Segeln in der Karibik –

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Winward Islands.

Damals 1996.

Martinique, St. Lucia, Bequia, Mustique, Tobago Cays, Union Island, St. Vincent, St. Lucia, Martinique

14 Tage, den ganzen Tag an Bord liegen, sonnen, lesen und „the Carribean Way of Life“ genießen…

Den Seesack, weil ein Koffer zu groß für das Segelschiff ist, voller Bücher starten wir im verschneiten München, im November 1996… Über Paris geht es nach Martinique, Fort-de-France Airport, etwa 13 Stunden Reisedauer. Martinique 28 Grad im Schatten und kein Wölkchen am Himmel, purer Sonnenschein und im Hafen erwartet uns unser „Ferienwohnung mit Selbstverpflegung“ für die nächsten zwei Wochen.

Wir sind alle gespannt und müssen uns aber gleich mit dem Caribbean Way of Life vertraut machen. Das Schiff ist noch nicht ganz fertig… Wir lassen die Handwerker ihre Arbeit tun und ziehen erstmal los zum Supermarkt. Wir haben ja schließlich Selbstverpflegung gebucht.

Nach einer ausführlichen Einführung in unsere schwimmende Wohnung, verbringen die erste Nacht in einem sicheren Hafen an einem Steg auf unserem Boot. Doch alles ziemlich eng hier und Privatsphäre ist für die nächsten zwei Wochen abgeschrieben. Und diese Geräusche, die einen die ganze Nacht wachhalten. Es quietscht und knarrt ohne Pause. Alles ungewohnt und zu Beginn auch etwas unheimlich…

Dank der Zeitverschiebung (und der Aufregung) sind wir all am nächsten Morgen um sechs Uhr wach und können nach dem Frühstück und dem Tanken gleich in See stechen. Erst einmal fahren wir unter Motor aus dem Hafen, ein ganz schönes Geschaukel. Wir sind nur zwei Frauen an Bord. Meiner Freundin wird leider schon sehr bald, sehr übel.

Es dauert eine ganze Weile, bis unser Skipper bereit und mutig genug ist, die Segel zu setzen. Dann aber wird das Schiff viel ruhiger und die Übelkeit schwindet langsam wieder.

Mir war vorher nicht bewusst, welche Seitenlage so ein Schiff hat. Aber ich bekomme immer wieder bestätigt und erklärt, dass das Schiff wegen dem langen Rumpf nicht umkippen kann. Es dauert Tage, bis ich mich daran gewöhnt habe und ohne Angst an Bord sitzen kann. Mir wird auch sehr schnell klar, dass ich eine vollkommen falsche Vorstellung von der ganzen Geschichte hatte. Auf Deck liegen und ein Buch lesen, kommt überhaupt nicht in Frage, bei der Schräglage. Wir sitzen alle wie die Hühner auf der Stange auf der vom Wasser abgewandten Seite, lassen die Füße baumeln und genießen die Landschaft der vorbeiziehenden Inseln oder den weiten Horizont-Blick auf der anderen Seite – je nachdem, von wo der Wind kommt.

Martinique sehen wir erstmal nur vom Wasser aus. Wir lassen es an uns vorbeiziehen. Nach Stunden erreichen wir St. Lucia. Unser erster Anlaufhafen ist die Rodney Bay. Wir finden gleich einen freien Platz am Steg und parken ein. Jeder muss helfen. Die Fender müssen raus, damit das Boot nicht an den Steg donnert und Kratzer bekommt. Wir müssen unser Schiff festmachen und die Taue vom Segeln wieder ordentlich aufrollen. Nach einem ganzen Tag auf See, sind wir alle ziemlich fertig und hungrig. Erstmal suchen wir die Marina auf, wo wir Duschen und Toiletten finden. Heute wird nicht an Bord gekocht, sondern wir steuern eine karibische Pizzeria am Hafen an. Der Ort ist nicht groß, deshalb gib es nicht viele Auswahlmöglichkeiten. Nach dem Essen und noch einer Runde „Piton“, dem lokalen Bier, fallen wir alle ganz kaputt in unsere Kajüten und träumen von den karibischen weißen Stränden, die wir ja hoffentlich die nächsten Tage noch sehen werden. Der erste Tag auf See hat doch sehr geschlaucht. Für mich die ständige Aufregung über das Ungewohnte und Unbekannte, all die neuen Handgriffe und Begriffe, die es zu erlernen und zu verstehen gab.

Am nächsten Morgen sind wieder alle früh wach und so können wir auch wieder früh starten. Wahrscheinlich Stunden bevor die anderen ablegen werden. Sonst rührt sich nämlich auf keinen anderen Boot etwas. Heute ist die Etappe nicht ganz so lang. Wir wollen eine zweite Bucht auf St. Lucia anlaufen, die Bucht „Anse les Pitons“ – die Wahrzeichen St. Lucias.

Dort angekommen machen wir wieder eine neue Segelerfahrung. Wir müssen ankern. Leider merken wir erst jetzt, dass der Anker viel zu klein und damit viel zu leicht für unser wirklich großes Boot ist. Also dauert es viel länger, als erwartet, dass Boot zu festigen und zu sichern. Der beste Schnorchler von uns muss gar noch nach dem Anker tauchen und sicherstellen, dass er festsitzt. Danach können wir mit einem guten Gefühl von Bord gehen.

Egal in welche Bucht wir kommen, es sind immer schon viele Einheimische, die auf uns warten, zur Stelle. Sie bieten Obst, Eis, T-Shirts oder Wasser zum Verkauf an. Heute sind wir froh und nehmen das Angebot von einem Herrn an, der uns einen Ausflug anbietet. Wahrscheinlich hat uns das herzerwärmende Lachen seines vielleicht siebenjährigen Sohnes überzeugt. Wir wollen nach Sourfirer und die Sulphur Springs besuchen. Zur vereinbarten Zeit werden wir an unserem Segelschiff abgeholt und fahren mit einem kleinen, bunt angestrichenen Boot Richtung Soufriere, dem zweitgrößten Ort der Insel. Dort können wir in aller Ruhe noch ein wenig durch die Gassen mit grell bunten Häusern schlendern, immer begleitet von unserem sieben-jährigen Reisebegleiter. Die Farbenpracht ist einfach überwältigend schön. Im Hafen werden wir wieder von dem Vater erwartet. Er hat einen Kleinbus organisiert, mit dem es jetzt zu den Schwelquellen geht. Wilde Fahrt. Durch satt-grüne saftige Wälder geht die Fahrt ins Inselinnere. Vor Ort erwarten uns schon Einheimische auf und unter Wellblechgestellen liegend, spärlich bekleidet mit rot unterlaufenen Augen. Wir bekommen wieder Früchte der Insel angeboten, deren Geschmack unsere Zungen verzückt.

Mit den Fingern müssen wir aus einer halbierten Frucht schleimige, leicht rosa farbene, etwa Walnuss-große Kerne fischen und diese nur lutschen nicht zerbeißen. Schleimige Fäden berühren den Gaumen, aber ein süßer Geschmack macht sich breit. Köstlich. Natürlich müssen wir, weil ja abgeraten wurde, doch einmal draufbeißen. Eine unangenehme, trockene lila farbene Masse kommt zum Vorschein. Später erfahren wir, dass es sich um Kakaobohnen handelte.

Außerdem trinken wir unsere erste frisch aufgeschlagene Kokosnuss. Auch etwas Besonderes, aber ein nicht so intensives Geschmackserlebnis, wie das Lutschen des Kakao-Bonbons zuvor.

Der strenge Geruch von verfaulten Eiern empfängt uns schon von Weitem. Durch dichtes Buschwerk führt uns ein schmaler Pfad ans Schwefelfeld heran. Das Betreten ist allerdings verboten, da es früher den ein oder anderen Einbruch gab. Trotzdem lohnt sich der Besuch und wir sind glücklich, die Insel auch im Innern, erkundet zu haben, zu Fuß. Ziemlich durchgeschwitzt kommen wir nach der kleinen Wanderung wieder zurück zum Auto. Die Fahrt zurück führt uns an einem sehr ärmlichen Haus vorbei, einem Altenheim, laut Guide. Und dann sehen wir ihn, unseren ersten karibischen einsamen Sandstrand gesäumt von großen Palmen. Aber nicht diesen weißen, mit türkisfarbenem Wasser, wie ich es erwartet hatte, denn St. Lucia ist vulkanischen Ursprungs und somit die Strände eher etwas dunkelbraun.

Mit dem kleinen Boot werden wir zurück in unsere schwimmende Ferienwohnung gefahren. Von all den Eindrücken und Unternehmungen hungrig, testen wir heute den Gasherd in der Bordküche. Einfache Nudeln mit Tomatensoße lassen wir uns im „Salon“ auf dick gepolsterten Bänken schmecken und fallen wieder früh in unsere Betten.

Wie immer: alle wieder früh startklar am nächsten Morgen. Wir haben heute eine sehr weite Strecke vor uns.

Wir wollen nämlich an St. Vincent vorbeisegeln. Im Segelreiseführer haben wir gelesen, dass es dort eher gefährlich sein soll. Es handelt sich um eine sehr arme Insel und somit ist leider auch die Kriminalität weit verbreitet.  Das ist uns noch nicht ganz geheuer, also nehmen wir die lange Strecke auf uns. 10 Stunden sind wir schlussendlich heute dann am Segeln. Viel Hühnerstangen-Sitzen, jeder darf mal ans Steuer, die Zeit geht schon rum… St. Vincent sieht vom Wasser aus wunderschön aus und vielleicht fahren wir ja auf dem Rückweg doch noch vorbei und machen einen Stopp. Die Insel erscheint uns noch grüner als St. Lucia.

Unser Ziel heißt aber Port Elisabeth auf Bequia. Bequia ist die größte Insel der Grenadinen. Dort soll es einen deutschen Bäcker geben, der Vollkornbrot verkauft. Von der Insel sind wir alle gleich begeistert. Es gibt eine bunte, zugewachsene kleine Polizeistation, gegenüber eine kleine Markthalle in der alle Sorten von Früchten und Gemüse angeboten werden. Viele Rasta Männer wittern ihr Geschäft und packen uns die Tüten voll. Viel zu voll. Bei vielen Früchten wissen wir später gar nicht, wie und was man davon essen kann. Probiert werden sie aber alle, nicht jede schmeckt allerdings. (Anmerkung: Damals im Jahre 1996 war es nicht üblich mit einem Smartphone jegliche Information direkt abrufbar zu haben, somit wissen wir bis heute weder, was wir damals gegessen haben noch ob wir das gegessen haben, was man essen sollte 😉). Auch das Vollkornbrot für viele East Carribean Dollar erstehen wir und genießen es beim nächsten Frühstück.
An dem Hafen, im dem unser Boot liegt (nicht am Steg, wir ankern wieder), gibt es noch eine kleine Badebucht, wo wir zum ersten Mal in diesem Urlaub im karibischen Meer baden gehen. Ein Genuss und eine super Erfrischung. Aber dieser weiße, feinsandige Karibikstrand, den ich vor meinem inneren Auge sehen, lässt auf sich warten. Ich gebe natürlich die Hoffnung nicht auf und genieße trotzdem jede Sekunde in vollen Zügen.

Wenn wir ankern, können wir unser Segelschiff nur mit dem Dinghy verlassen. Das Beiboot ist allerdings für uns alle zu klein und wir müssen immer zweimal fahren. Aber es ist immer eine riesen Gaudi mit vielen Wasserspritzern und nassen Hinterteilen. Auch Marinas mit Duschen und Toiletten für die Segler gibt es ab jetzt nicht mehr. Duschen müssen wir in der engen Nasszelle unter Deck oder unter freiem Himmel. Alle bevorzugen die Freiluftdusche. Charme kennen wir irgendwann auch keinen mehr. Während die einen den Abwasch erledigen, stehen andere Mitsegler am Heck des Schiffes und duschen. Wir gewöhnen uns schnell an die neuen Umstände. Bleibt uns auch nichts anderes übrig.

Nach dem Abwasch am nächsten Morgen starten wir zu einer kleinen Tour. Wir wollen noch eine weitere Bucht von Bequia besuchen: die Friendship Bay. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einem kleinen Eiland vorbei. Laut Seekarte heißt die Insel „Petit Nevis“. Diese Insel sieht unbewohnt aus. Nur eine kleine Holzhütte steht am Anlegesteg. Der Anlegesteg ist zu klein für uns und das Wasser zu niedrig. Wir wollen aber trotzdem auf die Insel. Also müssen wir wieder ankern. Gesagt getan. Und schneller als erwartet, können wir mit unserem Beiboot in Etappen auf die Insel übersetzten. Mit Segeln in der Karibik habe ich immer den Besuch von kleinen, unbewohnten Inseln verbunden: Einsamkeit, weites Meer, Palmen, weiße, weite Sandstrände… Jetzt haben wir endlich diese Einsamkeit. Glauben wir….

Am Steg angelegt, kommt ein nicht ganz karibisch aussehender Mann aus der Holzhütte. Er hat einen blassen Teint und lockige, kurze rote Haare. Viele Eimer stehen vor uns, gefüllt mit zappelten Fischen. Ein einsamer Fischer also. Aus einem Eimer schauen uns die Augen von kleinen Baby-Haien an. Diese sollen aber, laut Aussage des Fischers, nicht gefährlich sein oder werden. Wir vertrauen ihm, denn die Hälfte unserer Besatzung ist bereits weit draußen beim Schnorcheln.

Zwei Hunde begleiten uns treu bei unserem Gang über die Insel. Es gibt eine schöne weite Bucht von Palmen gesäumt. Malerisch, wie das Bild vor meinem inneren Auge. WOW. Wir erklimmen einen kleinen Berg und der Blick von hier oben, ist atemberaubend. Mein absolutes Highlight bis jetzt auf dieser Reise.  Wir sehen die umliegenden Inseln und sind wirklich ganz alleine. Die Insel ist so klein, dass wir schon nach kurzer Zeit alles erkundet haben. Die Schnorchler sind auch wieder an Land und begeistert von der Unterwasserwelt. Haie haben sie keine gesehen.
Dieser Strand ist der absolute Traum.

Zurück an Bord, erreichen wir nach kurzem Segeln unser Tagesziel: Friendship Bay auf Bequia. Wir sind das einzige Boot dort und haben den ganzen Strand für uns alleine, obwohl es noch eine Hotelanlage mit mehreren Bungalows gibt. Wir genießen den Rest des Tages am Strand und lassen den Tag an Bord ausklingen.

Am nächsten Tag traue ich meinen Augen kaum. Wir nähern uns der Insel Mustique. Noch nie zuvor habe ich solch strahlend türkisblaues, glitzerndes Wasser gesehen. Unter der Wasseroberfläche tummeln sich tausende von winzigen kleinen Fischen, die von der Sonne angestrahlt, wie Diamanten schimmern. Ein Traum! Das ist die Karibik, die ich mir vorgestellt hatte. Ich bin am Ziel.

Wir stehen an Deck und genießen einfach nur den Anblick. Der erste und letzte karibische Regen setzt ein.

Ganz egal, wir stehen an Deck und auch der Regen kann dieses Bild nicht trüben. So schnell wie er uns erwischt hat, so schnell zieht er auch wieder weiter.

Jetzt aber ab ins Dinghy und rüber an diesen herrlichen, einladenden Strand.

Die einen gehen sofort wieder schnorcheln und der Rest genießt den Sand unter den Füßen mit dem gigantischen Ausblick auf das weite Blau. Wir pflücken uns eine Kokosnuss von den Palmen und schlagen sie mit viel Mühe auf und genießen den erfrischenden Kokossaft. Mustique ist eine Insel, auf der wohl viele Prominente Urlaub machen und Häuser haben. Wir können sehr gut verstehen warum. Später ziehen wir über die Insel und sehen traumhafte Anwesen mit sehr viel Natur und atemberaubenden Ausblicken auf die umliegenden Buchten. Später in Deutschland erfahre ich, dass man diese Villen mieten kann, inkl. Maid, Köchin und Gärtner. Einen kleinen Flughafen finden wir auch. Ganz besonders faszinieren uns grell bunte, reich verziert „Lebkuchenhäuser“ in Strandnähe. Wohl eines der Wahrzeichen dieser Insel, deren Abbildungen in jedem Reiseprospekt zu finden sind. Abends sitzen wir in der Bar direkt am Strand mit Holzterrasse auf das Meer hinaus und genießen the Carribean Way of Life in „vollen Zügen…“

Da wir beiden Frauen es vorziehen, meist an Deck zu schlafen, ist das Erwachen wunderschön. Eine Steigerung hatte ich eigentlich schon nicht mehr erwartet. Aber ich wurde überrascht und bekam noch mehr geboten. Wir steuerten auf die Tobago Cays zu.

Kleine unbewohnte Eilande mit schneeweißen Stränden und hochgewachsenen Palmen liegen vor uns. Einfach faszinierend. Wir scheinen nicht die Einzigen zu sein, denn eine Vielzahl von Segelbooten liegt schon inmitten der kleinen Inselgruppe. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Wir müssen mal wieder Ankern. Gar nicht so einfach, weil auch noch eine ziemlich starke Strömung herrscht. Nach langer Zeit sind wir dann relativ sicher, dass nun nichts mehr passieren kann. Wir klettern alle in das Dinghy, nur unser Skipper bleibt an Bord. Was auch besser ist, wie sich später rausstellen wird.

Trotz der vielen Segelboote, sind wir die Einzigen auf der ersten Insel, die wir ansteuern. Wir liegen einfach nur im Sand und können gar nicht fassen, dass wir dieses Paradies erleben dürfen. Die einen ziehen gleich wieder mit Taucherbrille und Flossen los, um die Unterwasserwelt zu erkunden. Alle haben ihr Glück gefunden.

Genug von der einen Insel, rein ins Dinghy und zur nächsten. Diese ist natürlich auch nicht schlechter. Es gibt einen kleinen Berg auf den man durch ein wenig Dschungel klettern kann. Von oben hat man einen weiten Ausblick über die Inselgruppe. Wir treffen noch einen Kanadier, der schon seit Monaten durch die weiten des Meeres segelt und auch er Meinung ist, dass dieser Ort einer der schönsten ist, die er gesehen hat.

Ausgetobt kehren wir nach Stunden wieder zum Boot zurück. Wir sind alle der Meinung, dass es nicht mehr an derselben Stelle ist, wo wir es verlassen hatten. Panik bricht aus. Wir müssen neu ankern, damit wir für die Nacht sicher sind. Alle wieder an die Arbeit., der beste Schnorchler muss wieder zum Anker tauchen und versuchen, ihn so noch fester in den Sand zu stecken. Nach etwa einer Stunde Arbeit und Aufregung sind wir ziemlich sicher, dass nichts mehr passieren kann. Ich habe trotzdem ein mulmiges Gefühl. Auf der morgigen Etappe müssen wir nämlich ein großes Riff umsegeln, das jetzt genau in Stromrichtung vor uns liegt. Ich werde diese Nacht wohl ganz sicher wieder an Bord verbringen und mehr auf den Stand des Bootes achten, als schlafen. Zum Glück sind wir Frauen uns mal wieder einig und ich bin also nicht die Einzige, die sich unwohl fühlt.

Trotz allem verlassen wir abends alle gemeinsam das Boot, weil uns ein T-Shirt-, Bananen- und Eishändler unter anderem auch ein Lobster-Essen am Strand einer der Inseln angeboten hat und wir zugeschlagen haben. In einem Eimer können wir uns die Tiere noch aussuchen, die anschließend lebendig im Kochtopf landen sollen. Eigentlich ist mir jetzt schon der Appetit vergangen… Auf einem mit Palmenblättern gedeckten Tisch haben wir dann auf unseren Plastiktellern vom Boot die Spezialität ungewürzt und mit trockenem Brot verspeist. Im Hintergrund ein atemberaubender Sonnenuntergang. Ein Erlebnis, aber kein Muss.

Wie erwartet, mache ich die Nacht fast kein Auge zu, aber das Boot bleibt an der Stelle, wo wir es „geparkt“ haben.

Die nächste Etappe startet. Wir steuern langsam auf das Riff zu, denn unser Skipper ist der Meinung, dass wir vielleicht ganz langsam darüber hinweg fahren können und uns den Umweg drum herum sparen könnten. Ganz anderer Meinung ist unser Tiefenmesser, der schon nach den ersten Metern wie wild anfängt zu piepsen und auch schon keine Tiefe mehr anzeigt. Panik steigt auf. Alle diskutieren hektisch an Bord und wir verteilen uns um die Reling herum und versuchen, die Untiefen zu ergründen. Eine schreckliche Belastung und Anspannung. Zwei Einheimische in einem kleinen Motorboot kommen wild winkend und laut rufend auf uns zugerast. Wir sind uns alle einig, dass wir definitiv den längeren, aber sicheren Weg um das Riff herum nehmen werden. Es kostet uns noch einige Nerven und Diskussionen unser Boot wieder sicher aus der Gefahr zu manövrieren. Alle etwas zweifelnd an unserem Skipper (ein Freund von uns, den wir aus Deutschland mitgebracht haben) und dem auserwählten Kartenleser, beschließen wir, bei der nächsten Insel zwei Nächte zu verbringen. Nach dieser Aufregung könnte mir nichts lieber sein. Beim nächsten Ankern in der schönen ruhigen Bucht von Union Island, verletzt sich noch einer unserer Truppe, so dass wir zum ersten Mal den Verbandkasten auspacken müssen. Zum Glück ist jetzt erstmal Segelpause.

Wir springen von Deck in das kühlende Nass und beruhigen unsere Nerven. Heute machen wir nichts mehr. Selbst das Beiboot bleibt stehen. Wir lassen uns ein Wassertaxi kommen und an Land bringen. Dort laufen wir über die Insel, erkunden das kleine Hafenörtchen. Wunderschön idyllisch. Ganz langsam lässt die Anspannung nach. Das Erlebnis hat die Stimmung doch sehr getrübt, haben wir uns mit der Anmietung dieses Riesen-Bootes zu viel zugetraut? Nur einer, unser Skipper, hat den Open Water Segelschein. Vier andere haben zur Vorbereitung noch ein Segel-Crashkurs-Wochenende auf der Ostsee gemacht. Und wir zwei, mein Mann und ich, haben komplett keine Ahnung, sind nur angelernte Handlanger…

Es erwartet uns das typisch karibische Leben auf der Straße. Kleine Buden, Geschäfte und viele Menschen, die in kleinen Gruppen zusammenstehen und sich die neuesten Inselgeschichten erzählen. Wir fühlen uns gleich wohl und genießen das Flair. Am Ende eines erlebnisreichen Tages lassen wir uns in einem kleinen Restaurant direkt am Meer nieder. Die Seeluft weht uns um die Nase und wir lassen uns das Essen schmecken. Sam, ein Korallenschmuck-Verkäufer, gesellt sich zu uns. Mit seinem Silberblick kann er uns alle gleichzeitig anschauen. Er erzählt Geschichten aus seinem Leben. Wahr oder nicht, wir fühlen uns pudelwohl.

Am Abend noch bestellen wir wieder ein Wassertaxi für den nächsten Morgen. Palm Island steht auf dem Programm. Eine kleine Insel mit einer einzigen Hotelanlage und unzähligen Palmen, die alle von einem holländischen Auswandererpaar gepflanzt worden sind.

Wir erklimmen einen Hügel, von dem wir einen gigantischen Ausblick auf die Bucht haben. Lange flache Strände unterbrochen von Felsvorsprüngen. Ein karibischer Traum.

 Trotz der Hotelanlage begegnet uns kein Mensch. Erst in der Strandbar stoßen wir wieder auf Leben. Wir verbringen noch den ganzen Nachmittag dort, bis uns unser Taxi wieder in unser „Hotel“ bringt.

Die Halbzeit ist gekommen. Union Island ist unser Wendepunkt. Es geht wieder nach Bequia. Auf der Fahrt dorthin erwartet uns noch ein besonderes Erlebnis. Ein Schwarm von Delphinen begleitet unser Boot. Wir sind vollkommen fasziniert und lassen das Segeln sein. Wir genießen das Spiel der Delphine. Rund um unser Boot springen sie immer wieder aus dem Wasser.

Von Bequia segeln wir nach St. Vincent. Es erwarten uns keine Händler mit Motorbooten, die uns ihre Waren anbieten. Wir sehen plötzlich mehrere kleine Boote mit Männern, die auf uns zu rudern. Ein Ruderer, Simon, ist der Stärkste mit der meisten Ausdauer. Noch weit von der Insel entfernt erreicht er unser Schiff als erster. In unserem Segel-Reiseführer steht geschrieben, dass wir uns am besten einen der Ruderer aussuchen sollen, den wir dafür bezahlen, dass er auf unser Boot aufpasst und alle nötigen Lebensmittel besorgt. Das geben wir Simon auch gleich zu verstehen und binden sein Boot an unserem fest und fahren unter Motor in eine Bucht. Dort macht sich Simon gleich auf den Weg, unser Boot an der nächsten Palme zu befestigen.

Ein Teil unserer Crew möchte an Bord bleiben, die anderen wollen noch etwas von der Insel sehen und ziehen mit Simon als Reiseführer los. Er zeigt uns frische Muskatnuss und führt uns durch üppige Vegetation zu verschiedenen Wasserfällen. Das satte Grün der Insel ist erfrischend und wir sind wirklich froh, diesen Stopp noch eingelegt zu haben.

Wieder an Bord, haben wir Simon beauftragt, uns Fisch zu fangen. Er leiht sich Schnorchel und Flossen und rudert los. Einige Zeit später taucht er mit prächtiger Beute wieder auf. Er übernimmt vor unseren Augen das Entfernen der Schuppen und nimmt die Fische aus. Wir bereiten uns als Vorspeise eine Fischsuppe und anschließend gibt es Reis mit Fisch. Ein Gaumenschmaus natürlich, ist ja schließlich mit ganz viel Liebe gefangen und gekocht worden.

Beflügelt vom Stopp auf St. Vincent segeln wir weiter nach St. Lucia. Wir steuern die Marigot Bay an. Eine Bucht, die ganz versteckt hinter Palmen liegt. Kaum einsehbar vom offenen Meer und deshalb auch besonders ruhig. Wir ankern und Erholung an Bord steht an. Abends fahren wir mit dem Dinghy an Land. Über einen Steg erreichen wir ein kleines Restaurant, auf Stelzen im Wasser gebaut. Wir lassen uns wieder den Fisch schmecken. Lernen noch einen Schweizer kennen und sitzen noch bis spät in die Nacht und genießen die warme Abendluft und das karibische Bier…

Nie haben wir so ruhig geschlafen wir in dieser Bucht. Am nächsten Morgen wird uns klar warum. Es herrscht leichte Ebbe in der Bucht und unser Boot „steht“ anscheinend im Sand. Wir sind begeistert, hoffen nur, dass das Wasser wieder da ist, wenn wir am nächsten Tag die Insel wieder verlassen müssen, da sich der Urlaub dem Ende neigt.

Wir mieten uns noch einmal einen Kleinbus mit Fahrer und lassen uns in die Hauptstadt Castries fahren. Dort verbringen wir einen ganzen Tag. Wir schlendern durch die bunte Markthalle und die vielen kleinen verwinkelten Gassen und besuchen die Kirche der Stadt.

Den letzten Abend und die letzte Nacht verbringen wir wieder in dem kleinen Restaurant und lassen uns noch bis tief in die Nacht den Wind um die Nase wehen.

Der letzte Tag ist gekommen. Zurück in Martinique und nach der für mich ersten Nacht, in der ich mit Übelkeit zu kämpfen hatte, steige ich bereits beim Tanken aus und lasse mich auf den Steg fallen und bin froh, dass mich diese Übelkeit nicht den ganzen Urlaub geplagt hat. Ich wäre auf einer Insel ausgestiegen und hätte gewartet, bis ich wieder abgeholt worden wäre.  Kann jetzt aber nachfühlen, wie sich meine Freundin, die leider sehr, sehr oft mit Übelkeit zu kämpfen hatte, gefühlt haben muss. Die Arme.

Den letzten Tag gibt es noch Sightseeing in Martinique. Besonders gefallen hat uns dort, die kitschig bunte Weihnachtsdekoration an Palmen und Straßenlaternen und die Merry Christmas Lieder in jedem Geschäft. Weihnachtsstimmung will bei uns und diesen Temperaturen nicht wirklich aufkommen.

Bis wir zu Hause wieder richtig ankommen werden, wird eine ganze Zeit dauern, nach so vielen, unbeschreiblich besonderen Eindrücken.

Falls Ihr euch wundert, warum und wie ich solch alte Geschichten im Moment ausgrabe: Ich habe zu unserer Zeit in Würzburg eine Fernschulung für „Journalistisches Schreiben“ gemacht, über ein Jahr lang. Und in dieser Zeit musste ich hierfür doch einige Arbeiten erstellen und somit liegen all diese Geschichten fertig auf meinem Laptop rum… Zum Teilen mit euch. Zum Erinnern für mich.

Zugfahrt Johannesburg – Kapstadt

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… oder natürlich Kapstadt – Johannesburg. 25 Stunden, die sich lohnen.

Wenn ihr von Johannesburg nach Kapstadt kommen müsst oder wollt, könnt ihr die etwa 1500 Kilometer

  1. mit dem Auto fahren – das dauert ca. 15 Stunden Fahrtzeit
  2. fliegen entweder von Lanseria Flughafen im Norden Johannesburgs oder vom O.R. Tambo Airport – das dauert ca. 2 Stunden
  3. oder aber Zugfahren – das ist ein besonderes Erlebnis von 25 Stunden

Wir sind mit dem Zug Premier Class, der den wunderschönen Namen Shosholoza Meyl trägt, die Strecke von Johannesburg nach Kapstadt gefahren. Mit dem Taxi haben wir uns zum Bahnhof bringen lassen. Hier gab es bereits einen separaten Wartebereich mit gemütlichen Sofas, bevor wir zum Zug geleitet wurden. Durch die Fenster konnten wir im Speisewagen schon die eingedeckten Tische mit Biltong, Nüssen und Chips sehen.

Durch den schmalen Zug Gang suchten wir uns den Weg zur Kabine 3E, wo bereits ein Namensschildchen unsere Ankunft ankündigte. Im Inneren standen zwei Wasserflaschen und ein Begrüßungsschreiben für uns parat. Es lagen auch schon Kopfkissen auf den Sitzbänken, die aber erst gegen Abend zu Betten umfunktioniert werden würden.

Im Speisewagen, bei einem Gläschen Sekt und Biltong, setzte sich der Zug in Bewegung. Die Ausfahrt aus Johannesburg führte uns an in die Jahre gekommenen Hochhäusern und auch Townships vorbei. Die Bahnschienen immer wieder mit hohen Stacheldrahtzäunen von der Stadtwelt abgetrennt. Durch Industriegebiete führte der Weg immer weiter aus der Stadt hinaus und unser Weg führte uns vom Speisewagen in den Barwagen. Die 80er Jahre anmutende Einrichtung war super sauber und gepflegt und kein bisschen unangenehm. Man konnte sich einfach nur wohlfühlen und das wirklich nette und aufmerksame Zugpersonal setzte noch das Sahnehäubchen obenauf.

Golden trockenes Buschgras flog bildlich am Fenster vorbei, nachdem wir die Stadt verlassen hatten. Ewige Weite, die die Ausmaße Südafrikas erahnen lassen. Aber auch immer und immer wieder weitläufige, sehr große Ansiedlungen sehr einfacher Unterkünfte, mit vereinzelten „Plumpsklo“ Häuschen, die die krassen Unterschiede des Landes zeigen.

Weite, schwarz verbrannte Grasflächen, am Horizont noch die Rauchschwaden zu erkennen, ziehen ebenfalls an unserem Fenster vorbei. Auch der ein oder andere Zug rauscht mit lautem Donnern durch unser Blickfeld und reist uns aus den Tagträumen. Wir sitzen einfach nur da und lassen uns von der Show vor dem Fenster berieseln. Es ist so entspannend.

Der Tag neigt sich dem Ende zu und da in Südafrika die Sonne immer sehr früh untergeht, neigt auch sie sich immer weiter Richtung Erdkrümmung, um bald zu verschwinden. Aber vorher zaubert sie für uns noch ein unbeschreiblich wunderschönes, goldenes Licht auf die Landschaft.

Im Speisewagen ist unser Tisch schon wieder liebevoll für uns eingedeckt. Bereits zum Mittagessen wurden wir hier mit einem 4-Gänge-Menü verwöhnt. Am Nachmittag servierte man uns einen High-Tea und nun werden wir mit einem 5-Gänge-Menü in die Nacht verabschiedet. Da wir uns nur mehrmals vom Speise-, zum Barwagen oder mal auf ein Stündchen in unsere Kabine bewegt haben, ist der Hunger nicht wirklich groß. Aber das Essen ist großartig, also essen wir natürlich trotzdem.

In der Kabine warten zwei gemütliche Betten auf uns. Der Zug rattert weiter Richtung Süden. Wir lesen noch ein paar Seiten, aber viele von euch kennen sicher dieses ermüdende Gefühl, was einen immer bei Zugfahrten überkommt. Schon bald können wir die Augen nicht mehr offenhalten. Aber ich werde mehrmals in der Nacht wach, und wage jedes Mal einen Blick aus dem Fenster. Natürlich ist in der Dunkelheit nicht allzu viel zu erkennen, aber doch bekomme ich in diesen Momenten hin und wieder einen kleinen Einblick in die sich leicht verändernde Landschaft. Früh bin ich wieder wach, weil ich unbedingt den Sonnenaufgang miterleben möchte. Und wir haben Glück, denn der Blick aus unserem Kabinenfenster, ins Bett gekuschelt, bietet Prime Plätze zum Tagesanfang. Das goldene Gras vom Vortag ist einer fast Steppen-ähnlichen Öde gewichen.

Noch aus dem Bett nehmen wir ein Schild wahr „Prince Albert Road“, das bedeutet, wir sind gar nicht mehr allzu weit von Kapstadt entfernt. Schäfchen-Wolken am blauen Himmel, in der Ferne sind immer wieder Berge zu erkennen und bald neben den Schäfchen Wolken auch noch Schafe neben der Bahnstrecke. Idylle pur. Und wir noch im Bett. Am Horizont meinen wir, Berge mit etwas Schnee erkennen zu können, es ist August, tiefster Winter in Südafrika.

Wir rattern über eine eiserne Brücke. Kahle Berge und kahle Bäume ziehen an unserem bewegten „Gemälderahmen“ vorbei. Immer mal wieder taucht eine Windwasserpumpe auf, deren Windmühle sicher im Wind knattert. Mein Mann liest das Buch Hirschgulasch, aber ich kann gar nicht aufhören, aus dem Fenster zu starren. Und wie gut, dass ich aus dem Fenster schaue, denn dann plötzlich taucht ein Hügel mit Schneekuppe sehr nahe auf. Und noch vor dem Frühstück zeigt uns die Landschaft, dass wir nun wirklich nicht mehr weit von Kapstadt entfernt sein können, denn die ersten Weinanbaugebiete tauchen auf, die Schnee-gekrönten Berge immer im Hintergrund. Wunderschön. Die Berge kommen manchmal sehr nahe und auch ein Flüsschen begleitet unsere Fahrt für eine Weile.

Wir machen einen Stopp in Worcester, ebenfalls noch vor dem Frühstück. Wenige Leute steigen aus und ein, sehr wenige. Aber am Bahnhof ist einiges los.

Kurz nach unserem Stopp erwartet uns ein tolles Naturschauspiel. Man kennt vom Tafelberg ja das berühmte Tischtuch, wenn sich eine dünne Wolkendecke langsam über den Berg hinweg zieht und Richtung Kapstadt gemächlich hinabfällt und die Wolken sich dann „magisch“ aufzulösen scheinen. Was eben den Anschein erweckt, dass auf dem Plateau des Tafelberges ein Tischtuch liegt. Wir haben diesen Effekt jetzt auf den Bergen, hinten den Weinstöcken, die uns nach Worcester begegnen, während wir beim Frühstück mal wieder im Speisewagen sitzen. Das Wetter wird schlechter, Regen zieht auf und es ist so behaglich, gemütlich im Zug. Fast schade, dass die 25 Stunden schon bald um sind und wir aussteigen werden müssen.

Während wir aus Kristallgläsern ein sehr üppiges, gutes Frühstück mit warmem Kaffee oder Tee genießen, zieht kurz vor Kapstadt noch ein wirklich riesiges Squatter Camp an unserem Fenster vorbei. Die extrem einfachen Blechhütten, manche gar nur mit Folie oder Tüten abgedeckt, bieten sicher kaum, bis gar keinen Schutz vor der Kälte des afrikanischen Winters, geschweige denn wirklichen Schutz vor dem Regenschauer. An ein üppiges Frühstück mit Eiern, Speck, Süßem und warmen Getränken überhaupt nicht zu denken… Aber solche krassen Unterschiede bringen einen natürlich immer wieder zum Nachdenken, holen einen auf den Boden der Tatsachen zurück und lassen einen noch viel mehr Dankbarkeit empfinden für das, was man selber hat und Respekt und Mitgefühl denen gegenüber, die das eben nicht haben und nicht haben können und werden.

Und nicht nur sekunden-, sondern minutenlang fahren wir an den Hütten vorbei…

Kurze Zeit später erkennen wir schon die Silhouette von Kapstadt mit dem Lionshead.

Eine Stunde VOR der geplanten Ankunftszeit fahren wir in den Bahnhof ein. Wo gibt´s denn sowas?

Es waren wunderschöne 24 ganz besondere Stunden. Kann ich jedem, der die Zeit und Lust hat, nur empfehlen.

Premier Class – Shosholoza Meyl

Sansibar

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Enge Gassen und endlose Strände

Diese eigene Welt aus 1001 Nacht liegt nur etwa 35 Kilometer vom Festland Tansanias entfernt. Einmal angekommen ist man schnell verzaubert. Die Altstadt, Stone-Town, wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Ein paar Tage in dieser Stadt und man fühlt sich in eine längst vergangene Zeit versetzt.

Schon die Überfahrt mit der Fähre von Dar es Salam nach Sansibar ist ein Erlebnis. In der Wartehalle steht die Luft, Fliegen schwirren um den Kopf und nerven und die Hitze ist unerträglich. Endlich kommt die Fähre. Dicht gedrängt und voll beladen mit Lebensmitteln und Lebendem, warten die Reisenden in der heißen Sonne am Steg. Dann endlich haben alle ankommenden Passagiere das Boot verlassen und wir können einsteigen. Die zwei Stunden Überfahrt vergehen wie im Fluge. Auf den Fernsehapparaten läuft ein alter Film, Ton gibt es nur für die Reisenden in den ersten Reihen. Oben an Deck drängen sich die Frischluft-Suchenden, finden ein Plätzchen zwischen all den Paletten, Koffern, Paketen, Taschen und einem im kleinen Käfig aufgeregt flatternden Huhn. Der Wind weht einem um die Nase und die Aussicht auf das türkisblaue, endlose Meer ist atemberaubend. Wir passieren kleine Inseln mit weißen Stränden und einfache Fischerboote mit großen Segeln passieren uns. 

Stone Town

Dann erhaschen wir den ersten Blick auf Stone-Town. Dicht gedrängt stehen imposante festungsähnliche Häuser entlang des Wassers. 

Wir gehen von Bord und unser Inselabenteuer beginnt. Sansibar ist eine Inselgruppe, aber zugleich auch der Name der größten Insel. Sansibar Stadt ist die Hauptstadt und Stone-Town das bekannteste, historische Viertel der Stadt. Die Hauptinsel, Sansibar, wird in Swahili auch Unguja genannt. Zwei weitere große Inseln dieser Gruppe sind Pemba und Mafia. 

Obwohl wir auf dem Festland Tansanias schon eingereist sind, müssen wir auf Unguja erneut die Einreise- und Zollformulare ausfüllen. Wir bekommen einen Stempel in unseren Pass – Zanzibar Sea Port TANZANIA.

Nun sind wir offiziell und verlassen das Hafengebiet. Unzählige Führer und Fahrer warten darauf, mit den ankommenden Touristen Geld zu verdienen. Unser Hotel liegt, laut Beschreibung, nicht weit vom Hafen entfernt. Da wir aber den Weg nicht kennen, nehmen wir einen Führer und werden, für umgerechnet etwa fünf Euro, zu unserem Hotel gebracht. Die Leistung wäre sicherlich nur zwei Euro wert gewesen, da sich herausstellt, dass wir um zwei Ecken laufen und schon vor unserer Unterkunft stehen.

Unser Boutique Hotel versetzt uns gleich in eine ganz andere Welt. Arabisch und indisch angehaucht können wir das besondere Flair, nicht nur des Hauses, sondern der ganzen Stadt fühlen. Über ein enges, steiles Treppenhaus gelangt man zu den insgesamt nur neun Zimmern, je drei auf einer Etage. Die Zimmer sind alle individuell eingerichtet und dekoriert. Antike Möbelstücke, Himmelbetten und warme Farben verstärken dieses Gefühl, in eine andere Welt eingetaucht zu sein. 

Draußen im Schatten der engen Gassen lassen wir uns treiben. Wir schlendern den Nachmittag ohne Ziel durch Stone-Town, bewundern die prächtigen Häuser oder zumindest das, was von dieser ehemaligen Pracht noch erhalten ist. Die geschnitzten Holztüren, für die diese Stadt so berühmt ist, sind einfach faszinierend. Und wir machen mehr Fotos, als je irgendjemand von Türen anschauen möchte. Aber jeder Eingang ist so individuell und besonders, dass wir einfach nicht stoppen können. Es gibt glänzende, mit Gold verzierte und gepflegte Türen neben anderen, die schon Jahre lang keine Farbe mehr gesehen haben und all der Glanz und die Pracht erloschen sind, aber trotzdem auf ihre Weise faszinieren. 

Rechtzeitig zum Sonnenuntergang begeben wir uns …

Für Hotel- und Sightseeing Tipps und den kompletten Reiseplan geht es hier zum Download Inseln Afrikas – mehr als schöne Strände

Nach diesem Ausflug in die Badekultur des vergangenen Jahrhunderts wartet nun eher schwere Geschichte auf uns. Am Sklavenmarkt führt uns der Guide zuerst in den Keller hinunter. Dunkel, stickig und unbeschreiblich eng ist es hier und wir fühlen uns gar nicht wohl. Als wir hören, dass hier die Sklaven eng gepfercht oft tagelang ausharren mussten, bis sie auf dem Markt verkauft wurden, sehnen wir uns nach Frischluft. 

Draußen wieder angekommen, werden zwar die Geschichten erst einmal nicht besser, aber das Atmen fällt wieder leichter. In der anglikanischen Kirche, die heute genau an der Stelle steht, wo früher der Hauptumschlagplatz für die Sklaven war, hebt sich die Stimmung langsam wieder, weil wir endlich in der Geschichte am Ende der Sklaverei auf Sansibar angelangt sind. 

Entpannung im Spa

Nach einer Stunde der Belastung für Körper und Geist möchten wir einfach versuchen, unsere Gedanken und den Körper wieder zu reinigen und zu befreien. Wir schlendern zurück zum Hotel und buchen eine Massage in einem modernen „Badehaus“, einem Spa. Im Hotel werden wir abgeholt und durch die engen Gassen zu einem alten Gebäude geführt. Außen schaut es sehr trist und heruntergekommen aus.  Innen begrüßt uns …

Interesse an Sansibar? Inseln Afrikas – mehr als schöne Strände

Am nächsten Tag heißt es Abschied nehmen von dieser beeindruckenden und mitreißenden Stadt. Wir fahren in den Norden und werden noch ein paar Tage im Hotel am Strand verbringen. 

Strandzeit

Gebucht haben wie ein Hotel, welches Bungalows ohne Klimaanlage bietet, ein Haus zur Selbstverpflegung und ein Haus, in dem die Zimmer mit Klimaanlage ausgestattet sind. Wir gönnen uns den kleinen Luxus eines gekühlten Zimmers.
Die Anlage ist idyllisch, ruhig und direkt am Strand gelegen. Auf einer großen Holzterrasse, die über dem Meer zu schweben scheint, stehen Liegen, Hängematten und schwingende Holzbetten in luftigen, offenen …

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Es ist kaum vorstellbar, dass wir nur acht Nächte auf Sansibar verbracht haben. Die vielen Eindrücke, die Erholung und die engen Gassen Stone-Towns haben uns verzaubert. Wir kommen sicher einmal hierher zurück, in diese Welt aus 1001 Nacht.

Freunde kommen. Freunde bleiben. Freunde gehen.

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Als ich gerade laufen lernte, traf ich beim Spazierengehen mit meinen Eltern meine „älteste“ Freundin. Natürlich war mir das damals noch nicht bewusst, aber es waren die Anfänge. Wir waren zwar im gleichen Jahr geboren, aber da ich im August zur Welt kam und sie im Mai, waren wir nie in einer Kindergartengruppe gemeinsam, nie in der gleichen Schulklasse, absolvierten unseren Konfirmandenunterricht getrennt, machten die damals gängigen Tanzkurse in aufeinanderfolgenden Jahren. Ich war auf einer Realschule, sie auf dem Gymnasium. Sie ging nach Köln zum Studieren, ich machte zwei Ausbildungen in der hessischen Heimat, bevor ich mit meinem damaligen Freund nach Bayern zog. Aber eines war sicher, trotz vieler kommender und gehender Freunde in all den Jahren, blieben wir uns immer ganz verbunden. Jedes Mal, wenn wir aufeinandertrafen, war es, als hätten wir gestern erst zusammengesessen. Es fehlte nie an Redestoff und es war nie ein seltsames Gefühl einer erneuten Annährung. Es war immer so, wie es schon immer war. Das ist auch heute noch so, über vierzig Jahre später. Von Grundschule, über Realschule, über Ausbildung, Tanzkurs, Sportvereinen und all dem, was einem sonst so im Leben begleitete, ist diese Freundin die beständigste. Katja.

In meinen vier Jahren in Regensburg, die Zeit in der ich meinen 30. Geburtstag feierte und heiratete, kam durch einen Spanischkurs eine neue, treue Freundin hinzu. Klara. Recht schnell zogen wir von dort aus in die USA. Klara kam mich zweimal besuchen. Wir schrieben uns zu der Zeit fast täglich lange Emails mit Updates aus unserem täglichen Leben. Ich habe diese noch alle gespeichert. 
Wir zogen von dort nach Südafrika. Während der Übergangszeit von sechs Wochen, wohnten mein Mann und ich in einer Ferienwohnung in Regensburg, direkt gegenüber von Klaras Wohnung. In Südafrika angekommen, kam Klara mich jedes Jahr mindestens für eine Woche besuchen. Sie wurde so ein Teil der Familie. 
Mit unserem Rückzug nach Bayern im Jahre 2016 rückte Klara in greifbare Nähe und wir konnten uns regelmäßig zum Frühstück treffen oder auf einen gemeinsamen Wochenendausflug gehen. Es war toll, aber die Zeit war natürlich nie so intensiv, wie während den Besuchen von Klara bei uns im Ausland, denn dort waren wir so eng zusammengewachsen und sie war damals irgendwie Familie geworden, auch für die Kinder. Scherzhaft für uns „Tante“ Klara. 
Jetzt sind wir seit August 2020 in Dubai und was soll ich sagen, Klara hat uns schon besucht. Es ist herrlich, so tolle Freunde zu haben. Unsere neue Routine: wir schreiben keine täglichen Emails mehr, sondern senden uns tägliche Sprachnachrichten. Herrlich.

Durch familiäre Umstände und Selbstständigkeit ist Katja nicht so flexible, wie Klara, aber wir schaffen es immer wieder uns regelmäßig zu sehen. Da wir alle im sehr im täglichen Leben, mit Familie und Aufgaben eingespannt sind, hat sich das Austauschen von Sprachnachrichten zu einer tollen Routine entwickelt. Ersetzt aber natürlich nie die wirklichen Gespräche, dir wir immer wieder einplanen. Diese beiden Freundinnen kamen und blieben und werden bleiben. 

Während all der Jahre in verschiedenen Orten, in verschiedenen Ländern, kamen so viele tolle, neue Freunde hinzu. Auch hier: einige blieben, andere gingen und blieben gegangen. Die, mit denen ich immer noch in Kontakt bin, bereichern mein Leben und teilen ein besonderes Stück Lebensweg mit mir. Das verbindet und wird auch so bleiben. Dank all der modernen Medien ist das Kontakt-halten mittlerweile so einfach geworden und verbindet so wunderschön, auch visuell. 

Mit Corona hab sich auch viel gewandelt. In dieser Zeit sind auch unsere Kinder, bereits im Alter von 10 Jahren, durch WhatsApp, Skype oder Zoom mit ihren Freunden in einer ganz neue Art von Kontakt und Kommunikation getreten. Nicht frei gewählt, aber gezwungen. Denn schon während der letzten Monate in Deutschland konnte sich keiner mehr treffen. Aber schnell schalteten die Kinder ihren Modus um und bildeten die irresten Gruppen zum Austauschen und reden, stundenlang. Sie wuchsen auf eine neue Art und Weise zusammen. Was zum Glück unseren Kindern wiederum in diesem Moment des Wandels in ihrem Leben sehr half. Denn nicht nur würden die meisten der Mitschüler der vierten Klasse auf die verschiedensten neuen Schulen wechseln, in unterschiedlichen Orten, sondern auch neue Freunde finden. Aber irgendwie war genau diese Generation Kinder durch Covid19 bereits an die neue Art des „Freundschaft erhalten“ ungewollte durch die Umstände gezwungen worden. 

Es ist jetzt zwar doch für alle etwas schwieriger neue, wirklich feste Freunde zu finden, denn natürlich gelten immer noch gewisse Versammlungsregeln, aber auch wenn vieles langsamer anläuft, denke ich doch, dass auch hier noch interessante Verbindungen fürs Leben entstehen werden. Und es ist immer wieder schön zu sehen, dass wirklich auch der Kontakt zu Bayern und den Freunden dort nicht abreißt.  

Es wird wieder so sein, dass einen einige dieser Freunde der letzten vier Jahre in Deutschland enger erhalten bleiben werden, aber es bleiben für immer die gemeinsamen Erlebnisse in uns allen erhalten. 

Und auch jetzt hier haben wir schon Freunde gefunden, wo ich das Gefühl habe, auch diese kommen nicht nur, die bleiben. 
Und wie findet man Freude? Offen sein. Die liebsten hier haben wir am Neujahrstag in einem Restaurant „entdeckt“, am Nachbartisch. Ebenfalls mit zwei Kindern, im ähnlichen Altern, wie unsere und wir kamen ins Gespräch. Und es wurde so ein unerwartet toller Abend, dass wir uns bereits eine Woche später zum Grillen trafen. Und was soll sagen, schon bald fahren wir für ein paar Tage gemeinsam in den Urlaub. Was für ein Zufall am Neujahrstag. 
Immer mit offenen Augen durch Leben und ruhig mal etwas wagen. Auch wenn es auf den ersten Blick verrückt ausschaut. Aber die Familie am Nachbartisch könnten die neuen besten Familienfreunde werden. Keine Scheu haben. Aber ich bin überzeugt, dass eine Familie, die schon öfter im Ausland gelebt hat, diese Scheu einfach nicht mehr kennt. Tu das, was sich gut anfühlt. 

Und jeder Moment mit tollen Menschen ist EntdeckerGlück.

Ergänzung: Jetzt habe ich das Bedürfnis noch ein tolles Erlebnis beim Mittagessen heute zu teilen. Heute Morgen verfasse ich den Blogbeitrag, von dem meine Kinder natürlich keine Ahnung haben. Wir sitzen dann heute Nachmittag beim Essen zusammen und die Kinder erzählen von der Schule. Plötzlich sagt mein Sohn, ob er Mia eine Sprachnachricht senden kann. Ich frage: „Mia? Welche Mia?“
„Na, die Südafrika Mia.“
Zur Erklärung, Mia – die erste wahre Freunden, an die sich unsere Zwillinge bewusst erinnern können – mit drei Jahren.
Ich bin total überrascht, aber natürlich suche ich sofort den Kontakt der Mutter auf WhatsApp raus. Wir nehmen gemeinsam zwei Videobotschaften für Mia auf und senden sie sofort ab.
Ich bin vollkommen überrascht, dass gerade heute, wo ich das Thema Freundschaft in meinen Blog aufnehme, diese Situation entsteht.
Es zeigt wieder einmal, dass das, was ich vorher beschrieben habe, stimmt. Die Welt ist durch die verfügbaren neuen Medien ein großes Stück näher zusammengewachsen.

Gerade sitzt mein Sohn neben mir und macht seine Biologie Aufgaben. Jetzt erklärt sich auch, wie er auf Mia zu sprechen kam. Ein gemeinsames Erlebnis im Kindergarten in Johannesburg. Das Schlüpfen von Küken, dass die Kinder dort live beobachten durften. Und das Thema „Vogeljunge entwickeln sich im Ei“, welches aktuell heute in Biologie in der 5. Klasse in Dubai behandelt wird.

Wie nehmen Kinder eine Umzugsankündigung auf?

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Wie bereits in einem weiteren Beitrag beschrieben, spitzte sich unsere Auswanderungsentscheidung in der Anfangszeit, des ersten Lockdowns von COVID-19 im Frühjahr 2020 zu. Die Kinder im Homeschooling, mein Mann im Homeoffice. Kaum Raum zum Atmen im Haus. Zum Besprechen von neuen Details zur Vertragsverhandlung oder zu neuen Erkenntnissen meinerseits bezüglich Wohngegenden, Hausmieten, Krankenversicherung usw. trafen wir uns heimlich im Büro (dem Kinderzimmer unserer Tochter) meines Mannes. 

Denn zu diesem Zeitpunkt wussten unsere Kinder von unseren Gedanken bezüglich einer eventuellen Auswanderung rein gar nichts. Für uns war klar und wichtig, sie erst mit der Situation zu konfrontieren und somit eventuell auch zu stressen, wenn die Entscheidung wirklich gefallen war. Ob das der richtige Weg ist, sei mal dahingestellt. Vielleicht würden wir das, das nächste Mal auch anders machen. In dem Moment, in der Situation erschien es uns als das einzig Wahre. 

Zumal ja auch weder unsere Eltern, noch Freunde von unserer Überlegung bis dahin wussten. Der Familie hätten wir es natürlich am liebsten persönlich gesagt, so wie all die letzten Male, als solch eine Entscheidung anstand, aber in Corona Zeiten war nicht absehbar, wann wir unsere Familie im 500 km entfernten hessischen Hinterland das nächste Mal wieder sehen würden. Auch mit den Freunden vor Ort, hätten wir dies am liebsten an einem geselligen gemeinsamen Abend besprochen. Aber all das, war in dieser besonderen Zeit einfach nicht möglich. Und da bis dahin auch die Entwicklungen für uns nicht immer 100 % klar waren, die Kinder mit der neuen Covid19 Situation auch einiges zu verarbeiten hatten, stand für uns fest, wir warten, bis wir die Entscheidung endgültig getroffen hatten und auch der Zeitpunkt des Umzugs besser einschätzbar war.

Dann aber kam der Tag. Der Vertrag war endverhandelt, eine Krankenversicherung gefunden, die beiden Plätze in der Schule gesichert und wir mussten uns der Tatsache stellen, es den Kindern so schonend wie möglich beizubringen. 

Unsere Tochter redete seit Wochen, eher Monaten davon, wie sehr sie unser altes Haus mit Pool in Südafrika vermisste. Ihr absolutes Lieblingslied zu dieser Zeit lief im Radio rauf und runter: 194 Länder von Mark Forster. 

Waren das alles Zeichen, dass auch die Tochter zumindest irgendwie etwas ahnte oder ein Gefühl in sich trug, was sie in die Ferne zog?

Relativ spontan, ergriffen wir dann eine Situation in der wir gerade das Mittagessen zubereiteten. Die Kinder und ich eine Pause vom Homeschooling machten und mein Mann gleich zum Essen aus seinem „Büro“ zu uns stoßen würde. An dem Morgen hatten sich für uns die letzten offenen Fragen geklärt und es war der richtige Zeitpunkt. 

„Kiddies, wir haben eine unerwartete Überraschung für Euch.“

Große fragende Augen?

„Wir werden noch einmal zusammen umziehen. In ein Land, dass sich Vereinigte Arabische Emirate nennt, in die Stadt Dubai.“

Entsetzten in den nicht mehr fragenden Augen!

Mein Sohn: „NEIN, ich will nicht noch mal umziehen!“ – Tränen. 

„Aber es ist ein ganz tolles, sicheres Land. Mit einer tollen Deutschen Schule, wo wir abgeklärt haben, dass es zwei Plätze für Euch gibt. Eine Familie, mit der wir mal in Südafrika frühstücken waren, die wohnen auch dort. Der Sohn ist so alt wie ihr und kommt in eure Klasse.“

Beide heulen. Es ist grausam für uns. Mir ist auch zum Heulen, weil ich nie gedacht hätte, dass diese Nachricht so schlimm für die beiden sein würde. Ich gab alles meine Tränen so lange wie möglich zu verbergen. Aber irgendwann kullerten auch bei mir die Tränen des Mitgefühls.

„Wir können dort auch wieder in einem Haus mit Pool wohnen, so wie in unserem Haus in Südafrika. Es ist immer Sommer, wir haben das Meer vor der Haustür. Wir können am Wochenende an den Strand fahren. Es gibt Wüste und Kamele. Wir können in der Wüste Quad fahren.“ (unsere Tochter liebte Quad fahren, unser Sohn liebt Tiere)

Schluchzen und mehr Tränen. Ich bin jetzt schon komplett ausgelaugt und hätte so eine heftige Reaktion nie erwartet. Nie. 

„Ihr werdet jeder ein iPad für die Schule bekommen. Der Bus holt euch direkt vor der Tür ab, ihr müsst nicht alleine mit dem Linienbus nach Freising fahren und dort alleine am Hauptbahnhof in den Schulbus umsteigen. Das ist viel entspannter und sicherer für euch. Die Schule hat einen eigenen Swimmingpool und tolle nachmittags AGs, wenn Corona vorbei ist.“

Es hilft nur, unsere Kinder zu halten und zu trösten. Zum Glück haben wir nur Zwillinge. Jeder von uns hat ein Kind auf dem Schoß und wir trösten einfach, sind für die beiden da. Wir sagen ihnen, dass wir verstehen können, dass das ein beängstigender Gedanke ist und wir immer für sie da sein werden und wir das zusammen schaffen werden und dass wir verstehen, dass sie natürlich jetzt geschockt sind. Halt und Nähe geben, trösten, drücken, LIEBEN. Mehr können wir in dem Moment nicht tun. Erstmal sacken lassen.

Nachdem das Schluchzen einigermaßen abgeebbt ist, biete ich ihnen an, ihnen im Internet einmal ihre neue Schule zu zeigen. Erst wollen sie das gar nicht sehen, wehren ab. Wir trösten weiter. Es gibt heute Mittagessen auf unserem Schoß, unsere 10-jährigen Kindern sind wieder geschrumpft. Kleiner, hilfloser. Wir haben irgendwie bedrückende Gefühle, ein schlechtes Gewissen, aber tief im Inneren verspüren wir Eltern die große Sicherheit, dass dieser Schritt für unsere Familie, der richtige Schritt ist. Irgendwann kommen die kleinen, bebenden Körperchen ein wenig zur Ruhe, es gibt noch ein großes Stück Schokolade zum Nachtisch. Und auf einmal, wollen sie doch einen Blick auf die Homepage der Schule werfen. Es gibt ein tolles Video über die Schule. Das erste Mal sehen sie, dass es Schuluniformen gibt. Das finden sie spannend. Auf dem Video ist zu sehen, dass die Kinder auch immer wieder mit ihrem iPad arbeiten. Das löst natürlich bei zwei 10-jährigen auch einen gewissen Trigger aus. 

Da die beiden im Matheunterricht etwas über die Höhe des Burj Khalifa gelernt haben, fragt unser Sohn auch gleich danach. Wir zeigen ihm auch davon die Homepage und ein Video. Ein Werbevideo von Dubai bringt noch ein paar allgemeine Eindrücke. DANKE an das Internet. Welch eine große Hilfe in solch einem Moment. 

Tagelang tragen sie trotzdem die Abwehr in sich herum. Unser Sohn sagt immer wieder, dass er dann zu Oma und Opa nach Hessen zieht. Es schmerzt, dass zu hören und zu sehen, wie wir ihn verletzt haben. Immer wieder spreche ich kleine positive Dinge an. 

Ein großes Thema für uns, eine Familie, die vor Deutschland fast 10 Jahre in Johannesburg, Südafrika gelebt hat, ist auch immer wieder die Sicherheit. Auch das versuche ich den Kindern immer wieder klar zu machen, dass Dubai eine sehr sichere Stadt ist. In der wir als Eltern uns viel weniger Sorgen um das Wohl und die Sicherheit unserer Kinder machen müssen, als in Deutschland. Unsere Kinder sind schwarzer Hautfarbe, weil wir die beiden in Südafrika adoptiert haben. Und natürlich bereitet es uns Eltern größtes Unbehagen, unsre Kinder eventuell in Deutschland alleine mit einem Linienbus fahren lassen zu müssen, im Alter von 11 Jahren. Sie alleine am Hauptbahnhof umsteigen müssen, dafür eine dunkle Unterführung durchqueren müssen, um zu den Schulbussen zu gelangen. Da ist die Vorstellung eines gigantisch gelb-leuchtenden Schulbusses, der meine Kinder fast vor der Haustür abholt und auch wieder abliefert doch viel beruhigender. 

Unsere Kinder werden Arabisch und Französisch lernen, egal welchen Schulzweig der Gesamtschule in Dubai sie gehen werden. In der Klasse werden unterschiedlichste Nationalitäten, unterschiedlichster Hautfarben zusammenkommen. Es gibt so viele Vorteile für unsere Kinder, die natürlich nur wir momentan sehen. 

Nach ein Tagen zeigen wir Ihnen auch einmal Häuser, die wir mieten könnten, nur damit sie ein Gefühl bekommen. Die Lage entspannt sich immer mehr, aber es gibt immer wieder Tage, an denen besonders unser Sohn in Tränen ausbricht und mit der Entscheidung zu kämpfen hat. Positiv ist, dass beide immer mal wieder von sich nachfragen, ob sie noch einmal das Schulvideo sehen können. Sie können offener damit umgehen. 

Es dauert aber Wochen, mit vielen emotionalen Aufs und Abs bis die Situation sich soweit entspannt hat, dass keine Tränen mehr fließen, wenn wir darüber reden. Was half, war dann das Konkrete. Ich musste schon früh die neuen iPads für die Kinder vor Ort bestellen, damit diese für den Schulbeginn fertig eingerichtet bereitstehen. Wir kauften gemeinsam neue Schulranzen und Mäppchen. Wir bekamen auch schon sehr früh, die Einkaufsliste für den Schulstart und besorgten auch all das gemeinsam. Die Kinder suchten Blöcke und Stifte aus, durften sich jeder noch einen neuen Füller kaufen. So entwickelten die beiden eine gewisse Vorfreude. Wir suchten gemeinsam neue Schwimmshorts und UV Shirts aus, einen neuen Badeanzug und Bikini für die Tochter, neue Bademäntel. Die Kinder bekommen noch neue Betten. Es entwickelt sich immer mehr positive Energie rund um die Veränderung, was so ein unbeschreiblich befreiendes Gefühl für uns Eltern war.

Denn ich lag viele schlaflose Nächte wach und habe mir um das Wohl meiner Kinder Sorgen gemacht. Hatten wir die richtige Entscheidung getroffen, sind wir es vielleicht falsch angegangen, nicht unsere Kinder mit in den Entscheidungsprozess einzubeziehen? Es gab so viele offene Fragen, die mich nachts wachhielten. Aber immer wieder beruhigte mich meine persönliche, tiefe innere Gewissheit, dass es für uns als Familie, die beste Entscheidung war. Und ich wusste auch, zumindest versuchte ich mir das immer wieder klarzumachen, dass wir nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hatten.

Und ich war so dankbar für die positive Energie, die sich langsam rund um das Thema Auswandern entwickelte, denn es stand noch so viel an, von Haus- und Autoverkauf über unzählige Kleinigkeiten, die organisiert werden mussten. 

Das mal zum Thema, wie Kinder, solche Umzugsentscheidungen aufnehmen. Und was das wohl mit EntdeckerGlück zu tun hat? 

Ich habe in der Zeit eine ganz neue, besonders innige Zeit und Entwicklung mit meinen Kindern durchlebt. Sie zeigten sich verletzt und traurig und ich habe so viel gelernt und wir haben so viel gemeinsam durchfühlt. Ich dachte schon bei unserem letzten Umzug von Südafrika nach Deutschland, viel gelernt zu haben (habe ich sicher auch – dazu ein anderes Mal mehr), aber ich wurde wieder überrascht mit so vielen neuen Entdeckungen rund um meine Kinder und das Thema Auswandern mit Kindern, die mir mit viel Abstand betrachtet zeigen, dass ich und wir als Familie daran gewachsen sind und alle so viel gelernt haben und unsere eh schon sehr enge, besondere Beziehung noch viel mehr vertieft wurde und diese noch mehr gestärkt hat.
Für mich auch wieder ein Stück EntdeckerGlück.

Distance Learning statt Home Schooling

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Alle Eltern unter uns haben es live miterlebt: Den Umbruch des deutschen Schulsystems in Corona Zeiten. Plötzlich waren die Schulen geschlossen und die Kinder zu Hause, meist in der Obhut der Mutter. Zum Glück war bei uns die Situation so, dass ich in der Regel nur zwei Vormittage arbeitete. Aber was war schon die Regel in dieser Corona-Anfangszeit? Da auch mein Job bei der Volkshochschule, die ja ebenfalls geschlossen wurde, nur sehr beschränkt meine Anwesenheit erforderte, war unsere Situation zu Hause doch sehr entspannt. Aber natürlich war die Umstellung erstmal für alle anstrengend. Klar, für die Kinder auch irgendwie aufregend, dass sie nun nicht mehr in die Schule mussten, sondern zu Hause sein konnten. 

Unsere Zwillinge in zwei unterschiedlichen 4. Klassen hatten auch komplett unterschiedliche Lernsysteme. Die noch sehr junge, aufgeschlossene Lehrerin unseres Sohnes machte einen hervorragenden Job. Immer am Vorabend kam der Tagesplan für den nächsten Schulmorgen. Komplett durchstrukturiert, mit allen .pdf-Dateien der Reihe nach sortiert. Mit eingebauten Bewegungspausen, in denen die Schüler auf einen Link mit einem Tanzvideo klicken konnten. Innerhalb weniger Tage war die Lehrerin soweit, dass sie zu allen neuen Themen kleine Erklärvideos erstellt hatte (die wir zum Glück dann auch für die Tochter nutzen konnten).

Die Lehrerin unserer Tochter hingegen arbeitete sich nur langsam in ein funktionierendes System ein. Oft kamen die Aufgaben erst kurz vor Schulstart, mit durcheinandergewürfelten .pdf Dateien. Alles etwas chaotischer. Aber mal ehrlich, die Situation war für alle neu und jeder musste in dem plötzlich entstandenen Chaos erstmal seinen Weg finden. 

Für den Schulwechsel in das neue Schulsystem der Deutschen Internationalen Schule in Dubai war bereits bei Anmeldung klar, wir mussten unseren Kindern eigene Schul-iPads kaufen. Diese bekamen die Kinder leider erst in der zweiten Schulwoche ausgehändigt. 

Was uns anfänglich in eine etwas komplizierte Situation brachte. Wir hatten ein privates iPad und ich hatte meinen Laptop. Auf diesen beiden Geräten richteten wir den Kindern, nach Anweisung der IT- Abteilung der Schule, die benötigten Systeme ein: Zoom und Showbie. In Showbie gab es für jedes Unterrichtsfach einen eigenen Ordner, in dem die Aufgaben hinterlegt wurden. 

Zum 1. September 2020 wurde im Wechselunterricht gestartet. Eine Woche zu Hause online und die nächste Woche Präsenzunterricht an der Schule. Unsere Kinder starteten mit einer Woche zu Hause. Zu Hause hieß in diesem Fall im Hotel-Appartement. Was bedeutete, wir mussten erstmal losziehen und einen Drucker kaufen. Denn unser Drucker lagerte noch im Umzugscontainer auf irgendeinem Grundstück in Bayern. Dann war da das Platzproblem. Unsere Tochter bezog mit dem iPad das Elternschlafzimmer mit einem kleinen Schreibtisch, wo wir auch den Drucker platzierten. Unser Sohn saß am Esstisch und arbeitete dort mit meinem Laptop. Und ich… Ich hatte viel Zeit für nichts. Denn in der Küche gab es keinen Internetempfang. Wenn ich mich im Wohn- und Essbereich arbeitete, war mein Sohn permanent von meiner Anwesenheit abgelenkt. Somit las ich viel und nutze das Fitnessstudio des Hotels.

Absolut positiv: Der Unterricht lief komplett nach Stundenplan über Zoom ab. Alle Klassenzimmer mit Kameras ausgestattet, die Lehrer mit Mikrofon. Wir konnten es überhaupt nicht glauben. Wegen Covid-19 lief alles ohne Austausch von Papier ab. Die Kinder erledigten die Aufgaben entweder direkt mit ihrem iPad Stift am iPad und speicherten diese direkt für die Lehrer/in im Showbie Ordner oder machten ein Foto von Aufgaben im Heft, die dann ebenfalls direkt in Showbie in den entsprechenden Ordner hochgeladen wurden. Innerhalb kürzester Zeit waren die Kinder in all den Abläufen super fit und eigenständig unterwegs. Über die Kameraeinblendungen lernten sie ihre neuen Mitschüler in der ersten Woche ein wenig kennen und gingen damit viel besser vorbereitete in der zweiten Woche mit großer Vorfreude in die Schule. 

Der Schulbus, der nicht gerade wenig Geld kostet, holte die Kinder direkt vor dem Eingang des Hotels ab. Der Schulbus dünn bestückt, jedes Kind einen Doppelsitz für sich alleine. Jeden Morgen vor betreten des Busses wird erst die Körpertemperatur gemessen.
Abfahrt im Hotel war bereits um 6:35 Uhr, mittlerweile nach Umzug in ein Haus ist Abfahrt um 7 Uhr. Unterrichtsbeginn 7:50 Uhr. Die Schule endet täglich um 14 Uhr und die Kinder sind eine Stunde später dann wieder zu Hause.

Im Präsenzunterricht verließen die Kinder morgens mit Maske das Haus und konnten diese nur zum Essen oder Trinken abziehen. Zu Beginn konnte der zugewiesene Sitzplatz im Klassenraum den ganzen Tag nicht verlassen werden, Ausnahme natürlich der Gang zur Toilette oder die Mittagspause in der Mensa, wenn man vorab ein gekochtes Mittagessen vorbestellt hatte, war wir täglich machten. Die Kinder sollten auch mal kurz aus dem Klassenzimmer rauskommen und ihr neues Schulgebäude besser kennenlernen. Ansonsten IMMER UND ÜBERALL Maskenpflicht.

Schon nach wenigen Wochen konnte der Wechselunterricht erneut umgestellt werden. Statt dem wochenweisen Wechsel wurde ein Rotationsplan eingeführt. Somit hatten und haben die Kinder zwischen 2-6 Distance-Learning Tage im Monat, je nach Lage, denn mal waren weniger in Quarantäne, mal mehr. 

Nachdem auch die Außen-Temperaturen so gegen November langsam erträglicher wurden, durften die Kinder sogar in einer Pause am Tag an die frische Luft auf zugewiesene Abschnitte auf dem Pausenhof. Auch hier gab und gibt es einen Rotationsplan, so dass jede Klasse auch irgendwann mal auf den Abschnitt mit dem Klettergerüst darf. 

Rundum super organisiert. Im Vergleich zu den Anfängen des Homeschooling in Bayern/Deutschland – einfach kein Vergleich. 

Durch das absolute toll durchdachte System ist ein fast reibungsloser Schulablauf möglich.

Nur einmal wurde im Januar 2021 wegen zu vieler Corona-Fälle die Schule für fast vier Wochen noch einmal auf komplettes Distance Learning umgestellt. Was für uns gerade recht kam, denn auch uns hatte genau in dieser Zeit Corona erwischt…

Job—und Ortswechsel in Corona Zeiten. Entscheidungen.

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Wenn man mit zwei schulpflichtigen Kindern einen Umzug ins Ausland plant, ist natürlich sehr wichtig, den Übergang so reibungslos wie möglich für die Kinder zu gestalten. Bei uns hätte das Timing nicht besser sein können, denn unsere Zwillinge besuchten die 4. Grundschulklasse einer bayerischen Schule, als uns, also erstmal nur meinen Mann und mich, das Fernweh überkam. Wenn nicht jetzt, wann dann. 

Die Kinder würden sowieso zur 5. Klasse auf eine neue Schule wechseln müssen, im 24 km entfernten Freising. Sie hätten täglich mit dem Linienbus von unserem Örtchen, Nandlstadt, nach Freising fahren müssen. Dort hätten sie am Hauptbahnhof in einen Schulbus umsteigen müssen, der sie dann zur Montessori Schule gebracht hätte, die wir für die beiden ausgesucht hatten. Montessori deswegen, weil unser Sohn sowohl eine Rechtschreibschwäche, als auch Dyskalkulie und ADS hat und wir der Meinung waren, dass er auf dieser privaten Schule mit anschaulichem Schulmaterial gut zurechtgekommen wäre. Wie das bei Geschwistern so ist, und bei Zwillingen noch viel stärker, wäre eine Schul-Trennung nicht in Frage gekommen. Zudem beruhigte uns in der Planungsphase die Tatsache, dass die beiden gemeinsam den doch langen Schulweg meistern könnten. 

Doch dann kam alles anders. Bereits in unserem dritten Jahr in Bayern kam bei uns der erste Gedanke auf, vielleicht doch noch einmal weiterzuziehen. Mein Mann war seit 19,5 Jahren bei einer Firma, für die wir schon vorher in USA und auch in Südafrika gewesen waren. Die verantwortungsvolle Aufgabe, der er in Freising nachging, war nur o.k.. Begeisterung ist etwas anderes. Ich konnte schon sehr früh spüren, dass das nicht seine Traumaufgabe war. Dann plötzlich stand eine Stellenausschreibung in Dubai im Raum. Da auch in mir schon das Fernkribbeln angefangen hatte und irgendetwas aus der großen weiten Welt nach mir rief, sagte ich sofort: „Ja, bewirb dich!“ Doch etwas überrascht startete mein Mann den Versuch. Ich wiederum saß sofort am Laptop und schaute mir die Deutsche Internationale Schule in Dubai an. Sah toll aus. Das wäre eine gute Alternative zur Montessori Schule. 

Dann aber die Enttäuschung. Mein Mann war in seiner Position zu wichtig, als dass die Firma ihn hätte gehen lassen. Wir fielen in ein kleines Loch. 

Aber wir waren angefixt. Mein Mann widmete sich mal wieder intensiv seinem Linkedin Profil und kontaktiere den ein oder anderen Headhunter. Nach einigen uninteressanten Angeboten stand plötzlich wieder Dubai im Raum. Das war Ende 2019. Nur etwa drei Monate nach unserem ersten Gespräch über Dubai. Das war doch ein Zeichen. Wie sich herausstellte war die Firma auch noch eine uns sehr Bekannte. Denn wir hatten in Südafrika einige Freunde, die für diese Schweizer Firma arbeiteten. Ein erstes Gespräch, alles verlief vielversprechend. Dann plötzlich Corona. Das geplante Assessment Center kann nicht mehr stattfinden. Die Tage vergehen. Wird das noch was und wenn ja, sollen wir das mit dieser entstehenden Krise wirklich tun? Soll mein Mann nach 20 Jahren seinen sicheren Arbeitgeber aufgeben und neustarten – in Corona Zeiten? Achterbahn der Gefühle. Aber tief im Inneren immer diese Gewissheit, dass Dubai der richtige Schritt für uns wäre. Eine große Chance für die Kinder. Internationales Lebensgefühl, raus aus der bayerischen KleinDorf Idylle. Eintauchen in die große Welt. Corona zwingt uns Reise-liebende Familie auf unsere Traumterrasse, in den Wald rund um Nandlstadt. Laufen, Wandern, Terrasse. Im Kopf Dubai, Wüste, Sonne und Strand. Statt Italien-Rundreise zu Ostern, laufen, laufen, laufen durch Hallertauer Wald und Auen. Dann plötzlich Assessment Center per Zoom. Mein Mann seit Wochen sowieso im Homeoffice. 

Schulchaos der Kinder. Komplettumstellung für die ganze Familie. Aber für uns immer erträglich. Jeder Corona-Tag zu Hause auch irgendwie etwas Besonderes. Freunde trifft man plötzlich auf ein Bierchen am Freitagabend über Skype. Irgendwie geht alles. Auch das Assessment Center geht gut. Besser als gut. Schon einen Tag später – die Zusage. Die Spannung steigt noch einmal ins Unermessliche, denn jetzt müssen noch die Vertragsbedingungen und vor allem die Bezahlung stimmen. Dank Homeoffice haben wir immer zwischendurch Zeit, die neuen Informationen zu diskutieren. Ich aktiviere eine alte Bekanntschaft. Lisa, eine Expat-Mama mit der ich einmal in Südafrika frühstücken war, mehr durch Zufall. Lisa war neu in der Stadt und wir hatten eine gemeinsame Bekannte. Wir verstanden uns gut, aber nach nur einem Jahr war Lisa wieder aus Johannesburg abgereist und nach Dubai gezogen mit ihrer Familie. Der perfekte Ansprechpartner für mich. Lisa und ihr Mann halfen uns sehr, die Lebensunterhaltskosten für Dubai einschätzen zu können. 

Es waren zähe Verhandlungen, aber dann schlussendlich passte alles, der Vertrag war unterschrieben. Nun musste ich noch meinen Minijob bei der lokalen Volkshochschule als Programmplanerin kündigen und mein Mann den viel größeren Schritt gehen und nach 20 Jahren seinen Job bei einer Firma kündigen, die uns beiden ans Herz gewachsen war, mit Menschen die uns durch einen Großteil unseres Lebens begleitet hatten. Und all das in der HochZeit von Corona. 

Zudem machten wir mächtig Druck, dass alles bis zum Schulstart in Dubai am 1. September 2020 über die Bühne lief. Denn wir wollten unseren Kindern auf keinen Fall zumuten, dass sie noch in Bayern die 5. Klasse starten müssten. Neue Freunde finden, in eine neue Schule einleben und dann wieder die Zelte abbrechen und erneut einige Wochen oder Monate später, die gleiche Torture erneut durchlaufen… Kam nicht in Frage. 

Wir musste unser Haus verkaufen, in dem wir gerade mal knapp zwei Jahre wohnten. Die Visa für die Vereinigten Arabischen Emirate mussten organisiert werden und eine Krankenversicherung gefunden werden. Die Schuleinschreibung in Dubai lief zum Glück reibungslos. 
Wir mussten überflüssige Dinge verkaufen und ein Umzugsunternehmen finden, welches unser komplettes Hab und Gut auch noch für ein paar Wochen/Monate einlagern würde. In Zahlen gesprochen beanspruchte unser, nach vielen Verkäufen bereinigtes, Hausgut immer noch einen 40„ High Cube Container. Wer schon einmal Übersee umgezogen ist, weiß, dass das die größtmögliche „Umzugseinheit“ ist. Darüber geht dann nur die Aufteilung auf zwei Container. 

Wegen Corona stand schon sehr bald fest, dass wir nicht vorab nach Dubai fliegen konnten, um uns ein Haus zu suchen. Es war überhaupt das erste Mal, dass wir umzogen, ohne vorher eine Orientierungsreise in das Land zu machen…. Uns blieb nur die Möglichkeit vorerst nach Ankunft in ein möbliertes Appartement zu ziehen (dieses wurde zum Glück von der Firma organisiert). 

Somit mussten wir nun auch noch unseren Hund vorrübergehend unterbringen, bis dieser Nachkommen konnte, sobald wir ein Haus gefunden hatten und unsere Möbel angekommen waren. Wir mussten Freunde und Familie überzeugen uns beim Umzug des Hundes dann später zu helfen.

Dank der Tatsache, dass mein Mann im Dauer-Homeoffice war, die Kinder zu Hause ihre .pdf Zettel der Lehrer bearbeiteten und mein Job bei der VHS auch fast im Stillstand war, hatten wir viel Luft, die Berge der Aufgaben zu erledigen, die so ein Umzug mit sich bringt. 

Und wir haben es geschafft. Am 19. August 2020 flogen wir nach Dubai. Natürlich nachdem wir in einem akkreditierten Labor in Frankfurt die entsprechenden Corona-Test gemacht hatten.

Die Kinder starteten am 1. September 2020 ihre 5. Klasse an der Deutschen Internationalen Schule Dubai. 

Die ersten zwei Wochen im Distance Learning. Nicht Home-Schooling wie in Deutschland. Professionell organisiertes Distance Learning, eine ganz neue Art der Beschulung für uns und eine Bereicherung. Dazu die Tage mehr hier in meinem Blog. 

Und was all das mit EntdeckerGlück zu tun hat? Was man alles lernt, wenn man sich mit einem neuen Land, einer neuen Schule, Umzugsunternehmen, Visavorschriften, Wohngebieten, Lebensunterhaltskosten beschäftigt, ist einfach unbezahlbar und für mich ein bereicherndes Glückgefühl. EntdeckerGlück. 

Wie unsere Familien den Umzugsplan aufnahmen? Dazu in den nächsten Tagen mehr.

Wer bin ich?

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EntdeckerGlück

Hallo, schön, dass Du auf meiner Seite gelandet bist. Vielleicht empfindest Du ja bereits ein bisschen EntdeckerGlück hier, beim Rumstöbern.

Ich bin Nicole, die Entdeckende, die dabei Glück empfindet. Ich habe es mir in meinem Leben zu eigen gemacht, mich an den kleinen Dingen zu erfreuen. Natürlich faszinieren mich genauso auch Reisen in neue Länder und bekannte Sehenswürdigkeiten. Wer fände das nicht toll? Aber oft ist es etwas Unbekanntes um die Ecke, über dessen oder deren Entdeckung man sich freuen kann, wie ein Waldstück durch das man zum ersten Mal spaziert; ein neuer Weg, den man nimmt; eine unbekannte Straße, die durch einen unbekannten Ort führt, in dem man wiederum vielleicht einen leckeren Nachtisch genießt, den man vorher noch nicht kannte. Ich kann mich sogar an der kreativen Beschriftung einer Toilettentüre in Lokalitäten, an einer besonderen Art und Weise, wie mir ein Kaffee serviert wird oder an der Kreativität meiner Kinder erfreuen. Täglich gibt es etwas zu entdecken und täglich gibt es eine Kleinigkeit die mir EntdeckerGlück bereitet und mir guttut. Und noch viel wichtiger, mein Bewusstsein schärft, es so zu sehen und zu empfinden.
Heute habe ich mich über die Entdeckung eines neuen Podcast erfreut.

Aber mal ehrlich, am meisten Glück bereitet mir doch das Entdecken im Bezug auf Reisen. (liegt wohl auch an meiner Berufswahl: I am a travel agent.) Aber da müssen es nicht die großen Reisen in die ferne Welt sein, auch in meiner Heimat der Kindheit, im hessischen Hinterland gibt es viel zu entdecken. Ganz besonders nehme ich nach meinem Wegzug von dort immer wieder und viel bewusster Kleinigkeiten wahr.

Ich habe nach der Schule eine Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin gemacht. Fasziniert von Sprachen und dem Ausblick auf eventuelle Reisen in ferne Länder. Bei meinem ersten Vorstellungsgespräch wurde mir dann klar, dass ich die meiste Zeit in einem Büro sitzen werde und übersetzen und sonstige Büroarbeiten erledigen werde. Panik stieg auf und wenige Tage später war die Entscheidung gefallen, gleich noch eine zweite Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau zu machen.

Zum Glück haben mich meine Eltern damals weiter unterstützt. Mit meinen bereits erworbenen Vorkenntnissen in Sachen Büroarbeit, war schnell eine Ausbildungsstelle gefunden. Und bereits nach wenigen Tagen in dem kleinen Reisebüro war mir klar, ich habe meinen Traumberuf gefunden. Es gab so viel zu entdecken auf dieser Welt, all die toll bebilderten Kataloge von fernen und nahen Reisen. Zudem die Vergünstigungen beim Reisen und dann noch jährlich eine bezahlte Inforeise in ein fremdes Land. Wahnsinn. Getoppt von den tollen Kunden, denen man dann anschließend besonders die Ziele, die man selber erlebt hatte, euphorisch verkaufen konnte. Und man wusste, man bucht für sie die schönsten Wochen des Jahres. Gut, es gab natürlich auch die Tage mit Beschwerden der Reiserückkehrer, Flugausfällen oder Flugzeitenänderungen, die nervenaufreibenden Visavorschriften in manchen Ländern usw. Aber man erinnert sich im Nachhinein ja hauptsächlich an die schönen Seiten 😉

Da mein Mann studieren wollte, zogen wir nach meiner verkürzten Ausbildung das erste Mal nach Bayern um. Und so fing es an, der Auszug und Umzug in die weite Welt.

Viele Städte und Länder würden noch folgen werden, von denen wir damals noch nichts ahnten.

Nach Freising ging es zurück ins Hinterland nach Biedenkopf, danach für ein halbes Jahr nach Würzburg. Würzburg war super schön, aber das Leben hatte andere Pläne für uns und so zogen wir innerhalb des gleichen Jahres weiter nach Regensburg, die Stadt in die wir uns verliebten. Und der Action in dem Jahr der zwei Umzüge nicht genug, planten wir in dem Jahr auch noch unsere Hochzeit und heirateten kurz nach dem Einzug in die Regensburger Wohnung im Hinterland.

Nach vier Jahren Regensburg ging es in die USA für drei Jahre, von dort mit Überbrückungs-Zwischenstopp (6 Wochen in einer Ferienwohnung) in Regensburg nach Südafrika. Von dort nach fast unbeschreiblich schönen und prägenden 10 Jahren zurück in die Nähe von Freising. Mittlerweile zwei Kinder und Hund mit im Umzugs“gepäck“.

Aber bereits nach vier Jahren kribbelte das Fernweh in uns. Und in der chaotischen Corona Zeit 2020 rief Dubai. Und so zogen wir unter ganz neuen Bedingungen, ohne vorher eine Orientierungsreise gemacht zu haben, um. Und hier sind wir jetzt, zu fünft: Mein Mann, unsere Zwillinge, unser Hund und ich.