Mauritius mit Frühstück und Mietwagen

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Die Insel im Indischen Ozean ist bekannt für seine traumhaften Strände und all die luxuriösen Hotelanlagen. Wir aber wählen bescheidenere Gästehäuser und Mietwagen für unsere zwei Wochen Trauminsel. 

Es ist der 25. Dezember und wir sind mit unserem kleinen grünen Chevrolet Spark unterwegs. Wir haben ihn liebvoll „Sparky“ getauft. Leider ist mein Mann viel zu groß (oder Sparky viel zu klein), dass er hinter dem Steuer Platz nehmen und auch noch fahren könnte. Also bin ich, ohne wirkliche Wahl, der Fahrer für unseren Urlaub. Dies führt zu einigen heftigen Diskussionen. Ich finde, ich passe mich dem Fahrstil der Mauritianer an. Mein Mann findet das überhaupt nicht und meint, ich rase viel zu schnell. Öfter kommt es soweit, dass ich am Straßenrand anhalte und ihn vor die Wahl stelle, entweder zu schweigen oder auszusteigen. Nach den ersten paar Tagen kommt Ruhe in unseren Sparky und wir diskutieren immer weniger meinen Fahrstil. Liegt es nun daran, dass ich wirklich anders fahre, mein Mann sich an meinen Fahrstil gewöhnt hat oder will er einfach keine weitere Angst zeigen und tapfer sein? Egal, hauptsache Frieden. 

Wie gesagt, es ist der 25. Dezember und wir sind seit zwei Tagen auf der Insel und wollen das Landesinnere erkunden. Eigentlich hatten wir uns vorgestellt, heute in den Bergen mit schönem Ausblick ein gemütliches Mittagessen einzunehmen. Daraus wird nichts. Alle Lokale an denen wir vorbeifahren, es sind nicht viele, haben geschlossen – Weihnachtsferien. Auch wir haben Ferien. Wohin sind all die Einheimischen verschwunden? Sie wohnen und arbeiten doch auf einer traumhaften Insel, warum flüchten sie? O.k., o.k. jeder braucht einmal Urlaub, aber doch nicht gerade dann, wenn auch wir Urlaub und somit unsere speziellen Vorstellungen und Erwartungen haben. 

Ganz spontan gibt es heute also kein Mittagessen. Dafür werden wir auf unserem Spaziergang durch den Naturpark „La Vallée des Couleurs“ bei Chamouny, ganz im Süden, mit wunderschönen Ausblicken gesättigt. Saftige grüne Hügel und Berge, rauschende Wasserfälle, kräftig blühende Blumen und viel, viel Sonne. Es gibt ein kleines Feld farbiger Erde, dass schon erahnen läßt, wie schön unser nächster Programmpunkt sein wird. 

Wir fahren nach Westen zum Park „Terres des Coulours“ (Park der farbigen Erde) bei Chamarel. Dieser Park ist für seine in sieben verschiedenen Farben leuchtende Erde bekannt und ein Muss bei einem Urlaub auf Mauritius. Wie eine Mondlandschaft liegt das große bunte Feld inmitten des dichten Waldes. Verschiedenste Farbtöne von Rot und Braun zieren die hügeligen, ausgewaschenen Erhebungen vor uns. Es ist bewölkt, aber wann immer die Sonne ihren Weg durch die Wolkendecke findet und die bunte Erde bescheint, leuchten die Farben gleich noch viel prächtiger. Der Anblick ist beeindruckend! Weniger beeindruckend ist die Tatsache, dass auch das Restaurant hier im Park geschlossen ist. 

Da wir nicht unbedingt der Fan von großen Strandhotelanlagen sind, habe wir uns in einem kleinen Gästehaus in La Gaulette eingemietet. Zumindest für die ersten Tage. Die „kreolische „Königin“ ist ein hübsches, persönlich geführtes Frühstückshotel. La Gaulette ist ein kleiner Ort im Südwesten der Insel, in den sich nicht viele Touristen verirren. Am Meer gibt es keinen Strand und auch keine Promenade, hier reihen sich einfache Hütten aneinander, in denen einheimische Familien leben. Aber mit unserem Sparky überhaupt kein Problem, wir sind flexibel. Der nächste weiße Traumstrand befindet sich auf der Halbinsel Le Morne, nur wenige Fahrminuten von La Gaulette entfernt. Zu Fuß können wir im Ort sogar ein kleines Restaurant erreichen, das auch geöffnet ist. „La Kaz Do“ hat eine schmale Terrasse und eine kleine Karte, aber sehr gutes Essen und freundliche, zuvorkommende Bedienungen. 

Von unserer Terrasse in der „kreolischen Königin“ haben wir einen freien Blick auf den Berg „Le Morne Brabant“. Dieser ist 556 m hoch und wurde von der UNESCO 2008 zum Weltkulturerbe ernannt. Zu Zeiten der Sklaverei auf Mauritius flüchteten viele Sklaven auf diesen Berg, um sich in Freiheit zu verstecken. Der Berg ist sehr steil und schwer zugänglich. Es kam vor, dass sich die Sklaven in der Not lieber vom Berg in den Tod stürzten, als wieder in die Gefangenschaft zurückzukehren. 

Wir fahren heute noch einmal ganz frei in die Berge und besichtigen die „Rhumerie de Chamarel“. Wenn man durch die Landschaft der Insel dahinfährt, fällt einem auf, dass bestimmt 80 % der Fläche mit Zuckerrohr bewachsen ist. Somit ist klar, dass all dieser Zuckerrohr auch verarbeitet werden muss, wie hier in Chamarel und dies sehr stilvoll. Diese besonders eindrucksvoll gebaute Rumdestillerie bietet Besuchern einen Einblick in das Handwerk der Brennerei und ein einladendes Restaurant, das sogar zwischen den Jahren geöffnet ist. Wir nutzen diese Gelegenheit natürlich sofort und genießen ein köstliches Mittagessen, eine Flasche südafrikanischen Wein und zum Abschluss einen mauritianischen Rum. 

Weiter durch die Berge fahren wir zum Grand Bassin, einem Kratersee. Entlang des Ufers zieren viele kleine Opferschreine, bunte hinduistische Götterstatuen und einige Tempel den See. Dies ist die heiligste Hindustätten auf Mauritius. Viele Gläubige pilgern barfuß von ihrem Haus zum See, der auch „Ganga Talao“ – See des Ganges genannt wird. Nicht direkt am See, aber ganz in der Nähe ragt eine etwas über 30 m hohe Shivastatue in den Himmel. Shiva ist einer der wichtigsten Götter im Hinduismus. Der Hinduismus ist auch die am meisten verbreiteste Religion auf der Insel. 

Auf dem Rückweg halten wir noch an zwei kleinen Buchten an, die uns besonders gefallen und ganz verlassen sind. Das ist das herrliche an einem Urlaub mit eigenem Mietwagen: überall wo es einem gefällt, kann man auch anhalten und man entdeckt die einsamsten Strände. Das Meerwasser ist badewannenwarm, aber trotzdem genießen wir das Plantschen im seichten Wasser.

Den nächsten Tag fahren wir wieder durch das Landesinnere. Durch Zuckerrohrfelder und Zuckerrohrfelder und … Zuckerrohrfelder geht es Richtung Süden, zu den Rochester Falls. Wir parken unseren Sparky auf einem kleinen Parkplatz und schon sind wir von Einheimischen umlagert. Alle wollen uns im kleinen Park der Wasserfälle umherführen. Wir schließen uns einem jungen Mann an, der sich Jim nennt, und schon geht es los. Etwa zehn Meter stürzt das Wasser hier in die Tiefe. „Laßt uns nach unten gehen, dort könnt ihr schwimmen“, schlägt unser Begleiter vor. Bei den Temperaturen hört sich das sehr verlockend an. Über einen kleinen Waldweg gelangen wir an einen See, der sich unterhalb des Wasserfalles gebildet hat, bevor das Wasser in einem Fluß seinen weiteren Weg über die Insel sucht. Jim passt auf die Kleidung auf, während wir uns im Wasser erfrischen und das herabstürzende Nass auf den Körper prasseln lassen. Beeindruckend schaut diese Kulisse aus. Die Felsen erscheinen fast schwarz und das Wasser strahlend weiß. Erfrischt steigen wir auf der anderen Seite den Berg hinauf und springen dann von Stein zu Stein zurück zum gegenüberliegenden Ufer. Wir gönnen uns noch eine frische Kokosnuss, bevor wir, immer noch nass, in unseren Sparky steigen. 

Auf dem Rückweg machen wir einen Stopp in Gris-Gris, dem südlichsten Punkt der Insel. Der kleine Park, in dem sich unzählige Einheimische zum Picknick tummeln, liegt hier direkt am Meer. Baden ist nicht möglich, so stark und hoch sind hier die Wellen, die mit praller Wucht an die Felsen schlagen und uns die Gischt ins Gesicht wehen. Das Tosen des Meeres ist berauschend. Lange stehen wir da und beobachten einfach nur die Wellen, die in einem türkisblauen Streifen brechen und die Gischt aufspritzen lassen. Von hier aus gesehen ist der Südpol das nächste Land in dieser Verlängerung.

Ein letztes Abendessen in unserem „La Kaz Do“, wo wir mittlerweile schon gut bekannt sind, bevor wir weiterziehen. 

Da wir verschiedene Ecken der Insel kennenlernen möchten, geht es nun an der Küste entlang Richtung Norden, nach La Preneuse. Dort haben wir ein Appartement im „La Mariposa“ gebucht. Die wunderschöne, direkt am Strand liegende Anlage ist klein und gemütlich und hat richtig Charme. Bei Ankunft bin ich froh, dass ich vor vielen, vielen Jahren Französisch in der Schule gelernt habe. Es ist Sonntag und außer einem Zimmermädchen ist gerade niemand zur Stelle. In ziemlich schlechtem Französisch kann ich irgendwie erklären, dass wir eine Reservierung haben. Und es funktioniert, wir bekommen einen Zimmerschlüssel. Das Appartement ist hell und freundlich eingerichtet und sehr gepflegt, wie die ganze Anlage. Kleine strohgedeckte Sonnenschirme geben uns Schatten auf unseren Holzliegen am weißen Sandstrand. Das türkisblaue Meer, für das Mauritius so bekannt ist, breitet sich direkt vor uns aus. Kleine Boote wiegen sich auf den leichten Wellen des indischen Ozeanes. Dieser Ort ist so idyllisch und erholsam, dass Sparky auch erst einmal Urlaub bekommt und wir zwei Tage am Strand verbringen. Von der Lagune sehen wir wieder den Berg „La Morne Brabant“ in der Ferne. Das Hotel hat nur wenige Zimmer und somit sind, trotz der Hochsaison zu Weihnachten und Silvester, nur wenige andere Sonnenanbeter mit uns am Strand. 

Nach zwei Tage werden wir wieder unruhig und wollen noch etwas von der Insel sehen. Port Louis, die Hauptstadt steht auf dem Programm. Wir können nicht auf Mauritius Urlaub machen und die berühmte „Blaue Mauritius“ verpassen. Also düsen wir mit Sparky weiter Richtung Norden. Port Louis erscheint uns riesen groß, nach all den kleinen Straßen durch die Dörfer der Berge und die Zuckerrohrfelder. 

Schnell ist Sparky geparkt und es geht zu Fuß weiter. Entlang der Caudan Waterfront schlendern wir Richtung „Blue Penny Museum“. Die Promenade ist geschmückt mit weihnachtlichen Figuren. Vom Dach des „Le Caudan Waterfront“ Einkaufszentrums baumelt ein überdimensionaler roter Nikolaus und davor am Geländer des Hafens steht ein geschmückter Weihnachtsbaum.

Die Kühle im Museum tut richtig gut. Melancholisch lesen wir über die Liebesgeschichte von Paul & Virginie, die sowohl ihren Autor, Jaques-Henri Bernardin de Saint-Pierre berühmt gemacht hat, wie auch die Insel Mauritius. Der Roman war ein großer, weltweiter Erfolg und wurde in unzählige Sprachen übersetzt. Paul und Virginie wachsen beide auf Mauritius auf. Virginie wird dann von Ihrer Mutter nach Frankreich zur Schule geschickt. Sie hat solche Sehnsucht nach Paul, dass sie schlussendlich auf das Schiff St. Géran steigt und sich auf die Heimreise macht. Das Schiff schafft es die ganze Strecke von Frankreich bis Mauritius, zerschellt dann aber, vor den Augen Pauls, an einem Felsen vor der Küste. Virginie überlebt das Unglück nicht und Paul bricht es das Herz. Die Beiden sind als Denkmal im Museum anzutreffen. Ebenso anzutreffen sind natürlich die rote und die blaue Mauritius. Allerdings muss man hier etwas mehr Geduld aufbringen, wenn man die original Briefmarken anschauen möchte. Diese werden nur für kurze Zeit stündlich beleuchtet, um die Farben zu schonen. Wir warten geduldig und erhaschen einen kurzen Blick. Natürlich können wir als Laien keinen Unterschied zu den Kopien sehen, die ständig beleuchtet bestaunt werden können. Aber wenn wir schon hier sind und die Gelegenheit haben, möchten wir natürlich das Konterfei der Königin Victoria im Original sehen. 

Wir erfahren noch Einiges über die Siedlungsanfänge auf der Insel und über die Postgeschichte, bevor wir uns wieder in die sommerlich, heißen Temperaturen außerhalb des Museums wagen. Entlang des Hafens schlendern wir vorbei an großen Schiffen, beobachten Fischer und essen ein Eis. Bald haben wir genug von all dem Trubel und es geht zurück zu unserer schönen, ruhigen Lagune. Fast hätten wir es vergessen, heute ist Silvester. Was tun?

Zurück in La Preneuse spazieren wir am Strand entlang. Einige Fischer sind gerade von ihrer Tour zurückgekehrt und nehmen im Sand die Fische aus. Eine Weile stehen wir da und schauen ihnen zu. Auf einer Terrasse mit Meerblick sehen wir festlich gedeckte Tische im Hotel „Les Sirandanes“. Spontan fragen wir nach und tatsächlich ist noch ein Tisch für zwei verfügbar. Gebucht!

Wir nehmen einen Aperitif an der Bar und schauen der Sonne zu, die in diesem Jahr ein letztes Mal berauschend schön im Meer versinkt. Bei einem verlockenden 6-Gänge-Menü genießen wir diesen besonderen Abend. Mit einem Glas Sekt geht es ins neue Jahr und dann barfuß am Strand entlang zurück zu unserer schönen Unterkunft. 

Herrlich entspannt genießen wir den nächsten Tag am Strand. Und da ist sie wieder – die Sonne. Gestern noch im alten Jahr im Meer versunken, heute im neuen Jahr wieder strahlend schön und warm am Himmel für uns. Kann ein Jahr besser starten? Nein.

Es steht wieder ein Umzug an. Die Koffer im Sparky verstaut, machen wir uns auf den Weg ganz in den Norden nach Grand Baie. Wow, dieser Ort ist belebt und voll. Zum Glück liegt unser Hotel nicht direkt im Ort. Wir durchqueren ganz Grand Baie und am Ortsausgang finden wir unser Hotel „Bleu du Toi“ in einer kleinen Seitenstraße. Entfernt von all dem Trubel, aber auch vom Strand. Für uns und unseren Sparky kein Problem. Die Zimmer sind nicht gerade groß, aber schön. Das Hotel wird von einem belgischen Ehepaar sehr liebevoll geführt. Wir erholen uns heute noch einmal am Pool, nach den turbulenten ersten Eindrücken von Grand Baie. Es kostet uns allerdings einige Überwindung in den Pool zu springen. Allerdings nicht, weil das Wasser so erfrischend kalt ist, sondern weil das Wasser so stark von den Außentemperaturen aufgeheizt ist, dass es jeder Badewanne Konkurenz machen kann. 

Abends sitzen wir an einer großen, langen Tafel auf der Terrasse des Hotels. Die Eigentümer haben gekocht und die Gäste genießen nun zusammen mit ihnen dieses vorzügliche Abendmahl. Mit Teelichtern beleuchtete Muscheln erhellen warm den stilvoll gedeckten Tisch. Das Essen ist einfach, aber von bester Qualität. Es gibt eine hausgemachte Lasagne als Hauptspeise, von der wir noch einen Nachschlag nehmen, so gut ist diese. 

Wir haben eine nette Konversation mit einem Ehepaar, dass sich für zwei Wochen in diesem Hotel eingebucht hat. Ohne Mietwagen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen sie die umliegenden öffentlichen Strände. Diese haben wir versucht den ganzen Urlaub zu meiden. Es scheint, dass fast alle Einheimischen über Weihnachten und Silvester frei haben und mit samt ihrem Mobiliar, wie Tischen, Stühlen, Teppichen und Küchenutensilien die öffentlichen Strände belagern. Aber Hans und Inge bestätigen uns, dass sie einen Weg gefunden haben, trotzdem immer noch einen ruhigen Platz zu finden. Sie laufen an den Stränden einfach so weit in eine Richtung, bis es ruhiger wird. 

Auch wenn Sparky uns einige Diskussionen auf dieser Reise gekostet hat, sind wir doch heilfroh, ihn bei uns zu haben. Er gibt uns die Flexibilität, einfach so lange weiterzufahren, bis wir unseren perfekten, einsamen Strand gefunden haben. 

Zwei Dinge stehen noch auf unserer to-do Liste. Und so geht es am nächsten Tag in den berühmten Pamplemousses Botanischen Garten, der eigentlich den offiziellen Namen „Sir Seewoosagur Ramgoolam Botanical Garden“ trägt. Mit einem Führer und einer kleinen Gruppe spazieren wir durch den Park. Der Führer weist uns auf versteckte Pflanzen hin, die wir ohne ihn sicher übersehen hätten. Wir sehen unter anderem „Wurst“ Bäume, mit überdimensionalen wurstähnlichen Früchten und Bäume, aus denen blutrotes Harz rinnt. Der Höhepunkt des Parks ist ein großes Becken mit Amazonas Wasserlilien. Die Teller der Pflanzen sind so riesig, dass angeblich, laut Führer, ein Kleinkind darauf sitzen könnte und nicht untergehen würde. Wir kommen noch an einer Schildkrötenanlage vorbei und einem kleinen Wildgehege. Eine weitere Stunde spazieren wir durch den wunderschönen, blühenden Park, bevor wir zu unserem letzten Programmpunkt aufbrechen. 

Sparky bringt uns zum „L´Aventure du Sucre“, das Museum, das dem Zucker gewidmet ist. Der Zucker war lange Zeit die wichtigste Einnahmequelle der Bewohner. Mittlerweile hat der Tourismus einen großen Teil übernommen. Anschaulich und imposant wird hier die Geschichte, der Anbau, die Verarbeitung und die Produktpalette dargestellt. Es wurden keine Kosten und Mühen gescheut, hier dem Zucker ein richtiges Denkmal zu erschaffen. Anschließend fahren wir mit einem ganz neuen Bewußtsein an all den unzähligen sattgrünen Zuckerrohrfeldern zurück zu unserem Hotel. 

Von unserem ebenso zuckerrohr-grünen Sparky müssen wir uns nun langsam verabschieden. Der Urlaub neigt sich dem Ende. Sparky bringt uns noch sicher zum Flughafen. Für ihn heißt es jetzt warten auf die nächsten Reisenden, die mit ihm die Insel erkunden werden. Für uns heißt es wieder, Alltag wir kommen.

Inseln Afrikas – mehr als schöne Strände

In dem kleinen, feinen Reiseführer (auch als pdf Version verfügbar) findest Du neben der Mauritius Reise auch noch Hoteltipps und Reisepläne für die Seychellen, Sanizibar und Madagaskar.

Das Ende des ersten Schuljahres naht

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Jetzt sind es nur noch wenige Tage und das erste Schuljahr in Dubai ist für unsere Kinder abgeschlossen. Ich bin mächtig stolz auf unsere Mäuse, dass sie das erste Jahr, die Umstellung und Eingewöhnung, die neuen Fächer, die langen Schultage, die Busfahrten und ganz besonders, die komplett neuen Schüler so gut aufgenommen und gemeistert haben. Ihr seid SPITZE. Es war und ist nicht immer alles einfach, da will ich nichts beschönigen. Immer mal wieder kommt das Heimweh nach den alten Freunden auf, nach den vertrauten Spielkameraden mit den gleichen Interessen. Da fehlt mal wieder das Dorfleben, um mit dem Roller zum Freund zu rollern oder mit Rad zum Fußballtraining zu fahren. Denn wegen der neuen langen Schultage kommt oft die Spielzeit am Nachmittag zu kurz. Wenn unsere Kinder um 15 Uhr mit dem Bus zu Hause ankommen, müssen sie erst einmal Essen und ein paar Minuten erholen bevor wir die Hausaufgaben starten können. Somit ist es oft bereits halb fünf, fünf, bis alle „Verpflichtungen“ erledigt sind. Und da die Schulfreunde meist nicht direkt in der gleichen Straße wohnen und man zu einer Verabredung noch „anreisen“ müsste, ist dies oft unter der Woche überhaupt nicht möglich. Zudem ist es in Covid19 Zeiten auch noch eher verhalten, dass man sich zum Spielen verabredet. 

Auch das eigentlich wirklich ansprechende Nachmittagsprogramm der Schule, bei dem verschiedene spannende AGs angeboten werden, konnte in Covid Zeiten nicht stattfinden. Aber auch das wird sich hoffentlich nach den Sommerferien 2021, mit Start der 6. Klasse für unsere Kinder ändern. Zwar kommen die Kinder dann noch später aus der Schule, aber haben wieder die Möglichkeit in Gruppen mit gleichgesinnten Schülern eine schöne Zeit zu verbringen. 

Wir stehen ja, wie bereits in einem anderen Artikel erwähnt, eventuell wieder vor einem Umzug, da wir planen ein Haus zu kaufen. Bewusst haben wir dieses nun noch etwas näher zur Schule ausgesucht, in einem Compound, in dem auch noch einige andere Mitschüler leben. Damit erhoffen wir uns, dass das gemeinsame Spielen und Treffen am Nachmittag einfacher wird. Zudem gibt es dort in der Anlage ein kleines Tenniscenter mit ein paar Plätzen, so dass wir hoffen, dass unsere Tochter, die momentan Einzelstunden bekommt, dann in eine Gruppe wechseln kann und vielleicht sogar wieder mit dem Rad hinfahren kann, wenn es die Temperaturen erlauben. 

Unseren Sohn, der noch sehr verspielt ist, beschäftigt es sehr, dass er nicht in den Pausen, wie früher in seiner bayerischen (vor Corona) Grundschule in den Pausen mit mitgebrachtem Spielzeug mit seinen Freunden spielen kann. Ihm fehlt hier klar der Ausgleich, das Verspielt sein, in den Pausen. Er muss seine unglaublich große Fantasie ausleben können und das kann er nicht, wenn er an seinem Platz in der Schule die Pausen absitzen muss. 

Erfreulich ist, dass über die letzten Monate die Einladungen zu Geburtstagsfeiern am Wochenende zugenommen haben. Dank stabiler Corona Zahlen und der Möglichkeit sich wieder mit mehreren Personen treffen zu dürfen, ist hier wieder Leben in das Leben gekommen und die Kinder genießen es. 

Mit den nahenden Ferien und den immer intensiveren Vorbereitungen für unsere Reise nach Deutschland zu Verwandten und Freunden, kehrt auch eine besondere Stimmung bei den Kindern ein. Eine Mischung aus Vorfreude, Niedergeschlagenheit und Spannung, wie es wohl werden wird, plötzlich wieder als Gast nach Deutschland zu reisen. Wie wird es sein, die alten Freunde wieder zu treffen? Wird man wieder sofort in die alten Spielrituale einsteigen? Wird es sich befremdlich anfühlen, nach all der Zeit und dem Raum zwischen einem? 

Ich und auch die Kinder, werden uns überraschen lassen. 

Dankbar bin ich darüber, dass die letzten Wochen, wie bereits erwähnt, die Zusammenkünfte der Kinder außerhalb des Schulgebäudes zu Geburtstagsfeiern oder Spielverabredungen zugenommen haben. Denn so hoffe ich ganz doll, dass die Kinder mit gleicher Vorfreude auf ihre neuen Freunde, auf die neue Schule und die neue Heimat, nach sechs Wochen Deutschland wieder in den Flieger steigen werden. Natürlich mit ein paar AbschiedsTränchen, das ist klar. Denn natürlich wird immer ein Teil des Herzens auch an Deutschland und den lieben Menschen von uns dort hängen, und die lässt man dann erneut wieder für eine unbestimmte Zeit zurück. 

An meine Kinder, die ungewollte und nicht selbstentschieden TCKs geworden sind und damit ihr Leben lang werden Leben müssen und wir noch nicht einschätzen können, wie sie es aufnehmen, für ihr Leben verarbeiten und einsetzen: Wir sind immer und überall für euch da. Und da, wo wir vier (plus Hund) sind, da ist unsere Heimat. Dort wo wir unser zu Hause beziehen, da ist unser WohlfühlFamilienNest. Denn das Haus, die Wohnung ist nur ein Gebäude aus Stein, wir, die darin mit unseren Herzen wohnen, wir sind die Heimat und das Zuhause. 

TCK? Third Culture Kids. 

Dazu später mal mehr. Super spannendes Thema. Den Ausdruck und das was dahintersteckt, kennen und wissen nur die, die davon irgendwie betroffen sind.

Sansibar

Rund um Afrika, Startseite

Enge Gassen und endlose Strände

Diese eigene Welt aus 1001 Nacht liegt nur etwa 35 Kilometer vom Festland Tansanias entfernt. Einmal angekommen ist man schnell verzaubert. Die Altstadt, Stone-Town, wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Ein paar Tage in dieser Stadt und man fühlt sich in eine längst vergangene Zeit versetzt.

Schon die Überfahrt mit der Fähre von Dar es Salam nach Sansibar ist ein Erlebnis. In der Wartehalle steht die Luft, Fliegen schwirren um den Kopf und nerven und die Hitze ist unerträglich. Endlich kommt die Fähre. Dicht gedrängt und voll beladen mit Lebensmitteln und Lebendem, warten die Reisenden in der heißen Sonne am Steg. Dann endlich haben alle ankommenden Passagiere das Boot verlassen und wir können einsteigen. Die zwei Stunden Überfahrt vergehen wie im Fluge. Auf den Fernsehapparaten läuft ein alter Film, Ton gibt es nur für die Reisenden in den ersten Reihen. Oben an Deck drängen sich die Frischluft-Suchenden, finden ein Plätzchen zwischen all den Paletten, Koffern, Paketen, Taschen und einem im kleinen Käfig aufgeregt flatternden Huhn. Der Wind weht einem um die Nase und die Aussicht auf das türkisblaue, endlose Meer ist atemberaubend. Wir passieren kleine Inseln mit weißen Stränden und einfache Fischerboote mit großen Segeln passieren uns. 

Stone Town

Dann erhaschen wir den ersten Blick auf Stone-Town. Dicht gedrängt stehen imposante festungsähnliche Häuser entlang des Wassers. 

Wir gehen von Bord und unser Inselabenteuer beginnt. Sansibar ist eine Inselgruppe, aber zugleich auch der Name der größten Insel. Sansibar Stadt ist die Hauptstadt und Stone-Town das bekannteste, historische Viertel der Stadt. Die Hauptinsel, Sansibar, wird in Swahili auch Unguja genannt. Zwei weitere große Inseln dieser Gruppe sind Pemba und Mafia. 

Obwohl wir auf dem Festland Tansanias schon eingereist sind, müssen wir auf Unguja erneut die Einreise- und Zollformulare ausfüllen. Wir bekommen einen Stempel in unseren Pass – Zanzibar Sea Port TANZANIA.

Nun sind wir offiziell und verlassen das Hafengebiet. Unzählige Führer und Fahrer warten darauf, mit den ankommenden Touristen Geld zu verdienen. Unser Hotel liegt, laut Beschreibung, nicht weit vom Hafen entfernt. Da wir aber den Weg nicht kennen, nehmen wir einen Führer und werden, für umgerechnet etwa fünf Euro, zu unserem Hotel gebracht. Die Leistung wäre sicherlich nur zwei Euro wert gewesen, da sich herausstellt, dass wir um zwei Ecken laufen und schon vor unserer Unterkunft stehen.

Unser Boutique Hotel versetzt uns gleich in eine ganz andere Welt. Arabisch und indisch angehaucht können wir das besondere Flair, nicht nur des Hauses, sondern der ganzen Stadt fühlen. Über ein enges, steiles Treppenhaus gelangt man zu den insgesamt nur neun Zimmern, je drei auf einer Etage. Die Zimmer sind alle individuell eingerichtet und dekoriert. Antike Möbelstücke, Himmelbetten und warme Farben verstärken dieses Gefühl, in eine andere Welt eingetaucht zu sein. 

Draußen im Schatten der engen Gassen lassen wir uns treiben. Wir schlendern den Nachmittag ohne Ziel durch Stone-Town, bewundern die prächtigen Häuser oder zumindest das, was von dieser ehemaligen Pracht noch erhalten ist. Die geschnitzten Holztüren, für die diese Stadt so berühmt ist, sind einfach faszinierend. Und wir machen mehr Fotos, als je irgendjemand von Türen anschauen möchte. Aber jeder Eingang ist so individuell und besonders, dass wir einfach nicht stoppen können. Es gibt glänzende, mit Gold verzierte und gepflegte Türen neben anderen, die schon Jahre lang keine Farbe mehr gesehen haben und all der Glanz und die Pracht erloschen sind, aber trotzdem auf ihre Weise faszinieren. 

Rechtzeitig zum Sonnenuntergang begeben wir uns …

Für Hotel- und Sightseeing Tipps und den kompletten Reiseplan geht es hier zum Download Inseln Afrikas – mehr als schöne Strände

Nach diesem Ausflug in die Badekultur des vergangenen Jahrhunderts wartet nun eher schwere Geschichte auf uns. Am Sklavenmarkt führt uns der Guide zuerst in den Keller hinunter. Dunkel, stickig und unbeschreiblich eng ist es hier und wir fühlen uns gar nicht wohl. Als wir hören, dass hier die Sklaven eng gepfercht oft tagelang ausharren mussten, bis sie auf dem Markt verkauft wurden, sehnen wir uns nach Frischluft. 

Draußen wieder angekommen, werden zwar die Geschichten erst einmal nicht besser, aber das Atmen fällt wieder leichter. In der anglikanischen Kirche, die heute genau an der Stelle steht, wo früher der Hauptumschlagplatz für die Sklaven war, hebt sich die Stimmung langsam wieder, weil wir endlich in der Geschichte am Ende der Sklaverei auf Sansibar angelangt sind. 

Entpannung im Spa

Nach einer Stunde der Belastung für Körper und Geist möchten wir einfach versuchen, unsere Gedanken und den Körper wieder zu reinigen und zu befreien. Wir schlendern zurück zum Hotel und buchen eine Massage in einem modernen „Badehaus“, einem Spa. Im Hotel werden wir abgeholt und durch die engen Gassen zu einem alten Gebäude geführt. Außen schaut es sehr trist und heruntergekommen aus.  Innen begrüßt uns …

Interesse an Sansibar? Inseln Afrikas – mehr als schöne Strände

Am nächsten Tag heißt es Abschied nehmen von dieser beeindruckenden und mitreißenden Stadt. Wir fahren in den Norden und werden noch ein paar Tage im Hotel am Strand verbringen. 

Strandzeit

Gebucht haben wie ein Hotel, welches Bungalows ohne Klimaanlage bietet, ein Haus zur Selbstverpflegung und ein Haus, in dem die Zimmer mit Klimaanlage ausgestattet sind. Wir gönnen uns den kleinen Luxus eines gekühlten Zimmers.
Die Anlage ist idyllisch, ruhig und direkt am Strand gelegen. Auf einer großen Holzterrasse, die über dem Meer zu schweben scheint, stehen Liegen, Hängematten und schwingende Holzbetten in luftigen, offenen …

Interesse, die Reise nachzureisen? Kompletten Zugriff auf alle Infos und Tipps gibt es hier Inseln Afrikas – mehr als schöne Strände

Es ist kaum vorstellbar, dass wir nur acht Nächte auf Sansibar verbracht haben. Die vielen Eindrücke, die Erholung und die engen Gassen Stone-Towns haben uns verzaubert. Wir kommen sicher einmal hierher zurück, in diese Welt aus 1001 Nacht.

Nach der Ankunft…

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… kommt die NeuZeit. 

Neue Umgebung, neue Gegebenheiten, keine Kontakte, keine Verpflichtungen. Da beginnt eine sehr besondere, intensive Zeit. Man ist erst einmal komplett auf den Partner oder die Familie angewiesen, die kleine Familie – die mit umgezogen ist. Es gilt darauf zu schauen, dass jeder gut ankommt und ein erstes, hoffentlich gutes, Gefühl empfindet. Gemeinsam die neue Umgebung erkunden, umherlaufen, auf sich wirken lassen. Den Blick nach vorne, aber auch nach oben, unten und in die Seitengassen schweifen lassen. Eintauchen in das Neue. Neue Gerüche, neue Geschmäcker in neuen Lokalen. Das erste Mal gemeinsam die endlos erscheinenden Gänge des neuen Supermarktes erkunden. Vertraute Artikel kaufen, aber auch ganz bewusst zu etwas Neuem greifen, wie den Schokoriegeln oder die Kekse für die Kinder, die sie noch nicht kennen, heute aber das erste Mal probieren dürfen. Eine exotische, unbekannte Frucht, bei der man sicher zu Hause erst einmal im Internet nachschauen muss, wie man diese Wohl isst. 

Aber auch dem Gehör seinen Raum geben. In der Shopping Mall lauschen, wenn zu bestimmten Zeiten plötzlich der Ruf des Muezzins durch die Lautsprecher ertönt und eine besondere Stimmung in der Mall verbreitet. Und wenn es die Kinder nicht wahrnehmen, darauf hinweisen. Ihre Aufmerksamkeit für die Welt schärfen. Vielleicht schreien die Möwen in der Luft… Mein Laut, der mir just in diesem Moment zu unserem Aufenthalt in Milwaukee, USA einfällt. Einer der Geräusche, die mir für Johannesburg, Südafrika in Erinnerung geblieben sind: das Gezeter der Hadedas Vögel im Garten, besonders in den Morgenstunden. Beim „googeln“ gerade, ob dieser Geselle wohl wirklich so heißt oder einfach nur so genannt wird, stelle ich fest, dass es sich korrekterweise um den Hadada Ibis, handelt, zu Deutsch auch Hagedasch. Aber mal ehrlich, dass ändert jetzt nichts an der Tatsache, dass ich immer das lautstarke Gezetere dieses Freundes mit unserem Garten im Norden Johannesburgs in Verbindung bringen werde. 

In dieser besonderen NeuZeit sollte man versuchen die neue Stadt so intensiv wie möglich aufzunehmen, denn man ist noch vollkommen unvoreingenommen und nimmt einfach nur unbewertet auf. 

Und man sollte auch diese Zeit zu zweit, zu dritt, zu viert… genießen, denn solch eine besondere NeuZeit gibt es nicht sehr häufig. Oft hat man zum Start in einem neuen Land ein paar Tage gemeinsam frei, bevor meist der Mann wieder in seinen Job einsteigt. In diesen Tagen hat man sozusagen die Familie ganz für sich ganz alleine. Noch keine Einflüsse von außen. Es ist ein tolles, besonderes Gefühl. Man sollte auch wirklich versuchen, es wahrzunehmen.

Das ist fast ein bisschen so, wie während des Corona Lockdowns. Hier haben, leider natürlich gezwungenermaßen, die Familien plötzlich sehr intensiv Zeit miteinander verbringen müssen. Das, was viele in der Form vielleicht nicht kannten. Im Alltag geht jeder seinen Hobbies nach, geht arbeiten, trifft Freude, das oft auch getrennt. Wenn man als Familie oder als Paar in den Urlaub fährt, ist es auch eine andere Situation. Man ist offen für neue Kontakte zu anderen Urlaubern. Plötzlich war in 2020 nur noch die Familie angesagt, der Partner und/oder die Kinder oder gar der Single plötzlich wirklich Single im wahrsten Sinne des Wortes. Und ich habe in meiner direkten Umgebung damals erlebt, wie befreundete Familien (ohne ExpatErfahrung – aber sicher natürlich auch viele andere) damit zu kämpfen hatten. Wir hingegen sind uns oft auch als Familie bewusst genug. Ich denke, das beschreibt es am besten. Einfach wir vier. Wir haben es gelernt und schätzen es, die Familienzeit zu genießen. Was für viele in dieser Covid19 Anfangszeit im Frühjahr 2020 eine Zeit der Ungewissheit und Hilflosigkeit ausgelöst hat, hat uns vielleicht nicht so überraschend erwischt, weil wir ähnliche Situationen der „Abgeschiedenheit“, des „Ungewissen“ schon öfter, wenn natürlich auch auf andere Art und Weise, erlebt und gemeistert haben. 

Das soll natürlich in keiner Weise die Covid19 Pandemie schönreden. Es war und ist für die Welt ein Schock, eine Herausforderung und eine große Belastung für alle. 

Ich denke, viele Expatfamilien genießen auch bewusst diese anfängliche NeuZeit nach der Ankunft. Sie versuchen gar nicht unbedingt, direkt Kontakte zu knüpfen oder auch eventuell entfernte Kontakte zu aktivieren. Erst einmal ankommen, das Neue wirklichen lassen und genießen. Gerade ab der zweiten, dritten Weltstation wird man ganz bewusst diese Zeit durchleben, denn dann hat man die Erfahrung bereits gemacht und kann die Situation besser einschätzen. Man hat nicht das Gefühl, direkt auf die Suche nach neuen Freunden gehen zu müssen, man kann es langsam angehen. Man weiß, dass sich alles mit der Zeit finden wird. Dieser Aktionsdruck, den man sich vielleicht noch beim ersten Mal selber auferlegt hat, entfällt. Die Unsicherheit ist weg. Frau weiß, dass sich alles fügen wird, dass neue Kontakte kommen werden, wenn man offen ist. Und offen sein, ist natürlich eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Auswanderung. 

Ich finde hierzu einen Abschnitt aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse sehr passend: 

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, 
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben. 

Aber eigentlich finde ich fast das ganze Gedicht sehr schön im Zusammenhang mit dem Gedanken zum Auswandern..

Stufen 

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Von Hermann Hesse 4. Mai 1941

Also keine Scheu vor dem Neuen, was kommen wird. Es wird sich alles fügen, einfach offen sein und bleiben. Und nicht vergessen, die besondere Zeit nach der Ankunft einfach zu genießen. Es ist so unbeschreiblich spannend, all die neuen Dinge im neuen Umfeld unter neuen Umständen zu entdecken. Pures EntdeckerGlück.

Rückzug

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Nein, hier mit ist jetzt nicht gemeint, dass wir zurückziehen, wohin auch immer, sondern ich möchte euch heute den Verlust des Rückzugsortes meiner Tochter während der letzten zwei Wochen beschreiben und unsere Erkenntnis daraus mit euch teilen.

Familie lernt ja nie aus. 

Es hatte sich Besuch aus Deutschland angekündigt, eine vierköpfige Familie. Nach ein wenig hin und her überlegen war die gemeinsame Entscheidung gefallen, dass unsere Tochter mit in das Zimmer ihres Zwillingsbruders zieht, für diese zwei Wochen. Die Kinder des Besuches bezogen also das Zimmer unserer Tochter. Da sich dieses Zimmer ein „Jack and Jill“ Badezimmer (nähere Beschreibung dazu im Blogbeitrag „Haussuche“) mit dem Zimmer unseres Sohnes teilte, fiel somit auch irgendwie die Privatsphäre des Bades weg. Und obwohl unsere Kinder sehr oft noch sehr gerne gemeinsam in einem Zimmer schlafen, meine Tochter auf einer Matratze vor dem Bett unseres Sohnes, an Wochenende sogar manchmal zum Spaß mit all den Kuscheltieren beide in einem Bett, ist es etwas komplett anderes, seine Rückzugsoase für komplette zwei Wochen aufzugeben. Und das auch noch, während einer normalen Schulzeit, keine Ferien, keine Feiertage, Schulalltag. 

Der Besuch an sich war super angenehm!! Sehr selbstständig, viel auf eigene Faust unterwegs. Jeder machte sein Ding, über Frühstück, Fitness usw. Es lief alles sehr harmonisch, angenehm und erfreulich ab. Kompliment an den Besuch. Wir hatten eine tolle Zeit, am Wochenende machten wir einen wunderschönen Wüstenausflug mit Übernachtung gemeinsam, ohne viel Schlaf, was meiner Tochter ebenfalls zusetzte. 

Zum Beginn der zweiten Woche merkte ich, dass sie langsam die Kraft verließ. Ich schob es auf das wunderschöne, aber auch super anstrengende Wüstenwochenende. Und versuchte mit frühem Schlafengehen entgegenzuwirken. Aber es wurde eher von Tag zu Tag schlimmer. Sie wurde immer sensibler, machte oft einen traurigen Eindruck und dann erkannten wir, dass der Auslöser der fehlende Rückzugsort für sie war. Nach einem lagen, anstrengenden Schultag, bei dem die beiden von 7 bis 15 Uhr aus dem Haus sind, fehlte ihr die Erholung in ihrer Wohlfühloase – ihrem Zimmer. In dieses zieht sich unsere Tochter oft nach den Hausaufgaben zurück, malt Bilder auf ihrer Staffelei, sitzt in ihrem Sitzsack und liest Bücher – sie tut einfach das, was ihr guttut und was sie und ihr Körper brauchen. Dieser Rückzugsort war nun komplett weggefallen. Ich fand sie manchmal auf dem Boden im Zimmer ihres Bruders kniend, dort malen.

Und da wusste ich, wir haben einen großen Fehler gemacht, sie zu bitten, ihr Zimmer für den Besuch zu räumen. 

Ich redete mit ihr, entschuldigte mich für die dumme Entscheidung und versprach ihr, dass nie wieder sie oder ihr Bruder ihr Zimmer für Besuch aufgeben müssten. Allein das Reden tat gut, obwohl wir beide ein paar Tränchen vergossen.

Ich besprach die Situation auch mit den Freunden. Auch die verstanden sofort die Gefühlslage unserer Tochter. 

Im Endeffekt ist unser Gästezimmer groß genug, dass wir hier noch zwei Matratzen für zwei Kinder mit reinlegen können. Und ich denke, der Besuch, der sowieso in einer Stadt wie Dubai, die meiste Zeit auf Erkundungstour unterwegs ist, stört sich nicht daran, für eine Woche oder länger ein Zimmer mit den Kindern zu teilen. Und zudem hat der Besuch Urlaub und wir leben parallel im Alltag weiter, was heißt, dass für uns unter den normalen Arbeits- und Schulbedingungen eine andere Anstrengung und somit auch eine andere Art von Notwendigkeit an Ruhe, Erholung und eben Rückzugsmöglichkeiten wichtig ist und dies jeder verstehen wird oder verstehen sollte. Und wir haben an der Reaktion unserer Freunde gemerkt, dass eine Familie das sehr gut nachvollziehen kann. 

Somit das Fazit unserer letzten zwei Wochen: Besuch geht auch einmal während des Alltags (sicher nicht zu häufig), wenn der Besuch unkompliziert und selbstständig ist, keine 5***** Unterbringungen mit Rundumservice erwartet.

Wichtig für uns als Familie, Freunde und Gastgeber: Wir werden kein Zimmer, keine Rückzugsmöglichkeit aufgeben und wir werden unseren Alltag auf keinen Fall in irgendeiner Art und Weise an den Besuch anpassen können. 

Aber wahre Freunde und unsere tollen Familien verstehen das sowieso. Manchmal vielleicht früher als wir.

EntdeckerGlück? Ja, trotzdem und sowieso, denn wir haben ja eine wichtige Entdeckung und Erkenntnis aus dieser Erfahrung mitgenommen. Rückzugsorte sind SEHR WICHTIG, für jeden von uns.

Haussuche…

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… kann spannend und interessant sein, kann sich aber auch zu einer nervigen, frustrierenden Sache entwickeln. Im Moment ein ewiges Gefühlschaos, auf und ab… 

Letzte Woche habe ich ein Haus zum vierten Mal besichtigt und plötzlich war das Gefühl, dass genau dieses Haus unser Haus sein soll, so stark, dass eine wahre Euphorie in mir aufstieg. Leider ziemlich schnell niedergeschmettert mit einem unschlagbaren Angebot eines Konkurrenten. Irgendwo hat man, in unserem Fall „Familie“, ja finanzielle Limits. Unseres ist klar gesteckt und auch unsere Vorstellungen von dem, was unser Haus bringen soll oder nicht, sind sehr klar. Ganz obere Priorität: eine ruhige Lage. Was für uns in diesem Fall bedeutet, weit genug entfernt von jeglichen Highways und auch von den größeren, internen Verbindungsstraßen in einer Wohnanlage. Zudem kommen eigentlich momentan auch nur zwei größere Compounds in Frage, die sowohl für meinen Mann einen annehmlichen Arbeitsweg bieten, als auch für die Kinder den Schulweg nicht endlos in die Länge ziehen. Sehr eingeschränkt, ich weiß. Hinzu kommt, dass momentan gefühlt alle Familien ein Haus unserer Kategorie suchen, aber nicht wirklich viele Familien ein Haus verkaufen, dass unseren Ansprüchen entspricht. Ihr seht also, hier kommt die Frustration ins Spiel. 

Diese Frustration diese Woche noch zusätzlich gesteigert von der Enttäuschung, dass WunschHaus nicht bekommen zu haben und nun die Suche erneut starten zu müssen. Ich habe bereits ganze Exceltabellen mit Häusern, von denen ich bereits über die Makler die Lage geklärt habe oder die ich angeschaut habe und die absolut nicht in Frage kommen. Hingegen findet sich in der Liste der interessanten Objekte… kein einziges Objekt. Frust? Ja! Immer im Hinterkopf der Gedanke, dass ich in einem Monat der Sommerhitze entfliehen werde und meine Suche sowieso (eventuell erfolglos) unterbrechen muss. Und das nicht für zwei Wochen, nein, ich werde mit den Kindern sechs Wochen in Deutschland sein, bevor ich überhaupt wieder in der Lage wäre, Häuser zu besichtigen. Panik. Was, wenn genau in dieser Abwesenheitszeit UNSER Haus auf den Markt kommt? Noch mehr Frust. Mein Plan also, die Häusersucher komplett während unserer Reisezeit zu stoppen. Ich werde keine Immobilienseiten besuchen. Ist der Plan… schaffe ich das? 

Ein Schimmer Hoffnung in der Situation: 

Nach Ankunft Mitte August 2020 wohnten wir anfangs in einem möblierten Appartement. Erst als die Kinder in der Schule angekommen waren, nach zwei Wochen in den Präsenzunterricht wechselten, konnte ich die Häusersuche im letzten Jahr starten. Und auch letztes Jahr, hat es eine ganze Weile gedauert, fast zwei Monate, bis ich das Passende für uns gefunden hatte. Somit verbrachten wir drei Monate im Hotelappartement, bevor wir das Haus beziehen konnten und unser Hab und Gut angeliefert werden konnte. 

Warum wir jetzt schon wieder ein Haussuchen und schon wieder umziehen wollen?

Wir sind jetzt in der glücklichen Lage, dass wir ein wunderschönes Haus gemietet haben, in dem wir gerne auch wohnen bleiben würden, wenn denn nicht die Mieten für solch ein Objekt exorbitant hoch wären und man für diesen Preis, lieber so schnell wie möglich ein Eigenheim finanziert. So, zumindest unsere Rechnung und Entscheidung, denn unser Plan ist es, hier wirklich für ein paar Jahre zu bleiben. Mein Mann hat einen lokalen Vertrag, keine Entsendung, somit ist von Firmenseite keine Begrenzung des Aufenthaltes geplant und von Familienseite auch nicht. 

Wenn wir also Mitte August 2021 aus unseren ersten Ferien in Deutschland wieder zurückkommen, hoffe ich, dass ich dann ein passendes, bezahlbares Kaufobjekt finden werde, denn unser Mietvertrag läuft noch bis Mitte November. Das sollte mir noch ein wenig Luft verschaffen. Ihr seht, irgendwie habe ich schon meine Hoffnung aufgegeben, noch in den nächsten vier Wochen vor Abflug ein schönes Heim zu finden. 

Und obwohl ich unseren jetzigen Vermieter bereits einmal gefragt habe, ob er uns das Haus nicht verkaufen mag und er bereits einmal mit nein geantwortet habe, habe ich einfach letzte Woche noch einmal gefragt. Die Antwort steht leider noch aus…

Die Haussuche bleibt spannend.

Tipp für Familien, die in einer ähnlichen Lage sind, die HausKaufSuche starten möchten und das Geld nicht bar auf den Tisch legen können:

Sinnvoll ist es, von eurer lokalen Bank ein preapproval für die Finanzierung (mortgage) zu bekommen. Das hilft bei der Preisverhandlung und bietet Pluspunkte. Wenn man sich mit dem Verkäufer auf einen Preis geeinigt hat, macht die Bank eine Bewertung (evaluation) des Objektes und wird auch nur den Betrag für Euch finanzieren, der bei der Wertbestimmung festgelegt wurde. In Situationen eines Verkäuferfreundlichen Zeitpunktes, wie momentan (viele Käufer, wenig Verkäufer), fällt der ermittelte Wert meist viel geringer aus, als der gewünschte Kaufpreis. Eh klar… 

Hier ist also einiges an Rechenarbeit vorab zu erledigen, um wirklich zu ermitteln, welchen Kaufpreis man im Endeffekt bezahlen kann. 

Für die Suche von Kauf- oder Mietobjekten kann ich die Homepage Propertyfinder.ae empfehlen. Es gibt noch die Seite dubizzle, aber hier habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Makler nicht regelmäßig aufräumen und ausmisten und oft viele Objekte noch angezeigt werden, die längst verkauft wurden. Fazit von mir, diese Seite macht mehr Hoffnung und Arbeit als nötig. Propertyfinder definitiv immer aktueller.

Ergänzung:

Ich möchte noch ein paar „Fachbegriffe“ zur Haussuche erklären.

Villa – einfach ein einzeln stehendes Haus.

Townhouse – vergleichbar mit einem Reihenhaus.

BUA – Build up area – entspricht der Angabe der Wohnfläche, wobei hier wirklich einfach die Bodenfläche des kompletten Wohnraumes angegeben wird.

Study – in Amerika wird dieser Bereich/Raum oft als „Den“ bezeichnet. Ein Bereich, ein Raum gedacht für ein Büro, für mich auch gerne ein Gästezimmer, etwas kleiner als das gewöhnliche Gästezimmer, oft befindet sich hier kein direktes Bad angeschlossen, aber sehr oft sehr wohl… . Manchmal ist die Study auch ein Raum, der nicht baulich vom z.B. Wohnzimmer getrennt ist. Also ein sehr dehnbarer Begriff.

Jack and Jill (bathroom) – bedeutet, dass sich zwei Schlafzimmer ein Badezimmer teilen, also beide Schlafzimmer haben über eine Tür Zugang zu diesem Badzimmer, in dem meist der Toiletten-/Duschbereich noch durch eine seperate Tür abschließbar ist. Meistens sind Doppelwaschbecken verhanden. Eigentlich perfekt für jüngere Kinder, aber sobald das Teenager-Alter naht… eher Stresspotential.

Tea Kitchen – meist eine kleine Küchenzeile mit Wasseranschluss, in der Nähe des Masterbed Rooms (Elternschlafzimmers) im oberen Hausbereich.

Family Room – generell eine größere, freie Fläche im oberen Wohnbereich, nicht durch eine Tür getrennt, mittig gelegen zwischen den umliegenden Schlafräumen. Dieser Bereich wird oft mit Sofa und TV und/oder Buchregal ausgestattet.

Powder Room – ein „Gäste-WC“ im unteren Wohnbereich, bei dem das WC räumlich getrennt und verschließbar ist und das Waschbecken frei zugänglich.

643 km – 8 Nächte – 4 Unterkünfte

Rund um die UAE

RAK – Rundreise der anderen Art

Eindrücke zur Reise gibt es die nächsten Tage auf Instagram EntdeckerGlueck. Viel Spaß.

Wir lieben Autorundreisen. Auch unsere Kinder sind mittlerweile mit dem EntdeckerVirus angesteckt und lieben diese Art von Reisen. Dieses Glück, wenn sie es sich mit all ihren Büchern, Kuscheltieren und Hörspielen auf der Rückbank des Autos häusliche einrichten, ein Strahlen auf ihren Gesichtern und die Vorfreude, was der Tag wohl so bringen wird – herrlich. Da Covid19 zu unseren Osterferien 2021 immer noch die Welt beherrscht, bleiben wir im Land. Wir sind neu hier und es gibt SO VIEL ZU ENTDECKEN in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Los geht´s. Ich habe eine Rundreise durch das benachbarte Emirat Ras al Khaimah geplant. Meinen Mann habe ich vorgewarnt, dass das nicht eine Autorundreise wird, wie wir es kennen. Die Wegstrecken sind erheblich (!) kürzer. Die Kinder verstehen das natürlich nicht wirklich oder wollen nicht, auch mit ihren 11 Jahren nicht. Sie erwarten geschmierte Butterbrote und Äpfelchen, Zeit zum Lesen, Hören und aus dem Fenster starren und die Welt vorbeifahren sehen. Als wir nach einer Stunde bereits am ersten Ziel ankommen – großes Erstaunen.

Ghost Village & Heritage Village al Jazirah al Hamra

Noch größeres Erstaunen bei uns allen, als die „Sehenswürdigkeit“, die angeblich nicht auf Touristen ausgerichtet ist, sondern mehr auf eigene Faust erkundet werden soll (damals laut Internet), plötzlich über ein Kassenhäuschen und eine geschlossene Tür verfügt. Leider war uns nicht bewusst, dass diese Geisterstadt Teil des Ras al Khaimah Fine Art Festivals 2021 war und somit nur am Wochenende „geöffnet“ sein sollte. Dumm gelaufen. Aber mal ehrlich, es gibt immer Mittel und Wege. Wir sind wieder ins Auto gestiegen, einmal um die Ecke gefahren, außer Sichtweite des Wachmannes und sind einfach einen Block weiter durch die verlassene Stadt geschlendert, denn der Bereich ist wirklich groß und es gibt in jeder Ecke etwas zu entdecken. Es ist angeblich die letzte traditionelle Stadt, die noch erhalten ist, mal mehr, mal weniger. Früher stark besiedelt von Seefahrern und Perlentauchern und -händlern, bis Mitte der 20. Jahrhunderts die Moderne lockte und die Bewohner langsam das Dorf verließen. Aber für die Kunst wollten wir doch noch mal auf dem Rückweg vorbeischauen…

BM Beach Resort

Kleine Zeitreise in die 80er… Kantinen Style all inklusive Restaurant und Back to the past Zimmer. Aber traumhaft schöne Strandbar mit netten türkisfarbenen Sofas, einem wunderschönen Sonnenuntergang, 20 Minuten kostenlosem Kajak Fahren für die Kinder, was will man mehr für eine Nacht? Schlaf? Kantine haben wir abends dann ausfallen lassen, wir hatten ja schließlich Feierabend. Sind auf dem SonnenSofa sitzen geblieben und haben Pizza und Burger vom Bar Menü bestellt (und leider auch noch einmal gezahlt) Zum Thema Schlaf: Uns war nicht bewusst, dass wir bei einer Buchung eines Familienzimmers mit vier Personen, wohlgemerkt unsere Zwillinge sind elf Jahre alt, ein Kingsize Bett und ein schmales Einzelbett bekommen würden. Schlaf war also in dieser Nacht Mangelware. Und ein leichtes flaues Gefühl… sollte das für die nächsten Unterkünfte auch so sein?

Zeitüberbrückung…

Zwischen Auschecken bis spätestens 11 Uhr und Einchecken um 15 Uhr liegen vier Stunden. Unsere Fahrstrecke heute 21 km. Was tun… Geplant war ein Mittagessen im Ritz Carlton, welches direkt auf dem Weg lag. Ich hatte auch extra Tage zuvor angerufen, ob die Restaurants mittags geöffnet sind – ja. Am Tor angekommen, leider kein Einlass, weil Ostern und Covid und nur mit Reservierung… Also habe ich wieder angerufen, zwar geöffnet, aber leider ausgebucht. Hätte man mir ja vielleicht auch bei meinem letzten Anruf eine Reservierung empfehlen können… Customer Service? Na, ja, kein Essen, aber immer noch vier Stunden zu überbrücken, denn beim Bedouin Oasis Camp hängt ein großes Vorhängeschloss am Tor.
Also fahren wir wieder zurück nach Al Jazirah al Hamra und erkunden noch spontan den Yachthafen, finden ein tolles Restaurant mit Meerblick. Und haben ganz unerwartet noch ein tolles Fleckchen Erde entdeckt, welches gar nicht geplant war.

Bedouin Oasis Camp

Was für eine wunderschöne Oase! Wow. Da wir noch nie in der Wüste UAEs übernachtet haben, wirklich ein toller erster Eindruck für uns. Apropos Übernachten – Schlaf? Wieder die gleichen Voraussetzungen wie die Nacht zuvor und diesmal bleiben wir zwei Nächte, also zwei Nächte wenig Schlaf. Aber wir sind so magisch verzaubert von dem Ort, dass uns das am Nachmittag auch einfach egal ist. Wir buchen sofort für den frühen Abend drei Quads (mein Sohn fährt lieber bei mir mit und genießt) und erfrischen uns dann im Pool mit Wüstenblick. Irgendwie utopisch. 
Mit einem tollen Guide erleben wir eine halbe Stunde Wüstentraum mit unseren Quads. Kamele greifbar nah. Ein Kamelhirte trinkt an einem kleinen Feuerchen mitten im Nirgendwo Tee. Was für ein tolles Erlebnis. Der Daumen unserer Tochter ist nach einer halben Stunde reif für Rast. Jetzt werden die Beine belastet. Sandboarden. Und anschließend ein tolles, super durchorganisierten Buffetessen unter freiem Himmel in arabischen Lümmelecken mit Sitzkissen auf Teppichen. Erholung. Zum Nachtisch nach dem Süßen gibt´s noch eine Bauchtanzeinlage, die wir mit unseren vollgeschlemmten Bäuchen nicht übernehmen könnten. Und zum absoluten Höhepunkt noch eine Feuershow unter diesem Wüstensternenhimmel. Schöner könnte kein Tag sein. Und deshalb bleiben wir zwei Tage und wiederholen das ganze morgen noch einmal. 

Dattel- und Kamelfarm

Für den nächsten Tag haben wir eine kleine Tour gebucht, hatte ich so auf der Homepage des Camps gefunden. Extra ausgeschlossen hatte ich den Dune Bashing Part, da wir davon kein großer Fan sind. Aber wie sich später rausstellen sollte, das unerwartete Highlight des Ausflugs. Erstmal warten wir fast eine Stunde auf den Tourguide. Ich denke, die Organisation war schlichtweg vergessen worden. Aber der Herr kam, war super freundlich und brachte uns zur Dattel… Farm? Ich persönlich hätte mir eine repräsentative Farm mit Erklärungen, Verkostung vielleicht, gar eventuell mit einem Shop vorgestellt, erträumt, erhofft… Es war mehr eine sehr einfache, dreckige, heruntergekommene Anlage, wenig Palmen, keine Führung, keine Erklärung – nichts, einfach nichts außer Müll und Dreck. Auf zur Kamelfarm. Farm? Hinter einem Zaun ein paar Kamele, der Guide holt mit einem Spaten ein paar Büsche aus dem Wüstenboden und die Kinder können über den Zaun hinweg füttern. Als er auch mir einen Busch überreicht und ich mich zum Zaun begeben, bekomme ich plötzlich den Schock meines Lebens, denn mein Blick noch auf die Kamele vor mir gerichtet, taucht unerwartet ein Kamelkopf über meiner Schulter auf. Mir bleibt die Luft weg. Der Guide ruft irgendetwas, ich drehe mich um und sehe plötzlich überall Kamel um uns herum. Das wird mir zu unheimlich. Auch mein Mann ist sehr skeptisch. Wir treiben die Kinder sofort zum Auto zurück. Kamele überall. Eigentlich könnte man sich ja freuen, aber das war einfach unerwartet und unvorbereitet. Im Auto angekommen, erzählt der Guide dann, dass Kamele mit einem Biss in den Halsbereich auch schon mal Menschen angreifen, gar töten können. Keine Ahnung, ob das stimmt, aber ich bin jetzt einfach nur froh, wieder im Auto zu sitzen. Das erschien mir alles doch etwas unkontrolliert. 

Dune Bashing

Auf dem Rückweg biegt der Guide plötzlich in die Wüste ab, also richtig rein, Sandfahren. Also doch Dune Bashing. Ich hasse es, wenn ich ehrlich bin. Die Männer die sich austoben müssen. Frau, Kinder in diesem Fall auf dem Rücksitz, ich in der Mitte hinten. Kein Spaß. Keine Möglichkeit mich festzuhalten. Dünen rauf und runter. Adrenalin. Die Kinder haben riesen großen Spaß, mein Mann auch und o.k., ich muss zugeben, dass der Guide wirklich sehr gut und sicher fahren kann. Ich fange an ihm zu vertrauen. Bei unserem Wasser-Stopp hoch oben und mitten in den Dünen bin ich dann auch restlos begeistert. Und auch ich kann dem Rest der Familie nur zustimmen, dass es das Highlight des Ausflugs war. Wir genießen den endlosen Sandblick und erholen uns immer mehr und die misslungenen Farm besuche von vorher sind mit dem Wind über die Dünen davongetragen worden.

Sundowner

Nach der Rückkehr, nach dem Pool, nach dem Quadfahren, werden wir mit einem privaten Sonnenuntergangsplätzchen für uns vier überrascht. Da nicht viele Besucher für zwei Nächte bleiben, haben wir ein bisschen extra Bonus… Wir hatten den ganzen Nachmittag die komplette Anlage für uns. Man verwöhnte uns mit einem köstlichen Mittagessen, dass extra aus dem am Meer gelegenen Ort in die Wüste gebracht wurde, an einem liebevoll gedeckten Tisch am Pool an einem schattigen Plätzchen. Und zum absoluten Höhepunkt hatte man für uns einen abseits gelegenen, romantischen Pavillon mit traumhaftem Blick auf Wüste und Sonnenuntergang reserviert. Hier bekamen wir Orangensaft, Wasser und unsere Vorspeisen gereicht, bevor wir uns anschließend, zurück auf unserem Lümmelteppich, dem allabendlichen Abschluss widmeten und erneut Essen und Shows genossen. 

Und geschlafen haben wir erstaunlich gut. Wir hatten die Bettenverteilung neu durchgemischt und die Kinder fanden es einfach toll, mal wieder bei Mama und Papa im Bett schlafen zu dürfen. Aber ein Tipp: Wir haben erfahren, dass die Anlage auch über genau zwei Familienzimmer mit einem Doppelbett und einem Stockbett für die Kinder verfügt – das wäre klar unsere Wahl beim nächsten Mal. Leider war für uns eine spontane Umbuchung vor Ort nicht möglich, andere waren vorab schlauer als wir. 

Dhayah Fort

Da wir ja wieder unsere Überbrückungszeit zwischen Check-out und Check-in überbrücken mussten, nach dem Frühstück Sightseeing. Das Dhayah Fort liegt etwas hinter dem Ort Ras al Khaimah auf einer Anhöhe. Unser Navi gibt uns die Erlebnisroute quer durch die Hintergassen mit Ziegen, Müll,  ungeteert. Immer in unserem Blick das Fort hoch oben auf dem Hügel, nicht im Blick, der Zugang dazu. Zäune links von dem schmalen einspurigen Schotterweg, rechts Häuserreihen, vor und hinter uns Ziegen. Irgendwann müssen wir wenden. Die Kinder finden es schon super spannend, ich auch. Einfaches Dorfleben mittendrin. Denn UAE ist nicht nur Prunk, Glanz und Glamour, es gibt auch das einfache, das andere Leben. Der erneute Versuch führt uns durch mehr unbekannte einspurige Gassen zu einer plötzlich vor uns liegenden Teerstraße. Die Zufahrt zum Fort. Wie gut, dass wir die mal nicht sofort gefunden haben, den spannenden Teil hätten wir sonst nämlich verpasst. Beim Fort kein Eintritt, keine Besucher, alles leer. Ein Traum für uns. Wir erklimmen die 240 Stufen bei 37 Grad und haben einen wunderschönen Rundumblick. Darunter viele wirklich grüne Flächen, Palmengärten – eine wahre Oase. Früher war das Fort Verteidigungsposten. Laut der Erklärungen auf der Tourismusseite von Ras al Khaimah entstand das existierende Fort im 19. Jahrhundert auf den Fundamenten viel älterer Gebäude. Es war und ist historisch bedeutend, denn im Jahre 1819 war es der letzte Ort des Wiederstandes gegen einen Angriff der Britten. Am 22.12.1819 wurde es dann getroffen und man gab auf. Im April 2001 wurde es wieder neu aufgebaut. 

Hilton Ras al Khaimah

Vom Beduinen Camp zur großen Hotelanlage. Das Hotel hat eine tolle Lage, schöner Strand, toller Pool. Um abends all inklusive Buffet Essen aus dem Weg zu gehen, buchen wir direkt beim Einchecken für all unsere Abende die verschiedenen a-la-carte Restaurants. Eine gute Entscheidung für uns. Wir können uns verwöhnen lassen, genießen und erholen. Buffet zum Frühstück und Mittag ist mehr als genug für uns. Und zwei geräumigen Kingsize Betten für uns vier. Hier können wir alle den fehlenden Schlaf nachholen. 

Suwaidi Pearls 

Wir haben bereits vorab eine Tour bei Suwaidi Pearls gebucht. Am Treffpunkt, mit ausreichend Parkmöglichkeiten, besteigen wir mit nur zwei weiteren Familien das wunderschöne Holzboot mit Teppichen ausgelegt. Der Kapitän fährt uns durch Mangroven und die Kinder wundern sich schon sehr, wann sie endlich die Muscheln mit den Perlen sehen können. Wir bekommen Tee, Kekse und Wasser auf dem Boot gereicht. Etwa eine halbe Stunde später fahren wir wieder Richtung Ausgangspunkt. Die Kinder erneut ganz aufgeregt, warum sie jetzt keine Perlenmuscheln gesehen haben und es schon wieder zurückgeht. Direkt im Hafengebiet ist die schwimmende Farm festgemacht und hier machen auch wir fest. Wir betreten das hölzerne Deck der Anlage und werden sehr nett empfangen. Anschaulich wird der komplette Zuchtvorgang erklärt, die Kinder staunen. Es ist wirklich toll gemacht. Wir erfahren super viel über die Geschichte des Perlentauchens, immer mit tollem Anschauungsmaterial oder Bildern, um das Interesse des Besuchers aufrechtzuhalten. Zum Schluss öffnet der Guide noch eine Muschel und natürlich ist eine Perle darin. Meinen Sohn überkommt eine Trauer, weil die Muschel dafür sterben muss. Aber Kekse und Tee lenken ihn ab und muntern ihn schnell wieder auf. 
Der Ausflug hat sich wirklich gelohnt. 

Jebel Jais

Am nächsten Tag wollen wir eine kleine Runde am Jebel Jais wandern, im Lower Segment, weil es dort Rundwege gibt, besser geben soll. Im Upper Segment gibt es diese leider nicht. Vergeblich suchen wir den Einstieg zu den Rundtouren. Kein Hinweisschild, kein entsprechender Parkplatz. Aber es gibt so viele tolle Aussichtspunkte mit denen wir gar nicht gerechnet hatten. An einer Aussichtsbucht beobachten wir lange die Menschen, die es wagen, die (zu diesem Zeitpunkt) weltlängste Zipline mit 2832 m Strecke zu fahren, zu fliegen… Es sieht gigantisch aus, aber ich wäre zu feige. Wir fahren weiter den Berg hinauf und werden mit einem unverhofften Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes überrascht. Toll mit Naturstein angelegter Verweilort, mit trendigen Foodtrucks, die Kaffee, Eis und Hotdogs verkaufen. Einem nagelneuen Spielplatz, Aussichtsplattformen für Rundumblick und der Einstieg zu den Upper Segment Wanderwegen. Mittlerweile steht die Sonne hoch am Himmel und für eine Wanderung ist es eigentlich schon zu heiß. Wir haben die Zeit am Jebel Jais genossen und werden auf der Talfahrt noch einen Versuch für die Rundwanderwege starten. Leider wird auch dieser zweite Versuch erfolglos bleiben. Zu schade, aber vielleicht ein anderes Mal. Die Kinder wollen sowieso viel lieber zurück ans Meer. 

Ras al Khaimah National Museum

Wenn wir schon hier sind, nehmen wir noch ein Museum mit. Auf dem Parkplatz nur zwei weitere Autos, super freundlicher Empfang mit einem kleinen Begrüßungstee. Toll ist, dass das Museum so verschachtelt ist, man in viele verschieden Räume und auf viele verschiedene Ebenen gar klettern kann über Leiter-ähnliche Treppen, fast ein Abenteuer-Museum für die Kinder. Tolle Geschichten aus der Region und unser Highlight, das wir fast verpasst hätten, weil die Türe geschlossen war, da der Raum klimatisiert ist: der historische Dattelpress-Raum. Auch dieser Besuch hat sich wirklich gelohnt. 

Caravan Resort Ajamn

Bevor unser Urlaub endet, wollten wir die Kinder noch mit einem Highlight überraschen. Nach 5-Sterne-Hotel – Caravan am Strand. Mehr Glamping als Camping. Wir starten mit einem Mittagessen im stylischen Restaurant mit Meerblick. Tolles Essen, toller Blick und tolle Location. Nach einem entspannten Kaffee und einem süßen Nachtisch ist auch unser Wohnwagen bezugsfertig. Ein mit einem Palmblätter-Zaun abgetrennter Bereich wird zu unserem privaten Strandabschnitt erklärt. Gigantisch. Darauf unser klimatisierter Wohnwagen ganz in Weiß gehalten, modern umgebaut mit großem Panoramafenster zum Strand hin. Er hat ein Doppelbett und ein witziges Stockbett für die Kinder, ein kleines WC innen und ein geräumiges WC mit Waschbecken außen in einem kleinen, separaten Bau. Davor eine Sitzgruppe mit Beschattung, gemauertem Grill, eine Außendusche und absolutes Highlight der Kinder: einer Schaukel mit Meerblick – nur für sie beide. Es ist herrlich entspannend. Wir schwimmen, spielen Karten und hören Musik von unseren Nachbarn. Laute Musik. Viel lieber würden wir das Meerrauschen genießen. Es scheint eine ganze Familienfeier nebenan im Gange zu sein. Sehr viel Trubel, zu viel Trubel. Na, das kann ja heiter werden. Heiter für die Nachbarn im wahrsten Sinne, heiter für uns im übertragenen Sinne. 

Das Abendessen (ohne alkoholische Getränke) nehmen wir auf der Außenterrasse des kleinen, feinen Restaurants ein. Und werden wieder einmal mit einem romantischen Sonnenuntergang verabschiedet. Die Kinder genießen blaue Kindercocktails mit Stiefmütterchen und wir die laue Sommernacht.

Lau ja, aber auch laut. Denn die Nachbaranlage hat heute Partystimmung, leider bis weit in den frühen Morgen. Da feiern die Nachbarn nicht mehr, aber dann feiert gleich die ganze Nachbaranlage. Und klar, so ein Glamping Wohnwagen hat viele tolle Extras, aber mit Schallschutz ist da nichts. Ich habe zum Glück Ohrenstöpsel im Gepäck, der Rest leider nicht. Zum Glück haben wir früh für 8 Uhr bereits unser Frühstück bestellt. Geliefert wird dieses freiWohnwagen. Mit Meerblick an unserem Tisch am Strand starten wir in einen neuen Tag mit allerlei Köstlichkeiten und frischem Kaffee. Und um 9 Uhr sitzen die Kinder im Schlafanzug im Auto und wir machen uns auf den Heimweg. Erholen im Garten und früh schlafen gehen. Letzte Etappe 45 Minuten Heimweg.

Es war für uns eine Rundreise der anderen Art, kürzer, aber kein bisschen langweiliger. Super spannende Sachen entdeckt, der neuen Heimat wieder ein großes Stück nähergekommen. 
Zwischendurch haben wir immer mal wieder gescherzt, dass wir hätten zum Blumen gießen täglich nach Hause fahren können, würden wir Blumen besitzen.

EntdeckerGlück pur. 

 

Eine Freundin fragte mich später ganz gespannt, wie denn die Reise war. Ich habe so geschwärmt, dass sie alles wissen wollte. Also habe ich alles erzählt, auch die Missgeschicke, die Überbrückungszeiten, das 80er Jahre Hotel, die Schlafsituationen, der misslungene Wanderversuch usw. 

Sie hat anschließend gelacht und gesagt: „Und da schwärmst du vorher so von der Reise!“

Ich liebe es, wenn nicht alles perfekt läuft, dass macht es doch spannend. Man entdeckt Dinge, die man vielleicht sonst nicht entdeckt hätte, erlebt Sachen, die man sonst vielleicht nicht erlebt hätte und das ist für mich EntdeckerGlück. Einfach annehmen und genießen, so wie es ist. Mit offenen Augen durch die Welt. 

Und zum Ras al Khaimah Festival of Fine Arts im Ghost Village al Jazirah al Hamra sind wir auf dem Rückweg auch noch einmal zurückgekehrt. Was uns wieder nicht mitgeteilt worden war, dass es vermutlich erst nachmittags öffnet. Denn es war erneut, auch am Wochenende, alles geschlossen. Aber ein neuer Wachmann war vor Ort und nicht ganz so streng, somit konnten wir uns kurz reinschleichen. Zu sehen gab es nicht viel. Ein paar Kunstobjekte, eine kleine Ausstellung in einem Raum… Wahrscheinlich hätten wir ein drittes Mal am Abend wieder kommen müssen, denn es gab überall Sitzgelegenheiten und Getränke- und Essenbuden. Vormittags aber geschlossen.

Wer mehr Fotos zu dieser Rundreise sehen möchte, findet die auf meinem Instagram Account @entdeckerglueck

„Und was machst du da so?“

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Wenn man auswandert, besonders wie in unserer Situation, der Mann hat eine neue Jobherausforderung im Ausland angenommen und die Familie kommt mit, kommt so oft die Frage an mich: „Und, was machst du da so? Kannst du dort auch arbeiten?“ 

Vorab mal ganz ehrlich und offensichtlich: Ein Umzug auf einen anderen Kontinent ist etwas komplett anderes als der Umzug in eine andere Stadt im gleichen Land. Aber das ist sicher jedem klar. Und klar, mit jedem weiteren interkontinentalem Umzug kommt mehr Erfahrung, Routine und Gelassenheit. Aber trotzdem stehen all die extrem viele Erledigungen an, ob vorab oder nach dem Umzug, egal nach wie vielen Umzügen.

In unserer Familien-Situation haben wir uns ganz bewusst gemeinsam darauf geeinigt, dass ich mich zu allererst einmal um das wirkliche Ankommen der Familie kümmere. Mein Mann, der oft direkt in seinen Job startet, kommt generell von ganz alleine recht schnell in seiner Jobroutine an und braucht mich dafür nicht. Aber mit Kindern ist das natürlich etwas anderes, die brauchen viel Geborgenheit und Vertrautheit am Anfang und das bekommen sie erst einmal hauptsächlich in der Familie, denn alles andere um sie herum ist neu und unbekannt. Aber auch Kinder haben diesen Entdeckerdrang, so wie ich, man muss sie nur an die Hand nehmen und ein bisschen führen und begleiten.

Aber neben der Gefühlswelt der Kinder muss natürlich auch das Alltägliche wieder in eine Routine gebracht werden. Angenommen die Kinder kommen in eine neue Schule oder einen neuen Kindergarten, muss der Schulweg gesichert werden. Fährt ein Bus? Gibt es eine Kantine in der Schule? Gibt es Regeln, was in die Pausenbrotbox darf oder nicht? Einkaufslisten für Schulsachen abarbeiten, in einem Land, in dem man erst einmal herausfinden muss, wo man am geschicktesten Schreibwaren oder ähnliches kauft. Darf oder muss mit Füller geschrieben werden oder was ist an der neuen Schule üblich und von den Lehrern gewünscht? Eventuell muss eine Schuluniformen gekauft werden. Und so weiter und so weiter. 

Damit aber nicht genug, wo können wir am besten Einkaufen? Wo gibt es eine Reinigung? Wo finden wir gute, nahgelegene Ärzte? Wo kaufe ich eventuell Elektrogeräte? Ein Telefon- und/oder Internetanschluss muss beantragt, Mobilfunkverträge müssen abgeschlossen werden, oft verbunden mit sehr viel Papierkram. 

Als wir nach USA gezogen sind, hatten wir alle Elektrogeräte in Deutschland verkauft oder verschenkt, somit musste ich vom Toaster, über Fön und Staubsauger usw. alles neu erstehen. Die Ankunft des Containers muss vorbereitet werden, ja nach Lage, eine Genehmigung des Wohngebietes eingeholte werden oder überhaupt erstmal eine Unterkunft, sprich ein Haus gefunden werden. Bei unseren vorherigen Umzügen hatten wir immer einen sogenannten Lock and See Trip. In Milwaukee, Wisconsin haben wir glücklicherweise bei dieser Reise bereits eine Wohnung finden und anmieten können. 
In Südafrika waren wir anfangs in einem Bed & Breakfast untergebracht. Ich habe mich dann daran gemacht, zusammen mit einer sehr netten, kompetenten Maklerin für uns ein Haus zu finden. Nachdem dieses gefunden war, geht dann eben die Organisation von Internet, Ankunft des Containers usw. los. 
Beim Umzug nach Dubai waren ganz neue Gegebenheiten, denn aufgrund von Covid19 hatten wir nicht die Möglichkeit, einen Look and See Trip zu machen und sind somit komplett ins ungewisse Unbekannte gezogen. Dank moderner Medien hatten wir hier das Glück über den ein oder anderen alten Kontakt über Facebook hilfreiche Infos einzuholen. Die Firma hat uns für die ersten drei Monate in ein möbliertes Appartement eingebucht, denn unser Container mit allem Hab und Gut war noch in Deutschland eingelagert. Wenn man in ein möbliertes Appartement zieht und mit vier Koffern anreist, sind die Küchenschränke leer. Keine Gewürze, keine Butter, kein Käse, kein Essig oder Öl, keine Nudeln, kein Obst, keine Getränke, keine Milch, kein Kakao, kein Tee, kein Kaffee. Das allererste am nächsten Tag also: Einkaufen – Grocery Shopping. Und ich kann nur sagen, dass bei einem Grundeinkauf eine Menge zusammenkommt. 
Was wir leider auch recht schnell festgestellt und vollkommen vergessen hatten war, für die Kinder ihre Getränkeflaschen und Brotdosen mitzunehmen. Also mussten wir für jeden zwei isolierte Flaschen neu erstehen, obwohl wir im Container eine ausreichende Menge der wahren Nobelversion an isolierten Getränkeflaschen hatten. Aber leider in Deutschland… (Seit Ankunft des Containers stehen nun vier qualitativ weniger hochwertige Flaschen sinnlos im Schrank herum.)

Nach der Schuleingewöhnungsphase mit Distance Learning in den ersten beiden Wochen, konnte ich mich anschließend langsam auf die Haussuche begeben, natürlich nur während die Kinder in der Schule waren. Viele Taxifahrten, viele Makler, viel Recherche und viele Häuser später, konnten wir unser Wunsch-Haus dann erst anmieten, nachdem endlich das Visum meines Mannes im Pass war. 
Nun musste die Ankunft des Containers vorbereitet werden, denn eventuell braucht man eine Genehmigung für die Anfahrt zum Haus und es muss geklärt werden, wo dieses riesen Ungetüm für den Dauer des Entleerens stehen kann. 


Irgendwann ist er dann plötzlich da, der GROSSE TAG, an dem der Container angeliefert wird. Ein Tag wie Weihnachten, Geburtstag und Ostern zusammen. Mann auf der Arbeit, Kinder im Schulalltag mit Hausaufgaben und ich mit den Packern und dem 40´High Cube Container zwei Tage im Auspack-Wahn. Die Packer verräumen in einem irrwitzigen Tempo nach meinen Anweisungen die Kisten in die vorab mit Namen beschrifteten Zimmer, packen alles aus und füllen nach keinem Konzept vorab aufgebaute Regale oder Schränke mit dem Inhalt der Kisten. 

Und wenn nach zwei Tagen, alle Möbel aufgebaut und an ihrem vorgesehenen Platz stehen, alle Kisten ausgepackt sind, aber der Inhalt nicht am vorgesehenen Platz steht, wenn unendliches Packmaterial aus Haus und Hof entsorgt wurde, heißt das noch lange nicht, dass man eingezogen ist. Denn über die nächsten Tage heißt es für mich jedes Regal, jeden Schrank wieder systematisch auszuräumen und die Dinge irgendwie an die für sie vorgesehenen Plätze zu schaffen. Das kann schon mal weitere ein, zwei Wochen dauern. Eventuell müssen noch Lampen oder Gardinen aufgehangen werden. Und auch immer ein Klassiker, Adapterstecker in großen Mengen einkaufen. 

Eine sehr nervige Aufgabe ist auch das Organisieren der Kleiderschränke. Ich denke, außer in Deutschland, gibt es in fast allen Ländern eingebaute Kleiderschränke in den Häusern und Wohnungen, zumindest war das bei uns in USA, Südafrika und auch jetzt in Dubai so. Was natürlich nicht bedeutet, dass diese Schränke auch immer größentechnisch auf unsere mitgebrachte Menge an Kleidungsstücken abgestimmt sind. Schrecklich, kann ich dazu nur sagen. 
Vor unserer Schlafzimmertür gibt es einen schmalen Wandschrank, in dem der Sicherungskasten versteckt ist. Ich habe momentan ein altes Bücherregal der Kinder in diesem Wandschrank versteckt, um ein wenig Raum für meine T-Shirts, Schuhe und Shorts zu schaffen. Das Kleiderschrank Volumen in diesem gemieteten Haus entspricht ganz klar nicht, unseren vorher immer hochgeschätzten und geliebten begehbaren Kleiderschränken. Aber gut, wer weiß, wie lange wir noch im Haus sind, denn momentan stecke ich mitten in einer erneuten Haussuche. Wir wollen kaufen. 

Nebenbei erwähnt kann ich die Besichtigungstermine weiterhin nur an den Tagen planen, an denen die Kinder nicht im Distance Learning sind, was glücklicherweise nur etwa einmal in 1-2 Wochen ist, aber wiederum leider immer erst am letzten Wochenendtag für die kommende Woche um die Mittagszeit verkündet wird. 

Ich mache die Steuererklärungen für Deutschland und Südafrika. Ich kümmere mich um die wöchentlichen Einkäufe, wieder ein Morgen pro Woche weg. Ich bin immer auf Abruf für die Kinder zu Hause, sollte mal die Schule auf Distance Learning umstellen müssen, so wie im Januar für fast einen Monat. Kümmere mich um Zahlungen fälliger Rechnungen und mache die Ablage. Bin immer noch dabei sicherzustellen, dass alle Adressänderungen korrekt ausgeführt wurden. Ich mache die Wäsche für vier Personen, sortiere all die Socken und Unterwäsche, überziehe Betten und sammle herumliegende Kleidungsstücke überall verstreut im Haus auf (machen das andere Mütter auch?). Ich bring die Kinder zum Schwimmunterricht, zur Tennisstunde oder zu sonstigen Aktivitäten. Mache die Elterngespräche der Schule und betreue die Hausaufgaben und das Lernen. Ich koche manchmal zweimal am Tag für alle, mache täglich alle Pausenbrote und Getränke für die Kinder, packe meinem Mann Obstboxen und mache täglich einen Salat für ihn. 

Eine sehr große Herzensaufgabe ist es natürlich auch, all unsere Familienurlaube zu planen. Wir lieben Roadtrips und da geht das Herz einer Reiseverkehrskauffrau natürlich richtig auf. Da kann ich mich richtig austoben.
Zudem ist schon wieder die Besuchersaison eröffnet, heißt ich koordiniere nebenbei noch die Planungen und Organisationen hierfür. 

Und eines sei erwähnt: Ich mache all das gerne. Jegliche Tätigkeit, die sich mit Hören von Podcast oder ebooks kombinieren lässt – versüße ich mir. 

Aber ganz wichtig für mich und mal nur an mich gedacht: In einem neuen Land brauche ich immer ein NEUES größeres Projekt. Dieses Mal und eben für die Zukunft mein Blog EntdeckerGlück. Und dafür schaffe ich es meistens, mir in all dem Chaos der Arbeiten einen Gedankenfreiraum zu schaffen, um mich im Idealfall eine Stunde an den Wochentagen diesem Herzenswunsch zu widmen. Das verschafft mir pure Freude und gibt mir geistiges Futter.

Und noch angemerkt, auch wenn es vielleicht bei Instagram anders aussehen mag, ich gönne mir maximal einmal in der Woche einen Kaffeemorgen mit einer Freundin, ich habe sonst einfach keine Zeit dazu. 

Aber ich kann euch garantieren, in den Ferien, wenn wir unterwegs sind, dann will ich entdecken! Und zu meinem großen Glück habe ich eine ganz tolle EntdeckerFamilie. 

 

„Und was machst Du da so? – Ich hätte noch unzählige Ideen in meinem Kopf, was ich noch alles machen könnte, aber mir fehlen da irgendwie die Stunden am Tag, die Tage in der Woche und die Wochen im Jahr.

Schnipp schnapp – Haare ab

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Aus aktuellem Anlass, etwas zum Thema ankommen, einleben und Haare schneiden. 

Eine für mich etwas nervenaufreibende Aufgabe in einer neuen Stadt, in einem neuen Land ist natürlich immer auch das Thema Friseur finden… Für einige unter uns heikler als für andere, für mich ganz klar immer eine Mission, denn ich weiß sehr genau, was ich will und ich habe einiges durch. 

Fangen mir mal mit Dubai. Heute bin ich fündig geworden. Auf Empfehlung einer Freundin, habe ich meine „Friseur-Buddy-in“ für die nächsten Jahre gefunden und das nach neun Monaten und zwei Fehlschlägen. Keine schlechte Quote. 

Ich habe eine Kurzhaarfrisur, die natürlich einen regelmäßigen Schnitt braucht und der soll sitzen, genauso wie ich es mir vorgestellt habe. Mein letzter Versuch liegt sage und schreibe fünf Monate zurück. Das ist der pure Horror für eine Kurzhaarfrisur und natürlich habe ich mit meiner Effilierschere in dieser Zeit bereits öfter selber Hand angelegt und somit leider immer wieder meinen erneuten Friseur-Finde-Versuch gezwungenermaßen weiter hinausgezögert. Denn mal ehrlich, wenn ich selber kreuz und quer ausdünne und kürze, was mich besonders nervt, macht das die Sache nicht besser. Und bedeutet zudem, dass zwar kurzfristig Abhilfe geschaffen habe, aber ich anschließend gewisse Stellen erst wieder nachzüchten muss, bevor ich mich wieder in professionelle Hände begeben mag, ohne mich zu sehr zu blamieren. 

Angefangen hat es in der Zeit, in unserem möblierten Appartement in Jumeirah Lakes Towers. Hier war meine Idee, einfach um die Towers zu schlendern und an irgendeiner Ecke einen entsprechenden ansprechenden Friseur zu finden. Man findet an JEDER Ecke hier in Dubai unzählige Gents Salons oder Barber Shops, die wachsen, wie Pilze überall aus dem Boden. Fast eine Plage im Auge der Frau, die einfach nur einen Friseursalon für Damen sucht. Denn einen Friseur, einen Hair Salon, für die Ladies weit gefehlt, da sucht man laaaange. In den riesen Mall gibt es diese natürlich, aber ich wollte das kleine Lädchen um die Ecke unterstützen. Und in der verstecktesten hintersten Ecke habe ich den Salon mit dem blumigen Namen, so etwas wie Rose, Tulip oder Gerbera gefunden. Dieser sollte es sein. Ich bekam sofort für den nächsten Tag einen Termin, das hätte mich schon stutzig machen sollen. 
Der erste Besuch war dann aber überraschend positiver als gedacht. Einzigartig und von mir nie vorher irgendwo gesehen oder erlebt war der Bereich zum Haarewaschen. So bequem, habe ich das noch nie erlebt. Kein Kopfverrenken mit steifem Nacken. Ich lag absolut entspannt auf dem Rücken auf einer angenehm weichen Unterlage. Ein rechteckiger Block winkelte ab meinem Po meine Beine an. Es war göttlich und mein Highlight. Die nette Dame aus Kathmandu verstand anhand meiner vorbereiteten Fotos, was ich wollte und tatsächlich der Schnitt und auch der Preis passte. 

Zwei Monate später, machte ich erneut einen Termin im selben blumigen Salon und ich brauchte zusätzlich zu einem Haarschnitt blonde Strähnchen. Ganz leicht, wie von der Sonne ausgebleicht, auch hier hatte ich das passende Foto parat. 
Stutzig wurde ich, als sie mir erklärte, sie färbe nun erst meine Haare dunkler und anschließend kämen die Strähnchen. Ich lehnte vehement hab. Also sofort Strähnchen in meine Straßenköter blonden, langweiligen Haare. Ich bekomme sonst immer Kammsträhnen, aber die Kathmanduaerin hat andere Pläne und möchte mit Folie starten. Ich lehne erneut ab und bestehe auf Kammsträhnchen. Vielleicht war das dann schon der Fehler. Vollkommen unbeholfen fängt sie an, die komplette Längsbreite des Kammes durch mein Haar zu ziehen. Ich erstarre. Ich will ja keinen blonden Mob auf dem Kopf haben, sondern Strähnchen. Ich werde ungehalten und bitte um den Kamm. Ich zeige ihr, wie ich mir das vorstelle. Dabei merke ich nicht, wie mir ein dickes Stück Bleiche auf meine Hose fällt, denn den Umhang hat sie mir unverständlicherweise nach dem Haarewaschen abgenommen. Sie versucht es noch einmal. Ich muss es ihr noch ein zweites Mal zeigen, bevor es einigermaßen klappt. Ewig ist die Bleiche auf meinem Kopf. Aber anstatt meiner Haare, wird hier erheblich meine Stimmung gebleicht, die Welt um mich herum wird triste grau, ich bin frustriert. Es entwickelt sich ein großer gebleichter Fleck auf meiner Hose. 

Irgendwann entscheidet sie, es ist blond genug. Mir ist mittlerweile alles egal. Sie wäscht die Bleiche aus, nur um direkt im Anschluss mich mit einer Effilierschere in ein gerupftes Huhn in Straßenköterblond zu verwandeln (denn von den Strähnchen ist rein gar nichts sichtbar). Ich bin kein gelernter Friseur, aber dass man zuerst einmal einen Schnitt mit der normalen Schere reinbringen muss, bevor man anschließend ausdünnt oder die Spitzen noch ausfranst, dass ist selbst mir klar, ohne Ausbildung. 

Ich verlasse den verwelken Salon mit blumigem Namen und weiß, dass ich ihn nie wieder betreten werde. Es hat sich eigentlich so viel Wut in mir angestaut, dass ich mich direkt per Wutablass in unser Appartement im 22. Stock katapultieren könnte, aber wer hatte dann mein Fieber messen sollen (Covid Maßnahme beim Betreten des Hotels)? 
Das war im November, kurz vor unserem Umzug in unser Haus. Und erst heute am 17. Mai 2021, was ein ehrwürdiger Tag, habe ich meine Friseurin für Dubai gefunden.

Zum diesem Thema möchte ich noch eine Geschichte aus USA ergänzen. Mein erster Friseurbesuch dort. Wir wohnten in einem hippen Viertel in Milwaukee, dem Third Ward. Super trendy, tolle Läden, Cafés, Bars und Restaurants. Und auch ein toller stylischer Friseursalon. Heidi, mein Glücksgriff hier. Im Nachhinein sage ich Glücksgriff, der erste Besuch eher belustigend…

Ich trug zu dieser Zeit Brille, 10 Dioptrien, kurzsichtig, was bedeutet, Brille ab – blind. Wir waren noch relativ neu in USA, meinem ersten englischsprachigen Wohngebiet. Alles saugt man auf, was man an englischen Wörtern irgendwo entdecken kann, denn es gibt noch so viel zu lernen. Im Appartement habe ich mir schon vorab ein paar Vokabeln, wie Pony, fransig usw rausgesucht. 

Auf dem Weg zu Fuß zu Heidi laufe ich an einer Reihe Parkplätze vorbei. Auf einem Schild steht: Angle Parking only. Die Parkplätze sind alle schräg zur Straße angeordnet. Cool, denke ich, ein neues Wort. Ich komme zu Heidi, wir verstehen uns super, besprechen mit Händen und Füßen meine Frisur-Wünsche. Mein Wunsch ein schräg geschnittenes, sehr stark ausgefranstes Pony. Irgendwie läuft da schon was schief. Sie wirft Vokabeln um sich, die ich noch nie gehört habe, dann plötzlich schnappe ich Angel Cut Frindge auf. Leider assoziiere ich diese „Vokabel“ nun mit dem vorher gelernten Angle Parking only und denke, ja super, die Autos mussten schräg parken, also wird Heidi mein Pony schräg schneiden, so wie ich es will. Dann ziehe ich die Brille ab. Blindflug. 

Heidi ist froh mit der Schere auf meinem Kopfe zu Gange und auch das Gespräch ist in vollem, frohem Gange. Als ob ich schon immer hier in Milwaukee bei Heidi beim Friseur hocke und es das normalste ist von der Welt. Herrlich. 
Stolz verkündet sie, ich solle die Brille wieder aufziehen, sie sei fertig. Nachdem ich meinen Blindflug beendet habe, überkommt mich ein kurzes Schockgefühl, dann die Dankbarkeit, dass ich nicht morgen in einem Reisebüro irgendwelchen Kunden gegenübersitzen muss, sondern mich einfach ein paar Tage im Appartement verkriechen kann. Mein wie mit dem Lineal gezogen gerades Pony etwa 1,5 cm über meinen Augenbrauen ist eine tolle Frisur für einen Clowns, oder sonst wen, wirklich witzig, aber nicht für mich. Nach dem ersten Schock, muss ich nur noch lachen. Heidi ist es mega peinlich. Ich komme noch einmal auf mein Angle Parking only zurück, wir gehen zusammen zu dem Schild und klar, dieses Wort wird vollkommen anders ausgesprochen als Angel Cut Frindge. 

Wieder was gelernt. Und ich kann nur sagen, auch das ist EntdeckerGlück. 

Herrlich, diese kleinen Erlebnisse, die einem beim Friseur in Deutschland nie passieren würden.

Besuch(en)

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Wann hast Du das letzte Mal mit deiner Familie, also mit Mama und Papa, zwei Wochen unter einem Dach gewohnt? Oder hast Du je schon einmal mit deinen Freunden zwei Wochen in einem Haushalt verbracht? Nicht im Urlaub, sondern unter dem Aspekt, dass die eine Partei Urlaub hat und die andere Partei im normalen Alltagswahnsinn steckt… Es ist eine Herausforderung, aber auch eine tolle Erfahrung. Am allerwichtigsten ist es, vorab bereits die unterschiedlichen Ausgangslagen zu verdeutlichen. 

Fangen wir mal mit dem Aufenthalt bei Mama und Papa an. 

Ein Beispiel dazu: 
Im Sommer 2020 stand unser Umzug nach Dubai an. Das Haus war verkauft, unser Hab und Gut in einem Container untergebracht. Übrig sind wir vier mit Hund und mit vier Koffern, vier Mal Handgepäck und einem Mietwagen und drei Wochen frei bis zum Abflug. Eine anstrengende Zeit des „Abbruchs“ liegt hinter uns, wir befinden uns nun im Aufbruch. Wegen Corona keine Möglichkeiten noch irgendwo Urlaub zu machen. Außerdem tief in unserem Bewusstsein, dass wir ebenfalls wegen Corona, unsere Familie leider nicht so schnell wiedersehen können, wenn wir erstmal weg sind. Somit ist sehr schnell klar, wir verbringen die Zeit noch bei und mit der Familie. Das Haus meiner Eltern ist zum Glück geräumig genug und hat einen großen Garten. Meine Oma wohnt auch noch mit im Haus, alle unter einem Dach. Und nun auch noch wir darunter, unterm Dach, für die nächsten drei Wochen. Wir befinden uns in der glücklichen Lage, dass mein Mann und ich ein geräumiges Zimmer im Dachgeschoss haben und die Kinder ebenso ihr eigenes gemeinsames Zimmer beziehen können. Jeder lebt in den Tag hinein. Jeder schläft solange er will, eventuell trifft man sich beim Frühstück, es sei denn natürlich, es ist vorab ein gemeinsames Frühstück vereinbart worden. Mittag- und Abendessen wird jeweils relativ spontan abgesprochen und organisiert. Wir sind da mittlerweile ein eingespieltes Team. Jeder kommt gut mit der Situation klar und Dank Garten, Sommer und dem großen hessischen Wald direkt vor der Tür, gibt es immer Zeit und Raum auch einmal auszubrechen. 
Mal erledigen wir die Einkäufe, mal die Eltern, denn auch darüber muss nachgedacht werden, denn plötzlich wohnen vier Personen mehr im Haus und müssen verpflegt werden. Ich kann die Waschmaschine und den Trockner nutzen, aber genauso wird nachgefragt, ob noch jemand Wäsche hat, wenn eine Maschine ansteht. Es ist ein tolles, intensives Familien-Erlebnis und sicher ist jeder nach drei Wochen froh, auch wieder durchatmen zu können und seine eigene Ruhe und seinen eigenen Platz zu haben. 

Dann gibt es natürlich noch die umgekehrte Situation. Wir sind die Raumgeber oder Gastgeber.

Gerade erst hatten wir unseren ersten Besuch in Dubai. Eine langjährige Freundin von mir, für uns alle gefühlt, ein Familienmitglied. Ein guter Testlauf für das, was die nächsten Jahre noch kommen wird. 

Denn hier haben wir auch eine neue Situation für uns. Nicht nur, dass wir in ein neues Land gezogen sind, welches natürlich nach neun Monaten nicht mehr neu ist. Besuchstechnisch neu ist, dass unsere Kinder jetzt eine weiterführende Schule besuchen. Das bedeutet längere Schulzeiten, mit vielen verschiedenen Unterrichtsfächern, somit auch mehr Klassenarbeiten usw. 

Und natürlich kommt Besuch meist nicht während unserer Ferien angereist, denn ganz bewusst, sind unsere Ferien natürlich auch unsere Zeit für Familienurlaub und Familienzeit. Also wird es viel häufiger vorkommen, dass Besucher in unsere Alltagszeit reisen, nicht nur in den Urlaub. Denn wenn man sich entscheidet, eine Familie im Alltag zu besuchen, ist das eine ganz besondere Grundvoraussetzung, die es zu verstehen gilt. Wir stehen morgens um 5:45 Uhr auf und die Routine kommt in Gange. Alles ist durchstrukturiert, damit das System Familie funktioniert. Und diese Routine kann nicht einfach ausgeschaltet werden, egal ob da eine, zwei, drei, vier oder gar mehr Leute anreisen. Ich kann versuchen, mich morgens leiser im Haus zu bewegen, nicht dreimal nach den Kindern zu rufen, damit sie die Zeit nicht vergessen, denn der Bus wartet nicht. Ich kann und werde nicht jeden Morgen ein Frühstück auftischen, denn das passt zeitlich nicht in meinen Tagesablauf. Ich frühstücke nämlich unter der Woche morgens nicht. Ich trinke meinen Kaffee neben meinen Arbeiten. Ich nehme mir irgendwann, wenn der Hunger kommt, meine 10 Minuten Zeit für mein Brot. Ich kann und werde gerne mal einen Morgen unter der Woche gemeinsam frühstücken, aber eben nicht täglich. Ich kann nicht meinen Alltag ruhen lassen, weil Besuch kommt. Ich kann nicht ständig meine Morgenroutine aus Sport, Haushalt, Arbeit und Erledigungen vernachlässigen, weil ich sonst unzufrieden werde und gestresst bin. Ich muss zu einer bestimmten Zeit das Essen der Kinder vorbereiten, denn die haben Hunger, wenn sie nach Hause kommen. Anschließend muss zu Zeiten von Hausaufgaben Ruhe im Haus sein, damit sich die Kinder konzentrieren können. Die Kinder haben Musikunterricht, Schwimm- oder Tennisstunden am Nachmittag, zu denen sie angemeldet sind, die bezahlt sind und zu denen wir auch gehen werden. Damit muss der Besucher leben. Meist läuft das absolut unkompliziert ab. Nach wenigen Tagen hat sich alles gefügt und eingespielt. 
Aber dann kommt der Abend. Auch hier, die Kinder gehen um acht Uhr ins Bett und wir Eltern, die ihren Schlaf brauchen und lieben, auch wir werden zwischen 21 und 21:30 Uhr verschwinden und schlafen, denn früh am nächsten Morgen klingelt unser Wecker wieder. 

Wenn man all das vorab ehrlich kommuniziert, ist die Ausgangslage für alle viel entspannter. 

Was die Lage in Dubai nun natürlich noch viel mehr für uns entspannt, ist die Tatsache, dass die Besucher all die Ausflüge und Sehenswürdigkeiten sicher auf eigene Faust unternehmen können. Jeder kann ganz gelassen und vor allem sicher alle Ziele mit dem Taxi bezahlbar erreichen. Denn natürlich stresst den ein oder anderen vielleicht die 8-spurige Autobahn, so dass nicht alle einen Mietwagen nehmen möchten. Ich sehe dazu auch keine Notwendigkeit. 

Das war in Johannesburg, Südafrika anders. Hier hatte man viel mehr noch ein Verantwortungsgefühl für seine Besucher. Und ich hätte niemanden guten Gewissens überall alleine hinfahren lassen und Taxifahren ist nicht wirklich üblich. Zumindest damals nicht, als wir dort waren. Somit habe ich immer ein abwechslungsreiches Programm für alle Besucher ausgearbeitet und die Reiseführerin inklusive Fahrerin gespielt. Und das mit größtem Vergnügen, denn es war eine tolle Rolle für mich und großartige Erfahrung. Und man muss sagen, wir hatten unendlich viele Besucher und ich habe unendlich viel von der Stadt Johannesburg gesehen. Jedes erdenkliche Museum und jeden Winkel der Stadt kenne ich. Was dort aber auch noch positiv hinzukam, es war alles günstig und bezahlbar. Eintrittsgelder waren gering, Frühstücken oder Mittagessen erschwinglich und somit kein Problem für mich, wenn ich die verschiedensten Höhepunkte vielleicht auch mehrere Male besucht habe. 
Zudem kam in dieser Zeit hinzu, dass unsere Kinder noch in den Kindergarten gingen, sehr entspannte Spieltage hatten, keinen Schulstress und noch viel wichtiger keine Hausaufgaben. Wir konnten auch ohne Probleme, die Kinder einmal einen Freitag oder einen Montag abmelden und für ein verlängertes Wochenende mit dem Besuch gemeinsam in den Busch fahren. Was bedeutet, dass man auf eine Safari Lodge fährt und es sich gutgehen lässt. Und auch das war und ist in Südafrika erschwinglich. Und natürlich hatten wir mit unserer langjährigen Erfahrung dort auch schon ein Händchen dafür, nach Schnäppchen oder etwas Besonderem Ausschau zu halten. Da steckt dann doch immer noch und für immer tiefverankert, die Reiseverkehrskauffrau in mir. Und zudem war ja auch so ein Busch-Wochenende für uns als Familie immer wieder aufs Neue ein wunderschönes Erlebnis und die absolute Erholung. 

Diese Situation ist natürlich in Dubai auch eine andere. Ich kann und werde nicht mit jedem Besucher auf den Burj Khalifa fahren können, den Tag in einem Wasserpark verbringen, Schlittschuhlaufen oder ins Aquarium gehen. Aber wie bereits erwähnt, ist es hier auch überhaupt kein Problem, wenn man all diese Highlights auf eigene Faust macht. Und eine Übernachtung im Hotel oder in der Wüste? Ja, wir haben das erlebt und werden es sicher auch in unserem Urlaub noch einmal machen, aber auch hier, sind die Preise nicht ohne und wir können und werden das nicht mit jedem Besucher machen können. Für uns ist natürlich auch unser Garten mit Pool der absolute Luxus und ein Traum. Hier finden wir Erholung, wenn wir abends alle noch eine Runde nach Arbeit und Schule plantschen. Oder ein Wochenende im Garten „unseres Ferienhauses“, grillen, chillen, lesen, plantschen – herrlich. Da will man gar nicht wegfahren. Das ist das, was andere für ihren Sommerurlaub in Kroatien, Italien oder Spanien buchen. Und es sind dann diese Wochenenden, an denen man gemeinsam intensive Zeit verbringen kann. Und sicher wird man das ein oder andere Mal auch unter der Woche abends gemeinsam zu einem entspannten Abendessen ausgehen, nur dann eben zeitlich immer auf die Bettzeiten der Kinder angepasst. Und da darf es dann auch mal eine halbe Stunde später werden, aber das sind dann eben Ausnahmen und keine Regeln. 

Für die Kinder ist solche eine Zeit eine bewusst schöne Zeit, denn diese Besuche zeigen ihnen, dass egal wo auf der Welt man ist, Freunde und Familie einen nie vergessen und man immer in Kontakt bleiben kann. Für uns hat das natürlich schon ein ganz anderes Bewusstsein erreicht und das Verständnis davon ist voll und ganz da, aber Kinder müssen dies erst lernen, verstehen und eben am allerbesten erleben. Somit sind Besuche bei uns, als auch Besuche von uns bei Freunden und Familie etwas sehr Wichtiges. 

Und nun kommt unser erster Sommer in Dubai und die Zeit naht, in der wir der Hitze entfliehen und uns nach Deutschland aufmachen werden. Dann heißt es wieder mit Mama, Papa und Oma Zeit unter einem Dach verbringen. Intensive Familienzeit. Herrlich schön. 

Und was es für mich noch heißt, die Heimat der Kindheit wieder und weiter entdecken. Denn es ist unglaublich erstaunlich, was man in der alten Heimat alles neu entdecken und erkunden kann, wenn man als Besucher dorthin zurückkehrt, in den Urlaub. 

Pures EntdeckerGlück. Ich freu mich drauf.

Zum Foto: Manchmal sind all die Gästezimmer nicht ausreichend… Wenn die Eltern mit Oma, zusammen mit Schwester und Mann und Neffe kommen, haben wir in Südafrika einmal kurzerhand einen Wohnwagen für zwei Wochen angemietet und vor der Garage plaziert. Man erlebt die tollsten Dinge mit Besuch.