schlafen gehen. Letzte Etappe 45 Minuten Heimweg.
Es war für uns eine Rundreise der anderen Art, kürzer, aber kein bisschen langweiliger. Super spannende Sachen entdeckt, der neuen Heimat wieder ein großes Stück nähergekommen. Zwischendurch haben wir immer mal wieder gescherzt, dass wir hätten zum Blumen gießen täglich nach Hause fahren können, würden wir Blumen besitzen.
EntdeckerGlück pur.
Eine Freundin fragte mich später ganz gespannt, wie denn die Reise war. Ich habe so geschwärmt, dass sie alles wissen wollte. Also habe ich alles erzählt, auch die Missgeschicke, die Überbrückungszeiten, das 80er Jahre Hotel, die Schlafsituationen, der misslungene Wanderversuch usw.
Sie hat anschließend gelacht und gesagt: „Und da schwärmst du vorher so von der Reise!“
Ich liebe es, wenn nicht alles perfekt läuft, dass macht es doch spannend. Man entdeckt Dinge, die man vielleicht sonst nicht entdeckt hätte, erlebt Sachen, die man sonst vielleicht nicht erlebt hätte und das ist für mich EntdeckerGlück. Einfach annehmen und genießen, so wie es ist. Mit offenen Augen durch die Welt.
Und zum Ras al Khaimah Festival of Fine Arts im Ghost Village al Jazirah al Hamra sind wir auf dem Rückweg auch noch einmal zurückgekehrt. Was uns wieder nicht mitgeteilt worden war, dass es vermutlich erst nachmittags öffnet. Denn es war erneut, auch am Wochenende, alles geschlossen. Aber ein neuer Wachmann war vor Ort und nicht ganz so streng, somit konnten wir uns kurz reinschleichen. Zu sehen gab es nicht viel. Ein paar Kunstobjekte, eine kleine Ausstellung in einem Raum… Wahrscheinlich hätten wir ein drittes Mal am Abend wieder kommen müssen, denn es gab überall Sitzgelegenheiten und Getränke- und Essenbuden. Vormittags aber geschlossen.
Wer mehr Fotos zu dieser Rundreise sehen möchte, findet die auf meinem Instagram Account @entdeckerglueck
Wenn man auswandert, besonders wie in unserer Situation, der Mann hat eine neue Jobherausforderung im Ausland angenommen und die Familie kommt mit, kommt so oft die Frage an mich: „Und, was machst du da so? Kannst du dort auch arbeiten?“
Vorab mal ganz ehrlich und offensichtlich: Ein Umzug auf einen anderen Kontinent ist etwas komplett anderes als der Umzug in eine andere Stadt im gleichen Land. Aber das ist sicher jedem klar. Und klar, mit jedem weiteren interkontinentalem Umzug kommt mehr Erfahrung, Routine und Gelassenheit. Aber trotzdem stehen all die extrem viele Erledigungen an, ob vorab oder nach dem Umzug, egal nach wie vielen Umzügen.
In unserer Familien-Situation haben wir uns ganz bewusst gemeinsam darauf geeinigt, dass ich mich zu allererst einmal um das wirkliche Ankommen der Familie kümmere. Mein Mann, der oft direkt in seinen Job startet, kommt generell von ganz alleine recht schnell in seiner Jobroutine an und braucht mich dafür nicht. Aber mit Kindern ist das natürlich etwas anderes, die brauchen viel Geborgenheit und Vertrautheit am Anfang und das bekommen sie erst einmal hauptsächlich in der Familie, denn alles andere um sie herum ist neu und unbekannt. Aber auch Kinder haben diesen Entdeckerdrang, so wie ich, man muss sie nur an die Hand nehmen und ein bisschen führen und begleiten.
Aber neben der Gefühlswelt der Kinder muss natürlich auch das Alltägliche wieder in eine Routine gebracht werden. Angenommen die Kinder kommen in eine neue Schule oder einen neuen Kindergarten, muss der Schulweg gesichert werden. Fährt ein Bus? Gibt es eine Kantine in der Schule? Gibt es Regeln, was in die Pausenbrotbox darf oder nicht? Einkaufslisten für Schulsachen abarbeiten, in einem Land, in dem man erst einmal herausfinden muss, wo man am geschicktesten Schreibwaren oder ähnliches kauft. Darf oder muss mit Füller geschrieben werden oder was ist an der neuen Schule üblich und von den Lehrern gewünscht? Eventuell muss eine Schuluniformen gekauft werden. Und so weiter und so weiter.
Damit aber nicht genug, wo können wir am besten Einkaufen? Wo gibt es eine Reinigung? Wo finden wir gute, nahgelegene Ärzte? Wo kaufe ich eventuell Elektrogeräte? Ein Telefon- und/oder Internetanschluss muss beantragt, Mobilfunkverträge müssen abgeschlossen werden, oft verbunden mit sehr viel Papierkram.
Als wir nach USA gezogen sind, hatten wir alle Elektrogeräte in Deutschland verkauft oder verschenkt, somit musste ich vom Toaster, über Fön und Staubsauger usw. alles neu erstehen. Die Ankunft des Containers muss vorbereitet werden, ja nach Lage, eine Genehmigung des Wohngebietes eingeholte werden oder überhaupt erstmal eine Unterkunft, sprich ein Haus gefunden werden. Bei unseren vorherigen Umzügen hatten wir immer einen sogenannten Lock and See Trip. In Milwaukee, Wisconsin haben wir glücklicherweise bei dieser Reise bereits eine Wohnung finden und anmieten können. In Südafrika waren wir anfangs in einem Bed & Breakfast untergebracht. Ich habe mich dann daran gemacht, zusammen mit einer sehr netten, kompetenten Maklerin für uns ein Haus zu finden. Nachdem dieses gefunden war, geht dann eben die Organisation von Internet, Ankunft des Containers usw. los. Beim Umzug nach Dubai waren ganz neue Gegebenheiten, denn aufgrund von Covid19 hatten wir nicht die Möglichkeit, einen Look and See Trip zu machen und sind somit komplett ins ungewisse Unbekannte gezogen. Dank moderner Medien hatten wir hier das Glück über den ein oder anderen alten Kontakt über Facebook hilfreiche Infos einzuholen. Die Firma hat uns für die ersten drei Monate in ein möbliertes Appartement eingebucht, denn unser Container mit allem Hab und Gut war noch in Deutschland eingelagert. Wenn man in ein möbliertes Appartement zieht und mit vier Koffern anreist, sind die Küchenschränke leer. Keine Gewürze, keine Butter, kein Käse, kein Essig oder Öl, keine Nudeln, kein Obst, keine Getränke, keine Milch, kein Kakao, kein Tee, kein Kaffee. Das allererste am nächsten Tag also: Einkaufen – Grocery Shopping. Und ich kann nur sagen, dass bei einem Grundeinkauf eine Menge zusammenkommt. Was wir leider auch recht schnell festgestellt und vollkommen vergessen hatten war, für die Kinder ihre Getränkeflaschen und Brotdosen mitzunehmen. Also mussten wir für jeden zwei isolierte Flaschen neu erstehen, obwohl wir im Container eine ausreichende Menge der wahren Nobelversion an isolierten Getränkeflaschen hatten. Aber leider in Deutschland… (Seit Ankunft des Containers stehen nun vier qualitativ weniger hochwertige Flaschen sinnlos im Schrank herum.)
Nach der Schuleingewöhnungsphase mit Distance Learning in den ersten beiden Wochen, konnte ich mich anschließend langsam auf die Haussuche begeben, natürlich nur während die Kinder in der Schule waren. Viele Taxifahrten, viele Makler, viel Recherche und viele Häuser später, konnten wir unser Wunsch-Haus dann erst anmieten, nachdem endlich das Visum meines Mannes im Pass war. Nun musste die Ankunft des Containers vorbereitet werden, denn eventuell braucht man eine Genehmigung für die Anfahrt zum Haus und es muss geklärt werden, wo dieses riesen Ungetüm für den Dauer des Entleerens stehen kann.
Irgendwann ist er dann plötzlich da, der GROSSE TAG, an dem der Container angeliefert wird. Ein Tag wie Weihnachten, Geburtstag und Ostern zusammen. Mann auf der Arbeit, Kinder im Schulalltag mit Hausaufgaben und ich mit den Packern und dem 40´High Cube Container zwei Tage im Auspack-Wahn. Die Packer verräumen in einem irrwitzigen Tempo nach meinen Anweisungen die Kisten in die vorab mit Namen beschrifteten Zimmer, packen alles aus und füllen nach keinem Konzept vorab aufgebaute Regale oder Schränke mit dem Inhalt der Kisten.
Und wenn nach zwei Tagen, alle Möbel aufgebaut und an ihrem vorgesehenen Platz stehen, alle Kisten ausgepackt sind, aber der Inhalt nicht am vorgesehenen Platz steht, wenn unendliches Packmaterial aus Haus und Hof entsorgt wurde, heißt das noch lange nicht, dass man eingezogen ist. Denn über die nächsten Tage heißt es für mich jedes Regal, jeden Schrank wieder systematisch auszuräumen und die Dinge irgendwie an die für sie vorgesehenen Plätze zu schaffen. Das kann schon mal weitere ein, zwei Wochen dauern. Eventuell müssen noch Lampen oder Gardinen aufgehangen werden. Und auch immer ein Klassiker, Adapterstecker in großen Mengen einkaufen.
Eine sehr nervige Aufgabe ist auch das Organisieren der Kleiderschränke. Ich denke, außer in Deutschland, gibt es in fast allen Ländern eingebaute Kleiderschränke in den Häusern und Wohnungen, zumindest war das bei uns in USA, Südafrika und auch jetzt in Dubai so. Was natürlich nicht bedeutet, dass diese Schränke auch immer größentechnisch auf unsere mitgebrachte Menge an Kleidungsstücken abgestimmt sind. Schrecklich, kann ich dazu nur sagen. Vor unserer Schlafzimmertür gibt es einen schmalen Wandschrank, in dem der Sicherungskasten versteckt ist. Ich habe momentan ein altes Bücherregal der Kinder in diesem Wandschrank versteckt, um ein wenig Raum für meine T-Shirts, Schuhe und Shorts zu schaffen. Das Kleiderschrank Volumen in diesem gemieteten Haus entspricht ganz klar nicht, unseren vorher immer hochgeschätzten und geliebten begehbaren Kleiderschränken. Aber gut, wer weiß, wie lange wir noch im Haus sind, denn momentan stecke ich mitten in einer erneuten Haussuche. Wir wollen kaufen.
Nebenbei erwähnt kann ich die Besichtigungstermine weiterhin nur an den Tagen planen, an denen die Kinder nicht im Distance Learning sind, was glücklicherweise nur etwa einmal in 1-2 Wochen ist, aber wiederum leider immer erst am letzten Wochenendtag für die kommende Woche um die Mittagszeit verkündet wird.
Ich mache die Steuererklärungen für Deutschland und Südafrika. Ich kümmere mich um die wöchentlichen Einkäufe, wieder ein Morgen pro Woche weg. Ich bin immer auf Abruf für die Kinder zu Hause, sollte mal die Schule auf Distance Learning umstellen müssen, so wie im Januar für fast einen Monat. Kümmere mich um Zahlungen fälliger Rechnungen und mache die Ablage. Bin immer noch dabei sicherzustellen, dass alle Adressänderungen korrekt ausgeführt wurden. Ich mache die Wäsche für vier Personen, sortiere all die Socken und Unterwäsche, überziehe Betten und sammle herumliegende Kleidungsstücke überall verstreut im Haus auf (machen das andere Mütter auch?). Ich bring die Kinder zum Schwimmunterricht, zur Tennisstunde oder zu sonstigen Aktivitäten. Mache die Elterngespräche der Schule und betreue die Hausaufgaben und das Lernen. Ich koche manchmal zweimal am Tag für alle, mache täglich alle Pausenbrote und Getränke für die Kinder, packe meinem Mann Obstboxen und mache täglich einen Salat für ihn.
Eine sehr große Herzensaufgabe ist es natürlich auch, all unsere Familienurlaube zu planen. Wir lieben Roadtrips und da geht das Herz einer Reiseverkehrskauffrau natürlich richtig auf. Da kann ich mich richtig austoben. Zudem ist schon wieder die Besuchersaison eröffnet, heißt ich koordiniere nebenbei noch die Planungen und Organisationen hierfür.
Und eines sei erwähnt: Ich mache all das gerne. Jegliche Tätigkeit, die sich mit Hören von Podcast oder ebooks kombinieren lässt – versüße ich mir.
Aber ganz wichtig für mich und mal nur an mich gedacht: In einem neuen Land brauche ich immer ein NEUES größeres Projekt. Dieses Mal und eben für die Zukunft mein Blog EntdeckerGlück. Und dafür schaffe ich es meistens, mir in all dem Chaos der Arbeiten einen Gedankenfreiraum zu schaffen, um mich im Idealfall eine Stunde an den Wochentagen diesem Herzenswunsch zu widmen. Das verschafft mir pure Freude und gibt mir geistiges Futter.
Und noch angemerkt, auch wenn es vielleicht bei Instagram anders aussehen mag, ich gönne mir maximal einmal in der Woche einen Kaffeemorgen mit einer Freundin, ich habe sonst einfach keine Zeit dazu.
Aber ich kann euch garantieren, in den Ferien, wenn wir unterwegs sind, dann will ich entdecken! Und zu meinem großen Glück habe ich eine ganz tolle EntdeckerFamilie.
„Und was machst Du da so? – Ich hätte noch unzählige Ideen in meinem Kopf, was ich noch alles machen könnte, aber mir fehlen da irgendwie die Stunden am Tag, die Tage in der Woche und die Wochen im Jahr.
Aus aktuellem Anlass, etwas zum Thema ankommen, einleben und Haare schneiden.
Eine für mich etwas nervenaufreibende Aufgabe in einer neuen Stadt, in einem neuen Land ist natürlich immer auch das Thema Friseur finden… Für einige unter uns heikler als für andere, für mich ganz klar immer eine Mission, denn ich weiß sehr genau, was ich will und ich habe einiges durch.
Fangen mir mal mit Dubai. Heute bin ich fündig geworden. Auf Empfehlung einer Freundin, habe ich meine „Friseur-Buddy-in“ für die nächsten Jahre gefunden und das nach neun Monaten und zwei Fehlschlägen. Keine schlechte Quote.
Ich habe eine Kurzhaarfrisur, die natürlich einen regelmäßigen Schnitt braucht und der soll sitzen, genauso wie ich es mir vorgestellt habe. Mein letzter Versuch liegt sage und schreibe fünf Monate zurück. Das ist der pure Horror für eine Kurzhaarfrisur und natürlich habe ich mit meiner Effilierschere in dieser Zeit bereits öfter selber Hand angelegt und somit leider immer wieder meinen erneuten Friseur-Finde-Versuch gezwungenermaßen weiter hinausgezögert. Denn mal ehrlich, wenn ich selber kreuz und quer ausdünne und kürze, was mich besonders nervt, macht das die Sache nicht besser. Und bedeutet zudem, dass zwar kurzfristig Abhilfe geschaffen habe, aber ich anschließend gewisse Stellen erst wieder nachzüchten muss, bevor ich mich wieder in professionelle Hände begeben mag, ohne mich zu sehr zu blamieren.
Angefangen hat es in der Zeit, in unserem möblierten Appartement in Jumeirah Lakes Towers. Hier war meine Idee, einfach um die Towers zu schlendern und an irgendeiner Ecke einen entsprechenden ansprechenden Friseur zu finden. Man findet an JEDER Ecke hier in Dubai unzählige Gents Salons oder Barber Shops, die wachsen, wie Pilze überall aus dem Boden. Fast eine Plage im Auge der Frau, die einfach nur einen Friseursalon für Damen sucht. Denn einen Friseur, einen Hair Salon, für die Ladies weit gefehlt, da sucht man laaaange. In den riesen Mall gibt es diese natürlich, aber ich wollte das kleine Lädchen um die Ecke unterstützen. Und in der verstecktesten hintersten Ecke habe ich den Salon mit dem blumigen Namen, so etwas wie Rose, Tulip oder Gerbera gefunden. Dieser sollte es sein. Ich bekam sofort für den nächsten Tag einen Termin, das hätte mich schon stutzig machen sollen. Der erste Besuch war dann aber überraschend positiver als gedacht. Einzigartig und von mir nie vorher irgendwo gesehen oder erlebt war der Bereich zum Haarewaschen. So bequem, habe ich das noch nie erlebt. Kein Kopfverrenken mit steifem Nacken. Ich lag absolut entspannt auf dem Rücken auf einer angenehm weichen Unterlage. Ein rechteckiger Block winkelte ab meinem Po meine Beine an. Es war göttlich und mein Highlight. Die nette Dame aus Kathmandu verstand anhand meiner vorbereiteten Fotos, was ich wollte und tatsächlich der Schnitt und auch der Preis passte.
Zwei Monate später, machte ich erneut einen Termin im selben blumigen Salon und ich brauchte zusätzlich zu einem Haarschnitt blonde Strähnchen. Ganz leicht, wie von der Sonne ausgebleicht, auch hier hatte ich das passende Foto parat. Stutzig wurde ich, als sie mir erklärte, sie färbe nun erst meine Haare dunkler und anschließend kämen die Strähnchen. Ich lehnte vehement hab. Also sofort Strähnchen in meine Straßenköter blonden, langweiligen Haare. Ich bekomme sonst immer Kammsträhnen, aber die Kathmanduaerin hat andere Pläne und möchte mit Folie starten. Ich lehne erneut ab und bestehe auf Kammsträhnchen. Vielleicht war das dann schon der Fehler. Vollkommen unbeholfen fängt sie an, die komplette Längsbreite des Kammes durch mein Haar zu ziehen. Ich erstarre. Ich will ja keinen blonden Mob auf dem Kopf haben, sondern Strähnchen. Ich werde ungehalten und bitte um den Kamm. Ich zeige ihr, wie ich mir das vorstelle. Dabei merke ich nicht, wie mir ein dickes Stück Bleiche auf meine Hose fällt, denn den Umhang hat sie mir unverständlicherweise nach dem Haarewaschen abgenommen. Sie versucht es noch einmal. Ich muss es ihr noch ein zweites Mal zeigen, bevor es einigermaßen klappt. Ewig ist die Bleiche auf meinem Kopf. Aber anstatt meiner Haare, wird hier erheblich meine Stimmung gebleicht, die Welt um mich herum wird triste grau, ich bin frustriert. Es entwickelt sich ein großer gebleichter Fleck auf meiner Hose.
Irgendwann entscheidet sie, es ist blond genug. Mir ist mittlerweile alles egal. Sie wäscht die Bleiche aus, nur um direkt im Anschluss mich mit einer Effilierschere in ein gerupftes Huhn in Straßenköterblond zu verwandeln (denn von den Strähnchen ist rein gar nichts sichtbar). Ich bin kein gelernter Friseur, aber dass man zuerst einmal einen Schnitt mit der normalen Schere reinbringen muss, bevor man anschließend ausdünnt oder die Spitzen noch ausfranst, dass ist selbst mir klar, ohne Ausbildung.
Ich verlasse den verwelken Salon mit blumigem Namen und weiß, dass ich ihn nie wieder betreten werde. Es hat sich eigentlich so viel Wut in mir angestaut, dass ich mich direkt per Wutablass in unser Appartement im 22. Stock katapultieren könnte, aber wer hatte dann mein Fieber messen sollen (Covid Maßnahme beim Betreten des Hotels)? Das war im November, kurz vor unserem Umzug in unser Haus. Und erst heute am 17. Mai 2021, was ein ehrwürdiger Tag, habe ich meine Friseurin für Dubai gefunden.
Zum diesem Thema möchte ich noch eine Geschichte aus USA ergänzen. Mein erster Friseurbesuch dort. Wir wohnten in einem hippen Viertel in Milwaukee, dem Third Ward. Super trendy, tolle Läden, Cafés, Bars und Restaurants. Und auch ein toller stylischer Friseursalon. Heidi, mein Glücksgriff hier. Im Nachhinein sage ich Glücksgriff, der erste Besuch eher belustigend…
Ich trug zu dieser Zeit Brille, 10 Dioptrien, kurzsichtig, was bedeutet, Brille ab – blind. Wir waren noch relativ neu in USA, meinem ersten englischsprachigen Wohngebiet. Alles saugt man auf, was man an englischen Wörtern irgendwo entdecken kann, denn es gibt noch so viel zu lernen. Im Appartement habe ich mir schon vorab ein paar Vokabeln, wie Pony, fransig usw rausgesucht.
Auf dem Weg zu Fuß zu Heidi laufe ich an einer Reihe Parkplätze vorbei. Auf einem Schild steht: Angle Parking only. Die Parkplätze sind alle schräg zur Straße angeordnet. Cool, denke ich, ein neues Wort. Ich komme zu Heidi, wir verstehen uns super, besprechen mit Händen und Füßen meine Frisur-Wünsche. Mein Wunsch ein schräg geschnittenes, sehr stark ausgefranstes Pony. Irgendwie läuft da schon was schief. Sie wirft Vokabeln um sich, die ich noch nie gehört habe, dann plötzlich schnappe ich Angel Cut Frindge auf. Leider assoziiere ich diese „Vokabel“ nun mit dem vorher gelernten Angle Parking only und denke, ja super, die Autos mussten schräg parken, also wird Heidi mein Pony schräg schneiden, so wie ich es will. Dann ziehe ich die Brille ab. Blindflug.
Heidi ist froh mit der Schere auf meinem Kopfe zu Gange und auch das Gespräch ist in vollem, frohem Gange. Als ob ich schon immer hier in Milwaukee bei Heidi beim Friseur hocke und es das normalste ist von der Welt. Herrlich. Stolz verkündet sie, ich solle die Brille wieder aufziehen, sie sei fertig. Nachdem ich meinen Blindflug beendet habe, überkommt mich ein kurzes Schockgefühl, dann die Dankbarkeit, dass ich nicht morgen in einem Reisebüro irgendwelchen Kunden gegenübersitzen muss, sondern mich einfach ein paar Tage im Appartement verkriechen kann. Mein wie mit dem Lineal gezogen gerades Pony etwa 1,5 cm über meinen Augenbrauen ist eine tolle Frisur für einen Clowns, oder sonst wen, wirklich witzig, aber nicht für mich. Nach dem ersten Schock, muss ich nur noch lachen. Heidi ist es mega peinlich. Ich komme noch einmal auf mein Angle Parking only zurück, wir gehen zusammen zu dem Schild und klar, dieses Wort wird vollkommen anders ausgesprochen als Angel Cut Frindge.
Wieder was gelernt. Und ich kann nur sagen, auch das ist EntdeckerGlück.
Herrlich, diese kleinen Erlebnisse, die einem beim Friseur in Deutschland nie passieren würden.
Alle Eltern unter uns haben es live miterlebt: Den Umbruch des deutschen Schulsystems in Corona Zeiten. Plötzlich waren die Schulen geschlossen und die Kinder zu Hause, meist in der Obhut der Mutter. Zum Glück war bei uns die Situation so, dass ich in der Regel nur zwei Vormittage arbeitete. Aber was war schon die Regel in dieser Corona-Anfangszeit? Da auch mein Job bei der Volkshochschule, die ja ebenfalls geschlossen wurde, nur sehr beschränkt meine Anwesenheit erforderte, war unsere Situation zu Hause doch sehr entspannt. Aber natürlich war die Umstellung erstmal für alle anstrengend. Klar, für die Kinder auch irgendwie aufregend, dass sie nun nicht mehr in die Schule mussten, sondern zu Hause sein konnten.
Unsere Zwillinge in zwei unterschiedlichen 4. Klassen hatten auch komplett unterschiedliche Lernsysteme. Die noch sehr junge, aufgeschlossene Lehrerin unseres Sohnes machte einen hervorragenden Job. Immer am Vorabend kam der Tagesplan für den nächsten Schulmorgen. Komplett durchstrukturiert, mit allen .pdf-Dateien der Reihe nach sortiert. Mit eingebauten Bewegungspausen, in denen die Schüler auf einen Link mit einem Tanzvideo klicken konnten. Innerhalb weniger Tage war die Lehrerin soweit, dass sie zu allen neuen Themen kleine Erklärvideos erstellt hatte (die wir zum Glück dann auch für die Tochter nutzen konnten).
Die Lehrerin unserer Tochter hingegen arbeitete sich nur langsam in ein funktionierendes System ein. Oft kamen die Aufgaben erst kurz vor Schulstart, mit durcheinandergewürfelten .pdf Dateien. Alles etwas chaotischer. Aber mal ehrlich, die Situation war für alle neu und jeder musste in dem plötzlich entstandenen Chaos erstmal seinen Weg finden.
Für den Schulwechsel in das neue Schulsystem der Deutschen Internationalen Schule in Dubai war bereits bei Anmeldung klar, wir mussten unseren Kindern eigene Schul-iPads kaufen. Diese bekamen die Kinder leider erst in der zweiten Schulwoche ausgehändigt.
Was uns anfänglich in eine etwas komplizierte Situation brachte. Wir hatten ein privates iPad und ich hatte meinen Laptop. Auf diesen beiden Geräten richteten wir den Kindern, nach Anweisung der IT- Abteilung der Schule, die benötigten Systeme ein: Zoom und Showbie. In Showbie gab es für jedes Unterrichtsfach einen eigenen Ordner, in dem die Aufgaben hinterlegt wurden.
Zum 1. September 2020 wurde im Wechselunterricht gestartet. Eine Woche zu Hause online und dienächsteWoche Präsenzunterricht an der Schule. Unsere Kinder starteten mit einer Woche zu Hause. Zu Hause hieß in diesem Fall im Hotel-Appartement. Was bedeutete, wir mussten erstmal losziehen und einen Drucker kaufen. Denn unser Drucker lagerte noch im Umzugscontainer auf irgendeinem Grundstück in Bayern. Dann war da das Platzproblem. Unsere Tochter bezog mit dem iPad das Elternschlafzimmer mit einem kleinen Schreibtisch, wo wir auch den Drucker platzierten. Unser Sohn saß am Esstisch und arbeitete dort mit meinem Laptop. Und ich… Ich hatte viel Zeit für nichts. Denn in der Küche gab es keinen Internetempfang. Wenn ich mich im Wohn- und Essbereich arbeitete, war mein Sohn permanent von meiner Anwesenheit abgelenkt. Somit las ich viel und nutze das Fitnessstudio des Hotels.
Absolut positiv: Der Unterricht lief komplett nach Stundenplan über Zoom ab. Alle Klassenzimmer mit Kameras ausgestattet, die Lehrer mit Mikrofon. Wir konnten es überhaupt nicht glauben. Wegen Covid-19 lief alles ohne Austausch von Papier ab. Die Kinder erledigten die Aufgaben entweder direkt mit ihrem iPad Stift am iPad und speicherten diese direkt für die Lehrer/in im Showbie Ordner oder machten ein Foto von Aufgaben im Heft, die dann ebenfalls direkt in Showbie in den entsprechenden Ordner hochgeladen wurden. Innerhalb kürzester Zeit waren die Kinder in all den Abläufen super fit und eigenständig unterwegs. Über die Kameraeinblendungen lernten sie ihre neuen Mitschüler in der ersten Woche ein wenig kennen und gingen damit viel besser vorbereitete in der zweiten Woche mit großer Vorfreude in die Schule.
Der Schulbus, der nicht gerade wenig Geld kostet, holte die Kinder direkt vor dem Eingang des Hotels ab. Der Schulbus dünn bestückt, jedes Kind einen Doppelsitz für sich alleine. Jeden Morgen vor betreten des Busses wird erst die Körpertemperatur gemessen. Abfahrt im Hotel war bereits um 6:35 Uhr, mittlerweile nach Umzug in ein Haus ist Abfahrt um 7 Uhr. Unterrichtsbeginn 7:50 Uhr. Die Schule endet täglich um 14 Uhr und die Kinder sind eine Stunde später dann wieder zu Hause.
Im Präsenzunterricht verließen die Kinder morgens mit Maske das Haus und konnten diese nur zum Essen oder Trinken abziehen. Zu Beginn konnte der zugewiesene Sitzplatz im Klassenraum den ganzen Tag nicht verlassen werden, Ausnahme natürlich der Gang zur Toilette oder die Mittagspause in der Mensa, wenn man vorab ein gekochtes Mittagessen vorbestellt hatte, war wir täglich machten. Die Kinder sollten auch mal kurz aus dem Klassenzimmer rauskommen und ihr neues Schulgebäude besser kennenlernen. Ansonsten IMMER UND ÜBERALL Maskenpflicht.
Schon nach wenigen Wochen konnte der Wechselunterricht erneut umgestellt werden. Statt dem wochenweisen Wechsel wurde ein Rotationsplan eingeführt. Somit hatten und haben die Kinder zwischen 2-6 Distance-Learning Tage im Monat, je nach Lage, denn mal waren weniger in Quarantäne, mal mehr.
Nachdem auch die Außen-Temperaturen so gegen November langsam erträglicher wurden, durften die Kinder sogar in einer Pause am Tag an die frische Luft auf zugewiesene Abschnitte auf dem Pausenhof. Auch hier gab und gibt es einen Rotationsplan, so dass jede Klasse auch irgendwann mal auf den Abschnitt mit dem Klettergerüst darf.
Rundum super organisiert. Im Vergleich zu den Anfängen des Homeschooling in Bayern/Deutschland – einfach kein Vergleich.
Durch das absolute toll durchdachte System ist ein fast reibungsloser Schulablauf möglich.
Nur einmal wurde im Januar 2021 wegen zu vieler Corona-Fälle die Schule für fast vier Wochen noch einmal auf komplettes Distance Learning umgestellt. Was für uns gerade recht kam, denn auch uns hatte genau in dieser Zeit Corona erwischt…